Wertegemeinschaft für digitale Souveränität: Warum der Blick nach Japan lohnt

408763 Gorodenkoff AdobeStock 757743586
Bild: ©Gorodenkoff/stock.adobe.com

Spätestens seit die transatlantischen Beziehungen zunehmend durch Verunsicherung getrübt sind, gewinnt die Debatte um die digitale Souveränität hierzulande an Dynamik. Viele Unternehmen überlegen, wie sie technologisch unabhängiger von großen US-Anbietern werden können. Dabei wäre es ein Trugschluss, Souveränität mit Autarkie gleichzusetzen. Vielmehr geht es darum, selbstbestimmt zu entscheiden und zu handeln. Abschottung ist in einer globalisierten, vernetzten digitalen Welt weder umsetzbar noch erstrebenswert. Gefragt sind stattdessen belastbare, verlässliche Beziehungen mit Partnern, die unsere Werte teilen und Souveränität unterstützen. Doch wo finden sie verlässliche Technologiepartner, die Datenschutz, Compliance und Unabhängigkeit gleichermaßen sicherstellen? Bisher fokussiert sich die Suche meist auf europäische Anbieter. Eine oft noch übersehene Ergänzung sind Technologieanbieter aus Japan – einem politisch stabilen, demokratischen Land, das mit der EU in enger strategischer Partnerschaft verbunden ist. Eine aktuelle Bitkom-Studie zeigt: Japan ist die Technologie-Nation, der deutsche Unternehmen abgesehen von den anderen EU-Mitgliedsstaaten am meisten vertrauen. Auf Rang drei im Ranking landete Großbritannien, allerdings mit einem deutlichen Abstand von 13 Prozentpunkten.

Japan ist enger Wertepartner

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahmen die beiden Länder 1951 ihre diplomatischen Beziehungen wieder auf und vertieften sie. Seither haben sich sowohl Deutschland als auch Japan zu führenden Industrienationen entwickelt, die die gemeinsamen Grundwerte Freiheit, Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit teilen. Japan ist nicht nur Mitglied der G7, sondern wird von der deutschen Bundesregierung auch ausdrücklich als enger Wertepartner bezeichnet, neben Australien, Neuseeland und Südkorea. So heißt es im aktuellen Koalitionsvertrag: „Unsere umfassenden strategischen Partnerschaften mit diesen […] Ländern werden wir vertiefen.“ Im Gegensatz zu den USA, die teils auf Protektionismus setzen und Zölle als politisches Druckmittel nutzen, vertritt Japan eine offene Handelspolitik. Die wirtschaftlichen Beziehungen mit der EU werden durch ein Freihandelsabkommen gestärkt, das 2019 in Kraft getreten ist. Heute zählt Japan zu den wichtigsten Handelspartnern Deutschlands in Asien. Auch der VDMA sieht angesichts wachsender globaler Handelskonflikte gerade im Anlagen- und Maschinenbau große Chancen für eine engere Kooperation zur gemeinsamen Bewältigung aktueller Herausforderungen.

Dirk Arendt, Trend Micro Deutschland GmbH
Dirk Arendt, Trend Micro Deutschland GmbHBild: Trend Micro Deutschland GmbH

Datenschutz vergleichbar mit der EU

Ein für deutsche Unternehmen wichtiger Aspekt in der digitalen Zusammenarbeit ist die Einhaltung der DSGVO. Bei japanischen Anbietern ist dies sichergestellt, denn die EU-Kommission hat 2019 in einem Angemessenheitsbeschluss offiziell anerkannt, dass Japan ein mit der EU vergleichbares Datenschutzniveau unterhält. Das japanische Datenschutzgesetz APPI (Act on the Protection of Personal Information) ist bereits seit 2003 in Kraft und ähnelt in vielen Punkten der DSGVO. Aufgrund des Angemessenheitsbeschlusses können deutsche Unternehmen personenbezogene Daten ohne zusätzliche Schutzmaßnahmen nach Japan übermitteln. Im Juli 2024 verabschiedeten die EU und Japan zudem ein Abkommen über den grenzüberschreitenden Datenverkehr, das die digitale Zusammenarbeit weiter erleichtert, indem es mögliche territoriale Speicher- und Verwaltungsanforderungen aufhebt. Im Gegensatz zu den USA gibt es in Japan keinen dem US Cloud Act ähnlichen Rechtsrahmen, der den Datenschutz durch extraterritoriale Zugriffe aushebeln könnte.

