Schneller zum passenden Spritzguss-Bauteil

578817
Symbolbild – Bild: ©zyabich/stock.adobe.com

Viele Alltagsgegenstände entstehen im Spritzgussverfahren: Dabei wird geschmolzener Kunststoff in ein Werkzeug eingespritzt. Dieser kühlt dann ab und erstarrt. Bevor ein neues Produkt und damit ein neues Werkzeug entsteht, müssen softwaregestützt unterschiedliche Faktoren geprüft werden: Wo soll der Kunststoff am besten in das Werkzeug gespritzt werden? Wie schnell kühlt sich das Bauteil ab und wie verzieht es sich dabei? Am Centre for Future Production der Universität Augsburg hat das Team um Prof. Dr. Nils Meyer (Professor für Data-driven Product Engineering and Design) klassisch-physikalische sowie KI-gestützte Modelle in einer Software kombiniert, die die nötigen Berechnungen in nur wenigen Sekunden durchführt. Ihr Ansatz ist damit bis zum Faktor 100 schneller als gängige Software.

Genauigkeit vs. Geschwindigkeit

Um die Bedeutung dieser Beschleunigung zu verstehen, muss man sich näher mit den Abläufen im kunststoffverarbeitenden Gewerbe auseinandersetzen. Wenn ein Unternehmen ein neues Bauteil spritzgießen möchte, muss die Machbarkeit geprüft und der Entwurf der Spritzgussform validiert werden. Dies geschieht mit Software, deren Berechnungen auf physikalischen Strömungssimulationen beruhen. Die Ergebnisse sind sehr präzise, jedoch ist der Vorgang rechenintensiv und dauert häufig mehrere Stunden. Gerade im frühen Prozess der Produktentwicklung wäre ein schnelleres und flexibleres Rechenmodell vorteilhaft, um eine Entscheidung treffen zu können.

An dieser Stelle setzen Meyer und sein Team an: „Ein Tool, mit welchem man sekundenschnell viele Möglichkeiten prüfen kann, wo beispielsweise am sinnvollsten eingespritzt werden sollte, kann in Unternehmen wertvolle Ressourcen wie die Arbeitszeit der Mitarbeitenden, Rechenzeit und damit Geld und Energie einsparen. Uns ist es gelungen, den Prozess bis zum Faktor 100 zu beschleunigen“. Die hochgenauen physikalischen Methoden sind für ihn der zweite Schritt, wenn es daran geht, das finale Bauteil zu berechnen.

Dateneffizienz und beliebige Geometrien

Eine große Herausforderung ist der Anspruch, mit dem KI-gestützten Tool beliebige Bauteilgeometrien vorhersagen zu können und gleichzeitig mit möglichst wenigen Daten effizient zu trainieren. Statt dieses Problem mit riesigen Datenmengen anzugehen, hat das Team um Meyer Vorwissen in das dahinterliegende KI-Modell eingebracht. Meyer: „Wir wissen z.B. bereits, dass ein Bereich mit großem Abstand zum Einspritzpunkt später gefüllt wird als einer direkt neben dem Einspritzpunkt. Das müssen wir nicht erst aus Daten lernen.“ So konnte das Modell anhand weniger hundert Beispiele trainiert werden und kann dennoch Vorhersagen für beliebige andere Bauteile treffen.

Nils Meyer (r.) und Projekt-Mitarbeiter Julian Greif entwickeln ein KI-Tool, um die Bauteilentwicklung im Spritzguss zu optimieren.
Nils Meyer (r.) und Projekt-Mitarbeiter Julian Greif entwickeln ein KI-Tool, um die Bauteilentwicklung im Spritzguss zu optimieren. Bild: Universität Augsburg/ Teresa Grunwald

KI-kompatibles Finite-Elemente-Modell

Meyer hebt besonders ein integriertes Feature hervor: Es geht um eine KI-kompatible Finite-Elemente-Software, die von seiner Arbeitsgruppe entwickelt wird. „Die Finite-Elemente-Methode ist eine Rechenmethode, mit der man komplizierte Dinge in viele kleine, einfache Teile zerlegt, um sie besser berechnen zu können“, erklärt er. So lässt sich beispielsweise der erwartete Verzug eines Bauteils beim Abkühlen vorhersagen. Meyer: „Unsere Variante zeichnet aus, dass wir durch diese Software hindurch auch unser KI-Modell weiter trainieren können. So kann das Modell mit gemessenen Verformungen aus dem Produktionsprozess weiter lernen und dabei immer besser werden.“

Die Vision

Während die aktuelle Software bei der Optimierung bereits entworfener Bauteile unterstützt, soll in Zukunft der gesamte Konstruktionsprozess begleitet werden. „Wir stellen uns ein Programm vor, welchem man seinen Bauteilwunsch mitteilt, und das dann KI-gestützt spritzgussgerecht generiert wird. Das hilft Mitarbeitenden in der Konstruktion, aus dem riesigen Lösungsraum möglicher Bauteile schnell das Beste zu finden“, sagt Meyer.



