Grundlagen für KI-Rollouts in der Produktion

Engineer using laptop with AI technology in modern factory digital monitoring predictive maintenance machine learning automation. Manufacturing Engineering Artificial Intelligence
Bild: ©Grispb/stock.adobe.com

42 Prozent der deutschen Industrieunternehmen setzen laut einer Bitkom-Befragung bereits künstliche Intelligenz in der Produktion ein. In Bereichen wie der Personal- und Produktionsplanung, Wartung, Qualitätssicherung, Prozessoptimierung sowie Analyse entfaltet KI ihr Potenzial, da sie Muster in Daten erkennen und nutzen kann. Für die Personalplanung bedeutet das: Mit KI lassen sich komplexe Arbeitsabläufe präzise planen – meist in Echtzeit – wofür ein Mensch sehr viel Zeit investieren müsste.

Das bremst die KI-Einführung

Der Einsatz von KI nimmt Fahrt auf. Doch es gibt noch viel Luft nach oben. Zu diesem Schluss kommt das IFO Institut in der Untersuchung ‚Künstliche Intelligenz – Verbreitung, Anwendung und Hindernisse in Deutschland im europäischen Vergleich‘. Mehr als acht Prozent der Unternehmen in der EU nutzten 2023 KI. Deutschland lag mit 12 Prozent über dem Durchschnitt und damit nicht weit entfernt von Spitzenreitern wie Dänemark, Finnland, Belgien und den Niederlanden mit je 14 Prozent. Diverse Hindernisse bremsen die KI-Einführung jedoch aus. Die Verfasser der Studie identifizierten dazu drei Handlungsfelder: fehlendes Wissen, hohe Kosten und unsichere rechtliche Rahmenbedingungen. Sie sehen vor allem die Politik in der Pflicht, die Rahmenbedingungen positiv zu verändern. Doch Produktionsunternehmen haben angesichts angespannter Märkte, geopolitscher Entwicklungen und sinkender Nachfrage kaum Zeit zu verlieren, Wettbewerbsvorteile durch KI und Digitalisierung anzustreben.

KI – Schritt für Schritt implementieren

Produktionsunternehmen, die KI in der Fertigung etablieren wollen, stoßen damit einen Transformationsprozess an, der durchdacht, strategisch geplant und verlässlich umgesetzt werden muss. Nur so kann die KI valide Ergebnisse liefern. Folgende Abläufe und Aspekte sind dabei maßgeblich:

Daten – die Basis für KI

Damit Produktionsdaten ausgewertet werden können, müssen sie zunächst überhaupt erfasst werden. Grundlage ist eine ausreichende Datenverfügbarkeit, die in vielen Fällen durch IoT-Sensoren oder angeschlossene Maschinenschnittstellen sichergestellt wird. Ebenso entscheidend ist die Datenqualität und -konsistenz: Erhobene Werte müssen fehlerfrei, plausibel und in einem einheitlich auslesbaren Format vorliegen, um für Analysen genutzt werden zu können. Für die Erkennung von Mustern oder langfristigen Trends sind zudem historische Daten erforderlich. Je größer und konsistenter diese Datensätze sind, desto zuverlässiger lassen sich Zusammenhänge ableiten. Schließlich braucht es eine zentrale Datenplattform, auf der Informationen aus verschiedenen Systemen – etwa aus MES- (Manufacturing Execution System) und ERP-Systemen (Enterprise Resource Planning) – zusammengeführt werden. Wenn diese Daten zentral vorliegen und für KI-Anwendungen zugänglich sind, kann ihr Potenzial in der Analyse und Optimierung von Fertigungsprozessen ausgeschöpft werden.

Die AI Suite von MPDV greift auf vorhandene Systemdaten zurück, um etwas im Planungswesen, beim Maschinenmonitoring oder für Analysen KI-Funktionen 
bereitzustellen.
Die AI Suite von MPDV greift auf vorhandene Systemdaten zurück, um etwas im Planungswesen, beim Maschinenmonitoring oder für Analysen KI-Funktionen bereitzustellen. – Bild: ©peerapong/stock.adobe.com

