Das IoT wird erwachsen

Migrationsprojekte sind heute Teil des IoT-Business. Auch größere Geräteflotten von 10.000 Assets und mehr können innerhalb von 6-12 Monaten migriert werden.
Migrationsprojekte sind heute Teil des IoT-Business. Auch größere Geräteflotten von 10.000 Assets und mehr können innerhalb von 6-12 Monaten migriert werden.Bild: ©FrankBoston/Stock.adobe.com

Das Internet of Things ist ein Werkzeug, das Unternehmen dabei unterstützt, Probleme zu lösen. Doch in der Frühphase des IoT wurde – oft ohne konkreten Anwendungsfall – viel experimentiert. Unternehmen wollten innovativ sein, den Trend nicht verpassen, und gingen davon aus, dass das Sammeln von Daten sich irgendwann als wertvoll erweisen würde. Mit dem heute erreichten Reifegrad des Marktes konzentrieren sich IoT-Investitionen jedoch stärker auf erzielbare Geschäftsergebnisse. Im industriellen Kontext bilden etwa gepflegte IoT-Daten eine wichtige Grundlage von Prozessoptimierung und für KI-Anwendungen. Gleichzeitig kämpfen viele Unternehmen mit ineffizienten IoT-Architekturen. Darauf müssen sie ebenso reagieren wie auf das Veralten oder Verschwinden von Plattformen.

Machbar vs. wirtschaftlich

Nicht alles, was technisch machbar ist, ist wirtschaftlich sinnvoll. In der Anfangszeit experimentierten viele Unternehmen mit Hilfe von externen Dienstleistern und bauten IoT-Anwendungen auf. Doch der kommerzielle Erfolg blieb oft aus. In den letzten Jahren scheinen Unternehmen jedoch zunehmend zu verstehen, wie das IoT Mehrwerte für ihre Produktion, Produkte und Dienstleistungen bringen kann. Vielfach stellen vernetzte Software-Komponenten bereits integrale Bestandteile von Produkten und Geschäftsprozessen dar. Zunehmend bauen Unternehmen daher interne Kompetenz auf, wo sie sie vorher noch extern eingekauft haben. Dazu gehört auch die eigene Softwareentwicklung. Hier stehen sie jedoch vor der Herausforderung, gute Entwickler zu finden und zu halten. Das gilt besonders für Mittelständler, die häufig im ländlichen Raum ansässig sind.

Ein weiteres Problem ist die Verwendung von IoT-Plattformen, die während der Hype-Phase eingeführt wurden und die sich später als ineffizient, instabil oder nicht skalierbar genug erwiesen. Die Folgen sind hohe operative Kosten, unzuverlässige Systeme und hohe Wartungsaufwände, die die Ressourcen von Entwicklern binden. Besonders problematisch ist das, wenn der Betrieb von Infrastruktur und Anwendungen zeitintensiv ist, weil auf Infrastructure as a Service (IaaS) gesetzt wurde.

IoT-Architektur auf dem Prüfstand

IoT ist inzwischen Bestandteil vieler Produkte. Eine instabile IoT-Architektur oder ein instabiler digitaler Teil eines größeren Produkts verringern den Wert der gesamten Lösung. Im schlimmsten Fall kann es zu Kundenunzufriedenheit und Rufschäden kommen. Hohe Betriebs-, Entwicklungs- und Sicherheitskosten binden Ressourcen, die in der Entwicklung und Verbesserung von Produkten besser investiert wären.

Oft weisen IoT-Plattformen der ‚ersten Generation‘ Leistungsdefizite auf, da sie nicht ausreichend auf Skalierbarkeit ausgelegt sind. Zudem sind viele ältere Plattformen häufig nicht modular aufgebaut und somit weniger flexibel. Auch hohe Betriebskosten sind bei älteren IaaS-basierten Lösungen häufig ein Problem. Ein möglicher Ausweg besteht im Umstieg auf Public Clouds wie Azure oder AWS. Vor einer solchen Migration sollte jedoch die bestehende Lösung und die Architektur evaluiert werden, um Fehler nicht zu wiederholen.

