IT-Sicherheit: Die Lebensmittelindustrie gerät ins Visier

cloud computing circuit board background
Bild: ©pingingz/stock.adobe.com

Zu den wichtigsten Aspekten gehört die Datensicherheit. Denn industrielle Steuerungsanlagen und ihre digitale Vernetzung gelten als Einfallstor für IT-Angriffe. So war laut Branchenportal LVT Lebensmittelindustrie fast jeder vierte mittelständische Lebensmittelhersteller bereits von einer erfolgreichen Cyberattacke betroffen.

Hinzu kommt, dass die bislang am häufigsten angegriffenen Branchen wie der Energie- und der Finanzsektor inzwischen ihre Abwehrmechanismen massiv ausgebaut haben. Die Folge: Die Angreifer suchen jetzt nach neuen, einfacheren Opfern. Und die finden sie unter anderem in der Lebensmittelbranche.

NIS2 nimmt Branche in die Pflicht

Auch bezieht die neue EU-Richtlinie ‚Network and Information Security 2‘ (NIS2) nun auch die Lebensmittelindustrie explizit als besonders gefährdete Branche in ihr Regelwerk mit ein. NIS2 verschärft die Sicherheitsanforderungen für produzierende Unternehmen deutlich und soll bis spätestens Oktober 2024 auch in Deutschland rechtswirksam werden.

Für die Branche sei es „höchste Zeit, ihrer IT-Sicherheit eine deutlich höhere Priorität einzuräumen“, meint Bernhard Biedermann. Der Geschäftsführer des Hamburger IT-Dienstleisters Intares gilt als Spezialist für Managed Services und IT-Sicherheit. „Viele Verantwortliche glauben immer noch, ihre Daten seien in einer Public Cloud sicher. Das kann man angesichts der verfügbaren Informationen und der wachsenden Gefährdung nur noch als grob fahrlässig bezeichnen.“

US-amerikanische Cloud-Anbieter geraten immer wieder in die Kritik. Nicht nur, weil sie im Zweifel ihre Datenpools für US-Behörden öffnen müssen. Sondern auch, weil ihre Schutzmechanismen offenbar löchrig sind. So hat unlängst das von der US-Regierung eingerichtete Cyber Safety Review Board dem IT-Riesen Microsoft eine „Kaskade vermeidbarer Fehler“ und eine unzureichende Sicherheitskultur bescheinigt.

IT-Services auslagern

Dass das Auslagern von IT-Services Sinn machen kann, ist unter Experten unbestritten. So offerieren die Public Cloud Anbieter ihren Kunden eine flexible und vergleichsweise günstige Rechen- und Speicher-Infrastruktur. Viele Microservices und Software-Instanzen, mit denen sich digitale Geschäftsprozesse aufsetzen und betreiben lassen. Außerdem fallen durch die Nutzung externer Services viele Aufwendungen für den Betrieb der hausinternen IT, für Hardware oder Software-Lizenzen weg.

Ganz abgesehen davon: Vor allem Mittelständlern fehlt es oft an personellen Ressourcen, um ihre Digitalisierung umzusetzen. Die von vielen IT-Dienstleistern angebotenen Managed Services können hier Abhilfe schaffen.

Personelle Ressourcen als Flaschenhals

Grundsätzlich seien Managed Services auch bei Public Clouds möglich, so Biedermann. Wenn auch die Anforderungen je nach Anwendungsumgebung mitunter relativ viel Aufwand mit sich bringen. Außerdem ist der Einstieg in Public Clouds meist kostengünstiger als der Start mit einem Managed Services Dienstleister. „Allerdings kalkulieren Unternehmen mit wenig IT-Kompetenz oft einen ähnlichen Kostenrahmen auch für den laufenden Betrieb ein.“

Ein Fehler, der laut Biedermann teuer werden kann. „Die Cloud verführt die Nutzer dazu, Microservices und Instanzen hinzuzufügen, die möglicherweise für eine aktuelle Anwendung hilfreich sind. Denn der ‚Demonstrator‘ macht es der IT eines Unternehmens einfach, Dinge auszuprobieren.“ Je länger ein Unternehmen Cloud-Services nutze, desto häufiger entstehe dadurch ein Wildwuchs. „Oft werden dann Dienste bezahlt, von denen keiner mehr weiß, dass man sie überhaupt abonniert hat. Das treibt die Kosten in die Höhe, ohne einen Nutzen zu generieren.“ Verschärft werde dieser Effekt durch unzureichende Dokumentation und eine hohe Fluktuation in den IT-Abteilungen, so Biedermann.

