Krombacher wechselt auf S/4Hana: Komplexe IT-Projekte im Mittelstand

Grafik S4 HANA Cloud Digital Manufa 20231107101829
Bild: NTT Data Business Solutions AG

Bei großen IT-Migrationsprojekten liegen die Herausforderungen nicht nur auf der technischen Seite. Vielfach unterschätzen Firmen die Steuerung und die Organisation des gesamten Unterfangens. Gleichwohl überholen mittelständische Unternehmen ihre teilweise veralteten Anwendungen und Systeme. Doch zwischen mittelständischen Unternehmen und Großkonzernen bestehen gewaltige Unterschiede, sowohl im Verhältnis zwischen Umsatz und dem verfügbaren IT-Kostenbudget, als auch bei der Anzahl der Menschen, die an der Umsetzung beteiligt sind und nach Abschluss des Change-Prozesses die Systeme fortlaufend betreuen. In einem ersten Schritt sollten diese Firmen daher feststellen, welche IT-Ressourcen im Unternehmen vorhanden sind und die Planung des Projektes danach auszurichten.*

Grafik S4 HANA System Conversion Di 20231107101831
Bild: NTT Data Business Solutions AG

In Etappen zum Ziel

Groß angelegte Projekte haben eine höhere Aussicht auf Erfolg, wenn sie in kleinere Etappen unterteilt werden, die zu den im Unternehmen vorhandenen Kapazitäten passen. Wie im Fall der deutschen Privatbrauerei Krombacher. Das wachsende Familienunternehmen ist Teil eines agilen Marktes, der durch ständig veränderte Nachfrage, neue Produktionslinien und hohen Konkurrenzdruck geprägt ist. Um Prozesse effizienter zu gestalten, Ressourcen nachhaltig einzusetzen und Kundenansprüchen gerecht zu werden, wollte das Unternehmen auf SAP S/4Hana umsteigen, da das System mit seinen modularen KI- und Analysefunktionen gut dazu geeignet ist, innovative Geschäftsmodelle und -prozesse auf globaler Ebene weiterzuentwickeln. Auch hier war also zunächst wichtig, das Projekt in realistisch umsetzbare Schritte aufzuteilen und jede einzelne Etappe zu planen. Dafür wurden in einem Vorprojekt die Geschäftsprozesse und weitere Themen wie Cybersicherheit unter die Lupe genommen. Aus den daraus resultierenden Ergebnissen wurde eine Roadmap als Entscheidungsbasis für den Systemwechsel entwickelt, die anfallende Aufgaben in kleinere und dadurch durchführbare Teilschritte untergliedert hat. Während des Umzugs mussten die Datenbanken des Unternehmens von MSQL auf Hana umgestellt und viele parallellaufenden Projekte zeitlich, inhaltlich und technisch synchronisiert werden. Außerdem musste dabei die umfangreiche Schnittstellenlandschaft mitgedacht werden.

428044
Bild: ©Ivan Kulikov/stock.adobe.com

Der Brownfield-Ansatz

Bei der Umstellung kommen grundsätzlich zwei Methoden in Frage. Der Greenfield-Ansatz steht für den Neuanfang mit dem ERP-System. Hierbei werden alle Prozesse neu aufgesetzt und dabei auch oft vereinfacht. Da es bei Krombacher einen hohen Anteil an Eigenentwicklungen gab, so wie sie in der Konsumgüterbranche oftmals nötig sind, haben sich die Projektpartner für den Brownfield-Ansatz entschieden. Nutzungsdaten, Dokumente, Prozesse und Einstellungen des alten Systems wurden also behalten und in die neue Software überführt, anstatt alles neu zu erstellen. Zunächst haben dazu die Fachleute von NTT DATA Business Solutions eine Wartungslandschaft geschaffen, auf der die Mitarbeiter bei Krombacher auch während des Systemumzugs weiterarbeiten konnten. Auf einer Sandbox wurden dann alle notwendigen Migrationen wie beispielsweise Hana und Unicode vorgenommen und eine S/4Hana-Conversion implementiert. Erst als sich der Umgang mit dem neuen System auch auf der Anwenderseite eingespielt hatte, wurde die produktive Umwandlung vorgenommen, von der dann schließlich alle User betroffen waren. Der Weg über die Sandbox bringt allerdings eigene Herausforderungen mit sich. Denn sämtliche Änderungen, die in der Wartungslandschaft vorgenommen werden, müssen in der Projektlandschaft manuell oder mithilfe digitaler Tools nachgezogen werden. Dennoch ist dieser Schritt unausweichlich, da beide Systeme identisch bleiben müssen.

