Reform der Regeln für Industrienetzentgelte

Handsome caucasian manager in gray suit and with helmet on head
Bild: ©dusanpetkovic1/stock.adobe.com

Der Zubau erneuerbarer Energien stellt gerade den Netzbetrieb vor Herausforderungen. Um die Schwankungen dieser Energieerzeuger im Netz auszugleichen, werden aktuell Strategien erarbeitet: Dabei sollen flexible Kraftwerke errichtet werden, die hinzugeschaltet werden können, wenn die Sonne einmal nicht scheint oder Windflaute herrscht. Aber auch auf der Seite des Energieverbrauchs können die Spannungsschwankungen ausgeglichen werden. Hier greifen bereits etablierte Mechanismen in Form individueller Sondernetzentgelte für die Industrie. Danach kann ein Industrieunternehmen hohe Netzentgeltkosten einsparen, wenn es ein energiewirtschaftlich grundsätzlich sinnvolles Verhalten zusagt. Eine solche Kosteneinsparung ist aktuell möglich bei:

atypischer Netznutzung – Unternehmen verbraucht Strom in Zeiten, in denen viel Strom im Netz ist, weil deutschlandweit von anderen Stromverbrauchern typischerweise wenig Strom bezogenen wird, intensiver Netznutzung – wenn Unternehmen eine zuverlässige, immer gleichbleibende Grundlast von mindestens 10 GWh Verbrauch und 7.000 Benutzungsstunden benötigen

Fehlanreize korrigieren

Diese beiden regulatorisch geförderten Verhaltensweisen stehen nun jedoch auf dem Prüfstand. Die in diesem Bereich federführende Bundesnetzagentur spricht in diesem Kontext von Fehlanreizen gerade bei intensiver Netznutzung, die dem Zubau erneuerbarer Energien nicht förderlich seien und kritische Netzzustände sogar verschärften. Statt einer gleichmäßigen Leistungsaufnahme stromintensiver Unternehmen sei vielmehr ein flexibles Verbrauchsverhalten der Industrie anzureizen, das die Netze entlastet.

Maßahmen für den Übergang

Bisher konnte ein Unternehmen den Kostenvorteil verlieren, wenn es den Stromverbrauch stark reduziert. Konsequenterweise hat die Bundesnetzagentur per ‚Festlegung zur Förderung der Flexibilisierung‘ angeordnet, dass eine freiwillige Reduzierung des Stromverbrauchs nicht dazu führen soll, dass ein Unternehmen den Netzentgeltvorteil verliert. Auch das Problem sogenannt Leistungsspitzen hat die BNetzA entschärft. Bezieht ein Unternehmen in einer Viertelstunde abweichend vom üblichen Jahresstrombezug eine sehr große Strommenge, konnte dies bisher dazu führen, dass der Netzentgeltvorteil verloren geht. Nunmehr gehen Leistungsspitzen, die einer Überlastung des Stromnetzes durch kurzfristige Abnahme des Unternehmens entgegenwirken, nicht mehr zulasten des Netzentgeltvorteils. Folglich wird auch schon jetzt unter den bestehenden Regelungen der individuellen Netznutzung eine flexible Stromentnahme gefördert. Jedoch ist hier zu beachten, dass diese Regelungen nur übergangsweise bis zum 31. Dezember 2025 gelten.

Eckpunkte der Novelle

Die Bundesnetzagentur hat am 24. Juli 2024 in einem sogenannt Eckpunktepapier eine grundlegende Reform der Industrienetzentgelte angekündigt. Wie zu erwarten war, sollen die Regeln zur intensiven Netznutzung nach § 19 Abs. 2 S. 2 StromNEV zum 1. Januar 2026 grundsätzlich abgeschafft und durch ein neues Sondernetzentgelt ersetzt werden. Über die konkreten Inhalte dieses neuen Sondernetzentgelts ist noch wenig bekannt. Es zeichnet sich jedoch ab, dass künftig nur noch ein ’systemdienliches Verhalten‘ gefördert werden soll. Mit anderen Worten: Gesetzlich gefördert wird also nicht mehr ein konstantes Abnahmeverhalten, sondern vielmehr die Bereitschaft des Unternehmens, kurzfristig und flexibel die stromintensive Produktion herunter- und hochzufahren. Es bleibt zu hoffen, dass die Novelle der Industrienetzentgelte auf Besonderheiten bestimmter Branchen eingeht und einen sachgerechten Ausgleich zumindest dort findet, wo industrielle Produktion nicht flexibilisiert werden kann.



