Cybersicherheit als Wettbewerbsfaktor

529732
Bild: ©Roch/stock.adobe.com

Auf der einen Seite versprechen durchgängige Datenflüsse, intelligente Analysen und cloudbasierte Services enorme Effizienzgewinne. Auf der anderen Seite steigt mit jeder Schnittstelle das Risiko von Cyberangriffen. „In der Fertigung entscheidet Cybersicherheit zunehmend über die Wettbewerbsfähigkeit. Nur wer seine Anlagen zuverlässig schützt, kann die Chancen der Digitalisierung wirklich nutzen und sich zudem als vertrauenswürdiger Partner positionieren“, betont Steffen Winkler, Vertriebsleiter der Business Unit Automation & Electrification Solutions bei Bosch Rexroth.

Regulierung erhöht den Druck

Neben dem steigenden Angriffsrisiko sorgt der regulatorische Rahmen für Handlungsdruck. Mit dem seit Dezember 2024 in Kraft getretenen Cyber Resilience Act hat die EU klare Vorgaben geschaffen, um die Cybersecurity vernetzter Produkte mit digitalen Elementen deutlich zu stärken. Verpflichtend müssen ab dem 11. Dezember 2027 alle digitalen Produkte, die im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) in Verkehr gebracht werden, die weitreichenden Vorgaben erfüllen. Neben technischen Anforderungen wie der Updatefähigkeit und einer sicheren Grundkonfiguration sind auch weitere Maßnahmen wie ein Prozess für das Management von Schwachstellen und Sicherheitsvorfällen gefordert. Bereits ab dem 11. September 2026 müssen alle aktiv ausgenutzten Schwachstellen und sicherheitsrelevanten Vorfälle von Herstellern innerhalb von 24 Stunden über das einheitliche Meldesystem angezeigt werden – und zwar auch rückwirkend für bereits im Umlauf befindliche Produkte, sofern sie unter die Definition des CRA fallen. Die Schwachstellen müssen dann zügig durch Updates behoben oder Abhilfemaßnahmen definiert werden. Für Maschinenhersteller und Zulieferer kann das eine enorme Herausforderung darstellen. Produkte einmalig sicher zu entwickeln, reicht künftig nicht mehr. Gefordert ist ein langfristiges Konzept zur Sicherstellung der Cybersecurity-Anforderungen über den gesamten Produktlebenszyklus. Wer die CRA-Anforderungen nicht erfüllt, riskiert neben Strafzahlungen auch, dass Produkte vom Markt genommen werden.

529730
Bild: Bosch Rexroth AG

Sicherheit als Fundament

Bosch Rexroth berücksichtigt diesen Paradigmenwechsel frühzeitig in seinen Automatisierungssystemen. Mit CtrlX OS steht ein Betriebssystem bereit, das von Grund auf für industrielle Sicherheitsbedarfe konzipiert wurde. Es basiert auf Linux, ist nach IEC62443-4-2 Security Level 2 TÜV-zertifiziert und bereits auf die Anforderungen des CRA ausgelegt. Alle verarbeiteten, gespeicherten und übertragenen Daten unterliegen Schutzmechanismen. Die Architektur folgt dem Prinzip der Risikoreduktion: schlanker Netzwerk-Footprint, verschlüsselte Kommunikation, rollenbasierte Benutzerrechte sowie Updatefähigkeit. Damit kann das Betriebssystem systematisch potenzielle Angriffsflächen verkleinern und eine abgesicherte Grundlage für vernetzte Produktionsumgebungen schaffen.

Zukunftssicher aufgestellt

Letztlich bedeutet ein solides Fundament mehr Planbarkeit und Investitionssicherheit für Anwender. Mit CtrlX OS schaffe das Unternehmen die Voraussetzung dafür, dass Automatisierungssysteme auch unter veränderten Rahmenbedingungen wie dem Cyber Resilience Act dauerhaft geschützt betrieben werden könnten, sagt Steffen Winkler. Geräte unterschiedlicher Hersteller, auf denen das Betriebssystem läuft, erfüllen denselben Sicherheitsstandard. Durch diese Offenheit kann eine einheitliche Sicherheitsarchitektur und -kultur entstehen. In der Praxis ist das entscheidend, denn kaum eine Produktionsumgebung ist heute homogen. Typischerweise treffen Maschinenparks verschiedener Hersteller, alte Bestandsanlagen und moderne Cloud-Services und Software aufeinander. Dieses hybride Zusammenspiel von IT, OT und IoT erhöht die Komplexität – und vergrößert die Angriffsfläche. CtrlX OS sorge dafür, dass Sicherheitsmechanismen nicht isoliert nebeneinanderstünden, sondern auf einer gemeinsamen Basis aufbauten, erläutert Steffen Winkler.

