Echtzeit-Steuerung von Qualitätskontrollen
Liegt eine Prüfpflicht vor, legt das CAQ-System einen korrespondierenden Prüfauftrag an und ermittelt die notwendige Prüfschärfe beziehungsweise die exakte Anzahl an Prüflingen mithilfe einer von BJB entwickelten Stichprobentabelle. „Um dem Prinzip der Null-Fehler-Prüfung gerecht zu werden, haben wir für jedes Produkt eine individuelle Prüfschärfe hinterlegt, die sich abhängig vom Prüfergebnis in Echtzeit verändert. Dank dieser Dynamisierung sind wir in der Lage, die Qualitätskontrollen an die tatsächlichen Gegebenheiten von Produkt und Lieferant anzupassen“, führt Bartelt aus. Im Sinne geschlossener Qualitätsregelkreise fließen die Ergebnisse der Wareneingangsprüfung in Lieferantenbewertung und Produktentwicklung ein. Nach kurzem Boxenstopp im Lager erreichen die Warenlieferungen mit positivem Prüfbescheid die Fertigung.
Am Hauptproduktionsstandort in Arnsberg werden in hoch- und teilautomatisierten Fertigungslinien, aber auch in manuellen Montageprozessen, 2,5 Millionen Fertigteile pro Tag hergestellt. Im Rahmen des Drei-Schicht-Betriebs konzentrieren sich die In-Prozess-Kontrollen dabei auf attributive Prüfungen. Der Einsatz statistischer Prozesskontrollen (SPC) – etwa zur Verifizierung von Haltekräften oder Festigkeiten – beschränkt sich auf sicherheitsrelevante Bauteile. „Wir erwarten von unseren Mitarbeitern in der Produktion ein hohes Maß an Eigenverantwortung und Disziplin. Jeder Werker ist für seine Maschine, das darauf produzierte Produkt sowie die Qualität verantwortlich. Kommt es zu Störungen, entscheidet das QS-Team, welche Folgeschritte – also Nacharbeit oder Ausschuss – einzuleiten sind“, schildert der Qualitätsverantwortliche.
Zusammenspiel der verschiedenen IT-Systeme
Für die fertigungsbegleitenden Prüfungen an den hoch- und teilautomatisierten Produktionsanlagen erweitert sich das Software-Duo zu einem Quartett: „Alle Produktionsaufträge werden für ihre Feinplanung an die zentrale Betriebsdatenerfassungsapplikation in den Shopfloor geschickt. Die Anwendung reichert die ERP-Rohdaten um produktionsrelevante Details an und erstellt daraufhin eine grafische Plantafel. Nun ist ersichtlich, welche Stücklisten, Arbeitspläne und Maschinen mit dem einzelnen Fertigungsauftrag verbunden sind“, schildert Dirk Brandt, Leiter IT und Organisation bei BJB. Diese Produktionsplanung wird in der Folge an das MES übergeben, wobei das CAQ-System erneut kontrolliert, ob ein Prüfplan inklusive aussagekräftiger Fotos von Fehlerbildern vorliegt. Anschließend treten die Systeme in Aktion, sobald der Produktionsauftrag angemeldet wird.
Nun generiert das CAQ-System die geforderten Prüfaufträge, ermittelt anhand vergangener Ergebnisse zu Produkt und Lieferant das Prüflos und spielt die errechnete Menge an die BDE-Terminals der Produktionsanlagen zurück. Wird auf den Maschinen die vorgegebene Losgröße erreicht, steuern die Terminals eine rote Signallampe an, welche die anstehenden Qualitätsprüfungen anzeigt. Nach Abschluss der In-Prozess-Kontrollen springt das Signal auf grün und die CAQ-Software errechnet anhand der Prüfergebnisse das neue Intervall – der Kreis schließt sich. „Die Online-Integration der Anwendungen verschiedener Hersteller ist bei BJB üblich. Nur so können Mehrwerte dieser Art generiert werden“, erläutert Brandt. An den Montagearbeitsplätzen im In- und Ausland kommt mobile Qualitätsdatenerfassung per Handheld-Konsole zum Einsatz: Das Prüfgerät liegt direkt an der Werkbank des Mitarbeiters. Tritt ein Fehler auf, erfasst er diesen in der elektronischen Fehlersammelkarte, welche dann an das MES übertragen und dort ausgewertet wird.
Prozessstabilität und -qualität im Fokus
Bei der Qualitätsdatenanalyse bedient sich BJB detaillierter Statistiken wie dem Bilanz-Pareto. „Neben den täglichen Qualitätsbesprechungen liefern unsere regelmäßigen Analysen konkrete Aussagen über unsere Prozessstabilität sowie die Produktqualität der Fertigungskostenstellen. So können wir nicht nur die Symptome einer Störung erkennen, sondern deren Ursache gezielt und vor allem nachhaltig ausmerzen“, sagt Bartelt. Ein zweiter, wichtiger Report kommt aus dem Reklamationsmodul der CAQ-Anwendung. Damit erfassen Mitarbeiter bei Kundenbeanstandungen Artikel, Fehlerart, -ort und -kosten sowie die Mängelbeseitigung. „Unser gesamtes Qualitätswissen steckt in unseren Technologien und Prozessen sowie den daraus resultierenden Produkten. Unser Ziel ist selbstverständlich die Null-Fehler-Marke, doch kein Unternehmen ist vor Störungen gefeit. Treten sie auf, gilt es, schnell zu reagieren und sie mithilfe effizienter kontinuierlicher Verbesserungsprozesse auszuschalten. Denn zum Wiederholungstäter zu werden, schadet der Kundenzufriedenheit spürbar“, sagt Qualitätsmanager Bartelt.






































