Was Maschinenbauer über den Data Act wissen sollten

AI act data points European Union flag
Bild: ©noah9000/stock.adobe.com

Der EU Data Act ist Teil der umfassenden Digitalstrategie der Europäischen Union zur Förderung der Datenwirtschaft innerhalb des Binnenmarkts. Mit ihm soll der Zugang zu und die Nutzung von Daten reguliert und verbessert werden. Im Kern stehen zwei Arten von Festlegungen:

  • Wer darf auf maschinengenerierte Daten zugreifen?
  • Wie sollen diese Daten geteilt werden?

Auf diese Weise sollen Innovation und Wettbewerb gefördert sowie gleichzeitig aber sensible Daten von Nutzern, Verbrauchern und Unternehmen geschützt und deren Rechte gestärkt werden.

Chancen für die Industrie

Für die Industrie verspricht der EU Data Act einige Effekte:

  • Zugangsrechte zu Daten: Bisher waren es oft nur Maschinenhersteller, die auf die Daten zugreifen konnten, was die Betreiber in eine Abhängigkeit brachte. Mit dem EU Data Act wird der Zugang für sie erleichtert.
  • Datenkontrolle: Betreiber von Fabriken erhalten mehr Kontrolle über die Daten, die durch den Betrieb ihrer Maschinen entstehen. Dies ermöglicht eine bessere Integration der Daten in unternehmenseigene Systeme.
  • Innovation & Wettbewerbsfähigkeit: Durch den besseren Zugang zu Daten entstehen neue Potenziale und Innovationen können vorangetrieben werden. Anlagenbetreiber können etwa datengetriebene Dienstleistungen wie „Predictive Maintenance“ oder „Condition Monitoring“ effizienter nutzen und weiterentwickeln.

Relevanz für den Maschinenbau

Maschinen und Anlagen generieren eine enorme Menge Daten. Diese sind nicht nur für Hersteller, sondern auch für Fabrikbetreiber relevant. Der Data Act stellt klar, dass diese Daten den Maschinenbetreibern gehören und diese auch das primäre Nutzungsrecht der Daten haben. Das heißt, Betreiber können die Daten an die Hersteller der Maschinen übermitteln, müssen dies aber nicht. Gleichzeitig jedoch müssen die Maschinenhersteller den Betreibern die Daten zugänglich machen. Diese Regelung bringt die Maschinenbauer in eine schwierige Situation. Denn einerseits müssen sie zu einer datengetriebenen Produktivitätssteigerung beitragen. Andererseits sichert ihnen der EU Data Act den Zugriff auf die dafür notwendigen Daten nicht. Maschinenbauer sind also gefordert, solche Services anzubieten, für die Kunden gerne die relevanten Daten zur Verfügung stellen.

Was Maschinenbauer wissen müssen

Um die Regelungen des EU Data Acts für sich zu nutzen und sich auf die Herausforderungen vorzubereiten, sollten Maschinenbauer folgende Schritte unternehmen.

Datenstruktur evaluieren

Nicht alle maschinengenerierten Daten sind für Maschinenbauer von gleichem Wert. Prozessdaten wie etwa Start- und Endzeitpunkt eines Produktionsauftrags sind beispielsweise für übergeordnete Planungssysteme, aber nicht für Maschinenbauer von Bedeutung.

Sie sollten sich vor allem auf Daten rund um die Maschine und den auf ihr implementierten Technologie-Prozess konzentrieren. Diese können ihnen helfen, ihre Kernkompetenzen zu schützen, zu nutzen und weiterzuentwickeln. Oberstes Ziel ist, das eigene Knowhow für sich selbst und den eigenen Kunden gewinnbringend einzusetzen. Das betrifft in erster Linie:

  • Die Maschine als mechatronisches System: Daten, die Informationen über den Betrieb der Maschine selbst liefern, z.B. Zustandsdaten oder Verschleißparameter.
  • Den Prozess als Intellectual Property: Daten, die den Technologie-Prozess betreffen und die Symbiose aus Maschine, Werkzeug und Software abbilden, z.B. Optimierung von Schnittgeschwindigkeiten oder Presskräften.

