Per Smart Factory Navigator die Produktion digitalisiert

Bever/GR, 29. August 2018 - Käserei LESA Fotoreportage Bündner Bergkäse "Aus dem Engadin in die Höhle nach Kaltbach" Auftrag: Monika Senn, Emmi Konzernkommunikation.
Bever/GR, 29. August 2018 – Käserei LESA Fotoreportage Bündner Bergkäse „Aus dem Engadin in die Höhle nach Kaltbach“ Auftrag: Monika Senn, Emmi Konzernkommunikation.Bild: ©André Scheidegger / Emmi AG

Heutige Produktionsprozesse sind von hoher Dynamik geprägt. Individualisierte Produkte, minimale Losgrößen und eine flexible Fertigung bei maximaler Qualität und Ressourcennutzung sind hier zentrale Anforderungen. Allerdings stellt die Umsetzung solcher Konzepte eine große Herausforderung dar.

Zu den häufigsten Hindernissen bei Digitalisierungsprojekten zählt etwa die unübersichtliche Vielfalt an Technologien und Anbietern. Ein weitere Hürde ist die fehlende Integration einzelner Digitalisierungsprojekte, wodurch Abhängigkeiten und Wechselwirkungen oft übersehen werden. Hinzu kommt eine Unsicherheit vieler Unternehmen, ob sie digitale Technologien besser kaufen oder selbst entwickeln sollten. Darüber hinaus scheitern viele Unternehmen daran, Pilotprojekte in die Breite zu skalieren und dauerhaft in die Produktionsrealität zu integrieren.

Das SFN-Framework

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, entwickelten die Universität St. Gallen und die Fachhochschule Ostschweiz über fünf Jahre hinweg das Smart-Factory-Navigator-Framework. Dieses basiert auf mehr als 900 Praxisbeispielen. Daraus wurden die 44 wichtigsten generischen Use Cases extrahiert, die Unternehmen als Orientierungshilfe für die digitale Transformation dienen. Um die Erkenntnisse aus der Wissenschaft in die Praxis zu bringen, wurde die Smart Factory Navigator AG (SFN AG) als Spinoff der Universität gegründet. Das Framework adressiert u.a. folgende Use Cases:

  • Informationsvisualisierung: Wie können Echtzeit-Daten aus der Produktion visualisiert werden, um Engpässe und Effizienzpotenziale zu identifizieren?
  • Asset Tracking & Track-and-Trace: Wie lässt sich die Rückverfolgbarkeit von Produkten entlang der Lieferkette und der Wertschöpfungskette sicherstellen?
  • Autonome Produktionsplanung: Wie können Produktionspläne datenbasiert gesteuert und überwacht werden, um flexibel auf Anpassungen zu reagieren?

Das Projekt Emmi

In einem Projekt bei der Emmi AG kam dieses Framework zur Anwendung. Das Unternehmen produziert ein breites Spektrum an Milchprodukten wie etwa Käse und Joghurt sowie Getränke. Die Lebensmittelproduktion stellt besondere Herausforderungen an die Digitalisierung, da sie strengen regulatorischen Anforderungen hinsichtlich Hygiene, Rückverfolgbarkeit und Qualität unterliegt. Darüber hinaus erfordert die Verarbeitung von leicht verderblichen Rohstoffen wie Milch eine äußerst präzise und flexible Produktionsplanung, um Verschwendung zu minimieren und gleichzeitig höchste Produktqualität sicherzustellen. Die Emmi Schweiz AG betreibt mehrere Produktionsstätten und setzt ein Manufacturing Execution System (MES) ein, um die Produktionsprozesse zu steuern. Das bisherige MES basierte auf einer stark ausgebauten Standardsoftware.


Diese Erweiterungen haben im Laufe der Zeit die Komplexität der Systemlandschaft erhöht. Vor diesem Hintergrund wurde eine umfassende Analyse des aktuellen Ist-Zustands sowie die Entwicklung eines zukunftsorientierten Soll-Bilds durchgeführt. Ziel war es, technologische Entwicklungen, zukünftige Anforderungen und relevante Use Cases zu berücksichtigen, um eine strategische Grundlage für die gezielte Weiterentwicklung des MES im Sinne von Smart Manufacturing zu schaffen.

Use Cases identifiziert

Zu den Erzeugnissen von Emmi gehören etwa Käse, Joghurt sowie Milchgetränke.
Zu den Erzeugnissen von Emmi gehören etwa Käse, Joghurt sowie Milchgetränke.Bild: Emmi AG

Um ein solches MES zu entwickeln, begann Emmi zusammen mit SFN und dem Beratungsunternehmen Cognizant zunächst mit einer Ist-Analyse. Dabei wurden die bestehenden MES-Fähigkeiten bewertet und die bereits implementierte Use Cases identifiziert. Anschließend entwickelten die Partner eine langfristige Vision für ein zukünftiges Produktions-System, basierend auf einer Gap-Analyse in den Bereichen Menschen, Prozesse und Technologien. So konnten
Erweiterungspotenziale aufgeschlüsselt werden. Auf dieser Grundlage erarbeiteten die Beteiligten verschiedene Szenarien und Strategien. Der Fokus lag auf:

  • Datenübermittlung und -austausch: Einheitliche Standards für die werksübergreifende Datenübermittlung etablieren und Datenflüsse zwischen Maschinen, Systemen und Mitarbeitern sicherstellen.
  • Asset Tracking & Track-and-Trace: Nutzung und Analyse von Daten aus der Rückverfolgbarkeit von Produktionsprozessen und Rezepturen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
  • Umgang mit der internen Tool-Landschaft: Transparenz über vorhandene Tools, deren Funktionalitäten und Anwendungsbereiche schaffen Harmonisierungspotenzialen ermitteln, um Effizienz und Einheitlichkeit werksübergreifend zu fördern.

