Large Language Models in der Werkerführung

TZ Puls 11
 Bild: DE Software & Control GmbH

Effizienz bedeutet, Zeit und Kraft bestmöglich zu nutzen. In der Produktion wird Zeit aber oft durch Abwarten und Fehlerbehebung verschwendet. Um dem vorzubeugen, brauchen Mitarbeiter genaue Information, das Wissen und die Befähigung, um ihre Aufgaben zu bearbeiten. „Digitale Arbeitsplatzlösungen bieten den Vorteil, Informationen in der richtigen Form sowie zur richtigen Zeit korrekt bereitzustellen“, sagt Friedrich Steininger, Managing Director bei DE Software & Control. Die Firma ist auf LLM- und KI-basierte Human-Machine-Cooperation- (HMC)-Systeme für Fabriken spezialisiert. „Dies ermöglicht eine präzisere und kontextgerechtere Darstellung von Arbeitsanweisungen, die in Echtzeit generiert und angepasst werden können.“ Ein weiteres Merkmal der digitalen Bereitstellung ist die Möglichkeit der automatisierten Prozessabsicherung. Durch die Integration von Picksystemen, Automatische Optische Inspektion (AOI) oder die Ansteuerung von Prüfständen können Fehlerquoten reduziert und die Qualitätssicherung verbessert werden. „Gleichzeitig wird der Prozess dokumentiert, indem Prozessparameter, Serien- oder Chargennummern erfasst werden“, fügt Steininger hinzu. Dies dient der Nachverfolgbarkeit und Transparenz in der Produktion.

Fertigungsprozesse und LLM

Large Language Models (LLMs) werden in diesem Segment zur wesentlichen Komponente, wie Steininger erläutert: „Mit Large Language Models besteht die Möglichkeit, nicht nur mechanisch zu automatisieren, sondern auch intellektuell. Die Modelle transformieren die Informationsbereitstellung von einer reinen Datenlieferung zur Wissensvermittlung.“ Dadurch erfolgt eine präzisere und kontextgerechtere Darstellung von Arbeitsanweisungen, die in Echtzeit generiert und angepasst werden können. Gleichzeitig stehen Mehrsprachigkeit sowie Sprachverstehen und -ausgabe einfach zur Verfügung.

Marktverfügbares Produkt

Ein Beispiel für die Integration von LLMs in Arbeitsplatzsysteme ist das Produkt WorkstAItion 5.0 des Anbieters. Schon bisher hat das Assistenzsystem manuelle Prozesse digitalisiert dargestellt, um etwa die Ansteuerung von Prüfständen zu vereinfachen. Mit der Plattform Halerium steht nun aber auch ein Werkzeug bereit, mit dem LLMs und KI-Algorithmen genauso wie Automatisierungseinheiten in das System integriert werden können. Technisch gesehen ist die Integration dadurch einfach umsetzbar, mit teils beträchtlicher Wirkung.

System in Echtzeit pflegen

Arbeitsanweisungen hinsichtlich Sprache, Stil und Grammatik zu erstellen und zu überarbeiten ist quasi Standard. Sie inhaltlich zu generieren und anzupassen aufgrund konkreter Umgebungsbedingungen oder Produktzustände ist grundsätzlich machbar. Jedoch stellt sich in industriellen Umgebungen die Frage, ob dies erlaubt, sinnvoll und zielführend ist. Steininger weist in diesem Zusammenhang außerdem auf den nicht zu unterschätzenden Aufwand hin: „Im Wesentlichen ist das mit dem autonomen Fahren vergleichbar. Es wird und wurde ein enormer Aufwand in der Fahrzeugindustrie unternommen, um den Prozess des Fahrens autonom zu machen – wobei es sich hier lediglich um einen einzigen Prozess handelt. Bei einer Vielzahl an Industrieprozessen, in denen Arbeitsanweisungen autonom aktualisiert werden müssen, gestaltet sich das weitaus aufwendiger.“ Als Lösung steht im Assistenzsystem der Firma nun die Video2workinstruction-Pipeline bereit. Das System erzeugt aus einem Video mit Tonspur eine bebilderte und mit Videosequenzen versehene Arbeitsanweisung.

