Von statischer Planung zur taktgebundenen Steuerung

Als Hersteller von Entsorgungsfahrzeugen und Aufbauten steht Faun Umwelttechnik für hohe Variantenvielfalt, komplexe Stücklisten und anspruchsvolle Kundenprojekte. Genau diese Komplexität brachte die Produktionsplanung an ihre Grenzen. Mit der Einführung von PiT-Produzieren im Takt und der Software 3Liter-PPS wurde die Produktion daher grundlegend neu aufgestellt. Die Effekte zeigen sich deutlich in Transparenz, Termintreue und Produktivität.

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Bild: LF Consult GmbH

Hohe Komplexität bei geringer Transparenz

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Bild: LF Consult GmbH

Vor Projektstart wurde die Liefertreue faktisch nicht gemessen – es fehlte an durchgängiger Transparenz über Auftragsfortschritt, Kapazitätslage und Engpässe. Rückstände bauten sich wiederholt auf. Engpässe wurden häufig erst spät erkannt und nur unzureichend mit flexibler Kapazität versorgt. Aufträge mussten zwar nicht abgelehnt werden, jedoch kam es mehrfach im Jahr zu Umplanungen. Liefertermine wurden verschoben, da die Produktion kapazitiv überlastet war und sich immer wieder Rückstände aufgebaut hatten. Die Folge waren sinkende Planungssicherheit und hoher Abstimmungsaufwand. Besonderheit der Planung war, dass es keine Trennung zwischen Grob- und Feinplanung gab. Stattdessen wurde jede Linie tagesgenau mit fester Reihenfolge durchgeplant. Diese statische Planung führte zu hoher Störanfälligkeit – jede Abweichung zog aufwendige Umplanungen nach sich. Vor diesem Hintergrund definierte Faun klare Ziele: die Steigerung der Produktivität, die Verbesserung der Liefertermintreue, den Abbau von Rückständen und Materialbeständen sowie die Erhöhung des Outputs. Gesucht wurde eine Anwendung, die in ihrem Steuerungsansatz Planung und Produktion verzahnt.

Vom Messekontakt zum Echtstart

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Bild: LF Consult GmbH

Der Erstkontakt mit LF Consult entstand lange vor dem Projektstart auf einer Fachmesse. 2019 folgte ein Besuch bei einem Anwenderunternehmen, um das Produktionsplanungssystem im Echtbetrieb zu prüfen. Die Entscheidung zur Einführung fiel im selben Jahr. Doch der ursprünglich für 2020 geplante Start wurde pandemiebedingt verschoben und der Go-Live erfolgte Mitte 2021. Das Projekt begann mit einem Planspiel und einem strukturierten Kick-off. In Workshops wurden die Anforderungen der Software mit den Prozessen bei Faun abgeglichen. Besondere Herausforderungen ergaben sich durch ein sehr spezifisches ERP-System, spezielle Stücklisten und die Optionsvielfalt. Dennoch konnten für alle Themen tragfähige Lösungen entwickelt werden.

42 Prozentpunkte höhere Termintreue

Die Wirkung zeigte sich schnell: Innerhalb der ersten sechs Monate nach dem Go-Live stieg die Termintreue von 29 Prozent auf 71 Prozent – eine Verbesserung um 42 Prozentpunkte. Möglich wurde dies durch eine Trennung von Grob- und Feinplanung, taktbasierte Steuerung sowie transparente Pull-Daten. Engpässe werden heute frühzeitig erkannt. Kapazitäten können flexibilisiert werden. Umplanungen erfolgen strukturiert und mit klarer Priorisierung. Die Produktionsplanung berichtet von einem enorm wichtigen Schulterschluss von Planung und Produktion – für mehr Transparenz und klare Kommunikation. Insgesamt ist eine Kostensenkung über alle Bereiche hinweg zu verzeichnen.

Auswirkungen über die Produktion hinaus

Die Einführung wirkt auch außerhalb der Produktion. Dem Vertrieb hilft die höhere Termintreue und verlässlichere Lieferzusage. Auch die Logistik wurde enger angebunden. Die Produktion kann das Material direkt aus der Software heraus im Hauptlager abrufen. Die Materialbereitstellung erfolgt abgestimmt auf den Takt. Der Einkauf kann Bestellungen und Anliefertermine anpassen, da Bedarfe transparenter und früher sichtbar sind. Perspektivisch soll auch die Administration stärker integriert werden, um Auftragsfortschritte und Kapazitäten bereichsübergreifend zu steuern.

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Die Fahrzeuge von Faun sind komplex und variantenreich. Eine Herausforderung für jeden Produktionsplaner. – Bild: LF Consult GmbH

Organisation und Führung

Die Einführung der digitalen Produktionsplanung markiert bei Faun den Übergang von einer detailliert-statischen, störanfälligen Planung hin zu einer taktgebundenen, transparenten Produktionssteuerung. Die messbare Verbesserung der Termintreue, der strukturierte Umgang mit Engpässen und die bereichsübergreifende Transparenz zeigen: Gerade in variantenreichen Produktionsumgebungen der Nutzfahrzeug- und Umwelttechnik lohnt sich der systemische Ansatz von PiT-Produzieren im Takt. Für Produktionsleiter und Geschäftsführer bedeutet dies vor allem eines: Planungssicherheit entsteht nicht durch mehr Detailtiefe, sondern durch klare Taktung, konsequente Engpasssteuerung und einen engen Schulterschluss zwischen Planung und Produktion.