Bernahrd Biedermann ist Geschäftsführer des IT-Dienstleisters Intares.
Bernhard Biedermann ist Geschäftsführer des IT-Dienstleisters Intares. – Bild: IntareS GmbH

Vorteil bei global verteilten Standorten

Eine Public Cloud könne durchaus Vorteile bringen, meint Biedermann, wenn ein Unternehmen verteilte Standorte über Kontinente hinweg unterhält. „In diesem Fall kann die Cloud die interne Zusammenarbeit vereinfachen. Außerdem sind Software-Entwicklungen weltweit verteilt möglich. Doch müssen die Kosten genau aufgeschlüsselt werden, sonst kann es schnell unwirtschaftlich werden.“ Grundsätzlich gelte: Verfügt die IT-Abteilung über relativ hohe Kompetenzen und ausreichend personelle Ressourcen , lassen sich mit dem Auslagern in eine Public Cloud gute Ergebnisse erzielen. „Nach unseren Erfahrungen sollten die Teams dazu aus mindestens zehn IT-Spezialisten bestehen, um die damit verbundenen Aufgaben dauerhaft und zuverlässig zu erledigen.“

So müssten unter anderem die regelmäßigen Updates genau geplant werden, „denn der Anbieter führt von sich aus keinerlei Updates durch.“ Bei mittleren und kleinen IT-Projekten bestehe indes die Gefahr, dass die Sicherheit in einer Public Cloud aus Ressourcenmangel zum Albtraum wird, so Biedermann.

Managed Services als Alternative

Ein Ausweg aus dem Dilemma vor allem für Mittelständler könne das Auslagern von IT-Dienstleistungen an einen Managed Services Partner sein. Viele dieser Unternehmen betreiben ihre Infrastruktur in Deutschland, arbeiten in der Regel auf einem hohen, NIS2-konformen Sicherheitsniveau, zu gut kalkulierbaren Kosten und mit kompetentem persönlichem Support rund um die Uhr.

„Ein Managed Services Partner schaut sich zunächst die Anforderungen seines Kunden an und schneidet seine Dienste genau darauf zu. So vermeidet man Wildwuchs von vornherein.“ Außerdem lasse sich allein durch die individuelle Optimierung von Servern und Software die Zahl der eingesetzten Server in günstigen Fällen halbieren. „Das sind laufende Kosten, die man einspart, und Dienstleistungen, die ein global agierender Anbieter logischerweise gar nicht erbringen kann.“

Bernhard Biedermann ist überzeugt: „Ein mittelständisches Unternehmen, das vor der Frage steht, wohin es seine IT oder Teile davon auslagert, tut gut daran, zumindest parallel zu den Angeboten der großen Cloud-Anbieter zu prüfen, ob ein deutscher Managed Services Anbieter seinen Bedarf nicht besser und unterm Strich kostengünstiger deckt.“



  • Maschinenbau rechnet 2020 mit Produktionsrückgang von 17 Prozent

    Maschinenbau rechnet 2020 mit Produktionsrückgang von 17 Prozent

    Der Maschinen- und Anlagenbau kämpft gegen die Folgen der globalen Corona-Pandemie, aber auch gegen einen nach wie vor belastenden Protektionismus im internationalen Handel. Hinzu kommt ein industrieller Wandel, der sich…

    mehr lesen: Maschinenbau rechnet 2020 mit Produktionsrückgang von 17 Prozent

  • Fraunhofer IFF baut Forschungsstandort aus

    Fraunhofer IFF baut Forschungsstandort aus

    Das Fraunhofer IFF baut eine neue Forschungsfabrik im Magdeburger Wissenschaftshafen. Diese soll im Herbst 2021 fertig sein und neue Forschungsschwerpunkte beheimaten.

