Dispositionsspielraum und Kompetenzzuordnung
Ein kontinuierlicher Datentransfer liefert zuverlässige Informationen über die aktuelle Maschinenbelastung. So lassen sich Auftragsstatus, Terminhaltung und Rückstandshöhe systematisch überwachen sowie etwaige Störungen oder planwidrige Leerzeiten der Maschine identifizieren. Zu Verfügung stehen damit auch präzise Informationen über Materialverfügbarkeit und Arbeitskräftedeckung. Darauf aufbauend ist ein Dispositionsspielraum entscheidend für die bedarfsgerechte Terminorganisation und die Gewährleistung stabiler Lieferzeiten. Verfügen die involvierten Mitarbeiter über wirksame Handlungsoptionen, kann die Fertigungsfeinplanung im Leitstand gezielt nach situativen Erfordernissen gesteuert werden.
Anhand von Kenngrößen müssen dabei produktionsrelevante Variablen wie Leistung, Durchlaufzeit oder Personaleinsatz sowie Termintreue und Bestandsgröße zu modifizieren und anzupassen sein. Ob die Terminplanung zentral – beispielsweise mittels ERP-Software durch Vertrieb oder Arbeitsvorbereitung – gesteuert wird oder dezentral erfolgt, ist im Vorfeld festzulegen. Gleichzeitig ist eine strukturierte Kompetenzzuordnung in der operativen Umsetzung zielführend: Wer zeichnet für welche Planungs- und Steuerungsschritte verantwortlich? Welche Befugnisse müssen die Meister in der Arbeitsverteilung an Maschinen und Personal haben? Wer darf Umplanungen vornehmen und wer entscheidet über die Priorisierung von Aufträgen bei so genannten ‚Schnellschüssen‘?
Planungsoptionen bei komplexen Zielkonflikten
Am Leitstand werden unter Einbezug des Produktionsfortschritts, der Fertigungsbelastung sowie der verfügbaren Material-, Werkzeug- und Personalressourcen systematisierte Reihenfolgepläne erstellt. Zentrales Medium hierfür ist die Maschinen- und Auftragsplantafel, die alle wichtigen Fertigungsvariablen und ihre funktionalen Abhängigkeiten mittels Gantt-Diagrammen visualisiert. Die Planungsvorgaben unterliegen einem permanenten Soll-Ist-Vergleich des Kontrollsystems: Treten Störungen oder Engpässe im Fertigungsprozess auf, reagiert das Konfliktmanagement des Leitsystems, indem es Warnungen auf den Plantafeln mit Verweis auf Maschine, Auftrag, Material, Personal oder Werkzeug piktographisch und in Echtzeit anzeigt. Der Operator im Leitstand kann nun durch synchrone reaktive Feinplanung die Fertigungsreihenfolge unmittelbar an die neue Betriebssituation anpassen. Dazu stehen ihm differenzierte Planungsoptionen zur Verfügung, wie etwa das Einplanen von Arbeitsschritten nach frühestem Start, Einplanung einer Fertigung in bestehende Lücken oder Berücksichtigung von Anschlussaufträgen mit gleichem Material. So lassen sich Engpässe beispielsweise auch per Automatikfunktion in bestehende Kapazitätslücken einfügen. Alternativ können Arbeitsgänge auf andere Maschinen umgelegt oder nach auswärts vergeben werden.
Spezifische Funktionen der MES-Module ermöglichen es darüber hinaus, die Durchlaufzeit zu modifizieren – Rüst- und Stückzeiten zu ändern, Arbeitsgänge zu splitten oder zusammenzufassen oder Übergangszeiten zu verkürzen. Schon mit der einfachen Funktion der Umplanung per Drag-and-drop lassen sich einzelne Arbeitsgänge, aber auch komplexe Strukturen, etwa ganze Fertigungsauftragsnetze, verschieben. Entscheidend für die Effektivität des Leitstandsystems ist, die funktionalen Abhängigkeiten der Datenelemente exakt und ganzheitlich zu berücksichtigen. Dies geschieht, indem das System bei Planungseingriffen alle Elemente eines Auftragsnetzes neu berechnet und terminiert. Wird ein Konflikt durch eine reaktive Feinplanungsmaßnahme aufgelöst, aktualisiert sich die betreffende Symbolanzeige. Da sich jeder Eingriff in die Ablaufplanung immer auch auf den nachfolgenden Fertigungsprozess auswirkt, können aufgrund der Zielkonkurrenz neue – auch mehrere parallele – Konflikte entstehen, die das Leitstandsystem unmittelbar meldet. Welche Aufträge und Arbeitsgänge davon betroffen sind, wird den jeweiligen Konfliktsymbolen als Liste hinterlegt. Auf diese Weise ist die Fertigungsleitung in der Lage, komplexe Zielkonflikte im Blick zu behalten und zu minimieren.
Optimierungspotential mit Feinplanung erschließen
Fertigungsunternehmen müssen in der Regel gegenläufige Ziele in Einklang bringen, indem sie einer hohen Maschinenauslastung geringe Bestände und kurze Durchlaufzeiten gegenüberstellen. Mit reaktiver Feinplanung am Leitstand bietet sich Produzenten ein Werkzeug, um weitreichendes Optimierungspotential in der Planung und Steuerung maschinenbasierter Produktionsprozesse zu erschließen. Mithilfe der Methode können Planer flexibel auf außerplanmäßige Ereignisse und Einflüsse reagieren, Zielkonflikte reduzieren und realistische Liefertermine berechnen. Operativ lassen sich Feinplanungsstrategien auf Grundlage einer auf die Bedürfnisse anpassbaren MES-Lösung umsetzen. Mit entsprechenden Feinplanungsinstrumenten wird die Fertigungsleitung darin unterstützt, Kapazitätsbedarf und -angebot in der Produktion aufeinander abzustimmen, Rückstände und Stauprozesse zeitnah auszubalancieren und damit die Fertigungseffizienz des Betriebs systematisch zu erhöhen.






































