Geopolitik prägt die Cybersecurity 2024

image 44
Bild: ©Ilgun/stock.adobe.com

Der Informationskrieg, Sabotage und Spionage wird auch im Cyberspace ausgetragen. Drei Gruppen von Akteuren lassen sich unterscheiden: staatlich geförderte Hacker, Ransomware-Gruppen und sogenannte Hacktivisten. Ihre Ziele sind unterschiedlich, doch die Methoden ähneln sich. Das Unternehmen Bitdefender hat Details zu den einzelnen Gruppen zusammengefasst und worauf sich Organisationen und Unternehmen 2024 besonders einstellen sollten.

Warten auf günstige Momente

Akteure können internationale Großereignisse nutzen, um bei diesen Gelegenheiten zu beginnen. Zunehmend werden das Internet und die IT dann zu einem Austragungsort für Informationskontrolle, Spionage oder Sabotage. Angreifer können Fehlinformationen verbreiten, die Infrastruktur angreifen oder Phishing-Mails versenden. Anlässe gibt es in den nächsten Monaten zur Genüge: In rund 70 Ländern finden bis Ende 2024 Wahlen statt – darunter im November die Wahl des neuen US-Präsidenten. Die Olympischen Spiele in Paris bieten ebenfalls zahlreiche Gelegenheiten, um schädlichen Content zu verbreiten. Sie bieten Cyberkriminellen eine große Angriffsfläche und ermöglichen koordinierte Angriffe in verschiedenen Bereichen wie Informationen, Gebäude, physische Sicherheit und digitale IT-Infrastruktur. Militärische Konflikte wiederum können zu Angriffen auf kritische Systeme im Rahmen eines gezielten und komplexen Cyberkriegs führen.

Unterscheide zwischen den Akteuren

Drei Gruppen von Akteuren könnten die IT-Sicherheitslage unter geopolitischen Vorzeichen bestimmen: staatlich unterstützte Hacker, Cyberkriminelle und Hacktivisten. Sie lassen sich folgendermaßen kategorisieren:

Staatlich geförderte Cyberoperateure

Einige Hacker-Gruppen agieren im Rahmen politischer Ereignisse und militärischer Konflikte mit der Hilfe staatlicher Stellen. Letztere finanzieren sie unter anderem für Cyberspionage, Sabotage sowie um Propaganda- und Desinformationskampagnen durchzuführen. Von staatlichen Stellen oft gedeckt, entgehen diese Gruppen in der Regel einer Strafverfolgung. Zu ihrem Arsenal gehören ausgeklügelte Angriffe wie eine fortschrittliche Ransomware, Angriffe auf die Supply Chain und sehr gezieltes Spear Phishing. Folgende Gruppen sind bekannt und dürften 2024 aktiv bleiben:

APT28 und APT29 – Angriffe auf Regierungs-, Diplomaten-, Medien-, Gesundheits-, Energie- und politische Organisationen – insbesondere in Ländern, die im Konflikt zu russischen Interessen stehen.

Die Einheit 61398 steht im Kontakt mit den chinesischen Streitkräften und betreibt vor allem Cyberspionage gegen die USA.

APT10 hat einen chinesischen Hintergrund und sucht weltweit nach geistigem Eigentum und sensiblen Daten.

Nordkorea fördert die Lazarus-Gruppe. Diese war zuletzt für öffentlichkeitswirksame Angriffe wie den Sony-Pictures-Hack und die WannaCry-Ransomware verantwortlich.

Der Iran fördert wahrscheinlich folgende zwei Gruppen: APT33 legt den Fokus auf die Bereiche Luft- und Raumfahrt, Energie sowie Petrochemie. APT35 ist bekannt für Social-Engineering-Angriffe auf Regierungsbeamte, Journalisten und Akademiker.

Cyberkriminelle Ransomware-Banden

Erpresserische Angriffe sind im geopolitischen Cyberspace eine große Gefahr. Die Gruppen der Cyberkriminellen reichen von den Betreibern der erpresserischen IT bis zu Initial Access Brokern (IABs), die den Zugang zu kompromittierten Netzwerken verkaufen. Folgende Ransomware-Betreiber werden wahrscheinlich auch in den nächsten Monaten agieren:

Die Cl0p-Ransomware-Gruppe zielt auf kritische Sektoren wie das Gesundheitswesen, die Energiewirtschaft und die Produktion. Cl0p entwickelt seine komplexen Angriffstechniken ständig weiter. Zu ihnen gehören Social Engineering, Phishing, Exploit-Kits, Kompromittierung der Lieferkette, Datenverschlüsselung und Zero-Day-Exploits.

