Digitale Zwillinge als Basis für Losgröße 1

Grafisches Tool zur Konfiguration eines individuellen Multi-Key-Tools.
Grafisches Tool zur Konfiguration eines individuellen Multi-Key-Tools. – Bild: ISW Institut für Steuerungstechnik

Im ersten Teil der Reihe zur flexiblen Produktion der Zukunft, erschienen in Ausgabe 7/2025, wurden die Herausforderungen und Ziele des Forschungsprojekts GrowIng vorgestellt, das Konzept eines wachsenden Digitalen Zwillings eingeführt und einen Use Case im Bereich der durchgängigen Prozesssimulation erklärt. Darüber hinaus wurde der Aufbau des Verbunddemonstrators InnoWindow innerhalb der Stuttgarter Maschinenfabrik vorgestellt. Im zweiten Teil geht es um ein durch die Maschinen automatisiert gefertigtes Bauteil, das durch einen Nutzer in einem Online-Tool individuell konfiguriert werden kann.

Die flexibilisierte Fertigung

Wer ein neues Auto bestellt, hat oft genaue Vorstellungen über die gewünschte Motorisierung, die Farbe des Lacks oder der Innenausstattung. Während in der Automobilindustrie Konfiguratoren schon lange Standard sind, wird auch in anderen Domänen der Ruf zu individuelleren Kundenwünschen bis hin zur Fertigung in Losgröße 1 lauter. Die industrielle Massenfertigung wird in vielen Bereichen durch eine Fertigung in Serien oder Einzelstücken abgelöst. Dabei müssen die Effizienzvorteile durch Automatisierung beibehalten werden.

Im InnoWindow des ISW der Universität Stuttgart kann ein Multi-Key-Tool mithilfe eines Konfigurators individuell gestaltet werden. Hier zeigt sich der Nutzen der im Projekt entwickelten Konzepte rund um den digitalen Zwilling: Die digitale Repräsentation der Eigenschaften des Produkts dient als Basis für die Zusammenarbeit verschiedener Maschinen und zur kollaborativen Fertigung des Produkts. Diesem können, ähnlich wie bei einem Auto, verschiedene Features individuell hinzugefügt werden. Beispielsweise lässt sich auswählen, ob das Tool einen Flaschenöffner haben soll oder ob und in welchem Winkel ein Speichenschlüssel eingefräst werden soll. Zudem besteht die Möglichkeit, zwischen verschiedenen integrierten Bits und Gravurvorlagen zu wählen. Auch ob das Produkt verpackt werden soll und ob die Verpackung ein Logo aufgedruckt haben soll, sind Optionen. Durch die Auswahl einer Kontaktperson wird der ausgewählte Mitarbeiter als Kundenberater registriert und eine Visitenkarte wird in die Verpackung integriert. Am Ende kann der Kunde entscheiden, ob während des Fertigungsprozesses auf Nachhaltigkeit geachtet werden soll, die Lieferung möglichst schnell eintreffen soll oder ökonomische Gesichtspunkte entscheidend sind. Diese Anweisungen haben später Einfluss auf die Orchestrierung des kollaborativen Fertigungsprozesses.

Architektur der Dateninfrastruktur im InnoWindow.
Architektur der Dateninfrastruktur im InnoWindow. – Bild: ISW Institut für Steuerungstechnik

Die AAS und ihre Teilmodelle

Ergebnis des Konfigurationsprozesses ist der digitale Zwilling des Produkts – die Verwaltungsschale (engl. Asset Administration Shell, AAS). Die Architektur ermöglicht einen modularen Aufbau der digitalen Repräsentation der einzelnen Teilprodukte (z.B. der Verpackung oder der ausgewählten Bits). Dabei wird nicht nur eine AAS des gesamten Produkts erzeugt, sondern je Bauteil und -gruppe eine eigene AAS gebildet. Durch Referenzen und Stückliste (Bill of Materials) finden alle Design-Informationen modular in der AAS des Produkts zusammen. Durch Teilmodelle der Verwaltungsschalen können neben der modularen Zusammensetzung des Produkts auch die enthaltenen Informationen flexibel aufgebaut und durch verschiedene Partner aggregiert werden – so wird die AAS im Projekt zu einem ‚wachsenden‘ digitalen Zwilling.

IT- und OT-Architektur für die kollaborative Fertigung

Die Basis eines mehrstufigen Fertigungsprozesses bildet in der Praxis der Austausch von Informationen über das Produkt und die Produktionsressourcen über die involvierten Partner innerhalb der Lieferkette hinweg. Um das im InnoWindow möglichst praxisnah abzubilden, wurde eine Datenarchitektur aufgebaut, die zum einen auf Industriestandards wie der AAS oder OPC UA aufbaut, als auch reale Hindernisse bzgl. der Datenverfügbarkeit und der Trennung von Netzwerken berücksichtigt. Daher erfolgt im Netzwerk eine horizontale Trennung zwischen den beteiligten Partnern. Zudem wird das Netzwerk vertikal in drei Ebenen aufgeteilt:

  • Die OT-Ebene: Hier findet die Kommunikation zwischen der SPS, CNC und den Maschinen statt. Außerdem wurden OPC UA-Server erstellt, in der die Maschinendaten durch die Nutzung von Companion Specs standardisiert abrufbar sind. Diese Ebene entspricht dem Shopfloor in realen Anwendungsfällen.
  • Die IT-Ebene: Hier sind Informationen aus dem Shopfloor unternehmensintern austauschbar. Zudem dient sie durch standardisierte Teilmodelle der IDTA als Brücke zum unternehmensübergreifenden Austausch. Die AAS kommt hier als standardisiertes und erweiterbares Informationsmodell zum Einsatz.
  • Unternehmensübergreifender Datenaustausch: Dieser wird durch einen Datenraum realisiert, in dem Firmen je nach Wunsch und Policies Informationen austauschen können.