Ökosystem mit Security-Apps

Durch die Microservice-Architektur und die App-Technologie kann CtrlX OS um Sicherheitsfunktionen erweitert werden. Diese lassen sich bei Bedarf ergänzen und aktualisieren, ohne laufende Prozesse zu beeinträchtigen. So können Unternehmen auch neuen Bedrohungslagen oder regulatorischen Anforderungen begegnen. Über den Marktplatz der Plattform namens CtrlX OS Store können Anwender zusätzliche Security-Apps integrieren – ähnlich wie bei einem Smartphone. Dafür stehen zahlreiche Anwendungen von Bosch Rexroth selbst und deren Partnern zur Verfügung. Somit lassen sich seitens Bosch Rexroth etwa Apps wie VPN-Client, Firewall oder Security Scanner hinzufügen. Zahlreiche Anwendungen von Drittanbietern erweitern das Angebot. So schützt TXOne Networks am Netzwerkeingang, Ixon und MB Connect Line sichern den Fernzugriff, Paessler überwacht IT-, OT- und IoT-Umgebungen in Echtzeit. Alle Geräte, Apps und Lizenzen lassen sich dabei zentral und abgesichert über das Device Portal verwalten. Diese Modularität ermöglicht es, ein individuelles Cybersicherheitskonzept für eine Maschine oder Anlage zu realisieren.

528623
„Mit CtrlX OS ist Bosch Rexroth bereits heute auf die Richtlinien des CRA vorbereitet. Und bis Ende 2027 werden alle Produkte aus der Welt unseres Automatisierungsbaukastens CtrlX Automation auf die Kriterien ausgerichtet sein.“ Steffen Winkler, Bosch Rexroth AG – Bild: Bosch Rexroth AG

Zukunftssicherheit auch für bestehende Anlagen

Gerade bei bestehenden Anlagen sollten sich Sicherheitsfunktionen einfach nachrüsten lassen. Denn viele Anlagen im Feld sind technisch zwar leistungsfähig, wurden aber ohne ein Sicherheitskonzept entwickelt, das heutigen Anforderungen genügt. Hier kommt die Steuerung CtrlX Core ins Spiel. Sie wird standardmäßig mit dem Rexroth-Betriebssystem ausgeliefert und lässt sich als Security Gateway in bestehende Automatisierungssysteme integrieren – unabhängig von vorhandener Hard- und Software anderer Anbieter. Damit können ältere Maschinen mit modernen Schutzfunktionen nachgerüstet werden. Gleichzeitig stellt CtrlX Core abgesicherte Schnittstellen zu Cloud-Services oder Engineering-Systemen bereit. So kann die Steuerung als zentrales Schutzschild in heterogenen Produktionsumgebungen dienen – und damit eine zentrale Forderung vieler Betreiber erfüllen: Bestandsanlagen fit für die Zukunft machen, ohne die gesamte Infrastruktur austauschen zu müssen.

Sicherheit als kontinuierlicher Prozess

Cybersicherheit ist kein Zustand, sondern ein Prozess. Daher hat Bosch Rexroth diesen Ansatz von Grund auf in das Betriebssystem und die Steuerung integriert. Dazu gehören regelmäßige Penetrationstests bei jedem LTS-Release, dynamische und statische Sicherheitstests, ein Schwachstellen-Management sowie die Möglichkeit, Patches – in vielen Fällen ohne Produktionsunterbrechung – einzuspielen. „Mit CtrlX OS ist Bosch Rexroth bereits heute auf die Richtlinien des CRA vorbereitet. Und bis Ende 2027 werden alle Produkte aus der Welt unseres Automatisierungsbaukastens CtrlX Automation auf die Kriterien ausgerichtet sein,“ verspricht Steffen Winkler. Die Kunden des Anbieters könnten sich also darauf verlassen, dass sie mit den Produkten zukunftsfähig aufgestellt seien.

Ohne Cybersicherheit keine Wettbewerbsfähigkeit

Cybersicherheit wird in der Industrie zur Grundsatzfrage. Der Cyber Resilience Act verschärft die Anforderungen zusätzlich. Wer den CRA ignoriere, so Steffen Winkler, riskiere Strafen, aber auch den Verlust von Marktanteilen und Reputation. Wer ihn umsetze, gewinne Vertrauen, Planbarkeit und Zukunftssicherheit.



