Service zwischen Marktdruck und EU-Maschinenverordnung

EquipmentCloud bündelt Dokumente, Softwarestände, Wartungen und Maßnahmen pro Maschine nachvollziehbar.
EquipmentCloud bündelt Dokumente, Softwarestände, Wartungen und Maßnahmen pro Maschine nachvollziehbar. – Bild: Kontron AIS GmbH

Viele Maschinen- und Anlagenbauer beschäftigen sich mit digitalen Services. Allerdings gestaltet sich die Umsetzung im Alltag oft zäh, da das Tagesgeschäft mit knappen Ressourcen und vielen parallelen Baustellen dominiert. Hinzu kommt Druck durch die konjunkturelle Marktlage und Regulierungen wie dem Cyber Resil-ience Act (CRA), dem EU-Data Act und der EU-Maschinenverordnung. Letztere gilt ab 20. Januar 2027 verbindlich. Konformitätserklärung, CE-Kennzeichnung und technische Unterlagen können dann digital, druckbar und downloadbar bereitgestellt werden. Behörden, Betreiber und Hersteller können sie somit jederzeit abrufen. Auch die Betriebs- und Montageanleitung kann digital bereitgestellt werden. Sie muss zusätzlich nach dem Inverkehrbringen über die gesamte voraussichtliche Lebensdauer, mindestens aber zehn Jahre, online zugänglich sein. Auf Verlangen des Betreibers müssen sie zudem zum Zeitpunkt des Kaufs innerhalb eines Monats kostenlos in Papierform bereitgestellt werden. Informationen sollten daher strukturiert, aktuell und rollenbasiert zugriffsbereit sein. Der Fokus liegt dabei auf Sicherheit, Konformität sowie Betriebs- und Serviceinformationen.

Was bremst?

Ein Bremsklotz für digitale Services ist oft nicht die Idee, sondern das Fundament. Durch inkonsistente Stammdaten, Dokumente ohne eindeutige Maschinenzuordnung, unklare Softwarestände und fehlende Änderungshistorien bleibt Service reaktiv. Informationen werden gesucht, Rückfragen nehmen zu und Zuständigkeiten wechseln. Ein digitales Kundenportal kann bei der regelkonformen Umsetzung der Anforderungen der EU-Maschinenverordnung helfen, weil es Informationen standardisiert bündelt, maschinenbezogen strukturiert und abteilungsübergreifend verfügbar macht.

Was muss digital vorliegen?

Im Kern geht es um ein Set an Informationen, das die Basis für guten Service bildet, künftig aber zusätzlich nachweisbar und dauerhaft verfügbar sein kann. Den Ausgangspunkt bildet die eindeutige Identifikation der Maschine: Hersteller, Typ, Seriennummer, Modell, Baujahr und die dazugehörigen Stammdaten. Fehlt diese Basis, wird jeder Servicefall unnötig kompliziert, weil Zuordnung und Typenidentifikation Zeit kosten. Hinzu kommen Konformitätsangaben wie CE-Kennzeichnung, EU-Konformitätserklärung und EU-Einbauerklärung sowie technische Unterlagen, etwa Sicherheitsinformationen, Risikobeurteilung und relevante Normen. Diese Inhalte müssen nicht nur abgelegt sein, sondern in der richtigen Version, maschinenbezogen zugeordnet und für berechtigte Rollen abrufbar bleiben. Ergänzend werden Betriebs- und Serviceinformationen wichtig. Dazu gehören Anleitungen, Sicherheitshinweise, Wartungsvorgaben und Informationen, die Betreiber und Support-Teams für den sicheren Betrieb benötigen. Die EU-Maschinenverordnung definiert dafür klare Anforderungen an die digitale Bereitstellung.

