Von der Zeichnungsverwaltung zur Wissensdatenbank
Das abgelöste Zeichnungsverwaltungssystem (ZVS) wurde primär von Mitarbeitern der Abteilung Werksausrüstung sowie in der Fertigung genutzt. In dieser proprietären Insellösung wurden vor allem Zeichnungen für Hallen und Maschinen sowie Details zu Prozessen und Instandhaltungsmaßnahmen verwaltet. Ziel war es, mit einer in das neue PLM-System implementierten Anwendung Mitarbeitern an allen Standorten schnellen und einfachen Zugriff auf die rund 4.500 zentral gespeicherten Dokumente zu geben. Dazu erläutert Hüsemann: „Wir haben zunächst den benötigten Funktionsumfang analysiert und uns dann Angebote für Dokumentenmanagement- und Product Lifecycle Management-Systeme eingeholt. Zu unserer Überraschung lagen die DMS- und PLM-Lösungen preislich auf einem vergleichbaren Level“. Bei der nun eingesetzten Lösung waren hingegen keine Vorabinvestitionen in Lizenzen notwendig. Da das Open Source-System über einen grafischen Editor zur Definition von Regeln und Prozessen verfügt, waren die IT-Mitarbeiter in der Lage, innerhalb von kurzer Zeit eigenständig eine neue Zeichnungsverwaltung zu realisieren. Anfang des Jahres 2013 werden Altsysteme für die Zeichnungsverwaltung auch in den Werken im englischen Halewood sowie Bordeaux in Frankreich ebenfalls durch die neue Lösung ersetzt.
Angebots- und Budget-Management vereinfacht
In einem weiteren Projekt gelang es, mit Hilfe der Open Source-Software das Ausarbeiten von Angeboten für Kunden sowie die Budgetkalkulation zu vereinfachen. Zuvor erfolgte dies über das zeitaufwändige und fehleranfällige Verteilen von Excel-Tabellen an die in einem Projekt involvierten Fachabteilungen. So kamen schnell 20 oder mehr Listen für ein Projekt zusammen. Meist befinden sich im Unternehmen zwischen 100 und 200 Projekte gleichzeitig in Bearbeitung, was zu einem immensen Aufwand alleine für die Verwaltung der Excel-Dateien führte. Inzwischen werden aus dem PLM-System heraus die entsprechenden Prozesse sowie Genehmigungsverfahren angestoßen und verwaltet. Hierfür wurden Kostenstellen und beteiligte Abteilungen im System abgebildet sowie die benötigten Workflows definiert.
Prinzipiell kann jetzt jeder Mitarbeiter mit den entsprechenden Berechtigungen die Budget- und Angebotsplanung einsehen und kommentieren. Außerdem wird innerhalb dieser Anwendung eine Projektnummer generiert. Diese wird von anderen Abteilungen, wie zum Beispiel der Software-Entwicklung, genutzt, um die dort anfallenden Stunden zu verbuchen. Auch bei diesem Teilprojekt verfolgten die Verantwortlichen die bewährte Vorgehensweise: Zunächst entwickelten sie einen Prototypen der Anwendung, die anschließend für einen großen Benutzerkreis freigeschaltet wurde. Da keine Per-User-bezogenen Lizenzkosten anfallen, lässt sich auf diese Art eine neue Anwendung schnell einem breiten Benutzerkreis näherbringen.
Bereichübergreifende Anwendungspflege
Neue Produkte wie ein Doppelkupplungsgetriebe verfügen neben ihren mechanischen und elektronischen Teilen auch über spezielle Steuerungssoftware. Daher arbeiten die jeweiligen Abteilungen mit unterschiedlich Methoden, Werkzeugen und Anwendungen. Erst auf Ebene des Anforderungs- und Projektmanagements werden diese Disziplinen organisatorisch zusammengefügt. Die von Getrag Ford entwickelte Lösung unterstützt das Application Lifecycle Management (ALM) für die Getriebe-Software durch Funktionen wie Release Planung, Issue Management, Task Tracking oder Defect Management.
Hierbei arbeitet das PLM-System als Prozessdrehscheibe: Software-Entwickler planen ihre Aufgaben und Arbeitsprozesse im System und erfassen beispielsweise die gewünschten Anforderungen. Die weitere Ausarbeitung erfolgt innerhalb der Requirements-Anwendung ‘IBM Dynamic Object Oriented Requirements System’ (Doors). Ist die erstellte Aufgabe abgeschlossen, wird dies innerhalb des Anforderungswekrzeugs vermerkt und es erfolgt eine Meldung an das PLM-System und den Projektleiter. Für die Versionsverwaltung und das Konfigurationsmanagement der Source Codes kommt Clearcase von IBM oder MKS zum Einsatz. Eine direkte Anbindung von der PLM-Lösung an Anforderungsund Konfigurationsverwaltung soll in einem nächsten Schritt erfolgen.
Hintergrund: Getrag Ford Transmissions GmbH
Die Getrag Ford Transmissions GmbH wurde im Jahr 2001 als Joint Venture zwischen Getrag und Ford of Europe in Köln gegründet. Der Mutterkonzern Getrag ist einer der größten Systemlieferanten für Getriebe- und Antriebssysteme mit weltweit rund 12.800 Mitarbeitern an 24 Standorten und einem Umsatz von drei Milliarden Euro im Jahr 2011. Das Unternehmen produziert jährlich rund dreieinhalb Millionen Getriebe. Das Portfolio reicht von klassischen Handschaltgetrieben über automatisierte Schaltgetriebe und Automatikgetriebe basierend auf Doppelkupplungsgetriebetechnologie (DKG) bis hin zu verschiedenen Hybridisierungslösungen, Range Extender Systemen und reinen Elektroantrieben.






































