Wie steht es um künstliche Intelligenz? Sehen Sie Potenzial für Ihre Produkte?
Nicolai: Bei der Fertigungsfeinplanung haben wir uns damit schon vor zehn Jahren beschäftigt, als es noch nicht so fancy war. Die Kunden wollten das dann nicht. Die Planung ist ein relativ komplexes Thema und am Ende des Tages fehlten immer die Sonderregeln. Der menschliche Fertigungsfeinplaner kann Sonderregeln eben doch besser berücksichtigen, die das Regelwerk einer KI.
Sie meinen Chefaufträge?
Nicolai: Es geht um die neuen Abhängigkeiten, die der Chefauftrag auslöst. Wenn man ein großes Produktportfolio im 3-Schicht-Betrieb fertigt, macht eine KI mit einem festen Regelwerk sehr viel Sinn. Aber selbst da muss etwas an den Regeln vorbeigehen können. Braucht ein wichtiger Kunde etwas dringend, muss man manchmal in den sauren Apfel beißen und es realisieren. Das war sehr schwierig, vor allem wenn es mehrere solcher Aufträge gab. Dann haben Sie drei Mal Prio Null – und Nuller geht nicht.
Das war vor zehn Jahren, mit Blick auf KI eine lange Zeit.
Nicolai: Jetzt nehmen wir einen neuen Anlauf mit der Firma Phantasma Labs, die auf reine KI-Implementierungen spezialisiert ist. Im Ergebnis können unsere Fertigungsfeinplaner Daten auf Knopfdruck an diese KI senden und bekommen sie so zurück, als ob sie ein Mensch geplant hat. Der Clou ist, das der Mensch noch selbst planen kann.
Wie weit sind Sie denn?
Nicolai: Wir sind am Feintuning der KI. Bei einem ersten Kunden prüfen wir gerade, ob alles so funktioniert.
Ein ERP- und APS-Anbieter meinte einmal, 80 Prozent automatische Planung gegen 20 Prozent manuelle Planung sei in der Praxis ein realistischer Wert.
Nicolai: Ja, das kommt hin. Aber Materialmangel ist ein wichtiger Aspekt. Wenn ein Lkw nicht auf den Hof kommt – wie gehe ich vor, um mit den vorhandenen Ressourcen so viel wie möglich zu produzieren?
Eins noch: Was raten Sie jenen Produzenten, die sich entschlossen an die digitale Transformation heranwagen?
Sie sollten mit jedem – wirklich jedem – im Unternehmen sprechen, vom Geschäftsführer über Abteilungsleiter in der Instandhaltung bis runter in den Shopfloor. Jeden in die Digitalisierung einbeziehen und eben nicht ausschließen oder nur sagen: Endlich erfassen wir jetzt alle Daten. Sondern mit der Belegschaft darüber sprechen, was sich gemeinsam mit den Daten anstellen lässt, um in Summe besser zu werden.






































