Industrial IoT und Data Lakes: Automatisierungspyramide aufbrechen – aber wie?

463482
Bild: ©ArtemisDiana/stock.adobe.com

Edge-Geräte, also maschinennah aufgestellte IIoT-Devices, spielen eine wichtige Rolle in der digitalen Transformation der Industrie. Sie ermöglichen die Erfassung und Übertragung von Daten in Echtzeit, mit denen Anwender Betriebsabläufe verbessern, Effizienz erhöhen und Kosten senken können. Von kleinen Geräten, wie dem Sensor oder dem Aktor bis hin zu hoch komplexen Anlagenteilen können neben Daten wie Temperatur, Druck und Feuchtigkeit auch Daten zur Diagnose, Überwachung und Steuerung übertragen werden. Diese Daten lassen sich nutzen, um Muster zu erkennen, die beispielsweise auf Maschinenausfälle hindeuten. Um diese abzuwenden, können Wartungsarbeiten geplant und durchgeführt werden. Auch ist es möglich, nahezu optimale Betriebsbedingungen für das IIoT-Gerät zu erzeugen, so dass Abnutzung reduziert und Lebensdauer erhöht wird. Gerade bei global verteilten Anlagen und Anlagenteilen kann auch eine globale Überwachung, Wartung und Instandhaltung der Anlagenteile einen deutlichen finanziellen Nutzen bieten.

Data Lake als Geschäftsgrundlage

Neben den IIoT-Daten erfasst die Industrie auch Daten etwa aus den Prozessleitsystemen (PLS), Manufacturing Execution Systems (MES) und Batchsystemen, um Betriebsabläufe und Prozesse zu verfolgen und zu optimieren, langfristige Datenvorhaltung einzurichten und behördlichen Dokumentationspflichten nachzukommen. Diese Daten werden meist zusätzlich in Historiensystemen vorgehalten und mit unternehmensspezifischen Daten angereichert. Um diese riesigen Datenmengen speichern, verarbeiten und nutzen zu können, bietet es sich an, ein System als Grundlage für Prozesse, Innovationen und Geschäftsmodelle einzurichten. Anstelle mehrerer verteilter Systeme mit starren und eingeschränkten Datenstrukturen bieten Data Lakes – durch die Anreicherung von Metadaten in ihrer Kontextualisierungsschicht – eine flexible Möglichkeit, viele Daten in verschiedenen Formaten zu verarbeiten. An dieser Stelle sollte zwischen der Speicherung von Daten und der Anbindung von Daten an den Data Lake unterschieden werden, um doppelte Datenhaltung zu vermeiden.

Die dezentrale Intelligenzschicht

Das Devicemanagement kann je nach Anzahl der IoT-Geräte eine komplexe Angelegenheit werden. Dabei ist es neben der Inbetriebnahme der IIoT-Geräte wichtig, im laufenden Betrieb eine Instandhaltung und Fernwartung der Geräte realisieren zu können. Was heißt nun Instandhaltung? Anwendungen wie Zustandsüberwachungen, Asset Tracking und Smartmetering können neben Gerätekonfigurationen, Datenmanagement und Sicherheitskonfigurationen einen wesentlichen Teil zur Prozessoptimierung und Instandhaltung beitragen. Die Hierarchie und Architektur in der Automatisierungspyramide muss mit der Anbindung von IIoT-Geräten aufgebrochen und erweitert werden. So lässt sich die Struktur der horizontalen und vertikalen Integrationen erweitern und optimieren, was Innovation und Anpassungsfähigkeit unterstützt. Denn in der Smart Factory rücken die Datenerfassung und -verarbeitung näher an die Datenquelle heran und etablieren somit eine Zwischenebene in der Automatisierungspyramide. Diese ‚dezentrale Intelligenzschicht‘ beschreibt die Interaktion mit Sensoren und Aktoren und ist zwischen Feld- und Steuerungsebene angesiedelt. Wie gehen Anwender mit den neu gewonnen Daten um, die in dieser Zwischenebene entstehen? Zudem tut sich die Frage auf, wie diese in den Kontext zu den klassischen Systemdaten gesetzt werden. Data Lakes mit ihrem skalierbaren Speicherplatz können diese Daten aufnehmen. So können Verarbeitungs- und Analyseaufgaben über Business Intelligence-Plattformen und andere Anwendungen bzw. über Programmiersprachen durchgeführt werden. Bei den Hyperscalern und mit Services anderer Anbieter können die in den Data Lake transferierten Daten zumeist in nativen Formaten, das heißt ein Dateiformat, welches eine bestimmte Software oder ein Gerät als Standardformat verwendet, abgelegt werden. Das kann in der weiteren Verarbeitung jedoch eine Datenkontextualisierung nach sich ziehen, damit diese Daten auch mit anderen gespeicherten Daten in einen Kontext zu bringen sind.

Data Pipelines orchestrieren

IIoT-Geräte und -Systeme ohne eigene Datenbank müssen erzeugte Daten irgendwo speichern. Geschieht das im Data Lake, lassen sie sich mit den Daten der übrigen Quellen gemeinsam und zentral auswerten. Jedoch ist dann auch zu hinterfragen, ob die Daten aus Systemen mit eigener Datenbank im Backend noch einmal in den Data Lake einfließen müssen. Oft ist es der bessere Ansatz, alle Daten intelligent zusammenzubringen, um eine schlanke und schnelle Datenintegration und Zusammenführung zu erwirken. Dieser Ansatz zielt darauf ab, die verschiedenen Datenquellen intelligenz zu vernetzen. Datenbanken, IoT-Geräte und diverse Dateiformate können über sogenannte Data Pipelines aus dynamischen Quellen an den Data Lake angebunden werden. Dabei vermittelt die Orchestrierungsschicht den Zugriff auf die Datenquellen und übernimmt Verarbeitungsprozesse. So kann bei der Analyse und Zusammenführung der Daten eine einheitliche Sicht hergestellt werden, unabhängig davon wo die Daten gespeichert sind.