Technik besser verstehen

Andreas Tobisch, operativer Geschäftsführer (COO) bei DE Software & Control, sieht zudem einen Vorteil darin, dass durch die Nutzung von LLMs Verständnisschwierigkeiten zwischen Mensch und Maschine reduziert werden, da die Qualität der ausgegebenen Sprache und Übersetzungen LLM-gestützt ein höheres Niveau erreichen und gleichsam Nachfragen sowie Verbesserungsvorschläge über Chatbots kommuniziert werden können. Die Bereitstellung von Chatbots reduziert zudem den Zeit- und Personalaufwand zum Onboarding neuer Mitarbeiter. Denn zur Einarbeitung gehören bekanntlich immer zwei: Lehrer und Schüler. „Der Chatbot übernimmt die Rolle des Lehrers, wodurch eine Person weniger benötigt wird. Der Schüler kann außerdem beliebig oft bei Unklarheiten nachfragen, ohne sich dabei die Blöße zu geben. Dies führt zu einer schnelleren und effizienteren Einarbeitung neuer Mitarbeiter und trägt letztlich zur Effizienzsteigerung in der Produktion bei“, sagt Steininger.

Arbeitsanweisungen spontan erstellen: Mit der Video2workinstruction-Pipeline ist das möglich.
Arbeitsanweisungen spontan erstellen: Mit der Video2workinstruction-Pipeline ist das möglich. – Bild: DE Software & Control GmbH

Integration bleibt wichtig

Die Anbindung des Assistenzssystems an MES-, ERP- und PLM-Anwendungen bleibt auch im Fall von WorkstAItion 5.0 eine wichtige und notwendige Aufgabe, um die in diesen Systemen enthaltenen Informationen nutzen zu können. „Die technische Realisierung ist dabei weniger die Schwierigkeit“, so Steininger. „Wichtig ist vielmehr die Datenqualität und die Zuordenbarkeit, und hier hapert es oft.“ WorkstAItion 5.0 stellt in diesem Zusammenhang ein Content Management System (CMS) für die Informationssammlung zur Verfügung. Darüber hinaus sind Schnittstellen zu gängigen Industriesoftwares sowie zu Automatisierungssystemen wie SPSen und zu LLMs über die Plattform Halerium enthalten. Das Produkt ist sowohl für Einzelplätze als auch komplexe Montagelinien ausgelegt. Es unterstützt zahlreiche Eingabesysteme und freie Gestaltung von Layouts und Prozessabläufen.

LLM in der Industrie

Über kurz oder lang werden LLM-basierte Arbeitsplatzsysteme in der Industrie zur Normailität werden, ist ist sich Steininger sicher. Die Zukunft der Industrie wird somit durch die Nutzung von LLMs und KI-Technologien geprägt sein, die Effizienz, Qualitätssicherung und Flexibilisierung auf ein ganz neues Niveau heben.



  • Maschinen- und Anlagenbauer mit Auftragsplus

    Maschinen- und Anlagenbauer mit Auftragsplus

    Ein Auftragsplus von 32 Prozent haben die Maschinen- und Anlagenbauer im vergangenen Jahr erzielt. Dabei legten die Bestellungen auch im Dezember zu — im Vorjahresvergleich um 21 Prozent.

    mehr lesen: Maschinen- und Anlagenbauer mit Auftragsplus

  • Dassault Systèmes erzielt Umsatzwachstum

    Dassault Systèmes erzielt Umsatzwachstum

    Mit einem Umsatzplus von 11 Prozent hat Dassault Systèmes das Geschäftsjahr 2021 abgeschlossen. Dabei war vor allem der Softwarebereich Wachstumstreiber.

    mehr lesen: Dassault Systèmes erzielt Umsatzwachstum

  • M&M Software unter neuer Leitung

    M&M Software unter neuer Leitung

    Ab Juli steht M&M Software unter neuer Leitung. Der Langjährige Geschäftsführer Klaus Hübschle übergibt an Christian Gnädig und Thomas Gaus.

