MES-Rollout im Maschinenbau: Vollmer auf dem Weg zur papierlosen Fertigung

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Bild: ©Philipp Reinhard

Ein effizienter, präziser und perfekter Schärf- und Schleifprozess ist die Voraussetzung jeder erfolgreichen Werkzeugherstellung und -instandhaltung. Ein Spezialist ist hier die Vollmer Werke Maschinenfabrik aus Biberach an der Riß. Sie entwickelt und produziert Schleif-, Erodier- und Lasermaschinen zur Bearbeitung von Rotationswerkzeugen und Kreissägen in der holz- und metallverarbeitenden Industrie. Das Unternehmen, das 850 Mitarbeitende in Tochtergesellschaften in 15 Ländern und über 30 Vertretungen weltweit hat, gilt in diesem Bereich als Technologie- und Innovationsführer und hält u.a. mehr als 200 Patente.

Um ihre Vision vom führenden Systemlieferanten für zerspanende Werkzeuge zu verwirklichen, verfolgt die 1909 gegründete Firma eine ganzheitliche Digitalisierungsstrategie und treibt zugleich die Prozessdigitalisierung voran, u.a. durch den geplanten Wechsel von SAP ERP auf SAP S/4Hana und die damit verbundene Vereinheitlichung der IT-Landschaft.

MES sorgt für Effizienz und Transparenz

Bereits im Vorfeld werden dazu Nicht-SAP-Anwendungen und Schnittstellen reduziert. Die Einführung des SAP-basierten Manufacturing Execution Systems (MES) von Orbis, das die alte BDE-Software ersetzt und sich in SAP ERP wie auch SAP S/4Hana integriert, ist hier ein wichtiger Schritt. „Wir wollen damit Prozessabläufe beschleunigen sowie mehr Transparenz und Kostenkontrolle in den Fertigungs- und Montagebereichen erzielen“, sagt Frank Sauter, Leiter IT-Organisation & Infrastruktur bei Vollmer.

Aktuell kommt das MES zur automatischen Erfassung von Betriebsdaten (BDE) wie Standzeiten, Rückmeldungen zu IO-/NIO-Teilen oder Personenzeiten pro Fertigungsauftrag an einer Maschine zum Einsatz. Die rund 230 Nutzer in der Produktion am Stammsitz in Biberach haben nun zentralen Zugriff auf arbeitsrelevante Informationen und Dokumente. Das sorgt für Transparenz, denn vorher mussten sie Daten aus verschiedenen IT-Systemen ziehen oder in Papierdokumenten suchen.

Papierlose Fertigung

Vor allem auftragsspezifische und arbeitsplatzrelevante Konfigurationsdaten zu den einzelnen Produkten und ihren Varianten aus der SAP-Variantenkonfiguration (LO-VC) lagen bislang nur als umfangreiche Ausdrucke vor. Die Suche nach Konfigurationsdaten zu einer bestimmten Maschine gestaltete sich oft zeitraubend und war fehleranfällig. Heute rufen Mitarbeitende diese Daten über das MES per Onlinezugriff ab. „Das spart Zeit, die den Mitarbeitenden jetzt für wichtige Aufgaben bleibt, und Kosten, da sich teure Ausdrucke erübrigen. Es sorgt zugleich für mehr Aktualität der Informationen und ist nachhaltig“, sagt Frank Sauter.

Auch Wareneingänge werden von Anwendern in der Produktion in der Software gebucht statt wie bisher durch Logistikmitarbeitende im SAP-LES-Modul. Das beschleunigt den Prozess und es werden automatisch Transportaufgaben für Logistikmitarbeitende erzeugt, die diese bearbeiten. Bisher taten dies Mitarbeitende in der Produktion.

KPIs auf einen Blick

Die Endanwender (Werker, Qualitätsmanager, Produktionsleiter) haben zudem jederzeit Einblick in den Leistungsstand jeder Anlage, da das MES wichtige KPIs wie die Overall Equipment Effectiveness (OEE) nahezu in Echtzeit visualisiert. So lässt sich Optimierungspotenzial schnell erkennen und Maßnahmen zur Steigerung der Anlageneffizienz können zeitnah umgesetzt werden. Perspektivisch sollen MES-Kennzahlen in einer Analytics-Anwendung detailliert ausgewertet werden, um weiteres Verbesserungspotenzial auszuschöpfen.

Anpassungen und Rollouts mit internem SAP-Knowhow

Bei der Entscheidung für die Orbis-Software spielte neben der Integration in SAP auch eine Rolle, dass Vollmer bereits SAP-basierte Add-ons des IT-Dienstleisters wie die Logistik Apps und das Transportsteuerungssystem (TSS) nutzt. Die im Haus vorhandene SAP-Kompetenz war ein weiterer Pluspunkt, da sich individuelle Anpassungen am MES und Roll-outs weitgehend eigenständig durchführen lassen. Die Orbis-Berater unterstützten die interne IT hierbei mit einem Coaching und dem nötigen Wissenstransfer und begleiteten die Implementierung mit Rat und Tat vom Konzept bis zum Go-live.

Von der Konzeption bis zum Go-Live

Die MES-Einführung verlief dabei zügig, samt Anpassungen und Zusatzentwicklungen. Dazu zählen etwa Funktionen für den Zugriff auf ältere Dokumente wie Skizzen oder Arbeitsanweisungen oder die Bündelung mehrerer SAP-Transportaufträge in einem einzigen Auftrag. Auch die Prüfung, ob das Gewicht von produziertem Material im SAP-Materialstamm hinterlegt ist, erfolgt automatisch. Fehlt der Eintrag, ergänzt der End-User ihn via MES, was die Datenqualität verbessert. Über eine Zusatzfunktion lassen sich jetzt auch arbeitsplatzbezogene Stillstandzeiten direkt erfassen. Und ein digitales Logbuch, in das spezifische Informationen, etwa zu Qualitätsproblemen, sowie zusätzliche Hinweise zum Material aus Eigenfertigung eingegeben werden und jederzeit einsehbar sind, ersetzt die Erfassung dieser Daten auf Papier.

Weitere Pläne

„Der Einsatz der MES-Software ist ein zentraler Baustein, um papierlose Shopfloor-Prozesse im Sinne von Industrie 4.0 zu etablieren und ein weiterer Schritt auf unserem Weg zur digitalen Transformation“, fasst Frank Sauter zusammen.

Inzwischen ist das System auch in der Maschinenfabrik Loroch ausgerollt, die Teil der Vollmer Group ist. Als nächste Vorhaben stehen die automatische Maschinendatenerfassung (MDE) und ihre Visualisierung im MES sowie die Einbindung von Stillstandzeiten und Störmeldungen in SAP-Instandhaltungs- und Qualitätsprozesse an.



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