Ineffiziente IoT-Architektur: Abhilfe schaffen

Am Anfang jeder Evaluierung steht die Frage, ob die genutzte IoT-Anwendung einen Mehrwert schafft. Ist dem nicht so, sollte auch die Überlegung, ob der gewählte Digitalisierungsansatz für das Unternehmen überhaupt der richtige ist, kein Tabu sein. Gibt es einen klaren Anwendungsfall oder wird dieser mit einiger Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zeit erzielt, müssen alle Werkzeuge, Dienste, Prozesse und Kosten auf den Prüfstand. Unternehmen können sich hier unter anderem an den folgenden Fragen orientieren:

  • Setzen wir die richtigen Prioritäten?
  • Verfügen wir über genügend interne Expertise für eine Migration?
  • Was entlastet unsere Entwickler und senkt Betriebskosten?
Bei der Umsetzung einer IoT-Plattform-Migration unterstützt Device die Unternehmen mit einem 5-Schitte-Verfahren. Darin enthalten ist ein Anforderungs-Check für die strukturierte Konzept-Entwicklung.
Bei der Umsetzung einer IoT-Plattform-Migration unterstützt Device die Unternehmen mit einem 5-Schitte-Verfahren. Darin enthalten ist ein Anforderungs-Check für die strukturierte Konzept-Entwicklung.Bild: Device Insight GmbH

Auch ein 5×5 Assessment, wie es Device Insight anbietet, kann helfen. In diesem fünfstufigen Prozess wird eine aktuelle Anwendung kartiert, es werden Schwachstellen und Optimierungspotenziale identifiziert. Der Prozess beginnt mit einer Überprüfung der bestehenden Architektur, um die Anforderungen und notwendigen Clouddienste systematisch zu erfassen. Darauf folgt das Mapping der technischen und geschäftlichen Anforderungen, an das sich die Erstellung eines Konzepts für die potenzielle IoT-Migration anschließt. Im vierten Schritt wird der geeignete Cloud-Anbieter – meist Microsoft Azure oder AWS – ausgewählt.

Das Angebot der Hyperscaler, das zahlreiche Platform-as-a -Service (PaaS)-Dienste umfasst, kann für kleine Unternehmen und Teams sehr undurchsichtig sein. Oft gibt es mehrere Dienste, die ein bestimmtes Problem adressieren. Ohne Unterstützung von Spezialisten tun sich Unternehmen oft schwer mit der Entscheidungsfindung. Der Prozess endet mit der technischen Umsetzung des Plattformwechsels, einschließlich der Integration in die bestehende IT-Landschaft und umfassenden Tests.

Von monolithisch zu flexibel

Ein Trend im IoT geht weg von Plattformen hin zu flexiblen, cloudbasierten Anwendungen. Dieser Wandel erscheint sinnvoll, da IoT-Lösungen sehr heterogen sind und eine einzige Plattform oft nicht allen Anforderungen gleichermaßen gerecht werden kann. Die Verwaltung einer Plattform kann sehr komplex sein, das Beheben der eigentlichen Probleme in den Hintergrund drängen und zum Selbstzweck werden.

Stattdessen sollten Unternehmen auf modulare Ansätze setzen und nach dem Baukastenprinzip nur die tatsächlich benötigten Komponenten auswählen und bezahlen. Erfolgreiche IoT-Lösungen werden aus leistungsfähigen Komponenten zusammengestellt und zu einer Gesamtlösung verknüpft. Dabei ist es auch keineswegs notwendig, das sprichwörtliche Rad neu zu erfinden – es gibt genügend erprobte Bausteine, derer man sich bedienen kann.

Ist cloud-nativ der bessere Weg?

Durch den Einsatz von cloud-nativen Anwendungen können Unternehmen zweifellos Kosten sparen. Aber auch hier gilt es, im Einzelfall zu entscheiden. Manches scheint im Eigenbetrieb günstiger zu sein, doch gerade On-Premises-Systeme verursachen oft erheblichen Aufwand, etwa für das Überwachen, Patchen und Skalieren von Diensten.