  • Hohe Erwartungen an die Blockchain

    Hohe Erwartungen an die Blockchain

    Die Blockhain soll Unternehmen u.a. neue Geschäftsmodelle ermöglichen. Laut einer Bitkom-Befragung kommt die Technologie bisher aber nur selten zum Einsatz.

    mehr lesen: Hohe Erwartungen an die Blockchain

  • Liliana Scheck leitet Teradata Schweiz

    Liliana Scheck leitet Teradata Schweiz

    Teradata Schweiz setzt Liliana Scheck als neue Country Managerin ein. Wie das Unternehmen mitteilt, soll ihr Fokus auf mehr Partnerschaften und Cloud-Innovationen liegen.

    mehr lesen: Liliana Scheck leitet Teradata Schweiz

  • Neuer Senior Vice President und General Manager EMEA bei Red Hat

    Neuer Senior Vice President und General Manager EMEA bei Red Hat

    Hans Roth wird neuer Senior Vice President und General Manager EMEA bei Red Hat. Er folgt auf Werner Knoblich, der das Unternehmen zum Jahresende verlassen wird.

    mehr lesen: Neuer Senior Vice President und General Manager EMEA bei Red Hat

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Acht von zehn werden Opfer von Cyberattacken

    Acht von zehn werden Opfer von Cyberattacken

    Acht von zehn Personen (79 Prozent) waren in den vergangenen 12 Monaten von kriminellen Vorfällen im Netz betroffen. Nur noch eine kleine Minderheit von 21 Prozent gibt an, keine solchen…

    mehr lesen: Acht von zehn werden Opfer von Cyberattacken

  • Forterro übernimmt Myfactory

    Forterro übernimmt Myfactory

    Mit der Übernahme des Cloud-ERP-Softwareanbieter Myfactory will Forterro seine Stellung im Dach-Markt ausbauen. Das Unternehmens soll nach der Übernahme eigenständig innerhalb der Forterro-Gruppe agieren.

    mehr lesen: Forterro übernimmt Myfactory

  • Weltweite Roboterdichte in fünf Jahren verdoppelt

    Weltweite Roboterdichte in fünf Jahren verdoppelt

    Mit seiner Roboterdichte von 371 Industrie-Robotern pro 10.000 Mitarbeiter liegt Deutschland laut aktuellem World Robotics Report unter den Top 5 weltweit. An erster Stelle liegt nach wie vor Südkorea.

    mehr lesen: Weltweite Roboterdichte in fünf Jahren verdoppelt

  • BSI warnt vor Schwachstelle in Java-Bibliothek Log4j

    BSI warnt vor Schwachstelle in Java-Bibliothek Log4j

    Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hat seine bestehende Cyber-Sicherheitswarnung für die Schwachstelle in der Java-Bibliothek Log4j auf Rot hochgestuft.

    mehr lesen: BSI warnt vor Schwachstelle in Java-Bibliothek Log4j

  • Open-Source-Einsatz oftmals ohne Strategie

    Open-Source-Einsatz oftmals ohne Strategie

    Zwei von drei Unternehmen stehen Open Source aufgeschlossen gegenüber, so eine Bitkom-Studie. 25 Prozent der Befragten verfolgen beim Einsatz von Open-Source-Software eine Strategie.

    mehr lesen: Open-Source-Einsatz oftmals ohne Strategie

  • CyberArk stellt Blueprint für die Umsetzung vor

    CyberArk stellt Blueprint für die Umsetzung vor

    Der Netzwerkperimeter hat für die Sicherheit in einer Zeit der verstärkten Nutzung von Cloud-Services und Automatisierungslösungen sowie der Remote-Arbeit an Bedeutung verloren.

    mehr lesen: CyberArk stellt Blueprint für die Umsetzung vor

  • Ixon verlegt  Firmensitz

    Ixon verlegt Firmensitz

    Mit der Verlegung des Firmensitzes ins niederländische Boxmeer will sich der IIoT-Spezialist Ixon für weiteres Mitarbeiterwachstum rüsten. Zugleich erhofft sich das Unternehmen durch die Nähe zur deutschen Grenze größeres Potenzial…

    mehr lesen: Ixon verlegt Firmensitz

  • Siemens Mobility kooperiert mit RazorSecure

    Siemens Mobility kooperiert mit RazorSecure

    Siemens Mobility und RazorSecure haben eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet, um Betreibern von Schienenfahrzeugen weltweit verbesserte Lösungen für die Cybersicherheit im Bahnverkehr anbieten zu können.

    mehr lesen: Siemens Mobility kooperiert mit RazorSecure