Die Gliederung in drei Ebenen ist notwendig, um einen realitätsgetreuen Fertigungsprozess abzubilden. Da OT-Netze oft besonders geschützt sind, ist der Zugriff anderer Firmen darauf nicht möglich. Daher wird die IT-Ebene als Zwischenlayer aufgebaut. Außerdem findet hier der Übergang zum Internet of Things (IoT) statt, durch das etwa externe Tools oder Datenquellen nutzbar werden.



  • Neuer Head of Product bei Insys Icom

    Neuer Head of Product bei Insys Icom

    Insys Icom ernennt René Al-Abid zum Head of Product. Der bisherige Produktmanager soll in seiner neuen Rolle die systematische Verankerung von Security-, Compliance- und Governance-Anforderungen über das gesamte Produktportfolio hinweg…

    mehr lesen: Neuer Head of Product bei Insys Icom

  • Q.Ant macht Lars Bach zum Vice President Operations

    Q.Ant macht Lars Bach zum Vice President Operations

    Das Stuttgarter Tech-Unternehmen Q.Ant baut sein Managementteam weiter aus: Dr. Lars Bach (Bild) hat zum 1. Februar die neu geschaffene Position des Produktionsverantwortlichen als Vice President Operations übernommen.

    mehr lesen: Q.Ant macht Lars Bach zum Vice President Operations

  • Dauerkrisen kosten Deutschland fast eine Billion Euro

    Dauerkrisen kosten Deutschland fast eine Billion Euro

    Corona, Kriege oder die Amtszeit von US-Präsident Donald Trump haben die deutsche Wirtschaft seit 2020 stark belastet.

    mehr lesen: Dauerkrisen kosten Deutschland fast eine Billion Euro

  • IT&Production AI Conference 2026

    IT&Production AI Conference 2026

    KI verändert die industrielle IT. Das Versprechen: Effizienzgewinne, Kostenvorteile und Risikoreduktion entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

    mehr lesen: IT&Production AI Conference 2026

  • Webinar: Unified Namespace und IIoT – Datenraum für die Smart Factory

    Webinar: Unified Namespace und IIoT – Datenraum für die Smart Factory

    Der Unified Namespace soll alle Produktions- und Geschäftsdaten aus Maschinen, Sensoren und Systemen in einem gemeinsamen Echtzeit-Raum verfügbar machen – eine Single Source of Truth entsteht.

    mehr lesen: Webinar: Unified Namespace und IIoT – Datenraum für die Smart Factory

  • Forescout ernennt Regional Director für Zentraleuropa

    Forescout ernennt Regional Director für Zentraleuropa

    Forescout Technologies, ein Spezialist für Cybersicherheit, hat die Ernennung von Dirk Decker (Bild) zum Regional Director für Zentraleuropa bekanntgegeben.

    mehr lesen: Forescout ernennt Regional Director für Zentraleuropa

  • Immer weniger Arbeitsplätze hängen vom China-Geschäft ab

    Immer weniger Arbeitsplätze hängen vom China-Geschäft ab

    Die Anzahl der Arbeitsplätze in Deutschland, die vom Export nach China abhängen, ist seit 2021 um rund 40% gesunken, wie eine neue Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt.

    mehr lesen: Immer weniger Arbeitsplätze hängen vom China-Geschäft ab

  • Mehr IT-Dienstleister erleben Vorwürfe wegen Schlechtleistung

    Mehr IT-Dienstleister erleben Vorwürfe wegen Schlechtleistung

    Gegen zwei Drittel der IT-Dienstleister wurden im vergangenen Jahr seitens ihrer Auftraggeber Vorwürfe wegen angeblicher Schlechtleistung erhoben.

    mehr lesen: Mehr IT-Dienstleister erleben Vorwürfe wegen Schlechtleistung

  • Enbik und Edgecon gründen Service-Büro

    Enbik und Edgecon gründen Service-Büro

    Enbik, ein in Taiwan beheimateter Hersteller für Industrial Edge Computing und IT-Hardware, und Edgecon gründen in Deggendorf ein Logistik- und Service-Büro für den deutschsprachigen Raum.

    mehr lesen: Enbik und Edgecon gründen Service-Büro

  • Wenn KI-Modelle zum Angriffsziel werden

    Wenn KI-Modelle zum Angriffsziel werden

    Zur Münchner Sicherheitskonferenz (13. bis 15. Februar) hat die Google Threat Intelligence Group (GTIG) einen Bericht veröffentlicht, mit dem die Verfasser die Debatte um KI-gestützte Bedrohungen auf eine operative Ebene…

    mehr lesen: Wenn KI-Modelle zum Angriffsziel werden

  • Ein Tag ohne Internet und alles steht still

    Ein Tag ohne Internet und alles steht still

    Laut einer Untersuchung des Bitkom ist die deutsche Wirtschaft schlecht auf hybride Bedrohungen wie Stromausfälle, Sabotage oder durch Ransomware lahmgelegte Fabriken vorbereitet.

    mehr lesen: Ein Tag ohne Internet und alles steht still

  • Heitec übernimmt Artschwager + Kohl

    Heitec übernimmt Artschwager + Kohl

    Artschwager + Kohl Software ist seit Januar 2026 Teil der Heitec-Gruppe.

    mehr lesen: Heitec übernimmt Artschwager + Kohl