Die Akteure hinter LockBit suchen gezielt nach Unternehmen mit wertvollen Daten und geistigem Eigentum. Ihr Ziel sind verstärkt Cloud-Infrastrukturen. Die Gruppe droht damit, Informationen offenzulegen, um die Opfer zusätzlich unter Druck zu setzen.

BlackCat, auch bekannt als ALPHV, rekrutiert aktuell neue Mitglieder-Gruppierungen für ihr Ransomware-Betreibernetz. Die Gruppe hat es weltweit auf verschiedene Industriezweige abgesehen. Sie ist dafür bekannt, ihre Unternehmen zweifach zu erpressen: Sie stiehlt sensible Informationen, bevor sie die Daten verschlüsselt und droht mit DDoS (Distributed Denial of Service)-Angriffen, sollte das Opfer das Lösegeld nicht bezahlen. Hacktivismus nimmt zu

Politisch und sozial motivierte Hacktivisten wollen die öffentliche Debatte beeinflussen, die Arbeit und die Amtsgeschäfte von Regierungen stören oder – aus ihrer Sicht – Ungerechtigkeiten aufdecken. Hacktivisten könnten bei globalen oder lokalen Konflikten mittels Cyberangriffen den Regierungsbetrieb stören, sensible Informationen offenlegen oder die öffentliche Meinung beeinflussen. Die Aktionen dieser Gruppen sind in jüngster Zeit im geopolitischen, militärischen und gesellschaftlichen Kontext wichtiger geworden. Dieser Trend wird sich fortsetzen. Folgende Faktoren spielen dabei eine Rolle:

Neue Technologien – Hacktivisten können verstärkt künstliche Intelligenz nutzen oder andere neue Technologien ins Visier nehmen. Damit könnten sie die Anfälligkeit der angegriffenen IT-Infrastrukturen offenlegen oder auf ethische Implikationen und Gefahren von Technologien hinweisen. Zunehmende Komplexität der Angriffe – Politisch motivierte Angreifer setzen immer anspruchsvollere Methoden und fortschrittlichere Malware und Ransomware ein, um Schwachstellen in Technologien auszunutzen. Zusammenarbeit mit anderen Gruppen und Cyberkriminellen – Eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Aktivistengruppen oder mit Cyberkriminellen könnte zu besser koordinierten und effektiveren Cyberoperationen führen.

Soziale Medien und Desinformationskampagnen – Hacktivisten könnten künftig soziale Medienplattformen intensiver nutzen, um Desinformationen oder Propaganda zu verbreiten. Konzentration auf Wirtschafts- und Umweltfragen – Politisierte Akteure könnten Unternehmen oder Regierungen ins Visier nehmen, deren Geschäfte als umweltschädlich gelten oder zu wirtschaftlichen Ungleichheiten beitragen. Ausnutzen der öffentlichen Meinung – Hacktivisten könnten verstärkt Online-Kampagnen zu Themen wie Menschenrechte, Datenschutz und digitale Freiheit starten.

Es ist davon auszugehen, dass politische Ereignisse verstärkt zu Brennpunkten für Hackeraktivitäten werden. Die Akteure werden mit unterschiedlichen Motiven arbeiten, konkrete Vorhersagen lassen sich kaum treffen. Aber Unternehmen sollten ihre IT-Sicherheitsstrategie in den Blick nehmen und die IT-Abwehr an geopolitischen Ereignissen ausrichten.



  • ZVEI-Umfrage

    ZVEI-Umfrage

    Die Elektroindustrie bekommt die Auswirkungen der Corona-Pandemie zunehmend zu spüren. Das ergab eine Umfrage des ZVEI unter seinen Mitgliedsunternehmen.

    mehr lesen: ZVEI-Umfrage

  • Nvidia wird Gesellschafter beim DFKI

    Nvidia wird Gesellschafter beim DFKI

    Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) hat mit Nvidia einen neuen Gesellschafter. Beide Unternehmen forschen gemeinsam in den Bereichen Machine Learning und Deep Learning.