Alles, was mit der Verarbeitung und Speicherung von großen Datenmengen zu tun hat, kann in die Cloud ausgelagert werden. Hier liegt die Kernkompetenz der großen Hyperscaler. Sie ermöglichen eine flexible Skalierung, was besonders bei großen Datenmengen und hohen Durchsätzen von Vorteil sein kann. Unternehmen sollten daher prüfen, welche Aufgaben in die Cloud ausgelagert werden können. Allgemein gilt: Es wird nicht automatisch alles gut, weil man in die Cloud geht. Richtig umgesetzt aber kann sich die Cloud als besserer Weg erweisen.

Migration von IoT-Plattformen

Wurde eine IoT-Plattform gekündigt und ist eine Migration im Live-Betrieb erforderlich, müssen Unternehmen vor allem sorgfältig planen. Eine Migration erfordert punktuell zusätzliche Ressourcen und neue Expertise. Der erste Schritt besteht darin, zu entscheiden, wohin die Migration erfolgen soll, etwa zu AWS oder Azure, und jemanden – intern oder extern – mit Expertise in der Zielplattform hinzuzuziehen.

Parallel zum Aufbau einer neuen cloudbasierten Plattform müssen Live-Daten aus der bestehenden Anwendung auch in die neue geleitet werden, um mit realen Daten und Datenmengen validieren zu können. Dafür ist ein tiefes Verständnis der bestehenden Lösung erforderlich. Es ist wichtig, zu verstehen, warum bestimmte Entscheidungen getroffen wurden. Betriebs- und Telemetriedaten sind, je nach Volumen, zeitaufwändig zu migrieren – eine klare Roadmap mit Timeline hilft, Überraschungen zu vermeiden.

Erfolgsfaktoren bei Migrationsprojekten

Zu den Erfolgsfaktoren einer IoT-Migration zählen ein tiefes Verständnis von Bestandssystemen, der parallele Betrieb mit Live-Daten, um die neue Plattform reifen zu lassen, und die transparente Kommunikation über die Erwartungen und Grenzen des neuen Systems. Wichtig ist zu verstehen, dass eine Migration nicht automatisch alle Probleme löst und bestimmte Features möglicherweise nachgeliefert werden müssen.

Umfassendes Fachwissen erforderlich

Domänenwissen spielt eine zentrale Rolle bei der Auswahl der passenden Dienste aus dem Stack der Hyperscaler. Spezialisten wissen, welche Dienste zuverlässig sind, wie sie effizient betrieben werden können und wo die Grenzen der Skalierbarkeit liegen.

Fazit

Das Internet of Things wird allmählich erwachsen und muss sich an veränderte Anforderungen anpassen. Durch strategische Planung und passende Cloud-Dienste können Unternehmen ihre Systeme effizient und kostengünstig gestalten. IoT-Anbieter sollten allerdings über Fachwissen verfügen, um aus der Vielzahl der angebotenen Dienste die richtigen auszuwählen. Erweist sich eine Migration als vielversprechend, gilt es, diese sorgfältig vorzubereiten. Ein Aufwand, der sich lohnt: Mit modernen, flexiblen IoT-Anwendungen der ’nächsten Generation‘ sind Unternehmen für heutige und künftige Anforderungen gut gerüstet.



  • Keine Hannover Messe in 2020

    Keine Hannover Messe in 2020

    Die Hannover Messe kann dieses Jahr nicht stattfinden. Grund ist die zunehmend kritische Lage aufgrund der Covid-19-Pandemie und eine Untersagungsverfügung der Region Hannover.

    mehr lesen: Keine Hannover Messe in 2020

  • Nächste Management-Generation bei Siemens

    Nächste Management-Generation bei Siemens

    Siemens-CEO Joe Kaeser hat den Aufsichtsrat darüber informiert, dass er keine Verlängerung seines Vertrages anstrebt. Er wird zum Aufsichtsratsvorsitzenden der Siemens Energy vorgeschlagen.

    mehr lesen: Nächste Management-Generation bei Siemens

  • Wie weit sind deutsche Unternehmen beim Internet of Things?

