MES-Strategie im Liebherr-Werk Telfs

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Bild: Industrie Informatik GmbH

Seit 1976 produziert das Liebherr-Werk Telfs ein stetig wachsendes Programm von Baumaschinen mit hydrostatischem Antrieb. Der Standort mit mehr als 850 Mitarbeitenden setzt auf konsequente Digitalisierungsmaßnahmen. In diesem Rahmen wurde Toni Ferstl, Leitung Industrial Engineering Fertigung, mit der Auswahl einer MES-Software beauftragt. Er erinnert sich: „Ein effizient arbeitender Shopfloor ist selbstverständlich unverzichtbar, das war uns schon immer klar. Mit der Einführung eines MES sind wir einen für uns logischen Evolutionsschritt gegangen, der uns dabei hilft, Transparenz, Reaktionsgeschwindigkeit und Eigenverantwortung in der Fertigung entscheidend zu optimieren.“

Single-Point-of-Entry für Werker

„Unsere Baumaschinen zeichnen sich durch eine extrem hohe Ausrüstungsvarianz aus. Jeder Auftrag und jeder Handgriff bringen spezifische Anforderungen an Material, Fertigungsschritte und natürlich unsere Mitarbeitenden mit sich. Die Werkerinformation entlang der Fertigungsaufträge ist daher entscheidend“, sagt Christina Radis, Business Solution Architect Production bei Liebherr. Heute werden Zeichnungen, Stücklisten, Arbeitspläne und -anweisungen in der MES-Software Cronetwork konzentriert. „Was früher mittels Mengen an Papierdokumenten, wiederholten Informationssuchen und potenziellen Fehlerquellen verbunden war, wollten wir unseren Kolleginnen und Kollegen am Shopfloor mit einem Single-Point-of-Entry bereitstellen. Alle nötigen Informationen zum aktuellen Auftrag stehen daher nun in einem System zur Verfügung und müssen nicht mehr zusammengesucht werden. So können wir manuelle Fehler ausschließen, in Summe schneller werden und einen großen Schritt in Richtung papierarmer Fertigung gehen“, sagt Radis. Sie sieht einen weiteren Nutzen darin, dass die Nutzenden nicht nur Informationen beziehen, sondern auch zurückgeben können, wie etwa Fehlteile auf Stücklisten vermerken. Sie ergänzt: „Für den Fertigungsbereich hat sich das MES neben unserem ERP-System Infor LN, von wo aus Materialvorkalkulationen, Arbeitspläne und -anweisungen etc. an Cronetwork bereitgestellt werden, zum wichtigsten Tool entwickelt und auch die Bereitstellung der Zeichnungen aus dem PLM funktioniert einwandfrei. Diese können wir auch auf unseren Tablets aufrufen.“

Datendrehscheibe MES

Das MES wurde in den Bereichen Zuschnitt, Stahlbau, Mechanik, Lackieranlage und Intralogistik eingeführt und sollte den gesamten Fertigungsbereich möglichst breit abdecken. Auch die Nutzung von Meldeterminals zur Betriebsdatenerfassung spielte eine wichtige Rolle im Liebherr-Werk Telfs. Zusätzlich zur klassischen Auftragsbemeldung ist das sogenannte MES Incident Reporting für den Werker die erste Möglichkeit zur Informationsweitergabe, wenn es ein Problem oder einen unvorhergesehenen Zwischenfall zu melden gibt. Für die Verantwortlichen bei Liebherr ein wichtiger Punkt, der für die nötige Transparenz im Bereich der Eigenfertigung sorgt. Radis: „Im laufenden Betrieb erkennen wir so immer wieder Optimierungspotenziale, etwa hinsichtlich der Reduktion von Fehlteilen und Wartezeiten und erhalten auch im administrativen Bereich wichtige Kennzahlen zur Produktivitätssteigerung in der Fertigung.“

Gemeint sind damit unter anderem Expertenportale, die Meistern und Teamleitern vom PC aus einen Echtzeiteinblick in ihre Fertigung ermöglichen und ein Bild über das aktuelle Geschehen am Shop-floor liefern. Auch die Fertigungssteuerung nutzt das MES und speziell die Pido Business Intelligence (Pido, Produktionsinfo Datenobjekte) für Auswertungen, auf deren Basis weitere Maßnahmen und Strategien geplant werden.

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Bild: Industrie Informatik GmbH

In Summe arbeiten heute knapp 100 Werker an 80 Terminals und ca. 40 Personen aus der Administration (Meister, Teamleiter, Produktionsleitung, Fertigungssteuerung, Industrial Engineering, usw.) im täglichen Betrieb mit der Software. Zu Beginn des MES-Projekts wurden die Mitarbeitenden im Rahmen eines Change-Prozesses umfangreich informiert und geschult. Für Christina Radis sorgt der integrierte No-Code-Ansatz in der Software für einen weiteren Mehrwert, denn so können Optimierungen auf Basis von Mitarbeiteranfragen schnell und unkompliziert gelöst werden, was für zusätzliche Akzeptanz sorgt.

Das Management profitiert

Auch in der obersten Management-Ebene ist man sich der Effekte eines digitalen Shopfloors in Verbindung mit der MES-Software bewusst. Liebherr Werk-Telfs Geschäftsführer Alfred Weithaler: „Als auftragsbezogen arbeitendes Werk mit einer breiten Produktpalette und vielfältigen Optionen in der Produktkonfiguration ist es mir wichtig, die richtigen Teile zur richtigen Zeit in bester Qualität für unsere Kunden zur Verfügung zu stellen. Damit einhergehend sind schnelle Durchlaufzeiten essenziell. Das größte Potenzial zur Optimierung von Durchlaufzeiten liegt in der Eliminierung von Liegezeiten. Dabei unterstützt uns das MES und wir schafften damit den Sprung von der manuellen ‚Meistersteuerung‘ zu einer professionellen, digitalen Fertigungssteuerung.“

Fazit

Weitere Projekte sind bereits in Planung. So plant das Liebherr-Werk Telfs im ERP-System heute noch gegen unbegrenzte Kapazitäten. Cronetwork Feinplanung APS soll hier weitere Effizienz- und Optimierungspotenziale freisetzen.