CO2-Emissionen einlagern
Studie: Carbon Capture and Storage in Industrieprozessen
Technologien zum Abtrennen und Speichern von CO2 (CCS) waren vor einigen Jahren für Kohlekraftwerke im Gespräch – stießen aber auf massiven Widerstand in der Bevölkerung und wurde daher aufgegeben. In Industrieprozessen wie der Kalk- oder Zementproduktion ist CO2 allerdings ist Teil des chemischen Prozesses. Eine Befragung des Wuppertal Instituts zeigt, dass CCS in diesem Bereich auf vergleichsweise hohe Akzeptanz stößt.

Eine Mehrheit der Menschen, die CCS (Carbon Capture and Storage) kennen, steht dem Einsatz in der Industrie positiv gegenüber. Das ist das Ergebnis einer Befragung des Wuppertal Instituts unter verschiedenen Gruppen der Bevölkerung in Nordrhein-Westfalen.
„Wir erleben hier einen überraschenden Meinungswandel gerade bei den Menschen, die sich schon mit dem Thema beschäftigt haben“, sagt Katja Witte, Studienleiterin und kommissarische Leiterin der Abteilung Zukünftige Energie- und Industriesysteme am Wuppertal Institut. „Der Einsatz von CCS in der Industrie wird auch von Expertinnen und Experten etwa aus Umweltverbänden anders bewertet als CCS für Gas- und Kohlekraftwerke.“
Das Abtrennen von Kohlendioxid aus den Abgasen von Industrieprozessen und die anschließende Einlagerung des konzentrierten CO2 etwa in alten Gas- oder Öllagerstätten nennen Experten ‘industrial carbon capture and storage’ (ICCS).
In zwei Akzeptanzstudien hat das Wuppertal Institut Experten und Expertinnen aus Gewerkschaften, Umwelt- und Industrieverbänden und Unternehmen sowie Menschen in NRW befragt.
Die Menschen, die iCCS bereits kennen, bewerten demnach die Technik mit 59 Prozent positiv. Zwölf Prozent positionieren sich ablehnend. Die Bewertung ist laut Studienergebnis umso positiver, je stärker der Klimawandel auch als persönliche Bedrohung wahrgenommen wird.
Öffentlichkeit oft uniformiert
Die Studien zeigen aber auch, dass 63 Prozent die Bevölkerung noch wenig über die Technik weiß. Und auch diejenigen, die sich schon mit dem Thema beschäftigt haben, sehen laut Studie zum Teil ’hohe Risiken’, etwa beim Transport von CO2 per Lkw und Schiff.
Insbesondere Umweltverbände scheinen laut Studie weiter die Sorge zu haben, dass CCS doch wieder für die CO2-Abscheidung bei fossilen Kraftwerken quasi ’durch die Hintertür‘ eingeführt wird. Ihnen ist es daher wichtig, dass die Technik eindeutig nur für die Industrie eingesetzt wird.
„Es ist notwendig, die Bürgerinnen und Bürger über den Einsatz von CCS in der Industrie zu informieren und sie proaktiv einzubinden“, ergänzt Katja Witte. Zumal die Befragungen zeigen, dass das Vertrauen gerade in Industrie und Politik am schwächsten ausgeprägt ist.
Das Wuppertal Institut empfiehlt daher:
bei konkreten CCS-Projekten der Industrie die Sorgen vor Ort ernst genommen und adressiert werden,
die Einstellungen gegenüber iCCS weiter laufend abgefragt werden und
die Einsatzbereiche von iCCS klar begrenzt werden, um Vertrauen in die Technik zu schaffen.






