    mehr lesen: M&M Software unter neuer Leitung

  • Geschäftsklima in der Digitalbranche erreicht Vor-Corona-Niveau

    Geschäftsklima in der Digitalbranche erreicht Vor-Corona-Niveau

    Mit einem Plus von 5,4 Punkten liegt der Ifo-Bitkom-Digitalindex nun bei 30 Punkten. Die deutsche Digitalbranche hat somit wieder ihr Vor-Corona-Niveau erreicht. Die Personalsorgen der Branche sind laut Index jedoch…

    mehr lesen: Geschäftsklima in der Digitalbranche erreicht Vor-Corona-Niveau

  • Arbeitsmarkt kommt ‚ohne große Schrammen‘ durch die Welle

    Arbeitsmarkt kommt ‚ohne große Schrammen‘ durch die Welle

    Nach vier Rückgängen in Folge ist das IAB-Arbeitsmarktbarometer im Januar wieder gestiegen. Die zahlen deuten u.a. auf weiter steigende Beschäftigung hin.

    mehr lesen: Arbeitsmarkt kommt ‚ohne große Schrammen‘ durch die Welle

  • EU-Kommission stellt neue Normungsstrategie vor

    EU-Kommission stellt neue Normungsstrategie vor

    Die EU-Kommission hat eine neue Normungsstrategie vorgestellt. Diese sieht u.a. vor, die Einflussnahme von Akteuren aus nicht-Mitgliedsstaaten eindämmen. Zudem soll die Rolle Europas bei globalen Normen gestärkt werden.

    mehr lesen: EU-Kommission stellt neue Normungsstrategie vor

  • Statamath wird Tochter von IFM Solutions

    Statamath wird Tochter von IFM Solutions

    IFM Solutions hat den Big-Data-Spezialisten Statamath übernommen. Alexander Hoffmann und Christian Friedrich sollen das Unternehmen weiterhin führen.

    mehr lesen: Statamath wird Tochter von IFM Solutions

  • Smart Systems Hub erweitert IoT-Labor

    Smart Systems Hub erweitert IoT-Labor

    Rund 500.000€ investiert der Smart Systems Hub in den Ausbau seines ‚IoT-Labs‘. Unternehmen und Institute können dort beispielsweise Roboter per über die Cloud mithilfe von 5G fernsteuern.

    mehr lesen: Smart Systems Hub erweitert IoT-Labor

  • Kooperation zwischen AIF und IDTA

    Kooperation zwischen AIF und IDTA

    Die Industrial Digital Twin Association und Alliance Industrie du Futur haben ein Memorandum of Understanding unterzeichnet. Beide wollen sich u.a. auf Digital Twin-Projekte fokussieren, die der Industrie zu mehr Nachhaltigkeit…

    mehr lesen: Kooperation zwischen AIF und IDTA

  • World of Quantum geht in München an den Start

    World of Quantum geht in München an den Start

    Eine Plattform für die Quantentechnologie will die Messe München mit der World of Quantum bieten, die erstmals im Rahmen der Laser World of Photonics stattfinden soll.

    mehr lesen: World of Quantum geht in München an den Start

  • Pandemie hemmt Innovationen und ist zugleich Impulsgeber

    Pandemie hemmt Innovationen und ist zugleich Impulsgeber

    Im Jahr 2020 haben deutsche Unternehmen ihre innovationsausgaben reduziert. Wie aus Erhebungen des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung hervorgeht, sind die Innovationstätigkeiten dabei vor allem bei Großunternehmen zurück gegangen.

    mehr lesen: Pandemie hemmt Innovationen und ist zugleich Impulsgeber

  • FMB 2022 findet früher statt

    FMB 2022 findet früher statt

    Die Vorverlegung der SPS führt dazu, dass die FMB – Zuliefermesse Maschinenbau nun ebenfalls früher stattfindet. Statt wie ursprünglich geplant Mitte November, sind die Veranstalter auf einen Termin Mitte Oktober…

    mehr lesen: FMB 2022 findet früher statt