Kundenportale wie etwa die EquipmentCloud von Kontron unterstützen den ‚Maschinenpass‘-Gedanken entlang des Lebenszyklus: vor der Markteinführung beim Aufbau der Datenstruktur sowie der Konformitätsdokumentation. Und nach der Markteinführung bei Betrieb, Änderungen, Retrofit, Wartungen, Tickets, Updates und Nachweisen. Kunden erhalten eine zentrale Anlaufstelle, in der sie Dokumente, Änderungen, Wartungen und Softwarestände maschinenbezogen finden. In der Übergangsphase zum Inkrafttreten der Maschinenverordnung wird das Portal zum zentralen Beleg, weil Historien nicht nachträglich rekonstruiert werden müssen, sondern direkt dort entstehen, wo Service arbeitet.

Das Dashboard des Kundenportals der EquipmentCloud ist anpassbar.
Das Dashboard des Kundenportals der EquipmentCloud ist anpassbar. – Bild: Kontron AIS GmbH

Viele Datenquellen verbinden

Maschinenparks sind oft heterogen. Es lohnt sich, Integration wiederholbar zu denken und Altanlagen per Retrofit anzubinden sowie Neuanlagen mit eingeplanten IoT-Geräten für Fernwartung, Updates und Zustandsdaten auszustatten. Eine Möglichkeit in der Praxis ist etwa eine Kombination, bei der IoT-Geräte mehrere Rollen übernehmen: Maschinenkonnektor, VPN-Router und Service-Host, auf dem native oder Docker-Applikationen laufen. Daten fließen dabei erst in ein Repository, statt direkt auf Steuerungen zuzugreifen. Tools wie Node-RED oder Middleware wie Fab Eagle Connect unterstützen bei der Schnittstellenanbindung und beim Übersetzen von Daten für ERP, MES oder Datenbanken, oft über REST APIs.

Doppelte Pflege vermeiden

Wichtig ist Flexibilität. Daten aus ERP, CRM oder Ticketsoftware sollten in einer zentralen Datenbasis zusammenlaufen, ohne doppelte Pflege. Ideal ist, wenn Informationen nur einmal erfasst werden müssen und Änderungen automatisiert in betroffene Systeme übertragen werden. Außerdem sind klare Rollen und Zugriffsrechte, sichere Nutzerverwaltung, mobile Nutzung, Dashboards, Mehrsprachigkeit sowie DSGVO-konformes Hosting wichtig. Daten sollten zudem nur verschlüsselt gespeichert und übertragen werden.

Vom Workshop bis zum Rollout

Im mittelständischen Maschinenbau fehlen oft Kapazitäten für individuelle Portallösungen. Hier können fertige Applikationen den Einstieg beschleunigen. Kontron AIS begleitet die Einführung etwa mit Workshops und Proof-of-Concepts mit Pilotkunden sowie dem schrittweisen Rollout. Anwenderinnen und Anwender können sich zudem in der Community austauschen.

Digitale Kundenportale sind ein Hebel, um den Service – auch mit Blick auf die EU-Maschinenverordnung – planbarer zu machen. Sie bringen zusammen, was im Alltag oft auseinanderläuft: Maschinen- und Stammdaten, Dokumente, Historien, Serviceprozesse und Zusammenarbeit.



  • Sicherheitsarchitektur für das Industrial IoT

    Sicherheitsarchitektur für das Industrial IoT

    Cybersecuritybedrohungen für kritische Infrastrukturen steigen und stellen eine erhebliche Gefahr für Mitarbeiter sowie ein finanzielles Risiko dar.

    mehr lesen: Sicherheitsarchitektur für das Industrial IoT

  • VDMA-Blitzumfrage

    VDMA-Blitzumfrage

    In einer dritten Blitzumfrage zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den deutsche Maschinenbau zeigt sich eine Verschiebung. Viele Unternehmen berichten von Stornierungen und Auftragseinbußen.

    mehr lesen: VDMA-Blitzumfrage

  • Verlängerung des Kurzarbeitergeldes

    Verlängerung des Kurzarbeitergeldes

    Die Große Koalition will die Bezugsdauer des Kurzarbeitergeldes für Beschäftigte über zwölf Monate hinaus verlängern. Davon könnten viele Maschinenbauer profitieren.