    mehr lesen: Nvidia wird Gesellschafter beim DFKI

  • CDOs vor allem in großen Unternehmen etabliert

    CDOs vor allem in großen Unternehmen etabliert

    Bezogen auf die Gesamtwirtschaft haben 19 Prozent der Unternehmen die Position eines Chief Digital Officers bzw. eines Leiters Digitalisierung geschaffen. Das geht aus einer Befragung des Digitalverbands Bitkom hervor.

    mehr lesen: CDOs vor allem in großen Unternehmen etabliert

  • Corona und die Folgen für die Wirtschaft in Deutschland

    Corona und die Folgen für die Wirtschaft in Deutschland

    Die Auswirkungen von COVID-19 auf unsere Gesellschaft und die Wirtschaft sind enorm und betreffen uns alle.

    mehr lesen: Corona und die Folgen für die Wirtschaft in Deutschland

  • AI-fähige Microlearning-Lösung für die Industrie 4.0

    AI-fähige Microlearning-Lösung für die Industrie 4.0

    Aveva und Axonify wollen gemeinsam eine KI-Microlearning-Lösung für die Industrie anbieten. Beide Unternehmen haben sich diesbezüglich auf eine strategische Partnerschaft geeinigt.

    mehr lesen: AI-fähige Microlearning-Lösung für die Industrie 4.0

  • Industry Show: Virtuelle Messe für alle Bereiche der Industrie

    Industry Show: Virtuelle Messe für alle Bereiche der Industrie

    Der TeDo Verlag veranstaltet ab dem 4. Mai eine virtuelle Messe rund um unsere Themen Automatisierung, Robotik und Energieverteilung, Schaltschrankbau, Industrielle IT, IIoT usw. Wir wollen so eine Lösung finden,…

    mehr lesen: Industry Show: Virtuelle Messe für alle Bereiche der Industrie

  • IoT-Geräte als Köder für Cyberangreifer

    IoT-Geräte als Köder für Cyberangreifer

    Attivo Networks hat seine auf der Deception-Technologie basierende ThreatDefend-Plattform in das Microsoft Azure Security Center integriert. Dadurch wird die Erkennungsrate und Reaktionszeit bei Angriffen auf den Microsoft-Dienst Azure IoT Edge…

    mehr lesen: IoT-Geräte als Köder für Cyberangreifer

  • Zoom-Nutzer verstärkt im Visier

    Zoom-Nutzer verstärkt im Visier

    Die Corona-Pandemie stellt uns alle vor große Herausforderungen – nicht nur im privaten Bereich, sondern auch beruflich. Unzählige Menschen weltweit arbeiten derzeit erstmals im Homeoffice.

    mehr lesen: Zoom-Nutzer verstärkt im Visier

  • Auftragseingang im Maschinenbau im Februar 2020

    Auftragseingang im Maschinenbau im Februar 2020

    Im Februar verfehlten die Auftragseingänge im deutschen Maschinenbau ihr Vorjahresniveau real um 4 Prozent. Während die Bestellungen der inländischen Kunden um 6 Prozent sanken, lagen die Auslandsorders um 3 Prozent…

    mehr lesen: Auftragseingang im Maschinenbau im Februar 2020

  • Neuer Vice President Americas bei Leuze

    Neuer Vice President Americas bei Leuze

    Sergio Resendiz (Bild) ist neuer Leuze-Vice President Americas und berichtet direkt an den CEO Ulrich Balbach.

    mehr lesen: Neuer Vice President Americas bei Leuze

  • Wenn der Roboter beim Prüfen hilft

    Wenn der Roboter beim Prüfen hilft

    Eine zentrale Anwendung beim Roboter-Einsatz ist die Kollaboration zwischen Mensch und Maschine – beispielsweise die Unterstützung bei für den Menschen belastenden Aufgaben. Welche Vorteile eine produktive Mensch-Roboter-Kooperation (MRK) haben kann,…

    mehr lesen: Wenn der Roboter beim Prüfen hilft

  • Körperschall im Edge analysieren

    Körperschall im Edge analysieren

    Der Condition-Monitoring-Workshop ‚Smart Monitoring – Körperschallanalyse im Edge‘ (max. 20 Teilnehmer) von Systec Electronic zeigt, wie sich mit unterschiedlichen Technologien physikalische Eigenschaften von Maschinen und Anlagen erfassen und zusammenführen lassen.

    mehr lesen: Körperschall im Edge analysieren