Zukunftstechnologien: Wenn das Rechenzentrum unter Wasser steht

463480
Bild: ©Kashif/stock.adobe.com

Im Jahr 2023 waren Rechenzentren und Datenübertragungsnetze für einen Prozent der energiebedingten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Und um ein Netto-Null-Ziel zu erreichen, müssen die Emissionen bis 2030 um die Hälfte sinken. Insbesondere die Kühlung von Rechenzentren wird oft als besonders energieintensiv hervorgehoben und erfordert daher besondere Aufmerksamkeit.

Hyperscaler vs. Lightweight Edges

Schaut man auf die technischen Features von Rechenzentren im Jahr 2030, werden sich diese vor allem in zwei Richtungen entwickeln. Einerseits wird der Bau von Hyperscale-Rechenzentren weiter zunehmen, sodass bis 2030 die effektive Rechenleistung für allgemeine Zwecke und KI-Rechenleistung eines einzelnen Clusters schätzungsweise 70 EFLOPS (ExaFLOPS = 1018 Floating Point Operations Per Second) bzw. 100 EFLOPS bei einer Speicherkapazität von einem Exabyte beträgt.

Energieeffizientes Kühlen

Kühlsysteme gehören zu den größten Energieverbrauchern in einem Rechenzentrum, weshalb Innovationen notwendig sind, um den CO2-Fußabdruck zu verringern. Neben technischen Neuerungen nehmen Kühltechnologien künftig eine Schlüsselrolle für Rechenzentren ein, um die Power Usage Effectiveness (PUE) zu senken.

Die moderne Kühltechnik sollte umweltfreundlich, energiesparend, innovativ, modular und integriert sein. Darüber hinaus sollten intelligente Ansätze in Kombination mit dem Betriebszustand der IT-Systeme eingesetzt werden, um eine dynamische Anpassung und Regelung zu ermöglichen.

Bei der Rack-Kühlung werden etwa Luft-Wasser-Wärmeübertrager in die Serverschränke integriert. Hierbei ist es nicht notwendig, gesonderte Zwischenwände einzuziehen, lediglich die Raumhöhe müsste bei Bedarf angepasst werden. Diese Art der Kühlung kann bis zu 35kW Wärmelasten abführen und erreicht damit den besten Wert für die PUE. Zusätzlich stellt die Wärmerückgewinnung eine Technologie mit bisher großem ungenutztem Potenzial dar. Statt die durch IT-Komponenten erzeugte Abwärme in die Luft abzugeben, wie es aktuell oft der Fall ist, kann diese – etwa durch in den Wänden installierte Wärmetauscher oder Wärmepumpen – auch in das Fernwärmesystem gespeist und zu nahegelegenen Häusern geleitet werden.

Vom Meer bis in das Weltall

Herausforderungen wie begrenzte räumliche Kapazitäten und insbesondere der Bedarf für nachhaltigere Rechenzentren bieten auch Möglichkeiten für weitere Rechenzentrumsmodelle, wie etwa Unterwasser oder im Weltraum. Diese bieten unter anderem Möglichkeiten für Energieeinsparungen im energieintensiven Bereich der Kühlung. Rechenzentren, die unter Wasser angesiedelt sind, könnten das kalte Meerwasser als natürliches Kühlmittel nutzen. Dies ist vor allem dank der hohen Wärmekapazität von Meerwasser möglich. Ein weiterer Effekt ist, dass viele der weltweit größten Internetunternehmen und High-Tech-Clouds in Küstennähe angesiedelt sind, was niedrige Latenzzeiten bei der Datenübertragung mit sich bringt. Auch die Betriebs- und Installationskosten von Unterwasser-Rechenzentren sind aufgrund der eingesparten Landfläche und der niedrigen Energiekosten vergleichsweise gering. So wird vor der Küste Sanyas, China, derzeit das erste Unterwasser-Rechenzentrum gebaut und soll Schätzungen zufolge 122 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr einsparen. Inwieweit das korrosive Salzwasser Auswirkungen auf den Austausch etwaiger Verschleißteile hat und wie es um die langfristigen Auswirkungen auf das marine Ökosystem bestellt ist, muss allerdings noch erforscht werden.