Zentrale Fragen sind etwa:

  • Wie kann die Maschine optimal in Betrieb gehalten werden?
  • Wie kann der Produktionsprozess auf der Maschine verbessert werden?
  • Wie kann die Gesamtanlageneffektivität (OEE) gesteigert werden?

Die damit zusammenhängenden Daten rund um die Maschine und ihre Integration in Produktionsprozesse sind entscheidend, um das eigene Knowhow zu schützen und gleichzeitig den Maschinenbetreibern eine höhere Produktivität durch datenbasierte Services zu bieten.

Für Maschinenbauer gilt es, Strategien zu entwickeln, um derartige Daten vom Betreiber zu erhalten und nützliche digitale Dienste darauf aufzubauen.

Verträge anpassen

Bereits beim Verkauf der Maschinen sollten Maschinenbauer vertraglich regeln, dass sie selbst Zugang zu den relevanten Daten haben. Auf diese Weise können nachteilige Nachverhandlungen mit dem Kunden vermieden werden.

Vertrauen stärken

Maschinenhersteller und deren Kunden sind oft langjährige Partner. Indem Maschinenbauer ihre Absichten zum Umgang und der Verwertung der Daten transparent machen, stärken sie das Vertrauen und die Motivation, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. Selbstverständlich müssen dabei auf beiden Seiten Vorteile erzielt und Basisanforderungen wie IT-Sicherheit erfüllt werden.

Service gegen Daten tauschen

Durch das Teilen digitaler Daten ergeben sich viele neue Möglichkeiten für Serviceangebote zur Laufzeit der Maschine, angefangen bei Service-Subscriptions bis hin zu Pay-per-X-Modellen. Wie das in der Praxis aussehen könnte, zeigt das Beispiel:

Angenommen, eine Maschine hat einen internen Betriebsstundenzähler, aus welchem sich ablesen lässt, wann bestimmte Komponenten wie etwa der Vorschub gewartet werden müssen (z.B. alle 5.000 Betriebsstunden). Der Betreiber könnte diese Informationen eigenständig überwachen und ein internes Wartungssystem aufbauen – dies ist jedoch mit Aufwand verbunden. Eine Möglichkeit wäre es daher, wenn der Maschinenbauer diesen Service im Austausch gegen die für ihn interessanten Maschinendaten übernimmt.

In der Praxis sieht dies wie folgt aus: Ein Basisservice wertet die verschiedenen Zähler aus und gibt individuelle Wartungsempfehlungen über ein Kundenportal oder eine App. Dieser Service ist kostenlos (bzw. erfolgt im Gegenzug für das Bereitstellen der Daten). Aufbauend auf den dann vorhandenen Daten können weitere Services gegen Bezahlung angeboten werden wie beispielsweise verbrauchsorientierte Serviceverträge, Predictive-Services auf Basis von IoT-Gesundheitsdaten und mehr.

Frühzeitig Grundlagen schaffen

Der EU Data Act stellt Maschinenbauer vor Herausforderungen, bietet aber auch Chancen. Es gilt, frühzeitig vertragliche Grundlagen zu schaffen, relevante Daten zu identifizieren und digitale Serviceangebote zu entwickeln, die Kunden an das eigene Unternehmen binden.



  • Neues Forschungszentrum für die kognitive Produktion entsteht

    Neues Forschungszentrum für die kognitive Produktion entsteht

    Das Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU hat den Bau des neuen Forschungszentrums begonnen. Im Neubau soll dann an Systemen im Sinn einer kognitiven Produktion geforscht werden. Konkreter ist damit…

    mehr lesen: Neues Forschungszentrum für die kognitive Produktion entsteht

  • 86 Prozent finden DSGVO-Umsetzung schwierig

    86 Prozent finden DSGVO-Umsetzung schwierig

    Für 86 Prozent der Firmen ist es sehr herausfordernd, die DSGVO umzusetzen, ergab eine Umfrage von Piwik Pro. Doch dass Konformität und ihre Marketingaktivitäten vereinbar seien, gaben 90 Prozent der…

    mehr lesen: 86 Prozent finden DSGVO-Umsetzung schwierig

  • SuperOffice-CEO Jentoft geht nach 18 Jahren

    SuperOffice-CEO Jentoft geht nach 18 Jahren

    Der CRM-Softwareanbieter SuperOffice hat Lars Engbork zum neuen CEO ernannt. Er übernimmt die Leitung von Gisle Jentoft, der das norwegische Unternehmen 18 Jahre lang geführt hat. Seit 2020 hält der…

    mehr lesen: SuperOffice-CEO Jentoft geht nach 18 Jahren

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Transferprojekt vermittelt Blockchain-Wissen für KMU

