KI auf ein stabiles Fundament setzten

bild 210mm 300dpi
Bild: Ultimo GmbH

Stillstände, Fachkräftemangel und strengere ESG-Richtlinien stellen die Industrie ebenso vor Herausforderungen wie volatile Lieferketten infolge geopolitischer Instabilität. Um ihre Instandhaltung vorausschauend zu planen, setzen viele Unternehmen daher auf ein Enterprise Asset Management (EAM). Zusätzlich gilt es jedoch, die Instandhaltungsstrategie an volatile Rahmenbedingungen anzupassen. Ein Baustein dafür ist künstliche Intelligenz. Laut einer aktuellen Studie von Ultimo haben allerdings erst fünf Prozent der Industrieunternehmen KI-gestützte Insights und langfristige Asset-Strategien fest in ihre operativen Workflows integriert. Gleichzeitig konzentriert sich essenzielles Instandhaltungswissen vielfach noch auf wenige erfahrene Mitarbeitende. Überdies erschweren fragmentierte Prozesse zwischen Instandhaltung, Betrieb und Einkauf sowie fehlende Zuständigkeiten beim Einsatz von Systemen den Fortschritt. Eine Frage lautet daher, inwieweit Daten, Prozesse und Anlagen bereits die Voraussetzungen für ein intelligentes EAM sowie den erfolgreichen Einsatz von künstlicher Intelligenz erfüllen.

KI hat viele Facetten

Stimmt die Datengrundlage, kann KI heute mehr als Prozesse automatisieren oder Dateneingaben erleichtern. KI-Agenten agieren autonom und proaktiv als ‚digitale Kollegen‘. In Workflows integriert, übernehmen sie analytische Vorarbeit, unterstützen Mitarbeitende bei Entscheidungen und können bestimmte Aufgaben vollständig ausführen. KI-Agenten können etwa Arbeitsanforderungen automatisch auf sicherheitsrelevante Inhalte prüfen und daraus Vorfallberichte erstellen. Bei der Fehlerbehebung liefern sie auf Basis von Fehlerhistorie und Wissensdatenbanken strukturierte Vorschläge. So erhalten auch weniger erfahrene Techniker Zugriff auf Fachwissen, das bislang oft bei Spezialisten gebunden ist. Bei der Erfassung von Zählerständen kann bildbasierte Texterkennung zudem menschliche Fehler reduzieren.

Bei der KI-Einführung empfiehlt sich ein schrittweises Vorgehen: Unternehmen sollten zunächst einen einzelnen KI-Agenten in einen bestehenden Workflow integrieren und dessen Nutzen validieren. Bewährt sich der Ansatz, können weitere Bereiche und Use Cases folgen. Ein groß angelegter Roll-out ohne diese Erprobungsphase erhöht hingegen das Risiko von Fehlinvestitionen.

Fünfstufiges Reifegradmodell

Vor neuen Investitionen sollten Unternehmen jedoch zunächst bestimmen, wo sie stehen. Das hilft dabei, KI-Funktionalität gezielt dort zu implementieren, wo sie gebraucht wird. Ultimo unterstützt hier mit einem EAM-Reifegradmodell, das den Weg von reaktiver Instandhaltung zu einer strategisch integrierten Asset-Management-Struktur beschreibt. Dieses kann in die fünf folgenden Stufen eingeteilt werden:

Stufe 1: Unternehmen agieren reaktiv und es dominiert die korrektive Instandhaltung. Das heißt, die Anlagen laufen, bis sie ausfallen. Erst dann reagieren die verantwortlichen Maintenance-Teams. Auf dieser Stufe fehlt eine dedizierte Software und Entscheidungen basieren vor allem auf Erfahrung und Bauchgefühl. Auch eine systematische Dokumentation findet selten statt.

Stufe 2: Unternehmen planen ihre Instandhaltung und setzen eine EAM-Software ein, um zentralisiert Anlagendaten zu allokieren. In dieser Stufe kommen mobile Endgeräte zum Einsatz, um relevante Daten für die Instandhaltung zu sammeln. Die Mitarbeitenden dokumentieren Ausfälle und Reparaturen, während der Betrieb und der Arbeitsschutz zunehmend in die Prozesse eingebunden werden.