Seiten: 1 2



  • KIT forscht an 6G-Technologien

    KIT forscht an 6G-Technologien

    Ein am KIT in Karlsruhe entwickeltes Konzept soll hohe Datenübertragungsraten bei niedrigen Kosten ermöglichen — für die sechste Generation des Mobilfunks. Dabei haben die Forscher die bislang höchste Datenrate in…

    mehr lesen: KIT forscht an 6G-Technologien

  • Industrie erwartet Produktionsplus

    Industrie erwartet Produktionsplus

    Die Produktionserwartungen der deutschen Industrie haben sich laut aktuellen Zahlen des Ifo-Instituts leicht verbessert. Im Maschinenbau kletterten die Erwartungen, nach minus 12 Punkten im Juli, wieder in den positiven Bereich.

    mehr lesen: Industrie erwartet Produktionsplus

  • Expleo bezieht neues Technologiezentrum

    Expleo bezieht neues Technologiezentrum

    Anfang August hat Expleo sein neues Technologiezentrum bezogen. Dort sollen zukünftig Software- und Elektroniksysteme für automobile Anwendungen entwickelt werden.

    mehr lesen: Expleo bezieht neues Technologiezentrum

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Neues Vorstandsmitglied beim VDMA Robotik + Automation

    Neues Vorstandsmitglied beim VDMA Robotik + Automation

    Der VDMA Fachverband Robotik + Automation hat mit Ralf Winkelmann ein neues Vorstandsmitglied berufen.

    mehr lesen: Neues Vorstandsmitglied beim VDMA Robotik + Automation

  • Unternehmen erwarten exponentielles Datenwachstum

    Unternehmen erwarten exponentielles Datenwachstum

    Die Menge an Daten wird in den nächsten Jahren weiter zunehmen. Wie gut Unternehmen darauf vorbereitet sind und welche Hindernisse durch Dark Data entstehen, zeigt eine aktuelle Studie von Splunk.

    mehr lesen: Unternehmen erwarten exponentielles Datenwachstum

  • Auftragsrückgang schwächt sich ab

    Auftragsrückgang schwächt sich ab

    Die Auftragseingänge im Maschinen- und Anlagenbau sind auch im Juli prozentual zweistellig gesunken, allerdings hat sich der Rückgang im Vergleich zu den Vormonaten abgeschwächt.

    mehr lesen: Auftragsrückgang schwächt sich ab

  • Arbeitsmarktbarometer legt erneut zu

    Arbeitsmarktbarometer legt erneut zu

    Mit einem Anstieg von 0,6 Punkten im Vergleich zum Juli liegt das IAB-Arbeitsmarktbarometer im August weiter auf Erholungskurs. Die Beschäftigungskomponente des Frühindikators sank jedoch leicht.

    mehr lesen: Arbeitsmarktbarometer legt erneut zu

  • Neue Technologie am Arbeitsplatz bietet Karrierechancen

    Neue Technologie am Arbeitsplatz bietet Karrierechancen

    Grundsätzlich stehen Arbeitnehmer der Einführung neuer Technologie am Arbeitsplatz positiv gegenüber. Entsprechende Modernisierungen sehen viele Arbeitstätige unter anderem als Chance, ihre Karriere voranzubringen. Das geht aus einer Studie des Payroll-…

    mehr lesen: Neue Technologie am Arbeitsplatz bietet Karrierechancen

  • Allianz kombiniert KI und IoT

    Allianz kombiniert KI und IoT

    Device Insight, Anbieter von IoT- und IIoT-Lösungen, und Sentian, schwedischer Spezialist für industrielle KI, bündeln ihre Expertise, um Unternehmen dabei zu unterstützen, ihre Produktionsprozesse im Sinne einer Smart Factory zu…

    mehr lesen: Allianz kombiniert KI und IoT

  • Gerhard Knoch wechselt von Infor zu Procad

    Gerhard Knoch wechselt von Infor zu Procad

    Gerhard Knoch, bisher Vice President bei Infor, stößt als neuer Geschäftsführer zum PLM-Anbieter Procad.

    mehr lesen: Gerhard Knoch wechselt von Infor zu Procad

  • Die Sicherheit im Hafen erhöhen

    Die Sicherheit im Hafen erhöhen

    Häfen zählen zu den kritischen Infrastrukturen. Die möglichen Sicherheitsrisiken sind vielfältig, insbesondere in digitalisierten Containerterminal-Prozessen. Ein neues Methoden- und Werkzeugset, entwickelt am Fraunhofer-Instituts für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF, soll die…

    mehr lesen: Die Sicherheit im Hafen erhöhen