Symbiose von IT und OT

KI und Low Code als Treiber der vertikalen Integration

Viele Unternehmen verzahnen gerade ihre Information Technology (IT) und Operation Technology (OT), um etwa Ressourcen zu sparen. Zudem lässt sich die Betriebstechnik so leichter in die Cybersecurity-Strategie einbeziehen. Dabei senken KI-Systeme und No-Code-Technologie die Hürde auch für weniger technikaffine Mitarbeiter, an der durchgängigen Digitalisierung zu partizipieren, meint Robert Rosellen vom IT-Unternehmen ServiceNow.

 (Bild: ©Teerasan/stock.adobe.com)
(Bild: ©Teerasan/stock.adobe.com)

Zahlreiche Unternehmen investieren derzeit in Digitalisierungsprojekte. Doch nicht immer werden gesteckte Ziele bei der Implementierung von IIoT-Projekten erreicht. Robert Rosellen, Area Vice President Germany & Austria bei ServiceNow, vertritt die Auffassung: In vielen Projekten werden die Potenziale einer Verzahnung von IT und OT noch nicht ausgeschöpft. Während eine prozessoptimierte IT mittlerweile bei vielen Unternehmen zum Inventar gehört und auch die Vernetzung der Operational Technology nach und nach in die Geschäftsplänen einzieht, konnten die Mauern zwischen beiden Entitäten vielerorts noch nicht nachhaltig eingerissen werden. Besonders die Produktionsumgebung wurde jahrelang in Silos betrachtet und war deshalb bislang bestenfalls intern vernetzt. Des Weiteren sind OT-Anlagen mitsamt der kompletten Maschinerie deutlich vielschichtiger als die typischen IT-Anlagen.

Genaue Prüfung statt Hektik

Aus diesem Grund ist es zu kurzfristig gedacht, Prozesse in der OT zu automatisieren, ohne sie mit der IT zu vernetzen. Damit der Schritt gelingt, sollten Unternehmen nicht in Aktionismus verfallen. Es gilt, den Status quo beider Infrastrukturen zu überprüfen, um herauszufinden, an welchen Schnittpunkten eine Verzahnung zwischen IT und OT zum aktuellen Zeitpunkt zielführend wäre. Oft werden auch in der IT noch unterschiedliche Workflow-Plattformen genutzt – und die OT hat vielleicht gerade größere Investitionen getätigt, die noch nicht amortisiert sind. Aus diesem Grund sollten Unternehmen darüber nachdenken, die Funktionalität ihrer Fertigungs- und Montageabläufe zu verbessern und mit den Arbeitsprozessen der IT zu verbinden. Moderne Workflow-Plattformen arbeiten dabei nach den Prinzipien des Smart Manufacturing: Durch die gesammelten Daten an einzelnen Messpunkten sind Unternehmen in der Lage, etwa Latenzen und Wartungen besser zu koordinieren und so Potenziale vollständig auszuschöpfen.

Kompetenzzentrum aufstellen

Bei der Implementierung einer solchen Plattform muss jedoch sichergestellt werden, dass die vorhandenen Prozesse und Technologien präzise evaluiert werden und Erwartungsmanagement betrieben wird. Im ersten Schritt gilt es, die Daten aus den unterschiedlichen Messpunkten mit höchster Priorität an einem Ort zusammenzubringen. Das hilft dabei, den komplexen OT-Stack zu scannen und so ein Bild der miteinander kommunizierenden Komponenten zu erstellen. Darauf basierend sind Unternehmen in der Lage, ein Kompetenzzentrum aufzubauen, das die Belegschaft mit Tools wie Robotic Process Automation und maschinelles Lernen unterstützt und die Prozesse dabei – so gut es geht – automatisiert.

Schlankeres SCM ist möglich

Gerade mit Blick auf die Supply Chain sehen sich Führungskräfte seit Jahren mit Herausforderungen konfrontiert. Sind dabei noch die zugrundeliegenden Workflows wie Beschaffung, Einkauf oder Bezahlung von Gütern in unübersichtlichen Prozessen festgefahren, stehen die Manager oft vor einer Herkulesaufgabe. Low-Code-Plattformen können genau an dieser Stelle dabei unterstützen, technische Altlasten beispielsweise im ERP-System zu identifizieren und gegebenenfalls zu ersetzen oder zu automatisieren. Besonders durch die Verwendung von No-Code können auch nicht-technisch-affine Anwender die Kosten für Legacy-ERP-Software senken und Migrationen beschleunigen. Sind mehr Mitarbeiter in der Lage, diese Plattformen zu bedienen, wird der Wissensaustausch zwischen den Teams erleichtert und Last von den Schultern der IT genommen. Des Weiteren tragen die Daten im Kompetenzzentrum dazu bei, dass Bestände schneller aktualisiert werden können, bestenfalls bevor Versorgungsengpässe entstehen. Ähnlich zur Predictive Maintenance können Führungskräfte ihren Bestand vorausschauend planen und auf einen durch das Datenzentrum definierten Zeitpunkt hin ihre Bestellungen planen. Durch eine einheitliche Plattform für IT und OT werden die Prozesse dabei so schlank wie möglich gehalten, ohne dass der Produktion etwa die Rohstoffe ausgehen.

Robert Rosellen, Area Vice President Sales Deutschland und Österreich, ServiceNow (Bild: Alex Schelbert)
Robert Rosellen, Area Vice President Sales Deutschland und Österreich, ServiceNow (Bild: Alex Schelbert)

OT-Security zwingend nötig

Doch mit der Vernetzung von Produktionsanlagen steigt die Gefahr, dass die OT-Landschaft in das Visier von Hackern gerät. Die Sicherheitsstrategie sollte demnach längst die eigene Fertigung berücksichtigen. Bei diesem Prozess ist erneut ein hoher Abstimmungsaufwand zwischen den einzelnen Abteilungen vonnöten. Diese Kollaboration wird jedoch erschwert, wenn die beiden Sphären IT und OT nicht kongruent gedacht werden. Eine durch einen Cyberangriff gestoppte Produktion kann sehr viel Geld kosten. Aus diesem Grund gilt es, die OT-Landschaft zu segmentieren. Dabei sollten die Anlagen und Systeme priorisiert werden, die für die Produktion essenziell sind. Mit Workarounds kann dabei über eine verknüpfende Plattform sichergestellt werden, dass sie im Ernstfall auch autark laufen. Dafür müssen entsprechende Backups erstellt und eine Incident-Response-Strategie erarbeitet werden, die den Schutz der Produktionsanlagen ins Zentrum rückt.

KI als Gamechanger

Unternehmen setzen bereit auf Systeme mit künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen. Zudem werden die Anwendungsfälle für generative KI (GenAI) in Unternehmen stetig mehr. Erste Workflow-Plattformen betten entsprechende Anwendungen bereits in ihre Umgebung ein. Damit wollen Unternehmen ihre Produktivität steigern und Prozesse entschlacken. Durch Abrufen der Daten aus dem Kompetenzzentrum werden auch die Sicherheitsstufen eingehalten, was die Fehlerwahrscheinlichkeit reduziert. Des Weiteren zeichnen sich bisherige GenAI-Softwares vor allem durch ihr ansprechendes Interface und ihre leichte Bedienung aus. Durch die Kombination von generativer KI mit der Low-Code-Technologie werden weitere Brücken zwischen den Teams geschlagen, um künftig besser zu kooperieren.