Wie Venti Oelde den Shopfloor selbst digitalisiert

Digitales Shopfloor Management bei Venti Oelde
Digitales Shopfloor Management bei Venti OeldeBild: Arctory GmbH

Mittelständische Maschinen- und Anlagenbauer in Deutschland stehen bei der Digitalisierung ihres Shopfloors oft vor ähnlichen Herausforderungen. Das galt bis vor wenigen Monaten auch für die Ventilatorenfabrik Oelde. Deren interne IT war stark ausgelastet und auf strategische Großprojekte wie die Einführung eines neuen ERP-Systems fokussiert. Anforderungen aus dem Shopfloor blieben dadurch häufig liegen. Externe Entwickler verursachten hohe Kosten, und jede Anpassung führte zu zusätzlichem Aufwand. Gleichzeitig deckten Standardlösungen betriebliche Prozesse meist nur teilweise ab, was die Akzeptanz bei den Mitarbeitenden senkte. Parallel dazu wuchs der Bedarf weiter. Über die Zeit entstand ein Backlog von mehr als zehn geplanten digitalen Anwendungen. Mit Arctory, einem KI-Startup aus München, entschied sich das Unternehmen für einen neuen Ansatz. Mit der Software des Unternehmens werden Anwendungen nicht klassisch programmiert, sondern in natürlicher Sprache beschrieben. Die KI wandelt diese Prozessbeschreibungen direkt in funktionierende Software um. Innerhalb von drei Monaten setzte die Ventilatorenfabrik so bereits zwei Anwendungen eigenständig für den Shopfloor um.

Shopfloor-Board wird Digital

Das Shopfloor-Board war ursprünglich papierbasiert, unflexibel und nicht vernetzt. Anpassungen waren aufwendig, Informationen blieben isoliert und Verantwortlichkeiten oft unklar. Die Folge: geringe Transparenz und eingeschränkte Kommunikation zwischen den Abteilungen. Heute sind die Boards vernetzt, flexibel anpassbar und zentral verfügbar. Venti kann Zuständigkeiten nachvollziehen, Informationen stehen transparent zur Verfügung und Änderungen sind jederzeit möglich. Das unterstützt die Kommunikation, eine bessere Übersicht und ermöglicht schnellere Reaktionszeiten im Tagesgeschäft.

Digitales InstandhaltungsManagement

Vor der Einführung der Arctory-Software wurden Maschinenausfälle meist mündlich oder per E-Mail gemeldet. Informationen gingen dabei verloren oder erreichten die zuständigen Personen verspätet. Wartungen waren unübersichtlich organisiert, Dokumentationen dezentral abgelegt und nur mit Aufwand auffindbar. Heute werden Störungen in Echtzeit gemeldet und direkt an die richtigen Ansprechpartner weitergeleitet. Wartungen und Maßnahmen werden zentral erfasst und lückenlos dokumentiert. Das reduziert Ausfallzeiten, verbessert die Transparenz und verringert gleichzeitig den Aufwand bei Audits.

Arctory Plattform: Vom Prompt zur digitalen App
Arctory Plattform: Vom Prompt zur digitalen AppBild: Arctory GmbH

Vision der digitalen Fabrik

Bei Venti sollen zukünftig mehr als zehn vernetze digitale Apps mithilfe von Arctory auf dem Shopfloor umgesetzt werden. Während das ERP-System die Standardprozesse und Stammdaten abbildet, sollen die Arctory-Anwendungen dort unterstützen, wo sie auf dem Shopfloor Mehrwert schaffen. „Die Zukunft der Digitalisierung in der Produktion ist das ERP-System zusammen mit Arctory“, fasst Lukas Stoppa, Technischer Leiter Ventilatorenfabrik Oelde, zusammen.

Low-Code, No-Code und KI

Digitale Anwendungen in der Produktion werden traditionell entweder individuell programmiert oder mithilfe von No-Code- und Low-Code-Baukastensystemen erstellt. Beide Ansätze stoßen im Shopfloor schnell an Grenzen. Denn Individuelle Entwicklung binden Zeit, Budget und IT-Ressourcen, während Baukastensysteme festen Strukturen folgen und sich nur begrenzt an reale, dynamische Produktionsbedingungen anpassen lassen.

Generative künstliche Intelligenz kann hier unterstützen, indem Anwendungen nicht mehr klassisch programmiert oder aus Modulen zusammengesetzt, sondern in natürlicher Sprache beschrieben werden. Die KI übersetzt Prozessanforderungen direkt in funktionierende Software. Mit Arctory erstellen Mitarbeiter so eigenständig und ohne technischen Hintergrund digitale Tools, etwa für PDCA-Maßnahmen (Plan, Do, Check, Act), Wartungstickets oder die Anzeige von Fertigungsaufträgen. Die KI erzeugt Datenmodelle, Ansichten und Logiken automatisch, stellt bei Bedarf Rückfragen und zeigt Änderungen in einer Live-Vorschau an.

KI sorgt für Integrierbarkeit

Digitale Anwendungen in der Produktion stehen selten für sich allein. Sie müssen sich in bestehende Systeme wie ERP, Maschinenanbindungen oder weitere Datenquellen integrieren. Auch hier unterstützt die KI: Sie generiert die zugrunde liegende Business-Logik sowie passende Datenbankstrukturen. Schnittstellen wie HTTP-Anbindungen, CSV-Importe oder MQTT-Verbindungen werden von der KI erstellt. Der Anwender ergänzt lediglich die notwendigen Authentifizierungsinformationen. Alle Anwendungen laufen innerhalb einer gemeinsamen Architektur mit zentralem User Management und rollenbasierter Zugriffskontrolle (RBAC). Berechtigungen, Sichtbarkeiten und Freigaben sind klar definiert. Sensible Produktionsdaten bleiben geschützt und die Datensicherheit entspricht industriellen Anforderungen. So entsteht eine durchgängige Plattform für die Digitalisierung der Produktion. Die KI übernimmt die technische Umsetzung, während Mitarbeitende die Anwendung testen, Anpassungen in natürlicher Sprache beschreiben und Schritt für Schritt weiter iterieren.