Technologie – die IT-Infrastruktur

Ohne eine moderne IT-Infrastruktur lassen sich KI-gestützte Anwendungen in der Fertigung kaum realisieren. Sie bildet die Grundlage, um Modelle zu betreiben, zu integrieren und mit aussagekräftigen Daten zu versorgen. Entscheidend ist zunächst eine zuverlässige Vernetzung und Anbindung: Maschinen und Systeme müssen über stabile lokale Netzwerke oder Edge-Computing-Strukturen miteinander kommunizieren können, damit Produktionsdaten in Echtzeit übertragen werden.Ebenso wichtig ist eine ausreichende Rechenleistung, die – je nach Komplexität der Modelle – lokal oder über Cloud-Dienste bereitgestellt wird. Das KI-Modul sollte sich zudem nahtlos in bestehende Systeme wie das Manufacturing Execution System (MES) und das Advanced Planning and Scheduling System (APS) einfügen, damit Handlungsempfehlungen direkt umgesetzt werden können. Da Produktionsdaten häufig geschäftskritisches Knowhow enthalten, ist schließlich ein hohes Maß an Datensicherheit und -schutz unerlässlich.

Organisation – die strategischen Voraussetzungen

Die Einführung von KI in der Fertigung erfordert nicht nur technologische Voraussetzungen, sondern auch organisatorisches Engagement und begleitende Veränderungsprozesse. Grundlage ist eine klare Strategie. Unternehmen sollten definieren, welche Ziele oder Probleme mithilfe von KI adressiert werden sollen – etwa die Verringerung von Maschinenausfällen oder die Verbesserung der Produktqualität. Ein Pilotprojekt kann helfen, erste Erfahrungen zu sammeln und die Wirksamkeit des Ansatzes zu prüfen. Ebenso wichtig ist das Engagement des Top-Managements. Da der Einsatz von KI stets strategische Auswirkungen hat, braucht es entsprechende Unterstützung auf Leitungsebene – auch im Hinblick auf Investitionen und notwendige Prozessanpassungen. Schließlich spielt das Change-Management eine zentrale Rolle: Mitarbeitende sollten früh eingebunden und über Ziele sowie Nutzen informiert werden.

Personal – Aufbau von Knowhow

Für den Betrieb und die Weiterentwicklung von KI-Systemen spielt das Personal eine entscheidende Rolle. Mitarbeitende müssen befähigt werden, die Technologie zu verstehen und sinnvoll einzusetzen. Dazu gehört der Aufbau spezifischer KI-Kompetenzen, sei es durch interne Fachkräfte wie Data Scientists und KI-Ingenieure oder durch die Zusammenarbeit mit externen Partnern, die bei der Entwicklung und Verfeinerung von Modellen unterstützen können. Darüber hinaus ist ein grundlegendes digitales Verständnis notwendig. Beschäftigte, die mit dem MES oder direkt an Maschinen arbeiten, sollten in der Lage sein, KI-basierte Vorschläge zu interpretieren, zu bewerten und in ihren Arbeitsalltag zu integrieren. Mit dem Einzug solcher Anwendungen entstehen zugleich neue Rollenprofile an der Schnittstelle zwischen IT und Produktion, etwa als KI-Anwendungsmanager oder Data Engineer.

KI out of the box

Unternehmen, die mit weniger individuellem Aufwand KI nutzen wollen, können auf standardisierte Anwendungen zurückgreifen. MPDV bietet hierfür mit der AI Suite eine Sammlung von sogenannten mApps (Manufacturing Applications) an, die auf die Anforderungen von Produktionsunternehmen zugeschnitten ist. Diese KI-Module erweitern sowohl das Manufacturing Execution System (MES) als auch das Advanced Planning and Scheduling System (APS). Sie greifen auf vorhandene, strukturierte Produktionsdaten zu und brauchen kein individuelles Training.



  • Modulare Sicherheit für modulare Produktionsanlagen

    Modulare Sicherheit für modulare Produktionsanlagen

    Die Industrie 4.0-Inititative SmartFactory-KL hat ein Whitepaper zur Absicherung von modularen Produktionsanlagen veröffentlicht. Die Grundlage für das Papier bildet ein ebenfalls modular aufgelegtes Safety-Konzept, das seit 2018 entwickelt wird.