Grundlage geschaffen

Mit dem Smart Factory Navigator entwickelte und validierte Emmi eine neue MES-Vision. Patrick Müllener, Leiter Business Solutions & Data Value Creation bei Emmi, fasst das Ergebnis so zusammen: „Durch den Smart Factory Navigator haben wir unsere MES-Vision neu ausgerichtet und validiert. Das Use Case-Framework wird künftig als gemeinsame Grundlage für die Weiterentwicklung in unseren Produktionsstätten dienen.“

SFN als Orientierungshilfe

Das Projekt zeigt die Relevanz einer strukturierten Vorgehensweise für die digitale Transformation in der Produktion. Der Smart Factory Navigator bietet Unternehmen dabei eine Orientierungshilfe bei der Auswahl an möglichen Use Cases.



  • Was lernen Unternehmen aus der Krise?

    Was lernen Unternehmen aus der Krise?

    Mehr als 70 Prozent der im PWC Global Crisis Survey befragten Unternehmen weltweit sind durch die Covid19-Pandemie negativ beeinträchtigt. Für 15 Prozent der Unternehmen in Deutschland hatte die Krise jedoch…

    mehr lesen: Was lernen Unternehmen aus der Krise?

  • Geschäftslage für Autobauer verbessert sich

    Geschäftslage für Autobauer verbessert sich

    Im März hat sich die Geschäftslage in der Automobilindustrie verbessert. Doch laut aktueller Ifo-Konjunkturumfrage hat sich der Ausblick der Unternehmen eingetrübt.

    mehr lesen: Geschäftslage für Autobauer verbessert sich

  • Die Nominierten stehen fest

    Die Nominierten stehen fest

    Hermes Award 2021 Die Nominierten stehen fest Bosch Rexroth, Phoenix Contact und Pilz sind die Nominierten für den Hermes Award der im Rahmen der Hannover Messe Digital Edition verliehen wird.

    mehr lesen: Die Nominierten stehen fest

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Partnerschaft zwischen Synaos und SEW-Eurodrive

    Partnerschaft zwischen Synaos und SEW-Eurodrive

    Synaos und SEW-Eurodrive wollen in einem gemeinsamen Projekt das Zusammenspiel von künstlicher Intelligenz und mobilen Robotern erproben und verbessern.

    mehr lesen: Partnerschaft zwischen Synaos und SEW-Eurodrive

  • Procad kauft Produktkonfigurator-Spezialisten Acatec

    Procad kauft Produktkonfigurator-Spezialisten Acatec

    Der Karlsruher PLM-Anbieter Procad hat Acatec erworben. Wenige Monate nach Beginn einer Partnerschaft mit dem Spezialisten für Produktkonfiguratoren sprachen die Synergieeffekte für die Akquisition, heißt es in der Pressemitteilung.

    mehr lesen: Procad kauft Produktkonfigurator-Spezialisten Acatec

  • Das selbstständige Warehouse-Management-System

    Das selbstständige Warehouse-Management-System

    ZIM-Förderung für Forschungsprojekt ‚SeSoGEN‘ Das selbstständige Warehouse-Management-System Die CIM GmbH und die Technische Universität München entwickeln im Rahmen eines Forschungsprojektes intelligente Lagersoftware die selbstständig Einlagerungsstrategien entwickeln kann.

    mehr lesen: Das selbstständige Warehouse-Management-System

  • Mercedes-Benz und Siemens schließen Partnerschaft

    Mercedes-Benz und Siemens schließen Partnerschaft

    Mercedes-Benz will die Produktionsaktivitäten am Standort in Berlin-Marienfelde neu gestalten. Dort soll ein Zentrum für Digitalisierung entstehen. Dafür arbeitet der Autobauer mit Siemens zusammen.

    mehr lesen: Mercedes-Benz und Siemens schließen Partnerschaft

  • Arbeitsmarktbarometer legt erneut zu

    Arbeitsmarktbarometer legt erneut zu

    Im aktuellen IAB-Arbeitsmarktbarometer stehen die Zeichen auf Entspannung. Beide Komponenten des Indexes gaben im März positive Signale.

    mehr lesen: Arbeitsmarktbarometer legt erneut zu

  • UiPath übernimmt Cloud Elements

    UiPath übernimmt Cloud Elements

    Cloud Elements gehört ab sofort zu UiPath. Durch die Akquisition kann der RPA-Anbieter zukünftig Benutzeroberflächen- und API-basierte Automatisierung auf einer Plattform anbieten.

    mehr lesen: UiPath übernimmt Cloud Elements

  • Europäische CEO Alliance unterstützt Klimastrategie

    Europäische CEO Alliance unterstützt Klimastrategie

    CEOs unterschiedlicher Unternehmen haben sich zur CEO Alliance 2020 zusammengeschlossen, um Europa zu einer führenden Region in Sachen Klimaschutz zu machen.

    mehr lesen: Europäische CEO Alliance unterstützt Klimastrategie

  • Cognizant übernimmt ESG Mobility

    Cognizant übernimmt ESG Mobility

    Cognizant übernimmt ESG Mobility und will dadurch seine Expertise im Bereich autonome und vernetzte Mobilität ausweiten.

    mehr lesen: Cognizant übernimmt ESG Mobility