Warum Sequenzierung mehr als Feinplanung ist

PSI c AI generated by OpenWonder 01
Bild: ©AI generated by Open Wonder

OEM produzieren in Serie, doch Ausstattungspakete und individuelle Konfigurationsoptionen führen dazu, dass kaum zwei identische Fahrzeuge ein Werk verlassen. Die Montage bewegt sich damit im Spannungsfeld zwischen Standardisierung und Variantenvielfalt. Treffen arbeitsintensive Varianten unmittelbar aufeinander, können Belastungsspitzen entstehen. Besonders sensibel reagieren auf solche Konstellationen auf Engpassbereiche wie Lack oder prüfintensive Stationen. Auch Zulieferer arbeiten mit kapazitätskritischen Stationen und stehen zusätzlich unter dem Einfluss kurzfristiger Abrufänderungen sowie enger Taktbindungen durch Just-In-Time- und Just-In-Sequence-Vorgaben (JIT/JIS). Verschieben sich Mengen oder Sequenzvorgaben, gerät eine zuvor ausgewogene Planung schnell aus dem Gleichgewicht. Die Reihenfolge wirkt sich dann direkt auf Rüstaufwand, Kapazitätsauslastung und Materialfluss aus.

Was macht eine gute Sequenz aus?

OEM und Zulieferer sollten daher belastbare Sequenzen planen, die mehrere Zielgrößen in Einklang bringen. Sie sichert Termine, glättet die Auslastung entlang der Linie und begrenzt Bestände sowie Rüstaufwand. Dadurch sinken Folgestörungen, und ungeplante Eingriffe in den Ablauf lassen sich reduzieren. Eine ausgewogene Abfolge vermeidet zudem Staus und verhindert eine Ballung von arbeitsintensiven Varianten. Den verbindlichen Rahmen der Reihenfolgeplanung bilden klar definierte Restriktionen. Unternehmen begrenzen etwa die Anzahl bestimmter Varianten pro Tag oder Woche, legen Mindestabstände zwischen kritischen Optionen fest oder verteilen Merkmale gezielt über den Planungshorizont. Ergänzend berücksichtigen sie Materialverfügbarkeit, JIT- und JIS-Vorgaben sowie qualitätsrelevante Anforderungen.

Zielkonflikte sind nicht zu verhindern

Da diese Zielgrößen teilweise voneinander abhängen, entstehen Zielkonflikte. Wird z.B. ein Auftrag priorisiert, um die Termintreue zu verbessern, kann zugleich der Rüstaufwand steigen. Eine starke Glättung stabilisiert Prozesse, begrenzt jedoch mitunter den kurzfristigen Output. Sequenzierung bedeutet daher immer bewusste Abwägung innerhalb definierter Leitplanken.

MES-integrierte Reihenfolgeplanung

Mit wachsender Variantenvielfalt und häufigeren Änderungen steigt der Koordinationsaufwand der Reihenfolgeplanung. Klassische Planungstools und manuelle Erfahrung bleiben wichtig, reichen jedoch allein oft nicht aus, um die vielschichtigen Abhängigkeiten zwischen Varianten, Kapazitäten und Terminen effizient und verlässlich abzuwägen. Reihenfolgeplanung entwickelt sich damit zu einer eigenständigen Disziplin innerhalb der Produktionssteuerung. Sie erfordert eine integrierte Sicht auf Auftragsdaten aus ERP- und MES-Software, auf Variantenmerkmale, Restriktionen und Produktionsrückmeldungen. Solche Entscheidungslogiken lassen sich im MES-Kontext als dedizierter Sequencing-Ansatz abbilden. Im Umfeld von PSIpenta/ERP und MES folgt die Sequenzierung einer mehrstufigen Logik. Ausgangspunkt ist ein konsolidierter Auftrags-Pool mit freigegebenen Aufträgen, Abrufen, Prioritäten und relevanten Merkmalen. Daraus entsteht zunächst ein tragfähiger Mix, der Lasten glätten und Restriktionen berücksichtigen kann. Darauf aufbauend wird die konkrete Tagessequenz pro Linie oder Segment gebildet. Da sich Rahmenbedingungen laufend ändern, ist Sequenzierung als kontinuierlicher Prozess zu verstehen. Produktionsrückmeldungen, neue Abrufe oder Kapazitätsverschiebungen erfordern eine erneute Gewichtung der Zielgrößen, so dass die Reihenfolge innerhalb der definierten Restriktionen angepasst wird.