Zusammen Sicherheitspolitik und Cybersicherheit angehen

Auch in der Sicherheitspolitik und Cybersicherheit sind Deutschland und Japan enge Verbündete. 2021 schlossen die beiden Länder ein Geheimschutzabkommen, das es Behörden und Unternehmen erlaubt, vertrauliche Informationen grenzüberschreitend auszutauschen. Dies ermöglicht z.B. eine vertiefte Zusammenarbeit in der Wehrtechnik oder Terrorismusbekämpfung. Nach einer Regierungskonsultation im Jahr 2023 äußerten sich beide Länder besorgt über die zunehmende Cyberkriminalität und bekannten sich in einer gemeinsamen Erklärung dazu, ihre Zusammenarbeit in der Cybersicherheit auszubauen und jährliche deutsch-japanische Cyberkonsultationen abzuhalten. Auch auf EU-Ebene gibt es einen Cyber-Dialog mit Japan, der im Januar 2026 bereits zum siebten Mal stattfand. Beide Partner tauschten sich bei dem Treffen über jüngste politische und regulatorische Entwicklungen in der Cybersicherheit aus, u.a. in Bereichen wie aufkommenden und kritischen Technologien, der Resilienz kritischer Infrastrukturen, der Meldung von Vorfällen, dem Cyber-Krisenmanagement und der Cyberverteidigung. Auch in internationalen Gremien wie ISO, IEC und ITU arbeiten beide Seiten gemeinsam an sicheren Standards für globale Lieferketten und Technologien.

Cybersicherheit als Grundlage für digitale Souveränität

Im Hinblick auf die digitale Souveränität spielt Cybersicherheit eine wesentliche Rolle, da nur sichere Technologien und Infrastrukturen wirklich selbstbestimmtes Handeln ermöglichen. Viele japanische Unternehmen verfolgen eine ‚Security & Compliance by Design‘-Philosophie, die auf Transparenz, hohe Qualitätsstandards und auditierbare Prozesse setzt. Insbesondere für kritische Sektoren und regulierte Branchen sind dies wichtige Kriterien. So hat das japanische National Center of Incident Readiness and Strategy for Cybersecurity (NISC) – häufig als National Cybersecurity Office (NCO) bezeichnet – eine Secure-by-Design-Leitlinie mitunterzeichnet, die erstmals 2023 von der amerikanischen Cybersecurity-Behörde CISA gemeinsam mit 17 internationalen Partnern veröffentlicht wurde, darunter auch das deutsche Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Diese Empfehlung fordert Softwarehersteller dazu auf, Produkte so zu designen und zu entwickeln, dass sie von vornherein sicher konzipiert sind.

Eine belastbare Grundlage für langfristige Kooperationen

Digitale Souveränität wächst durch eine Verbesserung der Cybersicherheit und eine bewusste Diversifizierung technologischer Partnerschaften. Neben europäischen Anbietern kann Japan für viele Unternehmen eine strategisch sinnvolle Ergänzung darstellen: Politische Stabilität, ein mit der EU vergleichbares Datenschutzniveau und die enge digitale und sicherheitspolitische Zusammenarbeit schaffen eine belastbare Grundlage für langfristige Kooperationen. Gerade im sensiblen Bereich der Cybersicherheit ist Vertrauen ein entscheidender Faktor. Japanische Anbieter, die seit vielen Jahren am Markt etabliert sind und zu den Technologieführern in ihrem Segment zählen, können eine verlässliche Alternative zu US-Anbietern sein, um digitale Souveränität zu stärken.



