106248

Bei der Einführung von Lean-Prinzipien müssen eine Vielzahl strategischer Fragen beantwortet werden. Richtig umgesetzt sind sie ein wirkungsvolles Führungs- und Organisationskonzept. Bild: Redpoint Consulting AG

Supply Chain Management als Lean-Treiber

Generell zielt Supply Chain Management darauf ab, durch eine bessere Koordination der Wertschöpfungskette sowie eine verstärkte Kollaboration der verschiedenen Supply Chain-Partner die inner- und überbetrieblichen Material-, Informations- und Finanzflüsse zu beschleunigen und Leistungssteigerungen zu erzielen. Dabei kann es sich beispielsweise um höhere Produktverfügbarkeit, kürzere Lieferzeiten, niedrigere Kapitalbindung oder geringere Produktions- und Logistikkosten handeln. Supply Change Management setzt hier in hohem Maße auf eine Veränderung der Geschäftsprozesse in Verbindung mit softwaregestützten Werkzeugen. Hier liegt die Gefahr, eine unnötig hohe IT-Komplexität zu erzeugen. Dennoch stellt Supply Chain Management eine Vielzahl von Verfahren für erfolgskritische Prozesse bereit, die Lücken im traditionellen Lean-Ansatz schließen und Antworten auf strategische Fragen liefern können. Beispiele hierfür sind:

  • Strategische Netzwerkoptimierung – Es gilt zu klären, wie viele Produktionsstätten oder Lagerorte kostenoptimal sind. Auch deren geografische Anordnung und die Verteilung der Produkte auf die Standorte sind wichtig.
  • Master Planning beziehungsweise Produktionsprogrammplanung – Wesentlich kann die Frage sein, wie auf saisonale oder dynamische Nachfrageentwicklungen reagiert und wie die Produktion zeitlich und räumlich verteilt werden soll. Auch muss definiert werden, welche Lieferanten welche Mengen bereitstellen.
  • Absatzplanung und Bestandsmanagement – Da der Marktbedarf unsicher ist und stochastische Effekte in der Wertschöpfungskette auftreten, müssen Absatzzahlen mit möglichst hoher Genauigkeit prognostiziert und Sicherheitsbestände vorgehalten werden. Zu klären ist, welche Stufe des logistischen Netzwerks dafür optimal ist und wie die Bestände dimensioniert werden.
  • Supply Chain Planung und Steuerung – Hier gilt es zu beantworten, wie zu welchem Termin ein neuer Kundenauftrag machbar ist oder wie Engpasssituationen bei Material, Kapazität et cetera frühzeitig erkannt werden können. Ausnahmesituationen lassen sich im Sinne eines korrekten Planungsbildes erzeugen. Und auch die Auftragsreihenfolge an Maschinen müssen definiert werden.

Intelligente Verzahnung bringt Wettbewerbsvorteile

Lean Production und Supply Chain Management stehen keineswegs im Widerspruch, sondern können in intelligenter Weise miteinander verzahnt werden, um Wettbewerbsvorteile herauszuarbeiten. Lean Management ist ein starkes Organisations- und Führungskonzept, welches – richtig verstanden und mit Augenmaß eingesetzt – massive Verbesserungen herbeiführen kann. Ein Allheilmittel ist Lean aber nicht. Die erfolgreiche Einführung von Lean-Prinzipien erfordert ein ausreichend tiefes Verständnis der Grundlagen, Möglichkeiten und auch Grenzen. Das Lean-Konzept muss immer an die spezielle Unternehmenssituation angepasst werden. Nur durch einen langfristigen Fahrplan über mehrere Jahre kann sichergestellt werden, dass sich die Bereitschaft zum dafür notwendigen Wandel in den Köpfen verankert.