
Siemens hat in seinem Elektronikwerk in Erlangen erstmals neue KI-Anwendungen für die industrielle Fertigung vorgestellt. Der Technologiekonzern betont in der Pressemitteilung deren Einzigartigkeit für die Branche und sieht darin einen großen Schritt hin zur KI-getriebenen, autonomen Fabrik. Die Anwendungen entstanden in der Partnerschaft mit Nvidia.
Beide Unternehmen haben im Januar auf der CES in Las Vegas angekündigt, die weltweit ersten vollständig KI-gestützten Fertigungsstandorte aufzubauen. Seitdem wurden die KI-Anwendungen gemeinsam im Siemens-Werk entwickelt und in der laufenden Fertigung getestet. Weitere Anwendungen sind für die kommenden Monate geplant.
Für die nun vorgestellten Anwendungen wurden die KI-, Simulations- und Rechentechnologien von Nvidia mit der Industrie-, Software- und Automatisierungskompetenz von Siemens kombiniert. Den Partnern zufolge können die Technologien in Bereichen wie Produktionsplanung oder Produktentwicklung zu „bislang unerreichten Verbesserungen führen“. Als Beispiel nennen die Unternehmen, dass etwa der Engineering-Aufwand für Leiterplatten um bis zu 85% reduziert und die Markteinführungszeit um bis zu 40% verkürzt werden konnte. Bisher dauerte es oft mehrere Wochen, die Qualitätsprüfung für neue Leiterplatten einzurichten: Bildverarbeitungssysteme mussten auf physische Prototypen warten, um trainiert zu werden. Erst anschließend konnten die Inspektionssysteme manuell eingerichtet werden. Inzwischen erzeugt KI auf Basis des digitalen Zwillings fotorealistische, virtuelle Darstellungen der Leiterplatte, um damit das System zu trainieren.
Blaupause und Labor für industrielle KI
Das Elektronikwerk in Erlangen soll als eine Art Labor für industrielle KI dienen und zur Blaupause für eine Skalierung in der Industrie werden. Siemens und Nvidia haben sich das Ziel gesetzt, künstliche Intelligenz zum „Betriebssystem der Fertigung“ zu machen.
„Die historische Chance für Deutschland und Europa liegt darin, künstliche Intelligenz aus den Rechenzentren in die Fabriken zu bringen – und dort im industriellen Maßstab einzusetzen“, sagt Cedrik Neike, Mitglied des Vorstands der Siemens AG und President Digital Industries. „Wie das gelingt, zeigen wir heute gemeinsam mit Nvidia in unserem Siemens-Elektronikwerk Erlangen. Mit sieben Prozent Produktivitätssteigerung pro Jahr gehört Erlangen zu den modernsten Werken der Welt. Gleichzeitig ist es mit rund 3.000 Kundenbesuchen jährlich ein globaler Treffpunkt für industrielle Innovation. Hier wird die Zukunft der Industrie nicht nur diskutiert, sondern ist bereits heute Realität.“
„Fabriken müssen mit Veränderungen ebenso gut umgehen können wie mit Wiederholungen. KI und Simulation machen das möglich“, sagte Rev Lebaredian, Vice President, Physical AI Simulation bei Nbidia. „In Erlangen setzen Siemens und Nvidia jahrelange Zusammenarbeit in der Fabrikhalle in die Praxis um – sie trainieren Inspektionssysteme, bevor physische Prototypen existieren und entwerfen sowie testen Produktionspläne in der Simulation, bevor sie die reale Welt verändern. Gemeinsam bauen wir eine Blaupause für autonome Fabriken auf der ganzen Welt.“









