  • Neuer CSO bei Proalpha

    Neuer CSO bei Proalpha

    Der ERP-Anbieter Proalpha hat einen neuen Chief Sales Officer. Zum 1. Juli hat Michael T. Sander die Position übernommen. Er folgt auf Andree Stachowski.

    mehr lesen: Neuer CSO bei Proalpha

  • Leuze nimmt neues Distributionszentrum in Betrieb

    Leuze nimmt neues Distributionszentrum in Betrieb

    Leuze will bis Ende Juli sein neues Distributionszentrum in Betrieb nehmen.

    mehr lesen: Leuze nimmt neues Distributionszentrum in Betrieb

  • Armin Schnettler wird VDE-Präsident

    Armin Schnettler wird VDE-Präsident

    Der VDE hat mit Prof. Dr. Armin Schnettler einen neuen Präsidenten. Er folgt auf Dr. Gunther Kegel.

    mehr lesen: Armin Schnettler wird VDE-Präsident

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Plattform für digitale Ausweisdokumente

    Plattform für digitale Ausweisdokumente

    Infineon Technologies bietet mit Secora ID eine einfach zu integrierende Sicherheitsplattform für digitale Ausweisdokumente, die kontaktlos funktionieren.

    mehr lesen: Plattform für digitale Ausweisdokumente

  • In der Krise mehr digitalisieren

    In der Krise mehr digitalisieren

    52 Prozent der Unternehmen wollen ihre Ausgaben bezüglich der digitalen Transformation erhöhen. Dies hat der Business-Software-Anbieter IFS in einer Studie ermittelt für die weltweit mehr als 3.032 Führungskräfte befragt wurden.

    mehr lesen: In der Krise mehr digitalisieren

  • Maschinenbau: Stimmungslage im 2. Quartal

    Maschinenbau: Stimmungslage im 2. Quartal

    Der exportorientierte deutsche Maschinenbau wurde von der weltweiten Corona-Pandemie hart getroffen. Das wird sich auch so schnell nicht ändern. Darauf deuten sowohl die aktuelle Stimmungslage sowie die Konjunktur- und Umsatzprognose…

    mehr lesen: Maschinenbau: Stimmungslage im 2. Quartal

  • Veränderungen in Bosch-Geschäftsführung

    Veränderungen in Bosch-Geschäftsführung

    Bosch Rexroth gibt einige Veränderungen in der Geschäftsführung bekannt. Unter anderem tritt Filiz Albrecht die Nachfolge von Christoph Kübel an, der zum Jahresende in den Ruhestand geht.

    mehr lesen: Veränderungen in Bosch-Geschäftsführung

  • Cyber Security for Critical Infrastructures

    Cyber Security for Critical Infrastructures

    Die zunehmende Digitalisierung von Unternehmen und die damit einhergehende Vernetzung praktisch aller Gebiete schaffen ein enormes wirtschaftliches Potenzial. Gleichzeitig entstehen durch die zunehmende Vernetzung aber auch neue Gefahren und Cyberangriffe…

    mehr lesen: Cyber Security for Critical Infrastructures

  • Operational Technology im Fokus von Cyberattacken

    Operational Technology im Fokus von Cyberattacken

    In einer weltweiten Studie haben TÜV Rheinland und das Marktforschungsinstitut Ponemon untersucht, wie es um die Cybersicherheit von Industrieanlagen bestellt ist. Demnach ist die Operational Technology besonders gefährdet.

    mehr lesen: Operational Technology im Fokus von Cyberattacken

  • Unternehmen sehen Licht am Ende des Tunnels

    Unternehmen sehen Licht am Ende des Tunnels

    Mit dem stärksten jemals gemessenen Anstieg hat sich der Ifo-Geschäftsklimaindex im Juni im Vergleich zum Vormonat etwas erholt. Er liegt nun bei 86,2 Punkten.

    mehr lesen: Unternehmen sehen Licht am Ende des Tunnels

  • Cloud-Computing bleibt auf Wachstumskurs

    Cloud-Computing bleibt auf Wachstumskurs

    Im vergangenen Jahr haben 76 Prozent der Unternehmen Rechenleistung aus der Cloud in Anspruch genommen. Dies geht aus einer Studie von Bitkom Research im Auftrag von KPMG hervor.

    mehr lesen: Cloud-Computing bleibt auf Wachstumskurs