Wie schnell dürfen KI-Agenten Entscheidungen treffen?

Der Einsatz von weitgehend autonom handelnden KI-Agenten ist zu einem großen Teil auch eine Vertrauensfrage.
Der Einsatz von weitgehend autonom handelnden KI-Agenten ist zu einem großen Teil auch eine Vertrauensfrage. – Bild: ©Mohamed Hassan/pixabay.com

KI-basierte Assistenten und Copiloten fassen Schichtübergaben und Wartungsprotokolle zusammen, erläutern Fehlercodes in Klartext oder finden Informationen in technischen Dokumentationen. Doch es steht mit der agentischen KI bereits die nächste Entwicklungsstufe der Automatisierung bereit. Im Gegensatz zu reinen Assistenten verfolgen KI-Agenten nicht nur einzelne Arbeitsschritte, sondern ein vorgegebenes Ziel und entscheiden dabei, wie sie es erreichen. Der Unterschied liegt nicht in der Rechenleistung, sondern in der Perspektive: Während Copiloten in einem definierten Prozesses arbeiten, wird beim KI-Agenten der Prozess selbst zur Variablen. Unternehmen müssen deshalb nicht mehr jeden einzelnen Arbeitsschritt festlegen, sondern zulässige Ergebnisse definieren. Daher stoßen Prozessdokumentationen und Freigabeworkflows an Grenzen, wenn Agenten eingesetzt werden.

Einsatz in der Praxis

Wie das aussehen kann, zeigt sich an der Auftragsbearbeitung: Geht etwa eine Kundenbestellung ein, analysiert ein KI-Agent sie automatisch, extrahiert die relevanten Informationen und prüft sie auf Vollständigkeit. Fehlen Angaben oder gibt es Unstimmigkeiten, nimmt er per E-Mail Kontakt zum Kunden auf oder klärt die Rückfrage per Chat mit den zuständigen Kollegen und Kolleginnen im Haus. Ist die Prüfung abgeschlossen, legt er den Auftrag im Unternehmenssystem an und erkennt, ob Material beschafft werden muss. Für diesen Fall kann er einen auf Einkauf spezialisierten Agenten anstoßen. Dieser identifiziert die benötigten Komponenten, holt Angebote bei Lieferanten ein und erinnert automatisch, wenn Rückmeldungen ausbleiben. Anschließend vergleicht er die eingegangenen Angebote systematisch und legt dem zuständigen Mitarbeitenden eine Empfehlung vor.

Menschen bleiben wichtig

Eine Prämisse für die Einführung agentischer KI lautet, dass Autonomie kein Zustand ist, der von Tag eins an gewährt wird. Sie ist das Ergebnis von Vertrauensaufbau. Auch einem neuen Kollegen gibt niemand am ersten Tag die Schlüssel zum Safe. Er wird eingearbeitet, bekommt Rückmeldung zu seiner Arbeit und erst nach und nach Entscheidungsbefugnisse zugeteilt. Bei digitalen Mitarbeitenden läuft dieser Prozess ähnlich, jedoch komprimierter ab. Erfahrungswerte sprechen für zwei bis drei Monate, bis ein Agent für den produktiven Einsatz reif ist. In dieser Phase greift ein Feedback-Loop, der erwünschtes Verhalten verstärkt und unerwünschtes anmerkt. Im Kern also Reinforcement Learn-ing. Unverzichtbar sind und bleiben dabei definierte Guardrails. Dabei kann eine Risikobewertung einzelner Prozesse hilfreich sein, welche Vorgänge grundsätzlich von Menschen bestätigen sollen.

Einen festen Rahmen setzen

In vielen Unternehmen fehlt die bereits angesprochene Einarbeitungszeit für KI-Agenten. Ein entsprechender Governance-Rahmen sollte deshalb ähnliche Fragen beantworten, wie sie für das menschliche Personal bereits geklärt sind: Wer wählt einen Agenten für eine Aufgabe aus und nach welchen Kriterien? Wer verantwortet die Einarbeitungsphase und wie wird der Fortschritt bewertet? Ab welchem Schwellenwert – etwa Betrag oder Reichweite der Entscheidung – ist eine menschliche Freigabe zwingend? Und: An wen eskaliert der Agent, wenn eine Situation außerhalb seines gelernten Rahmens liegt? Der pragmatischste Einstieg ist dabei ein definierter Anwendungsfall, an dem Guardrails, Feedback-Schleifen und Eskalationswege getestet werden, vor einem Einsatz im produktiven Betrieb. Wer diesen Aufbau einmal durchlaufen hat, kann ihn deutlich schneller auf den nächsten Anwendungsfall übertragen.



