Heterogene Maschinenparks im IIoT verknüpfen

1st Revision
Bild: Softing Industrial Automation GmbH

OPC UA eignet sich, um industrielle Produktionsanlagen und deren Geräte durch Software zu beschreiben. Entsprechend kommt der Protokoll-Stack an der Schnittstelle von OT und IT zum Einsatz: OPC UA Server stellen standardkonform Daten zur Verfügung, OPC UA Clients greifen standardkonform auf diese Daten zu. Zentrales Konzept hierbei sind Informationsmodelle. Diese beschreiben Dienste und Daten, die ein OPC UA Server anbietet. Der OPC UA-Standard strukturiert Informationsmodelle in Basismodelle und optionale Modellerweiterungen. Derartige Erweiterungen mit Bezug auf eine bestimmte Industrie oder Anwendungsdomäne heißen Begleitspezifikation (engl. Companion Specifications). Vom OPC UA-Standard vorgesehen sind außerdem hersteller- bzw. anwenderspezifische Erweiterungen der Basismodelle, die wiederum auf Begleitspezifikationen aufbauen können oder auch nicht. Als Überbegriff umfassen OPC UA-Informationsmodelle all diese Varianten, weswegen dieser Artikel meist diesen Begriff verwendet.

Vorteile von Informationsmodellen

Als standardisierte Definition einer Schnittstelle reduzieren Informationsmodelle den Integrationsaufwand von OPC UA Server- und OPC UA Client-Komponenten. Je nach Nutzer ergeben sich hieraus eine Reihe von möglichen Vorteilen. So können Begleitspezifikationen hersteller- und anwenderübergreifend Aufwände für Systemintegration reduzieren, Geräte unterschiedlicher Lieferanten einfacher austauschbar machen und die IoT-Anwendungsentwicklung vereinfachen. Zu den größeren und bekannteren Begleitspezifikationen zählen etwa PA-DIM für die Prozessindustrie, oder die Weihenstephan-Standards für die Lebensmittelbranche.

Spezielle Anpassung ist möglich

Sollte für ein bestimmtes Szenario keine geeignete Begleitspezifikation zur Verfügung stehen, können Hersteller oder Anwender erweiterte OPC UA-Informationsmodelle speziell für ihre Bedürfnisse entwickeln – beispielsweise wenn ein Anwender mehrere Standorte mit jeweils unterschiedlichen Geräten und Schnittstellen an eine zentrale Plattform mit bestimmten Anwendungen anbinden will. Ein auf die Bedürfnisse zugeschnittenes Informationsmodell kann den Zugriff auf Daten über alle Standorte hinweg standardisieren, um die IoT-Anwendungsentwicklung zu erleichtern. In Kombination mit geeigneten Technologien und Designmustern sind standardisierte OPC UA-Informationsmodelle meist geeignet, Konfigurationsaufwände eines IoT-Systems zu reduzieren und den Betrieb effizienter zu gestalten.

Konfigurierbarkeit und Mapping

Um die Vorteile von erweiterten Informationsmodellen auszuschöpfen, müssen OPC UA Server mit Informationsmodellen gut umgehen können. Anwender sollten beliebige Informationsmodelle laden und Datenquellen in einen dem Informationsmodell entsprechenden Adressraum des OPC UA Servers abbilden können. Diese Mapping-Funktionalität ist Grundlage für den effizienten Aufbau von industriellen Datenräumen in innovativen IoT-Systemen. Weiter unten ist beschrieben, wie Softing diese Funktionalität in Standard-Produkten umsetzt. Zunächst wird anhand drei ausgewählter Aspekte beschrieben, wie ein solcher OPC UA Server mit Mapping-Funktionalität im Rahmen eines größeren IoT-Systems eingesetzt wird und optional mit weiteren Komponenten zusammenspielen kann. Das Thema Architektur verdient eigentlich eine ausführlichere Darstellung, wird im Artikel jedoch zumindest angerissen.

Mapping nahe an der Datenquelle

In den meisten IoT-Systemen müssen unstrukturierte Daten so nahe wie möglich an der Datenquelle mit Semantik versehen bzw. in den Adressraum eines OPC UA Servers gemappt werden, nicht erst in einem zentralen Data Center oder in der Cloud. Hierfür gibt es mehrere Gründe. Dazu gehören Anwendungen, die Daten bereits lokal auf Edge-Ebene nutzen. Ein weiteres Beispiel ist die strukturierte Auswertung über mehrere Ebenen hinweg, etwa bei der Berechnung von OEE-Kennzahlen für einzelne Maschinen, einen Standort oder den Konzern. Hinzu kommt das große Datenvolumen, das in Geräten und Automatisierungsnetzen anfällt. Aus Kostengründen oder wegen begrenzter Bandbreite kann es oft nicht vollständig an eine zentrale Plattform übertragen werden.

