Industrielle KI ist nur so gut wie ihre Dokumentation

AI driven automation data analysis and smart decision making for achieving business objectives and performance growth. Business hand connecting artificial intelligence system to target goal
Bild: ©0202supaporn_studio/stock.adobe.com

In industriellen Prozessen hängt eine technische Entscheidung oft an einer konkreten Zeichnung, einer freigegebenen Spezifikation oder einer Prüfanforderung. Dabei zählt nicht allein, ob eine KI die richtige Antwort liefert. Entscheidend bleibt auch, ob sie sich auf die richtige Informationsgrundlage stützt und ob diese Grundlage nachvollziehbar ist. KI kann eine Abweichung sonst mit einer älteren Dokumentenversion vergleichen und daraus eine plausible, aber falsche Bewertung ableiten – ein Fehler, der ohne Ver-sionskontext schwer erkennbar bleibt.

Regulatorischer Druck verstärkt diese Anforderungen. Der EU AI Act stuft KI-Systeme in qualitätskritischen und sicherheitsrelevanten Industriebereichen häufig als hochriskant ein und verlangt entsprechend Nachvollziehbarkeit, Dokumentation und Kontrolle der eingesetzten Systeme. Für Unternehmen im Anlagenbau bedeutet das: Wer generative KI produktiv einsetzen will, kommt an einer belastbaren Dokumentations- und Nachweisbasis nicht vorbei.

Wie DMS und QMS Kontext liefern

Die Verbindung von KI mit Dokumenten- und Qualitätsmanagement beginnt bei einer gemeinsamen Informationsbasis. Ein DMS verwaltet technische Dokumente, Spezifikationen, Zeichnungen und Nachweise, ein QMS strukturiert Prozesse wie Abweichungen, Maßnahmen und Prüfungen. Eine Abweichung verweist beispielsweise auf ein Bauteil, einen Auftrag, eine Prüfung und eine technische Vorgabe mit Versionshistorie und Freigabestatus. Durch die Verbindung mit Messwerten und Prüfkriterien ergibt sich ein vollständiger technischer Kontext.

Eine KI kann diesen Kontext nutzen, wenn DMS und QMS ihre Beziehungen maschinenlesbar abbilden, statt Informationen als isolierte Dateien bereitzustellen – etwa Projekt, Anlage, Bauteil, Gültigkeitszeitraum, Revision und Freigabestatus, verknüpft mit den jeweiligen Qualitätsprozessen. Eine Anfrage zur Abweichung ‚Druckverlust im Kühlsystem‘ liefert dann nicht einfach eine Liste von Dokumenten. Ein kontextfähiges KI-System kann die Abweichung mit der betroffenen Anlage, der gültigen technischen Spezifikation, den zugehörigen Prüfplänen und früheren vergleichbaren Fällen in Beziehung setzen.

Retrieval Augmented Generation

Eine technische Architektur für diesen Ansatz bildet Retrieval Augmented Generation (RAG). Ein vorgelagerter Retrieval-Prozess sucht relevante Informationen aus einer definierten Wissensbasis und das Sprachmodell verarbeitet diese Informationen anschließend als Kontext für seine Antwort. In industriellen Anwendungen kombiniert ein belastbarer Retrieval-Prozess semantische Suche mit Metadaten, Berechtigungen und Dokumentstatus. Die semantische Suche erkennt inhaltlich ähnliche Passagen, Metadaten grenzen Treffer auf Projekt, Anlage oder Zeitraum ein, Rechte- und Rollenkonzepte beschränken den Zugriff, und die Logik berücksichtigt zusätzlich Revision und Freigabestatus.

Bei einer Abweichungsanalyse übergibt das QMS zunächst die Beschreibung und relevante Prozessdaten. Ein Retrieval-Service identifiziert passende Dokumente, grenzt die Suche über Metadaten ein und prüft, welche Dokumentversion zum jeweiligen Zeitpunkt gültig war. Das Sprachmodell erzeugt daraus eine Analyse inklusive der Quellen, die eine nachvollziehbare Prüfung durch Fachexpertinnen und-Experten ermöglichen.

Revisionssicherheit und KI-Qualität

Eine KI-Antwort ohne zeitlichen und fachlichen Versionskontext kann keine belastbare Aussage über einen vergangenen Prozess liefern. Tritt ein Qualitätsproblem auf und ändert ein Engineering-Team im nächsten Monat die technische Spezifikation, kann eine spätere Analyse mit der aktuellen Version einen falschen Zusammenhang herstellen. Für die Bewertung zählt die Spezifikation, die zum Zeitpunkt des relevanten Vorgangs gültig war.

Ein kontextfähiges Zusammenspiel von DMS und QMS berücksichtigt deshalb den Zeitbezug. Die Dokumentenverwaltung liefert Revisionshistorie und Freigabestatus, das Qualitätsmanagement stellt Zeitpunkt und Prozessinformationen bereit. So entsteht ein technisch und zeitlich passender Kontext und somit die Voraussetzung für Traceability.

Traceability als Qualitätsmerkmal

Verbinden ein DMS und ein QMS KI-Ergebnis und Entstehungskontext entlang des Prozesses, entsteht eine digitale Beweiskette vom technischen Dokument über den Qualitätsvorgang bis zur KI-gestützten Empfehlung. Dies ist die Grundlage für Vertrauen in KI-gestützte Entscheidungen, ermöglicht Governance-Strukturen für den Einsatz von KI in regulierten Umgebungen und erleichtert die Ursachenanalyse.