Seiten: 1 2



  • Webinarserie: IT&Production TechTalks

    Webinarserie: IT&Production TechTalks

    Im November starten die IT&Production-Fachmedien eine eigene Webinarserie – die IT&Production TechTalks. Jedes Webinar bietet drei Vorträge zu einem Schwerpunktthema – u.a. MES/MOM (24. November), Robotic Process Automation (26. November),…

    mehr lesen: Webinarserie: IT&Production TechTalks

  • Richtlinien zum Anlagen-Engineering aktualisiert

    Richtlinien zum Anlagen-Engineering aktualisiert

    Die Richtlinienreihe VDI/VDE 3695 ‚Engineering von Anlagen‘ wurde überarbeitet und an den Stand der Technik, insbesondere an I4.0-Vorgaben, angepasst. Die Reihe unterstützt Engineering-Organisationen dabei, geeignete Maßnahmen zur gezielten Weiterentwicklung der…

    mehr lesen: Richtlinien zum Anlagen-Engineering aktualisiert

  • Ausgezeichnete Produktfamilie

    Ausgezeichnete Produktfamilie

    Der Bundesverband IT-Sicherheit e.V. (TeleTrusT) hat die SDoT-Produktfamilie als Cross Domain Solution (CDS) von Infodas mit dem diesjährigen Innovationspreis für innovative, vertrauenswürdige und praxistaugliche IT-Sicherheitslösungen ausgezeichnet. 

    mehr lesen: Ausgezeichnete Produktfamilie

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Barracuda Networks erwirbt Startup Fyde

    Barracuda Networks erwirbt Startup Fyde

    Barracuda hat die Übernahme von des Zero Trust Cybersecurity Startups Fyde mit Sitz in Palo Alto, Kalifornien, und Porto, Portugal, bekanntgegeben, um die Barracuda CloudGen SASE-Plattform um ZTNA-Funktionen zu erweitern.

    mehr lesen: Barracuda Networks erwirbt Startup Fyde

  • Virtuelle Messe fürreale Abschlüsse

    Virtuelle Messe fürreale Abschlüsse

    Die Hallen des Nürnberger Messegeländes bleiben im November 2020 aufgrund der Corona-Pandemie zwar leer. Die SPS-Messe soll dennoch stattfinden: Veranstalter Mesago liefert mit der SPS Connect vom 24. bis zum…

    mehr lesen: Virtuelle Messe fürreale Abschlüsse

  • Fanuc liefert 1.400 Roboter an Volkswagen

    Fanuc liefert 1.400 Roboter an Volkswagen

    In den beiden VW-Werken in Emden und im US-amerikanischen Chattanooga sollen ab 2022 rund 1.400 Fanuc-Roboter bei der Produktion einer neuen E-Fahrzeuggeneration unterstützen.

    mehr lesen: Fanuc liefert 1.400 Roboter an Volkswagen

  • Pay-per-Use ist im Kommen

    Pay-per-Use ist im Kommen

    Die mittelständische Industrie in Deutschland öffnet sich auf der Suche nach finanziellen Spielräumen und Einnahmequellen für neue Geschäftsmodelle. 57 Prozent der Unternehmen sind offen für so genannte Pay-per-Use-Modelle. Das ergibt…

    mehr lesen: Pay-per-Use ist im Kommen

  • Tage der digitalen Technologien

    Tage der digitalen Technologien

    Das Bundeswirtschaftsministerium lädt am 16. und 17. November zu den Tagen der digitalen Technologien ein. In diesem Jahr findet die Veranstaltung als reines Online-Event statt.

    mehr lesen: Tage der digitalen Technologien

  • Multiagentensysteme für die autonome Produktion

    Multiagentensysteme für die autonome Produktion

    Im Forschungsprojekt MAS4AI (Multi-Agent Systems for pervasive Artificial Intelligence for assisting humans in modular production environments) hat sich ein Konsortium aus siebzehn europäischen Partnern das Ziel gesetzt, ein Multiagentensysteme für…

    mehr lesen: Multiagentensysteme für die autonome Produktion

  • Sicherheit für Remote-Arbeitsplätze

    Sicherheit für Remote-Arbeitsplätze

    Fortinet stellt FortiGate 2600F vor. Die Netzwerk-Firewall verbindet Networking mit Security, sowohl in hybriden Rechenzentren, Multi-Cloudumgebungen als auch bei einer großen Anzahl von Remote-Arbeitsplätzen.

    mehr lesen: Sicherheit für Remote-Arbeitsplätze

  • Sehen, wenn die Schraube locker ist

    Sehen, wenn die Schraube locker ist

    Das Forschungszentrum IoT-COMMs hat eine intelligente Schraubverbindung entwickelt, die eine drahtlose, energieautarke Überwachung ermöglicht. Ziel ist es, eine energieautarke Überwachung von Strukturen wie z.B. Brücken, Gerüsten, Windkraftanlagen in einem permanenten…

    mehr lesen: Sehen, wenn die Schraube locker ist