Unified Name Spaces

Unified Name Space beschreibt im Kontext von IoT-Systemen ein Designmuster (engl. design pattern) einer Anwendung. Es ermöglicht die Bereitstellung von OT- und anderen Daten über IT-Technologien, sodass Entwickler und Data Scientists diese nutzen können. In praktischen Implementierungen kann beispielsweise ein MQTT-Broker mit JSON-Encoding für Nutzdaten zum Einsatz kommen, der wiederum auf einen OPC UA Server als Datenquelle zugreift. Auf Standardinformationsmodellen basierende OPC UA Server ermöglichen eine vereinfachte und weitgehend automatisierte Konfiguration der Veröffentlichung und Konsolidierung von Daten in einem Unified Name Space.

UA Cloud Library

Sobald Anwender den Einsatz von OPC UA-Informationsmodellen für ihr IoT-System in Betracht ziehen, stellt sich die Frage, wie diese Modelle verwaltet werden können. Die gemeinsam von der OPC Foundation und von CESMII entwickelte UA Cloud Library ist eine Datenbank für Informationsmodelle und Adressräume. Sie soll das Bereitstellen, Auffinden und Verteilen von Informationsmodellen vereinfachen, sei es manuell oder automatisiert über eine HTTP-REST-Schnittstelle. Anwender können die von der OPC Foundation gehostete UA Cloud Library nutzen. Alternativ steht die UA Cloud Library als Open Source-Projekt auch all denen Anwendern zur Verfügung, die sie selbst betreiben möchten. In jedem Fall unterstützt die UA Cloud Library die Entwicklung und den skalierbaren Betrieb von IoT-Systemen.

Übersicht über Softing-Produkte

Mit dem Secure Integration Server (SIS) bietet Softing Industrial bereits seit mehreren Jahren eine Windows-Applikation an, die Daten aus mehreren Datenquellen über OPC UA erfasst, in einem einzelnen OPC UA Server aggregiert, und ein konfigurierbares Mapping der Datenquellen gemäß ladbarer OPC UA-Informationsmodelle ermöglicht. Inzwischen steht mit dem EdgeAggregator ein zweites Produkt zur Verfügung, das eine vergleichbare Funktionalität als containerisiertes Software-Modul anbietet. Vor kurzem hat Softing das Portfolio erweitert und bietet OPC UA Mapping-Funktionalität auch in EdgeConnector-Produkten und in der EdgeGate-Hardware an. Als Datenquellen unterstützen diese Produkte neben OPC UA und MQTT andere industrielle Protokolle, etwa zum Zugriff auf Siemens- und Allen-Bradley-Steuerungen, auf CNC-Maschinen mit Fanuc- und Siemens-Komponenten, oder auf Modbus-sprechende Datenquellen. In den Produkten kann das Mapping der Datenquellen manuell über eine GUI definiert werden, oder automatisiert über eine HTTP-REST-Schnittstelle. Alle Produkte verbindet, dass sich mit ihnen Maschinendaten erfassen und konfigurierbar in OPC UA-Adressräume mappen lassen, angepasst auf die vorhandene Infrastruktur und das Betriebskonzept.



  • 25 Prozent der Firmen planen höhere Investitionen

    25 Prozent der Firmen planen höhere Investitionen

    Erwartungen an die Post-Covid-Zeit 25 Prozent der Firmen planen höhere Investitionen 70 Prozent der Fertigungsunternehmen rechnen mit einem Wachstum ihrer Branche, gaben die Teilnehmer in einer Umfrage von CBAF an.…

    mehr lesen: 25 Prozent der Firmen planen höhere Investitionen

  • Cyberangriffsrisiko reduzieren

    Cyberangriffsrisiko reduzieren

    Bei sechs von zehn (63%) Cyberangriffen, die vom Kaspersky Global Emergency Response Team untersucht wurden, setzen die Angreifer Brute-Force-Methoden ein und nutzen Schwachstellen aus, um die IT-Systeme eines Unternehmens zu…

    mehr lesen: Cyberangriffsrisiko reduzieren

  • Phishing-Mails verursachen die höchsten Schäden

    Phishing-Mails verursachen die höchsten Schäden

    Schreiende Kinder, ungewohntes Arbeitsumfeld und schlechte Büroausstattung: Das Arbeiten im Homeoffice ist nicht für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nur angenehm.

