Was bringt Edge-KI für die Produktion?

Edge computing modern IT technology on virtual screen concept.
Bild: ©WrightStudio/stock.adobe.com

Die Einsatzmöglichkeiten von künstlicher Intelligenz sind vielfältig. So wird sie etwa in der Gesundheitsbranche, in der Logistik, im Einzelhandel oder auch zur Content-Moderation auf Streaming-Plattformen eingesetzt. In der Produktion hilft die Technologie, Produktionsabläufe zu überwachen, Prozesse und Produkte zu optimieren oder vorhandenen Lagerplatz effizienter zu nutzen.

Mit Edge Computing rückt KI näher an die Anwenderinnen und Anwender und kann schneller betrieben werden. Neue spezialisierte GPUs ermöglichen etwa schnellere Berechnungen: Ursprünglich für die Berechnung von aufwändiger Grafik z.B. bei Videospielen entwickelt, können sie viele Berechnungen parallel anstellen und bieten einen besonders hohen Datendurchsatz – Eigenschaften, die auch in der KI-Anwendung von Bedeutung sind. Bessere Speicherlösungen wie NVMe-Speicherkarten ermöglichen eine schnellere Datenverarbeitung. So wird KI am Netzwerkrand verfügbar und liefert nahezu in Echtzeit Ergebnisse. Rücken die Ressourcen näher an die Produktion, sinkt die Zeit bis zur Fertigstellung – so auch in der IT. Die Zeitersparnisse bei Datenverarbeitung und Berechnung tragen zudem dazu bei, KI-Ergebnisse als Dienstleistung anzubieten. Kunden müssen dann lediglich die Daten bereitstellen.

KI in der Produktion: Wo kann sie helfen?

In Produktionsunternehmen kann KI vielen Arbeitsschritte unterstützen. Die Anwendungsmöglichkeiten reichen von digitaler Modellierung über Qualitätssicherung bis zu Prozessoptimierung. Digitale Zwillinge sind beispielsweise Produktmodelle, die in realitätsnahen Simulationen bereits vor dem Bau des ersten Prototyps getestet werden. Bilderkennungs-Programme können Produkte in Echtzeit scannen und bei Fehlern die Produktion stoppen. Entsprechend trainiert, erkennt eine KI auch Engstellen in der Produktionskette oder mögliche Qualitätsmängel an den Produkten selbst. Als generative KI schlägt sie unter Umständen sogar auch direkt eine Lösung vor. Richtig vernetzt kann sie auch die Produktionsgeschwindigkeit automatisch an aktuelle Ereignisse anpassen.

inference at the edge business benefits 1
Mit Edge Computing rückt die Berechnung näher an die Produktion- Bild: Gcore

Auf das Training kommt es an

Damit KI ihre Aufgabe effizient bewältigen kann, muss sie trainiert werden. Dafür gibt es keine Einheitslösung: Jeder Datensatz muss für seinen spezifischen Zweck geeignet sein. Eine ausreichend große Datenmenge spielt dabei eine Rolle, es gilt jedoch die Regel: ‚Garbage in, garbage out‘ – Die Qualität der Daten muss stimmen. Für eine Bilderkennungs-KI zur Qualitätssicherung bedeutet das etwa, dass nur Aufnahmen eines einwandfreien Produktes als Trainingsgrundlage nicht ausreichen. Die KI sollte ebenfalls auf die einzelnen Arten der Produktionsfehler trainiert werden. Der Datensatz muss außerdem möglichst divers sein, damit die KI nicht nur eine einzige Variante eines Fehlers erkennt. Daten möglicher Risse z.B. sollten also in möglichst vielen Verläufen und Größen vorliegen, um der KI eine gute Grundlage zu bieten.

