Von statischer Planung zur taktgebundenen Steuerung

Als Hersteller von Entsorgungsfahrzeugen und Aufbauten steht Faun Umwelttechnik für hohe Variantenvielfalt, komplexe Stücklisten und anspruchsvolle Kundenprojekte. Genau diese Komplexität brachte die Produktionsplanung an ihre Grenzen. Mit der Einführung von PiT-Produzieren im Takt und der Software 3Liter-PPS wurde die Produktion daher grundlegend neu aufgestellt. Die Effekte zeigen sich deutlich in Transparenz, Termintreue und Produktivität.

SFM FAUN
Bild: LF Consult GmbH

Hohe Komplexität bei geringer Transparenz

IMG 7010
Bild: LF Consult GmbH

Vor Projektstart wurde die Liefertreue faktisch nicht gemessen – es fehlte an durchgängiger Transparenz über Auftragsfortschritt, Kapazitätslage und Engpässe. Rückstände bauten sich wiederholt auf. Engpässe wurden häufig erst spät erkannt und nur unzureichend mit flexibler Kapazität versorgt. Aufträge mussten zwar nicht abgelehnt werden, jedoch kam es mehrfach im Jahr zu Umplanungen. Liefertermine wurden verschoben, da die Produktion kapazitiv überlastet war und sich immer wieder Rückstände aufgebaut hatten. Die Folge waren sinkende Planungssicherheit und hoher Abstimmungsaufwand. Besonderheit der Planung war, dass es keine Trennung zwischen Grob- und Feinplanung gab. Stattdessen wurde jede Linie tagesgenau mit fester Reihenfolge durchgeplant. Diese statische Planung führte zu hoher Störanfälligkeit – jede Abweichung zog aufwendige Umplanungen nach sich. Vor diesem Hintergrund definierte Faun klare Ziele: die Steigerung der Produktivität, die Verbesserung der Liefertermintreue, den Abbau von Rückständen und Materialbeständen sowie die Erhöhung des Outputs. Gesucht wurde eine Anwendung, die in ihrem Steuerungsansatz Planung und Produktion verzahnt.

Vom Messekontakt zum Echtstart

VARIOPRESS 524 MAN
Bild: LF Consult GmbH

Der Erstkontakt mit LF Consult entstand lange vor dem Projektstart auf einer Fachmesse. 2019 folgte ein Besuch bei einem Anwenderunternehmen, um das Produktionsplanungssystem im Echtbetrieb zu prüfen. Die Entscheidung zur Einführung fiel im selben Jahr. Doch der ursprünglich für 2020 geplante Start wurde pandemiebedingt verschoben und der Go-Live erfolgte Mitte 2021. Das Projekt begann mit einem Planspiel und einem strukturierten Kick-off. In Workshops wurden die Anforderungen der Software mit den Prozessen bei Faun abgeglichen. Besondere Herausforderungen ergaben sich durch ein sehr spezifisches ERP-System, spezielle Stücklisten und die Optionsvielfalt. Dennoch konnten für alle Themen tragfähige Lösungen entwickelt werden.

42 Prozentpunkte höhere Termintreue

Die Wirkung zeigte sich schnell: Innerhalb der ersten sechs Monate nach dem Go-Live stieg die Termintreue von 29 Prozent auf 71 Prozent – eine Verbesserung um 42 Prozentpunkte. Möglich wurde dies durch eine Trennung von Grob- und Feinplanung, taktbasierte Steuerung sowie transparente Pull-Daten. Engpässe werden heute frühzeitig erkannt. Kapazitäten können flexibilisiert werden. Umplanungen erfolgen strukturiert und mit klarer Priorisierung. Die Produktionsplanung berichtet von einem enorm wichtigen Schulterschluss von Planung und Produktion – für mehr Transparenz und klare Kommunikation. Insgesamt ist eine Kostensenkung über alle Bereiche hinweg zu verzeichnen.

Auswirkungen über die Produktion hinaus

Die Einführung wirkt auch außerhalb der Produktion. Dem Vertrieb hilft die höhere Termintreue und verlässlichere Lieferzusage. Auch die Logistik wurde enger angebunden. Die Produktion kann das Material direkt aus der Software heraus im Hauptlager abrufen. Die Materialbereitstellung erfolgt abgestimmt auf den Takt. Der Einkauf kann Bestellungen und Anliefertermine anpassen, da Bedarfe transparenter und früher sichtbar sind. Perspektivisch soll auch die Administration stärker integriert werden, um Auftragsfortschritte und Kapazitäten bereichsübergreifend zu steuern.

IMG 7037
Die Fahrzeuge von Faun sind komplex und variantenreich. Eine Herausforderung für jeden Produktionsplaner. – Bild: LF Consult GmbH

Organisation und Führung

Die Einführung der digitalen Produktionsplanung markiert bei Faun den Übergang von einer detailliert-statischen, störanfälligen Planung hin zu einer taktgebundenen, transparenten Produktionssteuerung. Die messbare Verbesserung der Termintreue, der strukturierte Umgang mit Engpässen und die bereichsübergreifende Transparenz zeigen: Gerade in variantenreichen Produktionsumgebungen der Nutzfahrzeug- und Umwelttechnik lohnt sich der systemische Ansatz von PiT-Produzieren im Takt. Für Produktionsleiter und Geschäftsführer bedeutet dies vor allem eines: Planungssicherheit entsteht nicht durch mehr Detailtiefe, sondern durch klare Taktung, konsequente Engpasssteuerung und einen engen Schulterschluss zwischen Planung und Produktion.