  • Bosch-Forschungsteam macht DLT-Anwendungen skalierbar

    Bosch-Forschungsteam macht DLT-Anwendungen skalierbar

    Nicht der Mensch bezahlt an der Kasse, sondern das Auto direkt an der Ladesäule. In einer Ökonomie der Dinge könnte dies Wirklichkeit werden. Genau daran forscht Bosch gemeinsam mit der…

    mehr lesen: Bosch-Forschungsteam macht DLT-Anwendungen skalierbar

  • Fraunhofer IKS startet in München

    Fraunhofer IKS startet in München

    In München wurde das neue Fraunhofer-Institut für Kognitive Systeme IKS  eröffnet. Schwerpunkt der Forschung soll auf der Absicherung künstlicher Intelligenz (Safe Intelligence) liegen.

    mehr lesen: Fraunhofer IKS startet in München

  • Auftragseingang sinkt zweistellig

    Auftragseingang sinkt zweistellig

    Nach einer kurzfristigen Entspannung im September liegt der Auftragseingang im Maschinen- und Anlagenbau im Oktober elf Prozent unter dem Vorjahreswert.

    mehr lesen: Auftragseingang sinkt zweistellig

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Fast 200.000 Ingenieure im Maschinenbau

    Fast 200.000 Ingenieure im Maschinenbau

    Im Maschinen- und Anlagenbau sind laut der aktuellen Ingenieurerhebung des VDMA 199.800 Ingenieure beschäftigt – Rekordniveau, wie der Branchenverband mitteilt. Dennoch haben die Unternehmen Schwierigkeiten entsprechende Stellen zu besetzen.

    mehr lesen: Fast 200.000 Ingenieure im Maschinenbau

  • Neues Institutsgebäude für das KIT

    Neues Institutsgebäude für das KIT

    Ab dem nächsten Frühjahr sollen die Arbeiten am InformatiKOM auf dem Campus Süd des Karlsruher Instituts für Technologie beginnen. Auf 10.000m² entstehen zwei Gebäude, in denen unterschiedliche Disziplinen zusammengebracht werden…

    mehr lesen: Neues Institutsgebäude für das KIT

  • Produktivere Mitarbeiter durch künstliche Intelligenz

    Produktivere Mitarbeiter durch künstliche Intelligenz

    Die große Mehrheit der im Rahmen einer IFS-Studie befragten Unternehmen plant, in KI-Technologien zu investieren. Davon erhoffen sie sich an erster Stelle Produktivitätssteigerungen der Belegschaft.

    mehr lesen: Produktivere Mitarbeiter durch künstliche Intelligenz

  • Datenschutz und Quantencomputing

    Datenschutz und Quantencomputing

    Im neuen Projekt ‘PQC4MED‘ arbeitet das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) gemeinsam mit mehreren Partnern an Verfahren daran, medizinische Daten durch updatefähige Systeme langfristig vor Attacken durch Quantencomputer zu…

    mehr lesen: Datenschutz und Quantencomputing

  • Arbeitsmarktbarometer legt zu

    Arbeitsmarktbarometer legt zu

    Das IAB-Arbeitsmarktbarometer ist im November gestiegen. Gegenüber dem Vormonat legte der Frühindikator des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) um 0,5 auf 102,1 Punkte zu. Verbessert hat sich der Ausblick…

    mehr lesen: Arbeitsmarktbarometer legt zu

  • Holger Michalka wird Teil der MR-Geschäftsführung

    Holger Michalka wird Teil der MR-Geschäftsführung

    Von Rittal zu MR: Zum April nächsten Jahres stößt Holger Michalka zur Maschinenfabrik Reinhausen und übernimmt dort die Leitung des Geschäftsbereichs ‘Products und Operations‘.

    mehr lesen: Holger Michalka wird Teil der MR-Geschäftsführung

  • Rockwell Automation tritt ISA Global Cybersecurity Alliance bei

    Rockwell Automation tritt ISA Global Cybersecurity Alliance bei

    Der neu gegründete Zusammenschluss ISA Global Cybersecurity Alliance hat sich zum Ziel gesetzt, die IT-Sicherheit in industriellen Betrieben voranzutreiben.

    mehr lesen: Rockwell Automation tritt ISA Global Cybersecurity Alliance bei

  • Hildegard Müller wird neue VDA-Präsidentin

    Hildegard Müller wird neue VDA-Präsidentin

    Hildegard Müller ist neue Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA). Sie tritt die Nachfolge von Bernhard Mattes an, der sein Amt zum Jahresende aufgibt.

    mehr lesen: Hildegard Müller wird neue VDA-Präsidentin