    Wie weit sind deutsche Unternehmen beim Internet of Things?

    Die Industrie setzt IoT-Lösungen vornehmlich in der Produktion, bei der Zeiterfassung und in der Lagerverwaltung ein. Dies geht aus einer Befragung hervor, die Ende vergangenen Jahres durchgeführt wurde.

    mehr lesen: Wie weit sind deutsche Unternehmen beim Internet of Things?

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Weltwirtschaft vor erheblichen Wachstumsverlusten

    Weltwirtschaft vor erheblichen Wachstumsverlusten

    Finanzmarktexperten rechnen damit, dass die Corona-Pandemie das globale reale Bruttoinlandsprodukt erheblich belasten wird. Insbesondere die deutsche Wirtschaft wird dabei stark in Mitleidenschaft gezogen. Mit Blick auf einzelne Branchen schwanken die…

    mehr lesen: Weltwirtschaft vor erheblichen Wachstumsverlusten

  • Corona-Krise könnte Hunderte von Milliarden Euro kosten

    Corona-Krise könnte Hunderte von Milliarden Euro kosten

    Das Coronavirus könnte Deutschlands Wirtschaft Hunderte von Milliarden Euro Produktionsausfälle bescheren, Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit in die Höhe schießen lassen und den Staatshaushalt erheblich belasten. Das geht aus aktuellen Berechnungen des…

    mehr lesen: Corona-Krise könnte Hunderte von Milliarden Euro kosten

  • VDMA-Tagung verschoben

    VDMA-Tagung verschoben

    Die VDMA-Tagung Production Excellence, die am 28. April hätte stattfinden sollen, ist auf die zweite Oktoberhälfte verschoben worden.

    mehr lesen: VDMA-Tagung verschoben

  • IAB rechnet mit BIP-Rückgang und steigenden Arbeitslosenzahlen

    IAB rechnet mit BIP-Rückgang und steigenden Arbeitslosenzahlen

    Das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) geht in einer Vorausschau für das laufende Jahr davon aus, dass das BIP im Jahr 2020 um zwei Prozent sinken wird. Im Zuge…

    mehr lesen: IAB rechnet mit BIP-Rückgang und steigenden Arbeitslosenzahlen

  • IFR: Neuer Präsident und Vizepräsident

    IFR: Neuer Präsident und Vizepräsident

    Mit Milton Guerry (Schunk USA) hat die International Federation of Robotics einen neuen Präsidenten. Klaus König (Kuka) übernimmt das Amt des Vizepräsidenten.

    mehr lesen: IFR: Neuer Präsident und Vizepräsident

  • Fraunhofer-Gesellschaft und IBM starten Quantencomputing-Kooperation

    Fraunhofer-Gesellschaft und IBM starten Quantencomputing-Kooperation

    Mit der Unterzeichnung einer gemeinsamen Vereinbarung haben die Fraunhofer-Gesellschaft und IBM eine Kooperation gestartet, die Quantencomputing in Deutschland voranbringen soll.

    mehr lesen: Fraunhofer-Gesellschaft und IBM starten Quantencomputing-Kooperation

  • Maschinenbau spürt die Störungen der globalen Lieferketten

    Maschinenbau spürt die Störungen der globalen Lieferketten

    Die Corona-Pandemie zeigt in dem von globalen Wertschöpfungsnetzwerken geprägten Maschinenbau messbare Folgen. Schon jetzt spüren knapp 60% aller Betriebe Beeinträchtigungen der Lieferketten, wenngleich die Auswirkungen überwiegend noch als ‚gering bis…

    mehr lesen: Maschinenbau spürt die Störungen der globalen Lieferketten

  • Wirtschaftskriminalität: Deutsche Unternehmen unzureichend abgesichert

    Wirtschaftskriminalität: Deutsche Unternehmen unzureichend abgesichert

    Knapp die Hälfte aller deutschen Unternehmen war in den letzten 24 Monaten Opfer von Wirtschaftskriminalität.

    mehr lesen: Wirtschaftskriminalität: Deutsche Unternehmen unzureichend abgesichert