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Die Ingenieure bei Honda nutzen hochrealistische 3D-Visualisierungen aus Deltagen Real Impact, um ihre Crash-Test-Ergebnisse zu kommunizieren.
Bild: Honda R&D Americas/3D

Welches sind die Industrien, die 3D-Visualisierungsanwendungen als integralen Bestandteil für ihre Vertriebs- und Absatzstrategie gezielt einsetzen?

Rau: Industrien, die 3D-Visualisierungslösungen als Standard nutzen, sind die Vorreiter im digitalen Entwicklungsprozess, die ‚Early Adopter‘ von CAD und Product Lifecycle Management. Aus heutiger Sicht ist das ganz eindeutig die Automobilindustrie. Hier kommen zwei Faktoren zum Tragen: Die Modelle werden über die unterschiedlichsten Kanäle sehr intensiv vermarktet. Dabei herrscht ein hoher Bedarf an Produktbildern, -konfiguratoren und -filmen.

Zudem findet der Produktlaunch tendenziell immer früher statt – inzwischen meistens mehrere Monate, bevor das erste Fahrzeug vom Band rollt. Das hat zur Folge, dass die Produktentwicklung einem extremen Wettbewerb unterliegt und die Digitalisierung im Zuge des Innovationsdrucks vorangetrieben wird. Dies zeigt sich ebenso in der Detailtiefe, die im CAD abgebildet wird: selbst Tachoziffern sind inzwischen standardmäßig als Geometriedaten hinterlegt.

Was sind die Herausforderungen, wenn es um die hochrealistische Visualisierung eines Fahrzeugs geht?

Rau: Wir haben die Dimension des Fotorealismus inzwischen längst gesprengt. Das Maß aller Dinge ist heute der sogenannte ‚Marketingrealismus‘: Ein Fahrzeug wird im Kontext einer Kampagne produziert, das heißt im Rahmen eines kreativen Konzepts emotional in Szene gesetzt. Das Potenzial, welches die Computer-generated Imagery (CGI) hier bereithält, eröffnet unbegrenzte Handlungsspielräume für ‚Marketers‘ und Agenturen für die Schaffung eines ‚Wow‘-Erlebnisses.

Welche Anwendungsformen haben sich in den letzten Jahren im Vertrieb etabliert und welche werden weiterhin an Relevanz zunehmen?

Rau: Für den Vertrieb ist ausschlaggebend, dass der Hersteller dem potenziellen Käufer das Produkt so präsentieren kann, wie dieser es kaufen möchte. Das funktioniert am besten über einen visuellen Produkt-Konfigurator. Die meisten Interessenten informieren sich vorab im Internet, bevor sie einen Händler aufsuchen. Somit ist das Web der initiale Touch Point. Der Trend geht weiter in Richtung Personalisierung von Content, der einen größtmöglichen Grad an Individualisierung unterstützt. Interaktiver Content wird auch am Point-of-Sale immer wichtiger, um Endkunden ein innovatives, interaktives Produkterlebnis durch den Einsatz von Technologien wie Augmented Reality, S3D und mobile Apps zu bieten.