Kontext entscheidet

In industriellen Anwendungen entscheidet nicht allein das KI-Modell über den praktischen Nutzen, sondern auch die Qualität des Kontexts. DMS und QMS liefern diesen Kontext, steuern Zugriffe und dokumentieren Veränderungen. Die KI analysiert die Zusammenhänge und unterstützt bei der Interpretation, der Mensch bewertet das Ergebnis und trifft die fachliche Entscheidung. So entsteht industrielle KI, die nachvollziehbar arbeitet.



  • Kein Unternehmen kommt ohne IoT-Sicherheit aus

    Kein Unternehmen kommt ohne IoT-Sicherheit aus

    Das Internet der Dinge setzt sich in großem Stil durch, weil die potenziellen Vorteile immens sind. Ob es sich um Gebäude- und Straßenlichtsensoren, Überwachungskameras, IP-Telefone, Point-of-Sale-Systeme, Konferenzraumtechnik und vieles mehr…

    mehr lesen: Kein Unternehmen kommt ohne IoT-Sicherheit aus

  • Simulation Day in München

    Simulation Day in München

    Welche Am 24. September 2020 lädt Machineering Interessenten zum 4. Simulation Day nach München ein. Vor Ort lernen die Teilnehmer die Vorteile und Einsatzmöglichkeiten der Simulationssoftware industrialPhysics kennen.

    mehr lesen: Simulation Day in München

  • Mait übernimmt IT-On.Net Süd

    Mait übernimmt IT-On.Net Süd

    Die Mait-Gruppe übernimmt das baden-württembergische IT-Systemhaus IT-On.NET Süd. Mit dem Erwerb will die Unternehmensgruppe ihr IT-Geschäftsfeld ausbauen.

    mehr lesen: Mait übernimmt IT-On.Net Süd

  • IAB-Arbeistmarktbarometer legt weiter zu

    IAB-Arbeistmarktbarometer legt weiter zu

    Nach dem durch die Corona-Krise verursachten Rückgang im April, entwickelt sich das IAB-Arbeitsmarktbarometer weiterhin positiv. Im Juli legte der Frühindikator 3,1 Punkte zu.

    mehr lesen: IAB-Arbeistmarktbarometer legt weiter zu

  • EDAG baut Standort in Ingolstadt aus

    EDAG baut Standort in Ingolstadt aus

    Software- und Digitalisierungs-Hub EDAG baut Standort in Ingolstadt aus Der EDAG-Standort Ingolstadt soll zum ganzheitlichen Entwicklungszentrum und zu einem Software- und Digitalisierungs-Hub ausgebaut werden. Dazu wird der Standort auf über…

    mehr lesen: EDAG baut Standort in Ingolstadt aus

  • Die Stimmung bessert sich

    Die Stimmung bessert sich

    Zum dritten Mal in Folge ist der Ifo-Geschäftsklimaindex gestiegen: Nach 86,3 Punkten im Juni auf 90,5 Punkte im Juli.

    mehr lesen: Die Stimmung bessert sich

  • Energieeffizient lernen

    Energieeffizient lernen

    Ein Forschungsteam an der Technischen Universität Graz hat die KI-Lernmethode E-prop entwickelt, mit der Hardware-Implementierungen von künstlicher Intelligenz energieeffizienter gestaltet werden können.

    mehr lesen: Energieeffizient lernen

  • Positive Aussichten für die SPS 2020

    Positive Aussichten für die SPS 2020

    Die Bayerische Staatsregierung hat das Schutz- und Hygienekonzept für Messen in Bayern verabschiedet. Somit soll die SPS 2020 zum geplanten Zeitpunkt vom 24. bis 26. Oktober in Nürnberg stattfinden, wie…

    mehr lesen: Positive Aussichten für die SPS 2020

  • Erfolgsfaktor Künstliche Intelligenz

    Erfolgsfaktor Künstliche Intelligenz

    Laut einer Studie von Deloitte, sieht die große Mehrheit der in Deutschland befragten KI-Experten, die Technologie als einen wesentlichen Erfolgsfaktor für das eigene Unternehmen.

    mehr lesen: Erfolgsfaktor Künstliche Intelligenz

  • Judith Wiese wird Siemens-Personalchefin

    Judith Wiese wird Siemens-Personalchefin

    Ab 1. Oktober ist Judith Wiese für die Bereiche Human Resources und Global Business Services bei der Siemens AG zuständig.

    mehr lesen: Judith Wiese wird Siemens-Personalchefin

  • Leistungsstarkes KI-System am KIT installiert

    Leistungsstarkes KI-System am KIT installiert

    Als ein Werkzeug der Spitzenforschung ist künstliche Intelligenz (KI) heute unentbehrlich. Für einen erfolgreichen Einsatz – ob in der Energieforschung oder bei der Entwicklung neuer Materialien – wird dabei neben…

    mehr lesen: Leistungsstarkes KI-System am KIT installiert

  • Am Anfang steht das Ziel

    Am Anfang steht das Ziel

    Bei Digitalisierungsprojekten in Fertigungsunternehmen ist die Herangehensweise entscheidend. Der MES-Anbieter Industrie Informatik gibt sieben Tipps für Digiatlisierungsprojekte.

    mehr lesen: Am Anfang steht das Ziel