KI vertieft Abwägungen

Eine zentrale Rolle spielt die Transparenz über den Auftragsmix. Planer müssen erkennen, wo Belastungsspitzen drohen und wie sich Varianten über einen Tag oder eine Woche verteilen. Hilfreich ist besonders, unterschiedliche Sequenzvarianten strukturiert bewerten zu können. Kennzahlen zu Termindruck, Regelkonformität oder erwarteten Auslastungseffekten zeigen dabei, welche Reihenfolge unter den gegebenen Bedingungen nicht zulässig und welche robust ist. Optimierungsverfahren und KI können diese Abwägung vertiefen, insbesondere wenn viele Einflussfaktoren gleichzeitig zu berücksichtigen sind. Sie analysieren Wechselwirkungen zwischen Varianten, prüfen die Einhaltung harter Restriktionen und machen Zielkonflikte sichtbar. KI ersetzt in diesem Kontext meist keine Entscheidung, sondern unterstützt die Planung durch die rechnerische Aufbereitung von Abhängigkeiten, den Vergleich von Alternativen und die transparente Bewertung von deren Auswirkungen. Mit einer modularen Architektur des Systems will dessen Anbieter den schrittweisen Aufbau solcher Funktionen erleichtern. Cloud- und SaaS-Modelle können zusätzlich eine standortübergreifende, konsistente Nutzung unterstützen.

Guenzler Elena
Bild: PSI Software SE

Sequenzierung als strategischer Hebel

Wirksame Sequenzierung setzt strukturierte Auftragsdaten, definierte Restriktionen und Rückmeldedisziplin voraus. In der Praxis empfiehlt sich ein schrittweises Vorgehen: zunächst zentrale Abstands- und Mengenregeln definieren, Transparenz über den Mix schaffen und anschließend Kennzahlen zur Bewertung ergänzen. Gerade in Umgebungen mit hohem Variantenanteil oder ausgeprägter Abrufdynamik wird deutlich, dass Sequenzierung mehr ist als Feinplanung. Sie beeinflusst Engpasssteuerung, Materialbereitstellung und Ressourceneinsatz gleichermaßen. Wer die Reihenfolge systematisch gestaltet, reduziert operative Störungen und erhöht die Planbarkeit im gesamten Wertschöpfungsprozess. Sequenzierung wird damit zum strategischen Hebel, der Stabilität und Performance zugleich adressiert. Sie verbindet operative Liniensteuerung mit datenbasierter Entscheidungslogik und erhöht so die Reaktionsfähigkeit der gesamten Produktion.



  • Hilpert vertreibt Critical Manufacturing-MES in der Schweiz

    Hilpert vertreibt Critical Manufacturing-MES in der Schweiz

    Das MES von Critical Manufacturing können Schweizer Unternehmen künftig auch von Hilpert Electronic beziehen. Der Spezialist für Applikationen rund um die Mikroelektronikfertigung ist neuer Vertriebspartner des weltweit agierenden MES-Herstellers mit…

    mehr lesen: Hilpert vertreibt Critical Manufacturing-MES in der Schweiz

  • Algorithmen automatisiert trainieren

    Algorithmen automatisiert trainieren

    Durch künstliche Intelligenz (KI) können Maschinen Objekte erkennen. Dafür werden Algorithmen mit Bilddaten manuell trainiert. Das am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entstandene Start-up Kimoknow hat eine Technologie entwickelt, um…

    mehr lesen: Algorithmen automatisiert trainieren

  • Übungen als Schutz vor Cyberrisiken?

    Übungen als Schutz vor Cyberrisiken?

    Immer mehr IT-Abteilungen vertrauen auf Penetrationstests oder Bug-Bounty-Programme und simulieren Cyberattacken, um ihre Mitarbeiter zu sensibilisieren. Grund dafür ist der explosionsartige Anstieg von Cyberbedrohungen. 

    mehr lesen: Übungen als Schutz vor Cyberrisiken?

