320.000 Ladungsträger digital im Blick

Loopario 1 Intralogistik IT und Software dhf 07 2026
Rund 320.000 Ladungsträger sind bei Niedermaier im Umlauf, darunter Standardladungsträger wie Paletten und Kisten, aber auch kundenspezifische Ladehilfsmittel. – Bild: Niedermaier Spedition GmbH

Als eines der führenden Transport- und Logistikunternehmen mit 100 Fahrzeugen und 250 Mitarbeitern hat die Spedition Niedermaier rund 320.000 Ladungsträger im Umlauf – darunter 40 unterschiedliche Ladungsträgertypen wie Europaletten, E1- und E2-Kisten sowie kundenspezifische Lademittel.

Mitarbeiter am Limit

Das Team, das sich bei Niedermaier um die Verwaltung der zahlreichen Ladungsträger kümmert, besteht aus fünf Mitarbeitern. Eine von ihnen ist Nicole Arlt: Sie ist Sachbearbeiterin in der Lademittelabteilung und hat die Einführung der neuen Software mitbegleitet. Bisher nutzte der Logistikdienstleister ein hauseigenes System, das das Team jedoch vor große Herausforderungen stellte. „In unserem bisherigen Workflow haben wir die Bestände mit unseren 250 Partnern manuell abgestimmt. Das hat uns zunehmend an unsere Grenzen gebracht“, sagt Arlt. Denn diese Abstimmungsprozesse kosten Zeit, insbesondere beim Versand der Lademittelkonten. Dafür erzeugte das System pro Tauschkonto ein PDF, das manuell per Mail an den jeweiligen Tauschpartner zur Prüfung und Bestätigung verschickt wurde. Eine Vollzeitkraft, eine Teilzeitkraft sowie ein Auszubildender waren ausschließlich mit den Buchungsvorgängen und der Tauschkontoführung beschäftigt.

Das Team von Niedermaier war daher schon länger auf der Suche nach einer neuen Software und hat sich verschiedene Systeme für die Ladungsträgerverwaltung angeschaut. „Nichts davon war nutzbar“, so Arlt. „Wir hätten die Prozesse von Grund auf in sehr komplizierten Systemumgebungen aufbauen müssen – dafür hatten wir im operativen Alltag einfach keine Zeit.“ Auf die Logistikbude wurde Niedermaier zufällig aufmerksam: „In einem gemeinsamen Austauschtermin mit der Nagel-Group stellte sich heraus, dass auch dort bereits über eine Implementierung nachgedacht wurde. Das war perfektes Timing und ein erster Hinweis darauf, dass Niedermaier und Logistikbude ein perfektes Match sind“, erläutert Arlt.

In der App-Version der Software werden Leergutannahme und der Zustand der Ladungsträger erfasst.
In der App-Version der Software werden Leergutannahme und der Zustand der Ladungsträger erfasst.Bild: Niedermaier Spedition GmbH

Konten automatisch abgleichen

Die Logistikbude aus Dortmund hat mit ihrem selbstentwickelten Load Carrier Management System (LCMS) eine neue Softwarekategorie für das digitale Ladungsträgermanagement eingeführt. Als LCMS automatisiert es die Verwaltung von Paletten, Gestellen und Behältern vollständig und schafft somit manuelle, fehleranfällige Prozesse ab. Dafür vernetzt die Plattform bestehende Systeme, beispielsweise Warehouse- und Transportmanagement (WMS und TMS), und ergänzt fehlende Informationen über IoT-Sensoren oder KI-gestützte Funktionen.

Durch die Software der Logistikbude hat sich die gesamte Kontoführung im Ladungsträgermanagement bei Niedermaier verändert. Zyklen und Versandzeitpunkte werden einmalig definiert, danach verschickt das System automatisch einen Weblink an die Partner. Mit einem Klick können sie ihre Bestände sowie Schulden und Guthaben im Browser einsehen, prüfen und anpassen, inklusive entsprechender Belege. Damit entfällt der frühere E-Mail-Verkehr vollständig. „Insgesamt sparen wir über alle unsere Mitarbeiter hinweg drei Arbeitsstunden pro Tag ein“, resümiert Arlt. Auch die Einrichtung und Pflege der Konten ist deutlich effizienter geworden: Stammdaten wurden per CSV aus dem Altsystem importiert, neue Konten entstehen automatisch über eine Schnittstelle zum bestehenden TMS von Niedermaier. Die zu verwaltenden Ladungsträger werden dabei direkt aus den Auftragsdaten übernommen und automatisch verbucht.

Standardprozesse als Basis

Entscheidend war für Niedermaier vor allem die Praxisnähe der Software. „Unser LCMS bildet von Anfang an die bekannten Standardprozesse aus dem Ladungsträgermanagement ab und ist dadurch direkt nutzbar“, sagt Dr. Philipp Hüning, Mitgründer und CEO der Logistikbude. Spezifische Anforderungen ergänzt das Team anschließend gemeinsam mit dem Kunden. Nach einer umfassenden Testphase geht die Lösung in den Betrieb. „So lässt sich die Software schnell implementieren, ohne individuelle Bedarfe aus dem Arbeitsalltag aus dem Blick zu verlieren“, so Hüning.