Stufe 3: Es gilt die proaktive Instandhaltung als fest implementiert und löst rein korrektive oder reaktive Strategien vollständig ab. Auf dieser Stufe beginnt auch der Einsatz von vorausschauenden oder prädiktiven Elementen wie die Sensorüberwachung und zustandsbasierter Instandhaltung. Zu diesem Zeitpunkt nutzen Industrieunternehmen Daten bereits umfangreicher und gezielter. Sie setzen sich konsequent KPIs und Benchmarks, die sie kontinuierlich analysieren und verfolgen. Auch die Zusammenarbeit zwischen Teams organisieren sie intelligenter, was die betriebliche Resilienz unterstützt und Ausfälle – sowohl personell als auch operativ – reduziert.

Stufen 4 und Stufe 5: Unternehmen haben ein strategisches Asset-Management erreicht, das auf Wertschöpfung über den gesamten Lebenszyklus einer Industrieanlage ausgelegt ist. Via Datenanalysen identifiziert KI-gestützte EAM-Software aufkommende Ausfallmuster und Risiken frühzeitig, während Integrationen mit ERP- und Asset-Performance-Management-Systemen die Instandhaltung, den Einkauf und die Finanzplanung verzahnen. Auf diese Weise sind Unternehmen in der Lage, langfristige strategische Anlagenpläne zu entwickeln. Gleichzeitig unterstützen Business-Analytics-Funktionen der KI dabei, Ressourcen so einzusetzen, dass sie finanzielle und operative Exzellenz erreichen. Auf diesen oberen Stufen werden auch Herausforderungen adressiert, die sich aus volatilen Lieferketten und ESG-Vorgaben ergeben: Risikobasiertes Ersatzteilmanagement schützt beispielsweise vor Lieferengpässen, während Lebenszyklustransparenz und Energie- bzw. CO2-Daten auf Anlagenebene regulatorische Anforderungen erfüllbar machen.

Nicht nur die Technologie zählt

Die jeweilige Stufe eines Unternehmens hängt allerdings nicht allein von der eingesetzten Technologie ab. Vier Bausteine greifen hier ineinander und bestimmen, wie weit das Unternehmen ist. Der Mensch muss die Instandhaltung als strategische Priorität und nicht als Störung begreifen. Hinzu kommen klar dokumentierte und über Standorte hinweg konsistente Prozesse sowie Systeme, die zum jeweiligen Reifegrad passen und administrativen Aufwand reduzieren. Daten müssen vollständig, sauber und über Abteilungsgrenzen hinweg vernetzt sein. Sind diese Grundlagen gegeben, können KI und intelligentes EAM ihr Potenzial entfalten.

Dabei ist auch die Reihenfolge wichtig. Denn wer sie umkehrt, riskiert, hochentwickelte Technologie auf einem brüchigen Fundament zu installieren und nur ‚Style over Substance‘ zu erreichen. Mit dem Reifegradmodell können Unternehmen einschätzen, wo sie stehen und welche Fähigkeiten als Nächstes gefragt sind, während gezielt eingesetzte KI-Agenten helfen, Fachwissen zu erhalten und Prozesse zu optimieren sowie zu automatisieren.



  • Unternehmen setzen auf Individualsoftware

    Unternehmen setzen auf Individualsoftware

    Jedes Unternehmen hat andere Bedürfnisse, wenn es um den Einsatz von Software geht. Standardlösungen können dies oftmals nicht ausreichend abbilden. Daher setzt laut einer Techconsult-Studie jedes zweite Unternehmen auf Individualsoftware.

    mehr lesen: Unternehmen setzen auf Individualsoftware

  • Allgeier erwirbt Mehrheit an Evora IT Solutions

    Allgeier erwirbt Mehrheit an Evora IT Solutions

    Allgeier übernimmt Evora IT Solutions, einen Spezialisten für Kundenservice- und Instandhaltungslösungen. Damit will Allgeier seine SAP- und ServiceNow Beratung ausbauen.