  • Fehlerhaftes Update sorgt weltweit für Ausfälle

    Fehlerhaftes Update sorgt weltweit für Ausfälle

    Ein fehlerhaftes Update einer Sicherheitssoftware hatte am Freitag weltweit für IT-Ausfälle auf Windows-Systemen gesorgt. Aber auch Microsoft selbst meldete Probleme. Mittlerweile hat sich die Situation nach Angaben des BSI wieder…

    mehr lesen: Fehlerhaftes Update sorgt weltweit für Ausfälle

  • Geschäftsklima in der Chemischen Industrie verschlechtert sich

    Geschäftsklima in der Chemischen Industrie verschlechtert sich

    Zuletzt stieg der Ifo-Index der Chemischen Industrie vier Mal in Folge. Im Juni hat sich die Stimmung jedoch wieder verschlechtert.

    mehr lesen: Geschäftsklima in der Chemischen Industrie verschlechtert sich

  • Siemens simuliert Akustik des Großen Festspielhauses in Salzburg

    Siemens simuliert Akustik des Großen Festspielhauses in Salzburg

    Neben der Industrie kann auch die Kultur- und Kreativbranche vom digitalen Zwilling profitieren. Wie? Das zeigt Siemens am Beispiel des Großen Festspielhauses in Salzburg.

    mehr lesen: Siemens simuliert Akustik des Großen Festspielhauses in Salzburg

  • Fraunhofer-Forscher machen altes Schmiedeverfahren fit für die Zukunft

    Fraunhofer-Forscher machen altes Schmiedeverfahren fit für die Zukunft

    Das Gesenkschmieden ist ein traditionsreiches Fertigungsverfahren zur Herstellung von Metallteilen mit komplexen Formen. Sollen große Metallteile hergestellt werden, sind robuste und schwere Gesenke erforderlich. Deren Wechsel dauert oft mehrere Stunden…

    mehr lesen: Fraunhofer-Forscher machen altes Schmiedeverfahren fit für die Zukunft

  • Joachim Herz Stiftung investiert in Weidmüller

    Joachim Herz Stiftung investiert in Weidmüller

    Weidmüller hat bekannt gegeben, dass sich die Hamburger Joachim Herz Stiftung im Rahmen einer Kapitalerhöhung an dem Unternehmen beteiligt.

    mehr lesen: Joachim Herz Stiftung investiert in Weidmüller

  • Wenige Fertiger haben strenge DMARC-Richtlinien

    Wenige Fertiger haben strenge DMARC-Richtlinien

    Trotz zunehmender Cyberangriffe haben Fertigungsunternehmen laut einer Studie von EasyDMARC Defizite beim Schutz gegen Phishing- und Spoofing-Angriffe.

    mehr lesen: Wenige Fertiger haben strenge DMARC-Richtlinien

  • Unternehmen können KI-Erwartungen des Managements nicht erfüllen

    Unternehmen können KI-Erwartungen des Managements nicht erfüllen

    Deutsche Führungskräfte wollen dem Hype um künstliche Intelligenz (KI) folgen, so das Ergebnis einer Studie von IFS. Die Unternehmen sind jedoch noch nicht in der Lage, die Erwartungen an die…

    mehr lesen: Unternehmen können KI-Erwartungen des Managements nicht erfüllen

  • Trumpf und SiMa.ai statten Lasersysteme mit KI-Chips aus

    Trumpf und SiMa.ai statten Lasersysteme mit KI-Chips aus

    Die Unternehmen Trumpf und SiMa.ai entwickeln KI-Chips und Software zur Verbesserung von Schweiß-, Schneid- und Markierprozessen. Die Technologie soll für effizientere Laseranwendungen sorgen.

    mehr lesen: Trumpf und SiMa.ai statten Lasersysteme mit KI-Chips aus

  • Werkzeugbahnen im virtuellen Raum planen und skizzieren

    Werkzeugbahnen im virtuellen Raum planen und skizzieren

    Werkzeugbahnen für Zerspanprozesse in CAM-Systemen zu planen erfordert Expertenwissen. Viele Parameter müssen bestimmt und geprüft werden, um die Bahnplanung Schritt für Schritt zu optimieren. Im Projekt CAMStylus arbeiten die Beteiligten…

    mehr lesen: Werkzeugbahnen im virtuellen Raum planen und skizzieren

  • Automatisierungstreff wieder erfolgreich

    Automatisierungstreff wieder erfolgreich

    Die Agentur Strobl als Veranstalter des Automatisierungstreffs hat für die diesjährige Ausgabe im April ein positives Fazit gezogen.

    mehr lesen: Automatisierungstreff wieder erfolgreich

  • TXOne ernennt neuen CRO

    TXOne ernennt neuen CRO

    Stephen Driggers, zuletzt CRO bei Nozomi Networks, heuert bei TXOne Networks an und übernimmt dort ebenfalls die Position des Chief Revenue Officers.

    mehr lesen: TXOne ernennt neuen CRO

  • VDI-Kongress diskutiert Zukunftstrends der Industrie

    VDI-Kongress diskutiert Zukunftstrends der Industrie

    Auf dem 25. VDI-Kongress Automation haben die mehr als 350 Teilnehmenden unter dem Motto ’AI beats Automation?‘ über Zukunftstrends diskutiert.

    mehr lesen: VDI-Kongress diskutiert Zukunftstrends der Industrie