  • Spatenstich für Neubau des Fraunhofer IPA

    Spatenstich für Neubau des Fraunhofer IPA

    In dieser Woche erfolgte der Spatenstich für den Neubau des Fraunhofer Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung. Das Investitionsvolumen beträgt rund 37Mio.€.

    mehr lesen: Spatenstich für Neubau des Fraunhofer IPA

  • Peter Schneck wird Cenit-CEO

    Peter Schneck wird Cenit-CEO

    Peter Schneck wird Mitglied des Vorstands bei der Cenit AG und übernimmt zum 1. Januar 2022 die Position des CEO. Er folgt auf Kurt Bengel der das Unternehmen plangemäß zum…

    mehr lesen: Peter Schneck wird Cenit-CEO

  • Rekordjahr für Investitionen in Quantentechnologien

    Rekordjahr für Investitionen in Quantentechnologien

    Der McKinsey ‘Quantum Technology Monitor’ zeigt eine Zunahme der globalen Markt – und Technologieentwicklungen von Quantentechnologien. Dabei sind die angekündigten Investitionen im laufenden Jahr dreimal so hoch wie in 2020.

    mehr lesen: Rekordjahr für Investitionen in Quantentechnologien

  • Stimmung in der Industrie belastet Geschäftsklima

    Stimmung in der Industrie belastet Geschäftsklima

    Nach einem Rückgang im August ist der Ifo-Geschäftsklimaindex auch im September gesunken. Belastet werden die Zahlen dabei durch die schlechtere Stimmung in der Industrie.

    mehr lesen: Stimmung in der Industrie belastet Geschäftsklima

  • Yaskawa baut neue Europa-Zentrale

    Yaskawa baut neue Europa-Zentrale

    Yaskawa hat den Grundstein für eine neue Europa-Zentrale in Hattersheim gelegt. Das Unternehmen investiert rund 23Mio.€ in den neuen Standort.

    mehr lesen: Yaskawa baut neue Europa-Zentrale

  • VDMA Robotik + Automation wählt neuen Vorstand

    VDMA Robotik + Automation wählt neuen Vorstand

    Der VDMA Robotik + Automation hat im Rahmen seiner Mitgliederversammlung einen neuen Vorstand gewählt. Als neuer Vorsitzender folgt Hahn Automation-CEO Frank Konrad auf Wilfried Eberhardt.

    mehr lesen: VDMA Robotik + Automation wählt neuen Vorstand

  • Siemens und Zscaler kooperieren

    Siemens und Zscaler kooperieren

    Siemens und Zscaler arbeiten zusammen, um Kunden den sicheren Zugriff vom Arbeitsplatz im Büro oder mobil auf Operational-Technology(OT)-Systeme und -Anwendungen im Produktionsnetzwerk zu ermöglichen.

    mehr lesen: Siemens und Zscaler kooperieren

  • Bechtle erwirbt Open Networks

    Bechtle erwirbt Open Networks

    Der österreichische Ableger von Bechtle hat Open Networks erworben. Die neuen Spezialisten bringen insbesondere Erfahrung in den Bereichen Application Services, Datacenter, Security und Netzwerk mit. Die Firma betreut rund 250…

    mehr lesen: Bechtle erwirbt Open Networks

  • Wie Firmen Innovationspotenzial freisetzen

    Wie Firmen Innovationspotenzial freisetzen

    Viele Konzepte etwa für Modern Workplaces und Digitalisierung hinterfragen Unternehmenskonzepte, die auf traditionelle Strukturen und Hierarchien setzen. Robert Lindner, Senior Regional Director & Country Manager Germany bei Red Hat, hat…

    mehr lesen: Wie Firmen Innovationspotenzial freisetzen

  • Blue Yonder gehört jetzt Panasonic

    Blue Yonder gehört jetzt Panasonic

    Panasonic hat sämtliche Unternehmensanteile des IT-Plattformanbieters Blue Yonder erworben. Der Kauf ist Teil der Konzern-Strategie, einzelne Geschäftsfelder zu stärken. Blue Yonder bewertet die Investition mit 8,5 Milliarden US-Dollar.

    mehr lesen: Blue Yonder gehört jetzt Panasonic

  • Maschinenbauern gehen Komponenten aus

    Maschinenbauern gehen Komponenten aus

    Die Auftragsbücher im Maschinen- und Anlagenbau füllen sich, aber immer mehr Firmen verzeichnen Engpässe in ihren Lieferketten. Auch der Fachkräftemangel wird vermehrt zum Problem. Zu diesen Erkenntnissen kommt der VDMA…

    mehr lesen: Maschinenbauern gehen Komponenten aus

  • 25 Prozent der Firmen planen höhere Investitionen

    25 Prozent der Firmen planen höhere Investitionen

    Erwartungen an die Post-Covid-Zeit 25 Prozent der Firmen planen höhere Investitionen 70 Prozent der Fertigungsunternehmen rechnen mit einem Wachstum ihrer Branche, gaben die Teilnehmer in einer Umfrage von CBAF an.…

    mehr lesen: 25 Prozent der Firmen planen höhere Investitionen