Mehrere MES per Plattform interoperabel betreiben

Best-of-breed-Szenarien den Schrecken nehmen: Dafür braucht es eine Plattform, die mit ihrer einheitlichen Semantik zwischen den Systemen 'übersetzt'.
Best-of-breed-Szenarien den Schrecken nehmen: Dafür braucht es eine Plattform, die mit ihrer einheitlichen Semantik zwischen den Systemen ‚übersetzt‘.Bild: MPDV Mikrolab GmbH

Übernahmen, Zukäufe, Umstrukturierungen und Firmenpleiten: Es gibt verschiedene Gründe, warum Unternehmen unterschiedliche MES nutzen. Die Welt der Fertigungs-IT-Anbieter wird immer komplexer. Maschinenhersteller kaufen MES-Anbieter auf, Startups drängen in den Markt und manchmal verschwinden Anbieter sogar ganz. Somit stehen Hersteller häufig vor der Herausforderung, sehr verschiedene Systeme miteinander zu verbinden. Die meist anfallenden Anforderungen an die Fertigungs-IT lassen sich in sieben Punkten zusammenfassen:

1. Maschinen und Anlagen verschiedener Hersteller und unterschiedlichen Alters müssen digital angebunden werden,

2. Vorhandene IT-Systeme (Hardware, Software und Infrastruktur) sollen effizient zusammenarbeiten,

3. Überlagerte IT-Systeme wie das ERP-System müssen angebunden werden,

4. Es braucht Schnittstellen zu Alt- und Bestandssystemen,

5. In vielen Unternehmen gibt es Spezialsysteme, die zu integrieren sind,

6. Oft bestehen zur Nutzung von Fertigungs-IT Betriebsvereinbarungen, die möglichst erhalten bleiben sollen,

7. Mitarbeitende haben sich über die Jahre wertvolles Wissen angeeignet, das weiterhin genutzt werden soll.

Es braucht einen pragmatischen Ansatz, der die bestehende Welt erhält und gleichzeitig die Integration neuer Anwendungen einfach ermöglicht. Klassische Ansätze über direkte und bidirektionale Schnittstellen versagen in der Praxis spätestens dann, wenn mehr als vier Anwendungen miteinander verbunden werden müssen. Denn alle Systeme müssen untereinander durch einzelne Schnittstellen verbunden sein. Die Zahl der Schnittstellen wächst also mit jedem weiteren System unverhältnismäßig an.

Integrationsplattform schafft Interoperabilität

Im Gegensatz zu herkömmlichen Schnittstellen bietet eine Integrationsplattform viele Vorteile – allen voran die Tatsache, dass jedes System nur eine einzige bidirektionale Schnittstelle benötigt, eben zur Integrationsplattform. Die Anbindung selbst erfolgt etwa im Fall der Manufacturing Integration Platform von MPDV über standardisierte Webservices. So bleibt die Komplexität der Schnittstellen überschaubar und Bestandsanwendungen können problemlos weiter genutzt werden. Selbst vorhandene Lizenzen der Bestandssysteme lassen sich weiterhin verwenden.

Verschiedene Werke, unterschiedliche Standorte - alle unter dem Dach eines Unternehmens, aber alle mit einem eigenen MES im Einsatz. Eine Vielfalt, die es miteinander zu verbinden gilt.
Verschiedene Werke, unterschiedliche Standorte – alle unter dem Dach eines Unternehmens, aber alle mit einem eigenen MES im Einsatz. Eine Vielfalt, die es miteinander zu verbinden gilt. Bild: MPDV Mikrolab GmbH

Die Plattform als Marktplatz

Soll die Fertigungs-IT nun erweitert oder in einen neuen Unternehmensbereich eingeführt werden, lassen sich auf dem Software-Marktplatz der MIP bereits interoperable Anwendungen beziehen. Auf diese Weise kann das Unternehmen die Anwendungen auswählen, die ihren Ansprüchen im Sinn eines Best-of-Breed-Ansatzes genügt. Je nach Architektur der eingesetzten Anwendungen können sogar einzelne Funktionen sehr detailliert ausgewählt und bei Bedarf ausgetauscht werden. Im günstigen Fall lassen sich mittels einer Schnittstellenplattform Individualanwendungen zusammen mit Standardsoftware nutzen, ohne unnötige Abhängigkeiten zu schaffen.

Semantik als Basis

Damit eine Integrationsplattform diese Aufgabe erfüllen kann, ist ein semantisches Informationsmodell als gemeinsame Basis nötig. Nur so kann die Plattform sicherstellen, dass jede Anwendung die gemeinsamen Daten verarbeiten kann. Die Umsetzung kann beispielsweise über sogenannte Business Objects erfolgen, wobei für jedes Artefakt der Produktion ein eigenes Objekt anfällt. So wird die Integrationsplattform zur Heimat für je ein digitales Abbild der Produktion – den digitalen Zwilling.

