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In vielen Fabriken hat sich die Nutzung mobiler Endgeräte etabliert, zum Beispiel für die IT-gestützte Bestandskontrolle. Es steht zu erwarten, dass weitere Einsatzgebiete für robuste Mobilgeräte erschlossen werden. Bild: IFS

Leicht, klein, kommunikativ: Das Unternehmenssystem wird mobil

Nicht zuletzt aufgrund der steigenden Leistungsfähigkeit sowie des Preisverfalls bei Komponenten wie Prozessoren und Speicherbausteinen können Mitarbeiter inzwischen einfacher mit mobilen Technologien ausgestattet werden, die sich auch vor Ort an der Linie oder im Lager nutzen lassen. Mittlerweile bietet der IT-Markt durch mobile Endgeräte wie Smartphones, Tablets oder Ultrabooks leistungsfähige Alternativen zu stationären Systemen: Die Geräte sind leicht, haben geringe Abmessungen, benötigen keinen permanenten Stromanschluss und verfügen über integrierte Kommunikationsschnittstellen. Dabei ist das Handling deutlich einfacher als bei früheren mobilen Lösungen: Die Bedienungskonzepte sind weitgehend standardisiert und den meisten Nutzern von ihren privaten Geräten bekannt; der Einarbeitungs- und Schulungsaufwand ist daher meist gering. Aktuelle mobile Lösungen gestatten auch dem Anwender im Industriebetrieb, Informationen vor Ort zu erfassen und abzufragen – und diese Daten stehen im System anschließend in Echtzeit zur Verfügung. Dabei kann es sich um einen Lagerbestand, den Zustand einer Anlage oder um Informationen zu einem Auftrag handeln. Damit erschließen sich mobilen Systemen in der Fertigungsindustrie neue Anwendungsszenarien:

  • Kundendienst und Wartung: Vor allem wenn Service-Arbeiten außerhalb des Betriebsgeländes anfallen – bei Kunden oder an schwierigen Einsatzorten -, entfalten mobile Systeme ihre Vorteile. Techniker können beispielsweise per Tablet-PC Informationen nicht nur über bestimmte Anlagen, sondern auch über Aufträge, Konfigurationen oder Service-Historie abrufen. Die Mitarbeiter können so auch zeitnah Ersatzteile anfordern oder mit geschulten Kollegen kommunizieren. Servicearbeiten können somit häufig schneller und zielgenauer erfolgen. Nach Abschluss der Arbeiten lassen sich die Vorgänge digital dokumentieren, bei Bedarf auch mit Fotos.
  • Prozesssteuerung und -kontrolle: Verantwortliche für die Prozesssteuerung können mit mobilen Systemen Abläufe vor Ort verfolgen. Dabei stehen relevante Daten in komprimierter Darstellung auf dem Tablet oder Smartphone zur Verfügung und können bei Bedarf mit den Soll-Daten im ERP-System abgeglichen werden.
  • Anlagenbedienung: Produktionsprozesse werden flexibel aufgesetzt, um kurzfristige Änderungen realisieren zu können. Eng spezifizierte, stationäre Bediensysteme lassen sich vor diesem Hintergrund vielfach durch mobile, anpassbare Lösungen ersetzen – vereinzelt werden Anlagen bereits per Smartphone oder Tablet gesteuert.
  • Qualitätssicherung und Auditing: Qualität ist ein zentraler Faktor im Wettbewerb; zugleich müssen Unternehmen eine wachsende Zahl von Regularien einhalten. Die Prüfung dieser Prozesse kann mit mobilen Systemen an Ort und Stelle erfolgen. Das erlaubt dem Fertigungsleiter oder Qualitätssicherungsingenieur zudem, unmittelbar in Prozesse einzugreifen. Verbunden mit einer Vor-Ort-Dokumentation lassen sich so Abläufe in Qualitätssicherung und Auditing beschleunigen.
  • Lager-Management: Der Einsatz mobiler Intralogistik-Endgeräte kann helfen, Lager-Management-Prozesse zu verschlanken. Lagerbestände und -bewegungen – etwa Inventur oder Sonderprüfungen – können besser nachvollzogen werden, auch im Außeneinsatz. Verfügbare Systeme erlauben bereits eine weitgehende Konfiguration, um verschiedene Prozesse zu unterstützen. Eine mobile Datenerfassung kann dann auch ad-hoc durchgeführt werden, etwa um zwischengelagerte Produkte in der Fertigung im digitalen Blickfeld zu behalten.
  • Vertrieb: Auch Vertriebsmitarbeiter im Außendienst können vom mobilen Abruf aktueller Datensätze aus dem ERP-System profitieren. Das Spekturm an nützlichen Informationen reicht dabei von Angaben zur Liefersituation über Projektdetails und Auftragshistorie bis hin zu spezifischen Kundenanforderungen. Gerade im Umfeld komplexer industrieller Lösungen nimmt die IT-Unterstützung im Vertriebs- und Beratungsprozess eine zunehmend wichtige Rolle ein.
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Antony Bourne ist Global Manufacturing Industry Director bei IFS

Herausforderung durch die Integration von Echtzeit-Daten

Mobile Endgeräte müssen über die Funktionalität hinaus weiteren Anforderungen gerecht werden, um für den industriellen Einsatz in Frage zu kommen. Eine Voraussetzung für den effizienten Gebrauch von Smartphones, Tablets und Ultrabooks ist, dass sich die Geräte möglichst nahtlos in die bestehende Unternehmens-IT einbinden lassen. Viele Anwendungsfälle können von einer ständigen Verbindung zum ERP-System profitieren. Aktuelle Informationen und Echtzeit-Verarbeitung setzen jedoch nicht nur ständige Kommunikation mit der übrigen IT voraus, sondern auch Anwendungen, die damit umgehen können. Dabei sollte es keinen Unterschied machen, ob diese als App ober über einen Browser realisiert werden. Verschiedene ERP-Systeme stellen integrierte, mobile Funktionen schon im Standard bereit und verfügen beispelsweise über ein eigenes ‚Eco-System‘ – eine Marktplatz-Plattform, von der Apps heruntergeladen werden können.

Gesicherte Verbindung zum Rechenzentrum

Eine weitere Anforderung an die Nutzung mobiler Systeme in der Industrie betrifft die IT-Sicherheit. Wenn Wartungstechniker Fotos von defekten Anlageteilen aufnehmen, wenn Vertriebsmitarbeiter Stücklisten abfragen oder ein QS-Ingenieur Abgaswerte prüft, muss sichergestellt sein, dass diese Daten nur am Bestimmungsort ankommen. Daher gestaltet sich der Austausch geschäftskritischer Daten über Cloud-Infrastrukturen eher problematisch, mehr Sicherheit versprechen gesicherte Verbindungen zum Rechenzentrum des Unternehmens. Sollten Unternehmen diese Infrastruktur-Entscheidung treffen, können sich auch Vorteile für die Integration ergeben, etwa wenn Sicherheitsmechanismen sowohl auf der mobilen als auch auf der stationären ERP-Seite im Systemdesign verankert sind. Mit einem solchen Instrumentarium wappnen sich Fertigungsunternehmen auch in Hinblick auf zukünftige Entwicklungen: Derzeit deutet viel darauf hin, dass stetig weitere Anwendungsszenarien für mobile Endgeräte entstehen werden.