  • Beratungsangebote rund ums Homeoffice

    Beratungsangebote rund ums Homeoffice

    Cosmo Consult will in der Corona-Krise mit teils kostenfreie Webinaren, Workshops und Beratungspaketen Fachwissen rund um Microsoft Teams und die digitale Zusammenarbeit im Homeoffice anbieten.

    mehr lesen: Beratungsangebote rund ums Homeoffice

  • Stimmung in der Digitalbranche trübt sich ein

    Stimmung in der Digitalbranche trübt sich ein

    Nach 24,6 Punkten im Februar, ist der Bitkom-Ifo-Digitalindex im März auf 0,6 Punkte zurückgegangen. Dabei sind von den negativen Folgen im Zuge der Corona-Krise vor allem die Industrie und der…

    mehr lesen: Stimmung in der Digitalbranche trübt sich ein

  • Mit OPC UA over TSN zur Losgröße 1

    Mit OPC UA over TSN zur Losgröße 1

    Im Maschinenbau werden immer häufiger modulare Anlagen gefertigt. Deren Zusammenstellung aus Spezialmodulen für verschiedene Teilaufgaben von unterschiedlichen Herstellern scheiterte bisher oft an inkompatiblen Kommunikationsstandards.

    mehr lesen: Mit OPC UA over TSN zur Losgröße 1

  • Automatica in den Dezember verlegt

    Automatica in den Dezember verlegt

    Die Messe München hat sich dazu entschlossen, die Messe Automatica, die vom 16. bis zum 19. Juni stattfinden sollte, in den Dezember zu verschieben.

    mehr lesen: Automatica in den Dezember verlegt

  • Weltmarkt für Maschinen legt 2019 leicht zu

    Weltmarkt für Maschinen legt 2019 leicht zu

    Neue Maschinen und Anlagen waren auch im vergangenen Jahr weltweit gefragt. Allerdings erfolgten die Geschäfte bereits unter erschwerten Bedingungen: Der Wandel in der Automobilindustrie, der Handelskrieg zwischen den USA und…

    mehr lesen: Weltmarkt für Maschinen legt 2019 leicht zu

  • Keine Hannover Messe in 2020

    Keine Hannover Messe in 2020

    Die Hannover Messe kann dieses Jahr nicht stattfinden. Grund ist die zunehmend kritische Lage aufgrund der Covid-19-Pandemie und eine Untersagungsverfügung der Region Hannover.

    mehr lesen: Keine Hannover Messe in 2020

  • Nächste Management-Generation bei Siemens

    Nächste Management-Generation bei Siemens

    Siemens-CEO Joe Kaeser hat den Aufsichtsrat darüber informiert, dass er keine Verlängerung seines Vertrages anstrebt. Er wird zum Aufsichtsratsvorsitzenden der Siemens Energy vorgeschlagen.

    mehr lesen: Nächste Management-Generation bei Siemens

  • Wie weit sind deutsche Unternehmen beim Internet of Things?

    Wie weit sind deutsche Unternehmen beim Internet of Things?

    Die Industrie setzt IoT-Lösungen vornehmlich in der Produktion, bei der Zeiterfassung und in der Lagerverwaltung ein. Dies geht aus einer Befragung hervor, die Ende vergangenen Jahres durchgeführt wurde.

    mehr lesen: Wie weit sind deutsche Unternehmen beim Internet of Things?

  • Weltwirtschaft vor erheblichen Wachstumsverlusten

    Weltwirtschaft vor erheblichen Wachstumsverlusten

    Finanzmarktexperten rechnen damit, dass die Corona-Pandemie das globale reale Bruttoinlandsprodukt erheblich belasten wird. Insbesondere die deutsche Wirtschaft wird dabei stark in Mitleidenschaft gezogen. Mit Blick auf einzelne Branchen schwanken die…

    mehr lesen: Weltwirtschaft vor erheblichen Wachstumsverlusten

  • Corona-Krise könnte Hunderte von Milliarden Euro kosten

    Corona-Krise könnte Hunderte von Milliarden Euro kosten

    Das Coronavirus könnte Deutschlands Wirtschaft Hunderte von Milliarden Euro Produktionsausfälle bescheren, Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit in die Höhe schießen lassen und den Staatshaushalt erheblich belasten. Das geht aus aktuellen Berechnungen des…

    mehr lesen: Corona-Krise könnte Hunderte von Milliarden Euro kosten

  • VDMA-Tagung verschoben

    VDMA-Tagung verschoben

    Die VDMA-Tagung Production Excellence, die am 28. April hätte stattfinden sollen, ist auf die zweite Oktoberhälfte verschoben worden.

    mehr lesen: VDMA-Tagung verschoben

  • IAB rechnet mit BIP-Rückgang und steigenden Arbeitslosenzahlen

    IAB rechnet mit BIP-Rückgang und steigenden Arbeitslosenzahlen

    Das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) geht in einer Vorausschau für das laufende Jahr davon aus, dass das BIP im Jahr 2020 um zwei Prozent sinken wird. Im Zuge…

    mehr lesen: IAB rechnet mit BIP-Rückgang und steigenden Arbeitslosenzahlen