Ohne hochwertige Datengrundlage liefert die KI also keine verlässlichen Ergebnisse. Erschwerend kommt in der industriellen Produktion hinzu, dass sich die Daten oft nur geringfügig unterscheiden. In menschlichen Gesichtern können Algorithmen beispielsweise leichter Unterschiede erkennen, als in ein und demselben Bauteil. Daher gilt es, ein besonderes Augenmerk auf die Auswahl der Daten zu legen. Sind die Daten nicht präzise genug an die Aufgabe angepasst, werden auch die Ergebnisse des Algorithmus schwammig: So könnten Risse als Kabel oder Lichtreflexion gedeutet werden und so durch die Qualitätssicherung rutschen. Außerdem muss die Trainingsbasis ausgewogen sein. Ansonsten erkennt die KI manche Fehler häufiger als andere oder schlägt falsch-positiv aus. Unzureichende Trainingsdaten können auch nachgebessert werden, doch auch hier müssen IT-Teams darauf achten, dass neue Daten den Algorithmus nicht in Schieflage bringen.

inference at the edge business benefits fi
Bild: Gcore

Was muss die Hardware leisten?

Edge-KI benötigt entsprechende Hardware. Rechen-Ressourcen müssen in der Edge die großen Datenmengen erfordern eine große Bandbreite.

Unternehmen sollten sich also die eigene Netzwerkleistung kennen, bevor sie ein KI-System implementieren. Je nach Anforderungen bieten sich ihnen verschieden Möglichkeiten: Hauseigene Systeme sind auf die anfallenden Aufgaben abgestimmt und liefern schnell Ergebnisse – aber oft teuer in der Entwicklung, Einrichtung und Wartung. Eine Möglichkeit, die unter anderem weniger unternehmenseigenes Knowhow erfordert, sind Managed-Service-Lösungen. Dabei kümmert sich ein externer Provider um die Weiterentwicklung und Anpassung des Systems und stellt gegebenenfalls Netzwerk- und Rechenressourcen zur Verfügung. In Zukunft werden KI-Ergebnisse immer häufiger als Dienstleistung angeboten. Bei „Inference at the Edge“ wendet die KI ihr Wissen auf bisher ungesehene Daten an – betrieben in der Edge und damit fast in Echtzeit, und ohne, dass Unternehmen eigene Infrastruktur oder Software betreiben müssen. Die KI kann nach spezifischen Anforderungen konfiguriert und auf die Unternehmensdaten angewendet werden.

Mit KI in die Zukunft

Einige große Unternehmen setzen Edge-KI bereits ein. So überwacht beispielsweise Procter & Gamble seine chemischen Mischtanks mithilfe eines solchen Systems. In ähnlicher Weise setzt BMW eine Kombination aus Edge Computing und KI ein, um einen Echtzeit-Überblick über seine Montagelinien zu erhalten und so die Effizienz und Sicherheit seiner Fertigungsprozesse zu sichern. Anwendungen für Edge-KI können Anlagenwartung und Qualitätskontrolle verbessern oder in der Entwicklung eingesetzt werden. Die Technologie vermag Daten vor Ort oder in der Nähe ihrer Entstehung zu verarbeiten, und macht sie so in Echtzeit verfügbar.



  • Tower Factory wird Teil von Fuji Europe

    Tower Factory wird Teil von Fuji Europe

    Die Fuji Europe Corparation hat Tower-Factory, einen Anbieter von Lagerlogistiksystemen, übernommen. Kunden von Fuji Europe sollen dadurch Lösungen erhalten, die den gesamten Materialfluss abdecken.

    mehr lesen: Tower Factory wird Teil von Fuji Europe

  • Bereits mehr als 1.200 Teilnehmer für TeDo Webinare

    Bereits mehr als 1.200 Teilnehmer für TeDo Webinare

    Für die Webinare des TeDo Verlags, die im Rahmen des Herbstes der Innovationen durchgeführt werden, haben sich bereits weit über 1.200 Teilnehmer angemeldet. Das SPS-Magazin, die IT&Production, die Robotik und…

    mehr lesen: Bereits mehr als 1.200 Teilnehmer für TeDo Webinare

  • Neuer VDMA-Präsident gewählt

    Neuer VDMA-Präsident gewählt

    Der VDMA hat mit Karl Haeusgen einen neuen Präsidenten. Im Rahmen der Mitgliederversammlung wurde der Vorstandsvorsitzende von Hawe Hydraulik als Nachfolger von Carl Martin Welcker bestimmt. Auch der Verband VDMA…

    mehr lesen: Neuer VDMA-Präsident gewählt

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Instandhaltung zwischen Kostendruck und digitalem Wandel