Handhabung und Background-Prozesse verbessert

Nachdem das produktive System erfolgreich implementiert wurde, ließen sich schnell die ersten Verbesserungen feststellen. Insbesondere sequenzielle Businessprozesse wie die Abwicklung von Kundenanfragen können jetzt schneller und einfacher durchgeführt werden. Die Hintergrundverarbeitung, die vor dem Systemwechsel bis zu acht Stunden dauern konnten und daher stets über Nacht ausgeführt werden musste, benötigt mit dem neuen System in den meisten Fällen nur noch knapp eine Stunde. Auch die Planungszyklen konnten erheblich verkürzt werden.

Tauglich als Best Practise

Die S/4Hana-Konversion bei Krombacher kann als Best Practice gesehen werden, das anderen mittelständischen Unternehmen zeigt, wie sich große IT-Veränderungsprozesse bewältigen lassen, ohne den laufenden Betrieb zu beeinträchtigen. In der aktuellen wirtschaftlichen Situation sind Geschwindigkeit und Agilität oft entscheidend für den langfristigen Erfolg. Die Fähigkeit, sich schnell an neue unternehmerische Anforderungen anzupassen, basiert auch auf klar definierten und skalierbaren Businessprozessen. Damit die Integration einer entsprechenden IT-Infrastruktur erfolgreich verläuft, sollten die anstehenden Veränderungen jedoch sukzessive und in kleinen Schritten erfolgen. So lässt sich sicherstellen, dass Mitarbeiter und Unternehmensstrukturen nicht unnötig belastet werden und die Vorteile des neuen Systems zum Tragen kommen.

*NTT Data Business Solutions AG. Transformationsstudie 2023 – NTT DATA Business Solutions & Natuvion. de.nttdata-solutions.com. NTT Data Business Solutions AG, 2023.



  • Unternehmen sehen Notwendigkeit für mehr IoT-Sicherheit

    Unternehmen sehen Notwendigkeit für mehr IoT-Sicherheit

    Das Internet der Dinge ist für viele Unternehmen in Deutschland sowohl eine Chance als auch ein Risiko, so das Ergebnis einer aktuellen Studie im Auftrag von Palo Alto Networks.

    mehr lesen: Unternehmen sehen Notwendigkeit für mehr IoT-Sicherheit

  • Gaia-X-Mitglieder unterzeichnen Gründungsurkunde

    Gaia-X-Mitglieder unterzeichnen Gründungsurkunde

    Die Gründungsmitglieder der Gaia-X-Initiative haben die Gründungsurkunden zur Gaia-X AISBL unterzeichnet. Interessierte Unternehmen und Initiativen sind aufgerufen, sich an der gemeinnützigen Vereinigung zu beteiligen.

    mehr lesen: Gaia-X-Mitglieder unterzeichnen Gründungsurkunde

  • TÜV-Verband fordert Regulierung von KI-Anwendungen

    TÜV-Verband fordert Regulierung von KI-Anwendungen

    Der TÜV-Verband fordert in einem Positionspapier KI-gestützte Anwendungen und Systeme — etwa automatisierte Fahrzeuge oder Roboter — in Abhängigkeit vom Risiko zu regulieren.