    mehr lesen: Modulare Sicherheit für modulare Produktionsanlagen

  • Mehr Budget für mehr Digitalisierung

    Mehr Budget für mehr Digitalisierung

    Die Digitalisierung von Prozessen ist die Nummer-1-Priorität, wenn es um den Einsatz des IT-Budgets geht. Knapp die Hälfte im Rahmen einer Capgemini-Studie befragten Unternehmen will die Budgets im kommenden Jahr…

    mehr lesen: Mehr Budget für mehr Digitalisierung

  • Maschinen- und Anlagenbau trotzt der Krise

    Maschinen- und Anlagenbau trotzt der Krise

    Die Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau werden das Krisenjahr 2020 mit deutlichen Minusraten abschließen, die aber nicht so heftig ausfallen, wie erwartet. „Für nicht wenige Betriebe dürfte dieses Jahr im…

    mehr lesen: Maschinen- und Anlagenbau trotzt der Krise

  • Software AG und Re‘Flekt arbeiten zusammen

    Software AG und Re‘Flekt arbeiten zusammen

    Im Rahmen einer Partnerschaft wollen die Software AG und Re‘Flekt eine gemeinsame IoT & AR-Lösung auf den Weg bringen.

    mehr lesen: Software AG und Re‘Flekt arbeiten zusammen

  • Non-Profit-Verein soll Technologietransfer beschleunigen

    Non-Profit-Verein soll Technologietransfer beschleunigen

    Volkswagen hat mit sechs Partnerunternehmen den Industrial.Digitalisation PartnerNet e.V. gegründet. Die herstellerunabhängige Non-Profit-Organisation ist vor allem als Innovationsmotor für die Automobilbranche ausgelegt, aber auch andere Fertigungsbranchen sollen profitieren.

    mehr lesen: Non-Profit-Verein soll Technologietransfer beschleunigen

  • Intec und Z findet online statt

    Intec und Z findet online statt

    Auch das kommende Messejahr wird noch mit Einschränkungen zu kämpfen haben. Die Veranstalter der Intec und Z 2021 verlegen die Messe nun in die virtuelle Welt. Das Motto: ‘Intec und…

    mehr lesen: Intec und Z findet online statt

  • Auftragseingang auf Vorjahresniveau

    Auftragseingang auf Vorjahresniveau

    Im Oktober hielt sich der Auftragseingang der Maschinen- und Anlagenbauer auf dem Niveau des Vorjahres. Jedoch kommen die erneuten Einschränkungen in Folge der Corona-Krise im Berichtsmonat noch nicht zum Tragen.

    mehr lesen: Auftragseingang auf Vorjahresniveau

  • Vorteile von Standards und Normen nutzen

    Vorteile von Standards und Normen nutzen

    Für die Verbreitung von Innovationen sind Normen und Standards ein wichtiger Katalysator. Sie definieren die Meilensteine der Technik und ebnen innovativen Ideen den Weg zum Erfolg auf dem Markt. Auch…

    mehr lesen: Vorteile von Standards und Normen nutzen

  • Produktionspläne der Industrie gedämpft

    Produktionspläne der Industrie gedämpft

    Die Erwartungen der Produzenten an die nächsten Monate haben sich insgesamt wieder leicht ins Minus gedreht, ermittelten die Wirtschaftsforscher am ifo Institut. Vor allem Konsumgüter könnten sich wieder leicht schlechter…

    mehr lesen: Produktionspläne der Industrie gedämpft

  • IT-Sicherheit auf Linux-Basis

    IT-Sicherheit auf Linux-Basis

    In seiner kostenlosen Firewall Community, einer Sicherheitslösung auf Linux-Basis, steigt Endian ab der aktuellen Version 3.3.2 auf Rolling Releases um. Über Open-VPN können Mitarbeiter im Homeoffice sicher auf die Unternehmensressourcen…

    mehr lesen: IT-Sicherheit auf Linux-Basis

  • IPC mit zweiter Platinenebene

    IPC mit zweiter Platinenebene

    Der lüfterlose Industrie-PC C6027 von Beckhoff verfügt über eine zweite Platinenebene mit optionalen sechs RJ45-Ports oder integrierter 1s-USV.

    mehr lesen: IPC mit zweiter Platinenebene

  • Globaler Maschinenbau 2021 wieder im Plus

    Globaler Maschinenbau 2021 wieder im Plus

    Nach dem globalen Umsatzeinbruch um voraussichtlich 7 Prozent in diesem Jahr, wird für 2021 im Maschinenbau ein Umsatzwachstum von 6 Prozent prognostiziert.

    mehr lesen: Globaler Maschinenbau 2021 wieder im Plus