Bei der Einführung unterstützte die Logistikbude zudem mit wöchentlichen Austauschterminen, um Probleme zu verhindern, bevor sie operativ entstehen konnten. Arlt sagt: „Das Go-live war komplett reibungslos und hat uns total überrascht. Es war die entspannteste Systemumstellung, die es je bei uns gegeben hat.“

Mit dem LCMS können aktuelle Bestände im Browser eingesehen und geprüft werden.
Mit dem LCMS können aktuelle Bestände im Browser eingesehen und geprüft werden.Bild: Niedermaier Spedition GmbH

Neues Denken setzt ein

Darüber hinaus hat die Software ein neues Mindset im Team von Niedermaier geschaffen: Prozesse werden nun hinterfragt und überarbeitet. Während das Team von Logistikbude die Software weiterentwickelt, erzielt auch Niedermaier bessere Ergebnisse im Arbeitsalltag. Daher tauschen sich die beiden Unternehmen auch nach der Implementierung zu neuen Ideen aus. „Wir möchten noch mehr Effizienz und Zeitersparnis schaffen. Deshalb schauen wir gemeinsam, welche Prozesse wir noch automatisieren können“, so Arlt.

Branchentypisch werden z.B. häufig noch klassische Belegzettel von Partnern genutzt, um Bestände händisch zu notieren. Um auch diese Papierbelege automatisch verbuchen zu können, nutzt Niedermaier nun den KI-Agenten der Logistikbude, der sowohl Dokumente wie PDFs als auch handgeschriebene Daten mithilfe Künstlicher Intelligenz auslesen und verarbeiten kann. Perspektivisch sollen unter anderem auch die Inventurprozesse noch stärker automatisiert werden.



  • Fortschritt bei künstlicher Intelligenz

    Fortschritt bei künstlicher Intelligenz

    Laut aktuellem KI-Monitor von BVDW und IW Köln kommt das Thema Künstliche Intelligenz in Deutschland voran. Die Wirtschaft ist dabei der größte Treiber — alle Betrachtungsindikatoren haben sich in diesem…

    mehr lesen: Fortschritt bei künstlicher Intelligenz

  • Digital Twins helfen bei Neuorganisation

    Digital Twins helfen bei Neuorganisation

    Industrieunternehmen organisieren sich neu, so eine Sopra Steria-Studie. Und das betrifft nicht nur interne, sondern auch externe Abläufe. Dabei spielt auch der Einsatz des digitalen Zwillings eine Rolle.

    mehr lesen: Digital Twins helfen bei Neuorganisation

  • Dibac wird Teil der GUS Group

    Dibac wird Teil der GUS Group

    Mit Dibac hat die GUS Group zum 1. August einen auf Farben- und Lacke-Industrie spezialisierten ERP-Anbieter übernommen.

    mehr lesen: Dibac wird Teil der GUS Group

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Industrie 4.0-Kompetenzen in der Weiterbildung

    Industrie 4.0-Kompetenzen in der Weiterbildung

    Sozialpartner aus der Metall- und Elektroindustrie setzen neue Standards für die Weiterbildung der Mitarbeiter. Diese betreffen insgesamt sieben Handlungsfelder.

    mehr lesen: Industrie 4.0-Kompetenzen in der Weiterbildung

  • Mercedes ernennt Chief Software Officer

    Mercedes ernennt Chief Software Officer

    Mit MB.OS soll bei Mercedes ein eigenes Fahrzeug-Betriebssystem entstehen. Dessen Entwicklung verantwortet zukünftig Magnus Östberg, der die neu geschaffene Position des Chief Software Officers übernimmt.

    mehr lesen: Mercedes ernennt Chief Software Officer

  • IAB-Arbeitsmarktbarometer auf Rekordhoch

    IAB-Arbeitsmarktbarometer auf Rekordhoch

    Mit 107,6 Punkten hat das IAB-Arbeitsmarktbarometer im August einen neuen Rekordstand verzeichnet. Die Zeichen auf dem Arbeitsmarkt stehen damit weiter auf Erholung.

    mehr lesen: IAB-Arbeitsmarktbarometer auf Rekordhoch

  • Produktentwicklung mit Extended Reality

    Produktentwicklung mit Extended Reality

    Statt sofort teure Prototypen von Autos, Geräten oder Maschinenkomponenten zu bauen, können Unternehmen durch virtuelle Modelle bereits in sehr frühen Entwicklungsphasen feststellen, ob ein neues Produkt in Anmutung und Bedienung…

    mehr lesen: Produktentwicklung mit Extended Reality

  • Geschäftsklimaindex sinkt erneut

    Geschäftsklimaindex sinkt erneut

    Nach 100,7 Punkten im Juli, fällt der Ifo-Geschäftsklimaindex im August auf unter 100 Punkte. Zwar bewerten die Unternehmen ihre aktuelle Lage besser, sind allerdings pessimistischer in ihren Erwartungen.

    mehr lesen: Geschäftsklimaindex sinkt erneut

  • Fünf Trends für die OT-Security

    Fünf Trends für die OT-Security

    Von Kryptografie über Drohnen bis hin zum digitalen Zwillingen – Kudelski Security gibt einen Überblick über Trends in der Operational Technology (OT).

    mehr lesen: Fünf Trends für die OT-Security

  • Visualisierungssoftware unterstützt das Modbus/TCP-Protokoll

    Visualisierungssoftware unterstützt das Modbus/TCP-Protokoll

    Für einen schnellen und umfassenden Überblick über eine Anlage stellt Pilz die webbasierte Visualisierungssoftware PASvisu bereit. In der neuen Version unterstützt diese jetzt auch das Modbus/TCP-Protokoll. Dieses ermöglicht eine schnelle…

    mehr lesen: Visualisierungssoftware unterstützt das Modbus/TCP-Protokoll

  • Mehr offene Stellen im verarbeitenden Gewerbe

    Mehr offene Stellen im verarbeitenden Gewerbe

    Mit insgesamt 1,16Mio. lag die Zahl der offenen Stellen rund 3 Prozent höher als im Vorjahresquartal. Dies geht aus der aktuellen Stellenerhebung des IAB hervor.

    mehr lesen: Mehr offene Stellen im verarbeitenden Gewerbe