    mehr lesen: Allgeier erwirbt Mehrheit an Evora IT Solutions

  • Zu wenig sozialer Kontakt im Homeoffice

    Zu wenig sozialer Kontakt im Homeoffice

    Wo ist die Arbeitsbelastung höher – im Büro oder im Homeoffice? Dieser Frage ist die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung nachgegangen und hat im Rahmen einer Studie ermittelt, dass die Arbeitsbelastung nicht…

    mehr lesen: Zu wenig sozialer Kontakt im Homeoffice

  • Arbeitslosigkeit sinkt langsamer

    Arbeitslosigkeit sinkt langsamer

    Trotz des dritten Rückgangs in Folge verbleibt das IAB-Arbeitsmarktbarometer noch auf einem hohen Niveau. Einen größeren Rückschlag durch die vierte Pandemie-Welle erwarten die Experten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung…

    mehr lesen: Arbeitslosigkeit sinkt langsamer

  • Diego Rapela wird CTO bei Auvesy

    Diego Rapela wird CTO bei Auvesy

    Zusätzlich zu CEO Dr. Tim Weckerle und COO Stefan Jesse wird zukünftig auch Dr. Diego Ricardo Rapela dem Auvesy-Management-Team angehören. Er übernimmt die neugeschaffene Position des Chief Technology Officers.

    mehr lesen: Diego Rapela wird CTO bei Auvesy

  • Keine Erholung beim Materialmangel

    Keine Erholung beim Materialmangel

    Nach einem leichten Rückgang im vergangenen Monat, hat sich der Materialmangel in der Industrie im November wieder verstärkt. Rund drei Viertel der Unternehmen klagen über Engpässe.

    mehr lesen: Keine Erholung beim Materialmangel

  • Exportindustrie mit verbesserten Erwartungen

    Exportindustrie mit verbesserten Erwartungen

    Nach einem Rückgang im Oktober haben sich die Exporterwartungen der deutschen Unternehmen im November wieder verbessert. Nach Angaben des Ifo Instituts erwarten dabei vor allem die Automobilindustrie und Hersteller elektrischer…

    mehr lesen: Exportindustrie mit verbesserten Erwartungen

  • Congatec und Sysgo gehen Partnerschaft ein

    Congatec und Sysgo gehen Partnerschaft ein

    Congatec gibt seine strategische Partnerschaft mit Sysgo bekannt. Ziel ist es, den Märkten für kritische Systeme – wie Industrieautomation, Medizintechnik, Smart Energy, Eisenbahn, kommerzielle und autonome Fahrzeuge oder Baumaschinen -…

    mehr lesen: Congatec und Sysgo gehen Partnerschaft ein

  • CAS und ELO kooperieren

    CAS und ELO kooperieren

    Enterprise Content Management und Customer Relationship Management näher aneinander rücken ist das Ziel der Kooperation zwischen ELO Digital Office und CAS Software.

    mehr lesen: CAS und ELO kooperieren

  • Fünf IT-Trends für 2022

    Fünf IT-Trends für 2022

    Auch 2022 werden sich die IT-Systeme von Unternehmen weiterentwickeln. Oliver Rozić, Vice President Product Engineering bei Sage, weiß wie und welche Trends dabei eine Rolle spielen könnten.

    mehr lesen: Fünf IT-Trends für 2022

  • Digitalisierungsschub überdauert die Pandemie

    Digitalisierungsschub überdauert die Pandemie

    Unternehmen gehen digital gestärkt ins dritte Corona-Jahr, so das Ergebnis einer Bitkom-Befragung unter 602 Unternehmen. Demnach will die große Mehrheit ihre Digitalisierungs-Projekte fortsetzen. Diese Aufbruchsstimmung müsse genutzt werden, so Bitkom-Präsident…

    mehr lesen: Digitalisierungsschub überdauert die Pandemie

  • Mittelmaß bei der Digitalisierung

    Mittelmaß bei der Digitalisierung

    Im internationalen Vergleich belegt Deutschland bei der Digitalisierung keine Spitzenposition, sondern tendiert eher zum Mittelfeld. So zumindest legt es eine Studie des Ifo Instituts nahe. Demnach sei nicht nur die…

    mehr lesen: Mittelmaß bei der Digitalisierung