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Im Bild: Autor Stephan Birkmann, Kundenberater MES bei GFOS mbH.

Aktuelles Abbild aller Ressourcen

Die Abbildung des aktuellen Zustands aller Ressourcen ist eine der großen Stärken eines MES. Durch den Einsatz von Terminals in der Produktion gelingt ein kontinuierlicher Abgleich des Datenbestandes mit dem Ist-Zustand. Die Feinplanung und -steuerung bedient sich genau an diesem Datentopf. Erst auf Basis der aktuellen Zustände aus der Betriebsdatenerfassung, der Maschinendatenerfassung und der Personalzeiterfassung sind vorliegende Störungen und Personalausfälle zum Planungszeitpunkt bekannt und ermöglichen die realistische Berechnung von Endterminen. Die Planung in der produktionsnahen Anwendung unterliegt aufgrund der Berücksichtigung des aktuellen Zustands jedoch so starken Veränderungen, dass Planungsergebnisse oft schon veraltet sind, bevor die nächste Planungsrunde stattgefunden hat.

Relativ kurz hintereinander durchgeführte Planungsläufe können daher zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen kommen, da anliegende Ausfälle und Störungen kompensiert oder händische Eingriffe, zum Beispiel die sogenannten Chefaufträge, berücksichtigt werden müssen. Die Feinplanung im MES sollte daher die Dynamik im kurzen Planungshorizont, also kurz vor der tatsächlichen Produktion, mit dem Ziel möglichst präziser terminlicher Vorgaben bewältigen und auf mögliche Konflikte hinweisen. Da auch viele Konflikte beim Materialeinsatz vom System aufgedeckt werden, kann der Planer dann eine Materialbereitstellung im ERP noch verändern, damit das benötigte Material für die Bearbeitung des Auftrags pünktlich vorhanden ist. Das Unternehmenssystem dagegen plant eher langfristig und berücksichtigt aktuelle Störungen oder Ausfälle in der Regel überhaupt nicht.

Personaleinsatz im Shopfloor planen

In das MES integrierte Funktionen zur Personaleinsatzplanung schaffen zusätzliche Klarheit in der Werkhalle: Bei der Feinplanung der Bearbeitungsaufträge lässt sich das benötigte Personal zuordnen und für den Planer visualisieren. Mit Hilfe des Qualifikationsmanagements wird auch die Qualifikation der einzuplanenden Personen berücksichtigt. Bei gleichzeitiger Planung des Personals kann der Planer bei Engpässen zum Beispiel eine Sonderschicht simulieren und so prüfen, ob diese Variante überhaupt durchführbar ist. Gelingt es, qualifiziertes Personal für eine zusätzliche Schicht zu organisieren und so die Kapazität der Anlagen zu erhöhen, können auf dieser Datenbasis Endtermine der Aufträge in der Simulation neu berechnet werden.

Sind alle Konflikte in der Planung mit Hilfe der Feinplanung im MES bearbeitet, lässt sich die Simulation bestätigen und in die Praxis, also auf die Terminals der Betriebsdatenerfassung, übertragen. Durch die Bestätigung des Planers werden den Aufträgen neue Termine und gegebenenfalls neue Bearbeitungsarbeitsplätze zugeteilt sowie das benötigte Werkzeug und die Mitarbeiterressourcen reserviert. Die Berücksichtigung der aktuellen Status von Aufträgen, Anlagen, Personalkapazitäten, Werkzeugen et cetera zählen zu den Argumenten dafür, die Feinplanung im Produktionsumfeld in das MES zu verlagern. Trotzdem gehört mindestens die Materialbedarfsplanung zum Hoheitsgebiet des ERP-Systems. Sicherlich kann über moderne Schnittstellen hier ein reger Austausch und eine gegenseitige Unterstützung der Systeme stattfinden, trotzdem oder gerade deshalb ist eine klare Abgrenzung der Zuständigkeiten sehr wichtig.