    mehr lesen: TÜV-Verband fordert Regulierung von KI-Anwendungen

  • Was es bei der Container-Nutzung zu beachten gilt

    Was es bei der Container-Nutzung zu beachten gilt

    Die Nutzung von Containertechnologien steigt, was aber gilt es bei der Auswahl zu beachten? Der Software-Entwickler Red Hat gibt Antworten darauf.

    mehr lesen: Was es bei der Container-Nutzung zu beachten gilt

  • Kulturelle Werte ebenso wichtig wie die technologische Innovation

    Kulturelle Werte ebenso wichtig wie die technologische Innovation

    Wenn Unternehmen Digitalisierungsprojekte angehen, tun sie dies oft mit einem externen Partner. Die Frage ist nur mit welchem? IFS hat in einer Studie ermittelt, welche Faktoren bei der Auswahl eine…

    mehr lesen: Kulturelle Werte ebenso wichtig wie die technologische Innovation

  • Software-as-a-Service für die Fertigung

    Software-as-a-Service für die Fertigung

    Die Komplexität des Maschinenparks erschwert es oft, geeignete Parameter für den optimalen Betrieb zu definieren. Hier kommt das Startup FactoryPal ins Spiel, das mit seiner KI-basierten Lösung Abhilfe schaffen will.

    mehr lesen: Software-as-a-Service für die Fertigung

  • Karl Tucholski ist Head of Business Development bei Prime Computer

    Karl Tucholski ist Head of Business Development bei Prime Computer

    Karl Tucholski ist neuer Head of Business Development bei Prime Computer für Deutschland und Österreich.

    mehr lesen: Karl Tucholski ist Head of Business Development bei Prime Computer

  • Nachhaltige Industrie durch neue Technologien

    Nachhaltige Industrie durch neue Technologien

    Bitkom-Studie Nachhaltige Industrie durch neue Technologien Deutsche Unternehmen gehen davon aus, dass Industrie 4.0-Technologien zu einer Reduktion des CO2-Ausstoßes beitragen können. Viele Unternehmen haben sich bereits eine Selbstverpflichtung zu Senkung…

    mehr lesen: Nachhaltige Industrie durch neue Technologien

  • Nach dem Lockdown setzt Erholung ein

    Nach dem Lockdown setzt Erholung ein

    Die Deutsche Wirtschaft erholt sich langsam. Bis das Vorkrisenniveau erreicht wird, könnte es laut Bundeswirtschaftsministerium noch bis 2022 dauern.

    mehr lesen: Nach dem Lockdown setzt Erholung ein

  • Maschinenbau rechnet 2020 mit Produktionsrückgang von 17 Prozent

    Maschinenbau rechnet 2020 mit Produktionsrückgang von 17 Prozent

    Der Maschinen- und Anlagenbau kämpft gegen die Folgen der globalen Corona-Pandemie, aber auch gegen einen nach wie vor belastenden Protektionismus im internationalen Handel. Hinzu kommt ein industrieller Wandel, der sich…

    mehr lesen: Maschinenbau rechnet 2020 mit Produktionsrückgang von 17 Prozent

  • Fraunhofer IFF baut Forschungsstandort aus

    Fraunhofer IFF baut Forschungsstandort aus

    Das Fraunhofer IFF baut eine neue Forschungsfabrik im Magdeburger Wissenschaftshafen. Diese soll im Herbst 2021 fertig sein und neue Forschungsschwerpunkte beheimaten.

    mehr lesen: Fraunhofer IFF baut Forschungsstandort aus

  • KIT forscht an 6G-Technologien

    KIT forscht an 6G-Technologien

    Ein am KIT in Karlsruhe entwickeltes Konzept soll hohe Datenübertragungsraten bei niedrigen Kosten ermöglichen — für die sechste Generation des Mobilfunks. Dabei haben die Forscher die bislang höchste Datenrate in…

    mehr lesen: KIT forscht an 6G-Technologien