Flexibles Multi-MES-Szenario: Alle fertigungsnahen Anwendungen greifen auf eine gemeinsame Integrationsplattform zu. Somit sind auch übergreifende Auswertungen möglich.
Flexibles Multi-MES-Szenario: Alle fertigungsnahen Anwendungen greifen auf eine gemeinsame Integrationsplattform zu. Somit sind auch übergreifende Auswertungen möglich.Bild: MPDV Mikrolab GmbH

KPIs für den Werksverbund

Wie all das gelingen kann, zeigt etwa das Beispiel eines großen deutschen Herstellers von Glasprodukten: Sein Ziel war es, mehrere Fertigungsstandorte, die verschiedene MES-Anwendungen verwenden, gemeinsam auszuwerten. Alle Produktionsdaten sollten transparent in einem System zur Verfügung stehen und miteinander vergleichbar sein. Hier konnte die MPDV Plattform die nötigen semantischen Strukturen liefern und diese im Rahmen ihrer servicebasierten Architektur verfügbar machen. Wo bisher ein MES die Schnittstelle zwischen dem ERP-System und dem jeweiligen Shopfloor bildete, sorgt nun die Plattform für Interoperabilität über die Standorte hinweg. Bereits vorhandene MES-Anwendungen anderer Anbieter werden weiterhin genutzt, während für bestimmte funktionale Erweiterungen MES-Anwendungen von MPDV zum Einsatz kommen. Außerdem beschloss der Glashersteller, eine Manufacturing App (mApp) zur Werkerführung aus dem Marktplatz der MIP einzuführen. Damit ist der Weg offen, die IT-Systeme im Werksverbund in eigener Geschwindigkeit zu entwickeln, ohne den laufenden Produktionsbetrieb zu beeinträchtigen. Vorhandene Lizenzen, Datenerfassungsstrukturen und das Wissen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bleiben dabei erhalten.



  • Automation trifft Software

    Automation trifft Software

    Vom 26. bis zum 28. November 2019 wird das Nürnberger Messegelände zum Branchentreff der Automatisierungstechnik. Dabei weist die SPS – Smart Production Solutions in diesem Jahr erstmals bereits im Namen…

    mehr lesen: Automation trifft Software

  • T-Systems und Siemens arbeiten an gemeinsamen IIoT-Lösungen

    T-Systems und Siemens arbeiten an gemeinsamen IIoT-Lösungen

    Im Rahmen der Digital X in Köln haben Siemens und T-Systems angekündigt, künftig gemeinsame Lösungen für das industrielle Internet der Dinge anzubieten.

    mehr lesen: T-Systems und Siemens arbeiten an gemeinsamen IIoT-Lösungen

  • Neuer EMEA General Manager bei PTC

    Neuer EMEA General Manager bei PTC

    PTC hat mit Stéphane Barberet einen neuen General Manager für die EMEA-Region. Barberet kommt von Dell zum US-Softwareanbieter.

    mehr lesen: Neuer EMEA General Manager bei PTC

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • ‘Gaia-X‘: Eine Cloud für Europa

    ‘Gaia-X‘: Eine Cloud für Europa

    Bundesforschungsministerin Anja Karliczek und der Beauftragte für Digitale Wirtschaft des Bundeswirtschaftsministeriums, Thomas Jarzombek, haben in Dortmund die Pläne für ein europäisches Cloud-Projekt vorgestellt.

    mehr lesen: ‘Gaia-X‘: Eine Cloud für Europa

  • Absatz von Industrierobotern in Indien steigt um 39%

    Absatz von Industrierobotern in Indien steigt um 39%

    Absatz von Industrierobotern in Indien steigt um 39% Der Absatz von Industrierobotern in Indien hat mit 4.771 neu installierten Einheiten im Jahr 2018 einen neuen Rekord erzielt. Das ist ein…

    mehr lesen: Absatz von Industrierobotern in Indien steigt um 39%

  • Unternehmen zögern beim Plattform-Einsatz

    Unternehmen zögern beim Plattform-Einsatz

    Laut einer Bitkom-Umfrage sehen vier von zehn Unternehmen digitale Plattformen als Chance, ebenso viele nutzen sie jedoch nicht. Ein Drittel der befragten Unternehmen gab an, im nächsten Jahr verstärkt in…

    mehr lesen: Unternehmen zögern beim Plattform-Einsatz

  • Industriegipfel 2019

    Industriegipfel 2019

    Das Gezerre um den Brexit, die Handelskonflikte mit den USA und die zunehmende Stärke Chinas sorgen bei deutschen Industrieunternehmen für Unsicherheit.

    mehr lesen: Industriegipfel 2019

  • Panasonic und Siemens unterzeichnen globalen Rahmenvertrag

    Panasonic und Siemens unterzeichnen globalen Rahmenvertrag

    Panasonic und Siemens unterzeichnen globalen Rahmenvertrag Panasonic Factory Solutions, ein Geschäftsbereich von Panasonic Industry Europe, und Siemens Factory Automation Services, haben ihre künftige Kooperation bekannt gegeben.

    mehr lesen: Panasonic und Siemens unterzeichnen globalen Rahmenvertrag

  • Neuer DACH-Chef bei NetApp

    Neuer DACH-Chef bei NetApp

    Peter Hanke ist neuer Leiter der DACH-Region beim Datenspezialisten NetApp. Die Verantwortung für die Region übernahm er bereits im Mai interimsweise.

    mehr lesen: Neuer DACH-Chef bei NetApp

  • Stimmung unter deutschen Exporteuren bessert sich

    Stimmung unter deutschen Exporteuren bessert sich

    Deutsche Exporteure blicken wieder optimistischer in die Zukunft. Die Ifo-Exporterwartungen sind im Oktober, im Gegensatz zu den Vormonaten, wieder deutlich angestiegen — bleiben jedoch im negativen Bereich.

    mehr lesen: Stimmung unter deutschen Exporteuren bessert sich

  • Nadine Böllner wird Teil der Docufy-Geschäftsführung

    Nadine Böllner wird Teil der Docufy-Geschäftsführung

    Mit der Berufung von Nadine Böllner zur kaufmännischen Geschäftsführerin steht zukünftig ein Führungstrio an der Spitze des Softwareanbieters Docufy.

    mehr lesen: Nadine Böllner wird Teil der Docufy-Geschäftsführung