    Instandhaltung zwischen Kostendruck und digitalem Wandel

    Maindays 2020 Instandhaltung zwischen Kostendruck und digitalem Wandel Unter dem Motto ‘Instandhaltung zwischen Kostendruck und digitalem Wandel‘ findet die 21. Jahrestagung MainDays vom 24. bis zum 25. November in Potsdam…

    mehr lesen: Instandhaltung zwischen Kostendruck und digitalem Wandel

  • Kurzarbeit geht weiter zurück

    Kurzarbeit geht weiter zurück

    Im September ist die Zahl der Beschäftigten, die in Kurzarbeit sind, weiter zurückgegangen. Das Ifo-Institut schätzt die Zahl der Kurzarbeiter aktuell auf 3,7 Millionen Menschen.

    mehr lesen: Kurzarbeit geht weiter zurück

  • Edge-Cloud vernetzt 20 Fraunhofer-Institute

    Edge-Cloud vernetzt 20 Fraunhofer-Institute

    Das Fraunhofer IPT und die Firma German Edge Cloud arbeiten gerade an der Fraunhofer Edge Cloud, die bald 20 Fraunhofer-Institute vernetzen soll. Die offene Foschungsplattform und Testumgebung hilft später im…

    mehr lesen: Edge-Cloud vernetzt 20 Fraunhofer-Institute

  • CtrlX-Ökosystem für Third-Party-Software geöffnet

    CtrlX-Ökosystem für Third-Party-Software geöffnet

    Bosch erweitert das noch junge Automatisierungssystem CtrlX um Komponenten und Services. Vor allem aber lädt die Unternehmensgruppe Third-Party-Anbieter dazu ein, sich mit eigenen Anwendungen auf der Plattform zu engagieren.

    mehr lesen: CtrlX-Ökosystem für Third-Party-Software geöffnet

  • Oliver Gürtler leitet Mittelstandsgeschäft bei Microsoft Deutschland

    Oliver Gürtler leitet Mittelstandsgeschäft bei Microsoft Deutschland

    Oliver Gürtler übernimmt ab November die Leitung des Mittelstandsgeschäfts bei Microsoft Deutschland und wird damit zugleich zum Mitglied der Geschäftsleitung berufen.

    mehr lesen: Oliver Gürtler leitet Mittelstandsgeschäft bei Microsoft Deutschland

  • Mit Indigo Maschinendaten in Echtzeit synchronisieren

    Mit Indigo Maschinendaten in Echtzeit synchronisieren

    Mit ihrer Plattform Indigo will sich das Münchener Startup Emocean auf dem Markt für Analytics-Projekte positionieren. Das Besondere: Die Lösung soll Maschinendaten in Echtzeit synchronisieren und so etwa den unmittelbaren…

    mehr lesen: Mit Indigo Maschinendaten in Echtzeit synchronisieren

  • Zaghafte Entspannung trotz Orderminus

    Zaghafte Entspannung trotz Orderminus

    Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum haben die Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus ein reales Orderminus von 14 Prozent verzeichnet. Das ist seit Beginn der Corona-Krise der geringste Rückgang auf Monatsbasis.

    mehr lesen: Zaghafte Entspannung trotz Orderminus

  • Trotz Umsatzrückgang wird digitalisiert

    Trotz Umsatzrückgang wird digitalisiert

    Die meisten Firmen weltweit verzeichnen aufgrund der Corona-Pandemie Umsatzrückgänge. Doch neun von zehn Firmen investieren weiter in ihre Digitalisierung. Zu diesem Ergebnis kommen Autoren von Tata Consultancy Services (TCS) nach…

    mehr lesen: Trotz Umsatzrückgang wird digitalisiert