    Transferprojekt vermittelt Blockchain-Wissen für KMU

    Im neu gestarteten Projekt DUH-IT sollen KMU aus Dortmund, Unna und Hamm den Einsatz von Blockchain-Technologie in der Lieferkettengestaltung erkunden. So wollen das Fraunhofer IML und die TU Dortmund die…

    mehr lesen: Transferprojekt vermittelt Blockchain-Wissen für KMU

  • Maschinenausfuhren gehen zurück

    Maschinenausfuhren gehen zurück

    Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau hat im ersten Quartal 2024 nominal 4,6 Prozent weniger als im Vorjahr exportiert, meldet der Branchenverband VDMA. Die Exporte nach China sinken weiter, das Wachstum…

    mehr lesen: Maschinenausfuhren gehen zurück

  • All About Automation in Heilbronn vorüber

    All About Automation in Heilbronn vorüber

    Das Messekonzept der All About Automation: überschaubar, praxisnah und regional. Damit ist Veranstalterin Easyfairs erfolgreich, die dritte Ausgabe der Automatisierungsschau in Heilbronn verzeichnete rund 30 Prozent mehr Aussteller und 40…

    mehr lesen: All About Automation in Heilbronn vorüber

  • Instandhaltung und Field Service mit SAP-Software abwickeln

    Instandhaltung und Field Service mit SAP-Software abwickeln

    Der 28. Jahreskongress SAP EAM 2024 findet am 20. und 21. Juni in Berlin statt. Auch dieses Mal stehen auf der unabhängigen Konferenz Neuigkeiten und Herausforderungen rund um SAP-softwaregestütztes Instandhaltungsmanagement…

    mehr lesen: Instandhaltung und Field Service mit SAP-Software abwickeln

  • AI Act nimmt letzte Hürde

    AI Act nimmt letzte Hürde

    Die Mitgliedsstaaten der EU wollen am 21. Mai 2024 im Ministerrat den AI Act beschließen. In der Verordnung werden Systeme mit künstlicher Intelligenz nach Risikoklassen unterteilt und reguliert. Bitkom-Präsident Dr.…

    mehr lesen: AI Act nimmt letzte Hürde

  • Decide4ECO nutzt Manufacturing-X für nachhaltige Produktentwicklung

    Decide4ECO nutzt Manufacturing-X für nachhaltige Produktentwicklung

    Im Rahmen der Initiative Manufacturing-X fördert das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) das Konsortialprojekt Decide4Eco mit 7,3Mio.€. Das Projekt beschäftigt sich mit der Frage, wie Produkte nachhaltiger entwickelt und…

    mehr lesen: Decide4ECO nutzt Manufacturing-X für nachhaltige Produktentwicklung

  • Forschungsbeirat Industrie 4.0 stellt Engineering-Roadmap vor

    Forschungsbeirat Industrie 4.0 stellt Engineering-Roadmap vor

    Der Forschungsbeirat Industrie 4.0 stellt mit seiner Engineering-Roadmap und den darin enthaltenen Themenblöcken einen Rahmen für konkrete Forschungsschwerpunkte der nächsten zehn Jahre vor. Im Mittelpunkt stehen vier Hauptthemen.

    mehr lesen: Forschungsbeirat Industrie 4.0 stellt Engineering-Roadmap vor

  • Eine gemeinsame Sprache für Daten finden

    Eine gemeinsame Sprache für Daten finden

    Unternehmen treffen Entscheidungen meist auf Basis von strukturierten Daten. Dabei haben auch unstrukturierte Daten Erkenntnisse zu bieten. Der Software-Spezialist Progress erläutert, wie Unternehmen die beiden Datentypen zu einem sinnvollen Ganzen…

    mehr lesen: Eine gemeinsame Sprache für Daten finden