Reza Razavi von BMW Group über
Musterbrüche und den schmerzhaften Prozess des Loslassens

„Erst einmal geht es um das Wollen“

Der Autor Reza Razavi befasst sich bei der BMW Group mit den Schwerpunkten Unternehmenskultur und Führung, Wandel und Werte von Organisationen, Transformations- und Changemanagement, gibt dafür intern Culture Workshops und begleitet die Prozesse im Rahmen des digitalen Wandels bei BMW. (Bild: ©Wosilat Fotografie)
Der Autor Reza Razavi befasst sich bei der BMW Group mit den Schwerpunkten Unternehmenskultur und Führung, Wandel und Werte von Organisationen, Transformations- und Changemanagement, gibt dafür intern Culture Workshops und begleitet die Prozesse im Rahmen des digitalen Wandels bei BMW. (Bild: ©Wosilat Fotografie)

Was kommt nach der Selbstreflexion?

Razavi: Die Achtsamkeit – damit meine ich nicht die Suche nach Glückshormonen oder ähnliche esoterische Momente, sondern Kognition, Emotion und Intuition in eine gute Balance zu bringen. Dann sehen wir die Dinge nicht mehr trüb, sondern glasklar. Wir müssen allerdings lernen, uns das zu gönnen. Achtsamkeit heißt auch, einen sensiblen Blick auf sich selbst zu gewinnen. Wie trete ich auf? Bin ich arrogant, behandele Menschen von oben herab oder mache sie sogar fertig? Wenn ich so nicht sein will, kann ich das in eine neue Richtung lenken.

Sie sind ein großer Fan des Gehirnforschers und Quantenphysikers Joe Dispenza. Warum ist das so?

Razavi: Er ist ein genialer Vordenker! Er hat so recht damit, dass wir in unserem Kopf bestimmte Szenarien erzeugen, die wir dann erleben und die zu unserer Zukunft werden. Wenn wir also immer das Identische denken, stärken wir genau diese Pfade, auf dem wir bereits gehen – und werden nie anderswo hin gelangen können. Ich mag seinen Aufruf, dass wir doch mal andere Dinge ausprobieren sollen. Gerade die Europäer denken in dem Schema Entweder-Oder, Gut-Schlecht, Wenig-Viel. Doch besser ist es, eine gesunde Mitte zu finden und in Intervallen zu agieren. Dann sind Dynamik und Fortschritt genauso möglich wie Ruhe und Sicherheit.

Sie zeichnen das Bild von der Transformation wie die Metamorphose von der Raupe zum Schmetterling. Am Ende entfaltet sich etwas Wunderbares. Warum fällt uns Transformation so schwer?

Razavi: Loslassen ist oft genug ein schmerzhafter Prozess. Und das Denken in Optionen fällt nicht jedem so leicht. Der Physiker und Kybernetiker Heinz von Foerster hat einmal gesagt: Handele stets so, dass sich die Zahl deiner Optionen erhöht. Da liegt der Knackpunkt: Wir müssen heute schon überlegen: Was will ich? Anstatt viel zu spät und gezwungenermaßen zu fragen: Was muss ich? Wir sollten jetzt die Wege für die Zukunft ebnen, dann haben wir eine höhere Wahrscheinlichkeit, uns neu zu erfinden.

Wird es das bald das neue Berufsbild des ‚Disrupters‘ geben?

Razavi: Das klingt mir zu sehr nach Zerstörung. Doch die Idee ist richtig: Ein System entwickelt sich erst dann, wenn es irritiert, gestört wird, wenn man raus muss aus Gewohnheiten und bekannten Mustern. Was gestern noch richtig war, kann heute falsch sein. Eine Unternehmenskultur entwickelt sich – erst recht, wenn sie eine gesunde Kultur als Basis hat, so wie ich es bei BMW erlebe. Die Menschen gehen anständig miteinander um. Gleichzeitig ist die Frage gestattet, ob alles, was vor 50 oder 100 Jahren etabliert wurde und seine Berechtigung hatte, noch passt, um lebensfähig zu bleiben. Bei der Transformation geht es also darum, die DNA mitzunehmen – genau wie es der Schmetterling macht.

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