    mehr lesen: Fraunhofer IFF baut Forschungsstandort aus

  • KIT forscht an 6G-Technologien

    KIT forscht an 6G-Technologien

    Ein am KIT in Karlsruhe entwickeltes Konzept soll hohe Datenübertragungsraten bei niedrigen Kosten ermöglichen — für die sechste Generation des Mobilfunks. Dabei haben die Forscher die bislang höchste Datenrate in…

    mehr lesen: KIT forscht an 6G-Technologien

  • Industrie erwartet Produktionsplus

    Industrie erwartet Produktionsplus

    Die Produktionserwartungen der deutschen Industrie haben sich laut aktuellen Zahlen des Ifo-Instituts leicht verbessert. Im Maschinenbau kletterten die Erwartungen, nach minus 12 Punkten im Juli, wieder in den positiven Bereich.

    mehr lesen: Industrie erwartet Produktionsplus

  • Expleo bezieht neues Technologiezentrum

    Expleo bezieht neues Technologiezentrum

    Anfang August hat Expleo sein neues Technologiezentrum bezogen. Dort sollen zukünftig Software- und Elektroniksysteme für automobile Anwendungen entwickelt werden.

    mehr lesen: Expleo bezieht neues Technologiezentrum

  • Neues Vorstandsmitglied beim VDMA Robotik + Automation

    Neues Vorstandsmitglied beim VDMA Robotik + Automation

    Der VDMA Fachverband Robotik + Automation hat mit Ralf Winkelmann ein neues Vorstandsmitglied berufen.

    mehr lesen: Neues Vorstandsmitglied beim VDMA Robotik + Automation

  • Unternehmen erwarten exponentielles Datenwachstum

    Unternehmen erwarten exponentielles Datenwachstum

    Die Menge an Daten wird in den nächsten Jahren weiter zunehmen. Wie gut Unternehmen darauf vorbereitet sind und welche Hindernisse durch Dark Data entstehen, zeigt eine aktuelle Studie von Splunk.

    mehr lesen: Unternehmen erwarten exponentielles Datenwachstum

  • Auftragsrückgang schwächt sich ab

    Auftragsrückgang schwächt sich ab

    Die Auftragseingänge im Maschinen- und Anlagenbau sind auch im Juli prozentual zweistellig gesunken, allerdings hat sich der Rückgang im Vergleich zu den Vormonaten abgeschwächt.

    mehr lesen: Auftragsrückgang schwächt sich ab

  • Arbeitsmarktbarometer legt erneut zu

    Arbeitsmarktbarometer legt erneut zu

    Mit einem Anstieg von 0,6 Punkten im Vergleich zum Juli liegt das IAB-Arbeitsmarktbarometer im August weiter auf Erholungskurs. Die Beschäftigungskomponente des Frühindikators sank jedoch leicht.

    mehr lesen: Arbeitsmarktbarometer legt erneut zu

  • Neue Technologie am Arbeitsplatz bietet Karrierechancen

    Neue Technologie am Arbeitsplatz bietet Karrierechancen

    Grundsätzlich stehen Arbeitnehmer der Einführung neuer Technologie am Arbeitsplatz positiv gegenüber. Entsprechende Modernisierungen sehen viele Arbeitstätige unter anderem als Chance, ihre Karriere voranzubringen. Das geht aus einer Studie des Payroll-…

    mehr lesen: Neue Technologie am Arbeitsplatz bietet Karrierechancen

  • Allianz kombiniert KI und IoT

    Allianz kombiniert KI und IoT

    Device Insight, Anbieter von IoT- und IIoT-Lösungen, und Sentian, schwedischer Spezialist für industrielle KI, bündeln ihre Expertise, um Unternehmen dabei zu unterstützen, ihre Produktionsprozesse im Sinne einer Smart Factory zu…

    mehr lesen: Allianz kombiniert KI und IoT

  • Gerhard Knoch wechselt von Infor zu Procad

    Gerhard Knoch wechselt von Infor zu Procad

    Gerhard Knoch, bisher Vice President bei Infor, stößt als neuer Geschäftsführer zum PLM-Anbieter Procad.

    mehr lesen: Gerhard Knoch wechselt von Infor zu Procad