    mehr lesen: Verlängerung des Kurzarbeitergeldes

  • Bosch Rexroth erzielt Umsatz auf Vorjahresniveau

    Bosch Rexroth erzielt Umsatz auf Vorjahresniveau

    Bosch Rexroth hat 2019 mit 6,2Mrd.€ einen Umsatz auf Vorjahresniveau erzielt. Profitiert hat das Unternehmen dabei vor allem von seinem soliden Kerngeschäft mit Hydraulik sowie dem weiteren Ausbau des Angebots…

    mehr lesen: Bosch Rexroth erzielt Umsatz auf Vorjahresniveau

  • Maschinenbau in China fährt langsam wieder hoch

    Maschinenbau in China fährt langsam wieder hoch

    Eine 2. Blitzumfrage des VDMA in China zeigt, dass die Auswirkungen der Corona-Pandemie dort als weniger schlimm eingeschätzt werden als noch im März. Dennoch erwarten die Unternehmen kräftige Umsatzeinbußen.

    mehr lesen: Maschinenbau in China fährt langsam wieder hoch

  • Zertifizierung während der Corona-Krise

    Zertifizierung während der Corona-Krise

    Unternehmen sind derzeit in vielerlei Hinsicht gefordert: Sie müssen ihr wirtschaftliches Überleben sichern, Mitarbeiter ins Homeoffice oder in Kurzarbeit schicken und neue Strategien entwickeln. Sind Managementsysteme für Qualität, Umwelt, Energie…

    mehr lesen: Zertifizierung während der Corona-Krise

  • ZVEI-Umfrage

    ZVEI-Umfrage

    Die Elektroindustrie bekommt die Auswirkungen der Corona-Pandemie zunehmend zu spüren. Das ergab eine Umfrage des ZVEI unter seinen Mitgliedsunternehmen.

    mehr lesen: ZVEI-Umfrage

  • Nvidia wird Gesellschafter beim DFKI

    Nvidia wird Gesellschafter beim DFKI

    Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) hat mit Nvidia einen neuen Gesellschafter. Beide Unternehmen forschen gemeinsam in den Bereichen Machine Learning und Deep Learning.

    mehr lesen: Nvidia wird Gesellschafter beim DFKI

  • CDOs vor allem in großen Unternehmen etabliert

    CDOs vor allem in großen Unternehmen etabliert

    Bezogen auf die Gesamtwirtschaft haben 19 Prozent der Unternehmen die Position eines Chief Digital Officers bzw. eines Leiters Digitalisierung geschaffen. Das geht aus einer Befragung des Digitalverbands Bitkom hervor.

    mehr lesen: CDOs vor allem in großen Unternehmen etabliert

  • Corona und die Folgen für die Wirtschaft in Deutschland

    Corona und die Folgen für die Wirtschaft in Deutschland

    Die Auswirkungen von COVID-19 auf unsere Gesellschaft und die Wirtschaft sind enorm und betreffen uns alle.

    mehr lesen: Corona und die Folgen für die Wirtschaft in Deutschland

  • AI-fähige Microlearning-Lösung für die Industrie 4.0

    AI-fähige Microlearning-Lösung für die Industrie 4.0

    Aveva und Axonify wollen gemeinsam eine KI-Microlearning-Lösung für die Industrie anbieten. Beide Unternehmen haben sich diesbezüglich auf eine strategische Partnerschaft geeinigt.

    mehr lesen: AI-fähige Microlearning-Lösung für die Industrie 4.0

  • Industry Show: Virtuelle Messe für alle Bereiche der Industrie

    Industry Show: Virtuelle Messe für alle Bereiche der Industrie

    Der TeDo Verlag veranstaltet ab dem 4. Mai eine virtuelle Messe rund um unsere Themen Automatisierung, Robotik und Energieverteilung, Schaltschrankbau, Industrielle IT, IIoT usw. Wir wollen so eine Lösung finden,…

    mehr lesen: Industry Show: Virtuelle Messe für alle Bereiche der Industrie