    mehr lesen: Phishing-Mails verursachen die höchsten Schäden

  • Endpoint-Schutz bei Offline-Systemen

    Endpoint-Schutz bei Offline-Systemen

    In Teilen der IT-Welt dominiert die Meinung, dass einige Systeme keinen Endpoint-Schutz benötigen. Diese Einschätzung ist häufig für solche Geräte anzutreffen, die isoliert und nicht mit dem Internet verbunden sind…

    mehr lesen: Endpoint-Schutz bei Offline-Systemen

  • Top Malware im August 2021

    Top Malware im August 2021

    Check Point Research hat den Global Threat Index für August 2021 veröffentlicht. Formbook ist nun die am weitesten verbreitete Malware in Deutschland.

    mehr lesen: Top Malware im August 2021

  • Oberflächentechnik und IT in der Zulieferindustrie

    Oberflächentechnik und IT in der Zulieferindustrie

    Die 16. FMB – Zuliefermesse Maschinenbau findet vom 10. bis 12. November 2021 im Messezentrum Bad Salzuflen statt. Zu den Topthemen kürte Veranstalter Easyfairs die Oberflächentechnik und Digitalisierung.

    mehr lesen: Oberflächentechnik und IT in der Zulieferindustrie

  • Koexistenzmanagement von Funksystemen

    Koexistenzmanagement von Funksystemen

    Im September 2021 erscheint die Richtlinie VDI/VDE 2185 Blatt 2 ‚Funkgestützte Kommunikation in der Automatisierungstechnik – Koexistenzmanagement von Funksystemen‘. Wenn unterschiedliche Funksysteme bei Automatisierungsaufgaben unterstützen, ist mit einer gegenseitigen Beeinflussung…

    mehr lesen: Koexistenzmanagement von Funksystemen

  • Unternehmen zweifeln an Ransomware-Resilienz

    Unternehmen zweifeln an Ransomware-Resilienz

    Unternehmen verwalten heute mehr als zehn Mal so große Datenmengen wie noch vor fünf Jahren. Dabei befürchteten 62 % der Befragten in einer aktuellen Untersuchung von Dell Technologies, ihre Maßnahmen…

    mehr lesen: Unternehmen zweifeln an Ransomware-Resilienz

  • 71 Prozent der Firmen nutzen quelloffene Software

    71 Prozent der Firmen nutzen quelloffene Software

    Bitkom-Umfrage zu Open Source 71 Prozent der Firmen nutzen quelloffene Software In einer aktuellen Befragung des Bitkom gaben 71 Prozent der Teilnehmer an, frei verfügbare Programme im Unternehmen zu nutzen.…

    mehr lesen: 71 Prozent der Firmen nutzen quelloffene Software

  • MES zwischen On-Premise und Cloud-Betrieb

    MES zwischen On-Premise und Cloud-Betrieb

    Der MES-Anbieter Proxia Software kapselt Funktionen seiner Software, um Anwendern mehr Flexibilität beim Cloud-Betrieb ihres Produktionssteuerungssystems zu ermöglichen. Eine Datenvorverarbeitung im sogenannten Fog Layer soll durch eine geringere Anzahl an…

    mehr lesen: MES zwischen On-Premise und Cloud-Betrieb

  • Zwei Neuzugänge bei Igel

    Zwei Neuzugänge bei Igel

    Christiane Ohlgart und Kris Hamner verstärken das Management-Team von Igel. Ohlgart wird als neue Finanzchefin und Hamner als neuer Personalchef zum Executive Team in San Francisco stoßen.

    mehr lesen: Zwei Neuzugänge bei Igel

  • Einheitliche Standards für die Industrie 4.0

    Einheitliche Standards für die Industrie 4.0

    In dem vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderten Forschungsprojekt InterOpera wollen Forscherinnen und Forscher zusammen mit der Industrie einheitliche Methoden zur Umsetzung der Verwaltungsschale in der Praxis erarbeiten.

    mehr lesen: Einheitliche Standards für die Industrie 4.0