  • Stephan Klokow in Vorstand des Cluster IT Mitteldeutschland gewählt

    Stephan Klokow in Vorstand des Cluster IT Mitteldeutschland gewählt

    Stephan Klokow, Direktor DPI (Deep Packet Inspection) beim Rohde & Schwarz Tochterunternehmen Ipoque, wurde während der Mitgliederversammlung am 18. Mai 2020 in den Vorstand des Branchennetzwerks Cluster IT Mitteldeutschland e.V.…

    mehr lesen: Stephan Klokow in Vorstand des Cluster IT Mitteldeutschland gewählt

  • Netzwerk-Firewall für interne Segmentierung

    Netzwerk-Firewall für interne Segmentierung

    Fortinet stellt mit der FortiGate 4200F eine leistungsstarke Netzwerk-Firewall vor. Diese basiert auf dem NP7, dem von Fortinet entwickelten Netzwerkprozessor der siebten Generation. Indem sie Networking mit Security verbindet, ermöglicht…

    mehr lesen: Netzwerk-Firewall für interne Segmentierung

  • Industrie rechnet weiter mit Rückgang der Produktion

    Industrie rechnet weiter mit Rückgang der Produktion

    Trotz eines Anstiegs im Vergleich zum Vormonat bleiben die Ifo-Produktionserwartungen im negativen Bereich. Die deutsche Industrieunternehmen erwarten somit einen weiteren Rückgang der Produktion.

    mehr lesen: Industrie rechnet weiter mit Rückgang der Produktion

  • Harald Rackel wird COO bei SSI Schäfer

    Harald Rackel wird COO bei SSI Schäfer

    Zum 1. Oktober hat die SSI Schäfer Gruppe die Position des Chief Operating Officer besetzt. Der Beirat der Unternehmensgruppe hat Harald Rackel in das Amt berufen.

    mehr lesen: Harald Rackel wird COO bei SSI Schäfer

  • Fusionen und Übernahmen 2019 stabil auf niedrigem Niveau

    Fusionen und Übernahmen 2019 stabil auf niedrigem Niveau

    Deutsche Unternehmen waren im Jahr 2019 an weniger Fusionen und Übernahmen beteiligt als im Vorjahr. Für die zweite Jahreshälfte ermittelte der ZEW-Zephyr M&A-Index sogar den tiefsten Stand seit Beginn der…

    mehr lesen: Fusionen und Übernahmen 2019 stabil auf niedrigem Niveau

  • Arbeitsmarktbarometer fängt sich auf niedrigem Niveau

    Arbeitsmarktbarometer fängt sich auf niedrigem Niveau

    Nach seinem Tiefststand im Vormonat, ist das IAB-Arbeitsmarktbarometer im Mai wieder leicht gestiegen.

    mehr lesen: Arbeitsmarktbarometer fängt sich auf niedrigem Niveau

  • Neuer Vertriebspartner nah am SAP-Markt

    Neuer Vertriebspartner nah am SAP-Markt

    Die Feinplanungsspezialistin Dualis GmbH IT Solution will mit einer neuen Vertriebspartnerschaft ihre Position im SAP-Umfeld stärken. Cpro IoT Connect vertreibt und implementiert künftig die APS-Lösung Ganttplan als Platinum-Partner.

    mehr lesen: Neuer Vertriebspartner nah am SAP-Markt

  • SAP kündigt Travel Management-Alternative auf S/4Hana an

    SAP kündigt Travel Management-Alternative auf S/4Hana an

    Reisekostenmanagement mit SAP-Software ist weiterhin On-Premise möglich. Nach dem Druck der SAP-Anwendervereinigung DSAG hat SAP angekündigt, die Lösung Travel Management auf die Hana-Plattform zu migrieren. Damit können Firmen den Wechsel…

    mehr lesen: SAP kündigt Travel Management-Alternative auf S/4Hana an

  • Riverbed ernennt Andreas Riepen zum Regional Vice President

    Riverbed ernennt Andreas Riepen zum Regional Vice President

    Andreas Riepen übernimmt die Position des Regional Vice President Sales für die DACH-Region beim IT-Unternehmen Riverbed.

    mehr lesen: Riverbed ernennt Andreas Riepen zum Regional Vice President