Nutzen für die Produktion

Durch den Einsatz generativer KI können Unternehmen Verbesserungen direkt im operativen Umfeld realisieren. Ideen aus dem Shopfloor werden nicht mehr gesammelt und vertagt, sondern unmittelbar digital abgebildet, getestet und weiterentwickelt. Dies verkürzt die Distanz zwischen Problem und Lösung. Fachbereiche gewinnen Handlungsspielraum, während IT-Governance, Sicherheit und Integrationsfähigkeit gewahrt bleiben.



  • Trends für die Fabrik der Zukunft

    Trends für die Fabrik der Zukunft

    Wohin entwickeln sich die Fabriken in den nächsten Jahren? Philipp Wallner von MathWorks wagt die Prognose, das fünf Faktoren darunter sein werden, die individuelles Fertigen und Ressourceneffizienz in Einklang bringen.

    mehr lesen: Trends für die Fabrik der Zukunft

  • Schaeffler-Finanzchef Dietmar Heinrich wechselt zu Dürr

    Schaeffler-Finanzchef Dietmar Heinrich wechselt zu Dürr

    Dietmar Heinrich wird neuer Finanzvorstand der Dürr AG. Zudem ernannte der Aufsichtsrat Dr. Jochen Weyrauch zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden.

    mehr lesen: Schaeffler-Finanzchef Dietmar Heinrich wechselt zu Dürr

  • EU-Exporte bleiben stabil

    EU-Exporte bleiben stabil

    Die Maschinenbauer aus Deutschland müssen sich in einem zunehmend schwierigeren wirtschaftlichen Umfeld behaupten. Das Jahr 2019 war geprägt von einer schwachen Weltkonjunktur, immer härteren Drohungen und Sanktionen in den globalen…

    mehr lesen: EU-Exporte bleiben stabil

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • PWC analysiert Potenzial für Augmented und Virtual Reality

    PWC analysiert Potenzial für Augmented und Virtual Reality

    1,5 Billionen US-Dollar PWC analysiert Potenzial für Augmented und Virtual Reality Eine Analyse der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC geht davon aus, dass das wirtschaftliche Potenzial für Virtual und Augmented Reality im Jahr…

    mehr lesen: PWC analysiert Potenzial für Augmented und Virtual Reality

  • Verschlüsselter, kostenloser Datenversand

    Verschlüsselter, kostenloser Datenversand

    Mit dem neuen Tool Schicks.Digital von Uniki können Datenmengen bis 3GB verschlüsselt und per Link über E-Mail, Whatsapp, Telegram oder beliebige andere Messenger versendet werden.

    mehr lesen: Verschlüsselter, kostenloser Datenversand

  • Ethisches Hacking in der DACH-Region

    Ethisches Hacking in der DACH-Region

    Die Bug-Bounty-Plattform YesWeHack plant Investitionen in der DACH-Region. Nach dem Einstand auf der Nürnberger Security-Messe It-sa baut das Unternehmen zurzeit ein deutschsprachiges Team auf, um Kunden vor Ort noch besser…

    mehr lesen: Ethisches Hacking in der DACH-Region

  • Cybersecurity von Anlagen und Maschinen

    Cybersecurity von Anlagen und Maschinen

    IT-Forensiker Thomas Käfer und Manfred Schulte, CE-Experte im Bereich Maschinenrichtlinie, informieren am 30. Januar 2020 im Seminar ‚Cybersecurity für Anlagen und Maschinen‘ über Gefahren durch Cyberangriffe auf Anlagen und beraten…

    mehr lesen: Cybersecurity von Anlagen und Maschinen

  • Umsatz im Ausland stabil, Auftragseingänge rückläufig

    Umsatz im Ausland stabil, Auftragseingänge rückläufig

    Nach einem zweistelligen Wachstum im September verzeichnete der Auftragseingang in der Elektroindustrie im Oktober einen Rückgang.

    mehr lesen: Umsatz im Ausland stabil, Auftragseingänge rückläufig

  • Roboter in mehr als jeder zweiten Firma

    Roboter in mehr als jeder zweiten Firma

    70 Prozent der Firmen mit 250 bis 500 Beschäftigen setzen bereits Roboter ein. Mehr Produktivität und geringere Kosten sind die Hauptgründe dafür, wie die Umfrage von Reichelt Elektronik ergab.

    mehr lesen: Roboter in mehr als jeder zweiten Firma

  • Datacenter-Trends für 2020

    Datacenter-Trends für 2020

    Steigende Datenmengen, europäische Cloud-Infrastrukturen, neue Hardware und der Energieverbrauch von Rechenzentren – dies sind aus Sicht des Herborner Unternehmens Rittal zentrale Datacenter-Trends des Jahres 2020.

    mehr lesen: Datacenter-Trends für 2020

  • Außenhandel legt zu

    Außenhandel legt zu

    Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, wuchsen die Exporte der deutschen Wirtschaft im Oktober um 1,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Importe nahmen hingegen ab.

    mehr lesen: Außenhandel legt zu