Wissensarbeit im Maschinenbau mit ChatGPT beschleunigt

STADLER sorting plant in Italy 01
Bei Stadler entstehen Sortieranlagen für Abnehmer in der ganzen Welt. – Bild: Stadler Anlagenbau GmbH

Das Familienunternehmen Stadler zählt zu den weltweit agierenden Spezialisten für automatisierte Sortieranlagen in der Recyclingindustrie. Mit einer über 230-jährigen Firmengeschichte und mehr als 650 Mitarbeitern spielt das Unternehmen eine zentrale Rolle, Länder bei der Erreichung ihrer Nachhaltigkeits- und Kreislaufwirtschaftsziele zu unterstützen. Dabei ist Stadler täglich gefordert, komplexe technische Inhalte effizient zu verarbeiten. In den vergangenen Jahren wuchs der Anteil an Tätigkeiten, die nicht direkt wertschöpfend, aber dennoch unverzichtbar sind wie das Zusammenfassen umfangreicher Dokumente, das Formulieren präziser Erstentwürfe oder die Erstellung technischer Reports. Für den Hersteller war klar, dass Effizienzgewinne nicht nur in der Fertigung erzielt werden müssen.

Generative AI ausgerollt

„In vielen Teams verbrachten Menschen zu viel Zeit damit, Rohwissen in nutzbare Ergebnisse zu verwandeln – zusammenzufassen, zu übersetzen, Entwürfe zu erstellen. Wir wussten, dass es einen besseren Weg geben musste“, sagt Julia Stadler. Ein Large Language Model sollte die Mitarbeitenden bei diesen Aufgaben künftig unterstützen und die Wahl fiel auf ChatGPT. Das LLM ist heute fester Bestandteil der täglichen Arbeitsprozesse.

Vom industriellen Erbe zur digitalen Stärke

Seit 2023 verfolgt Stadler ein Ziel: Alle Mitarbeitenden, die am Computer arbeiten, sollen KI in ihren Aufgaben nutzen. Die Technologie soll repetitive Tätigkeiten reduzieren und Raum für schnellere Entscheidungen, bessere Analysen und qualitativ hochwertigere Ergebnisse schaffen. Nach der Evaluierung verschiedener Systeme fiel die Wahl auf ChatGPT. Der Roll-out erfolgte mit einem zweigleisigen Ansatz: Die Mitarbeitenden wurden ermutigt, eigenständig zu experimentieren und Anwendungsfälle zu entwickeln. Gleichzeitig schuf die Unternehmensleitung Zugänge, Schulungen und Regeln. So ließ sich die Technologie schnell im Unternehmen etablieren.

Viele Abteilungen, viele Use Cases

Heute ist das LLM in nahezu allen Bereichen des Unternehmens integriert. Entwicklungs- und Datenteams setzen die KI für Analysen, Code-Generation und Leistungsbewertungen ein. Projekt- und Managementteams nutzen benutzerdefinierte GPTs, um Prozesse zu strukturieren, Reports zu standardisieren und die Qualität ihrer Dokumentation zu verbessern. Das Marketing verwendet ChatGPT, um komplexes technisches Wissen für internationale Zielmärkte aufzubereiten. Fachübergreifend dient die KI dazu, Informationen zu verdichten, Erstentwürfe zu generieren und Denkprozesse zu strukturieren.

Inzwischen wurden mehr als 125 unternehmensspezifische GPTs (Generative Pre-trained Transformer) entwickelt, insbesondere für Übersetzungs- und Kommunikationsprozesse. „Wir brauchen nicht mehr einen halben Tag, um eine brauchbare erste Version zu erstellen. Jetzt haben wir in 20 Minuten einen soliden Entwurf, den wir verbessern können“, sagt Julia Stadler. Dr. Bastian Küppers, Head of Process Engineering von Stadler, ergänzt: „ChatGPT ist nicht nur ein Schreibwerkzeug – es ist ein Denkpartner, der hilft, Ideen zu strukturieren und unsere Arbeit zu beschleunigen“.

Eine neue Form der Zusammenarbeit

Die Wirkung zeigt sich deutlich im Arbeitsalltag. Tätigkeiten, die früher mehrere Stunden beanspruchten, lassen sich heute in Minuten abschließen. Ergebnisse der KI-Transformation sind u.a.:

  • 30 bis 40 Prozent schnellere bei Routinearbeiten wie Zusammenfassungen und Dokumentationen
  • im Durchschnitt 2,5-mal schnellere Erstellung eines ersten Entwurfs
  • 6-mal schnelleres Vorankommen bei Anwendungsfällen mit hohem Datenaufkommen wie Social Media
  • mehr als 85 Prozent tägliche, meist mehrfache Unterstützung bei der Entscheidungsfindung durch die Ausgabe von strukturierten Erkenntnissen

Die Output-Qualität steigt ebenfalls: Dokumente sind klar, konsistent und gut strukturiert. Viele Aufgaben werden schneller begonnen und verlässlicher abgeschlossen. Für Raphael Fricker, Head of IT, ist ein Indikator besonders relevant: „Das deutlichste Signal ist die Häufigkeit der Nutzung. Wenn Mitarbeitende mehrmals täglich darauf zugreifen, ohne dass jemand sie dazu auffordert, dann weiß man, dass es echten Mehrwert liefert.“

Entwicklungsstufe KI-Agenten

Stadler plant, die Nutzung von KI weiter zu vertiefen. Ziel ist es, KI-gestützte Agenten stärker in operative Abläufe einzubinden, um etwa Informationen zu sammeln, Dokumente automatisch zu generieren, Ergebnisse gegen definierte Standards zu prüfen oder Freigaben vorzubereiten. Für ein Unternehmen mit einer mehr als zweihundertjährigen Geschichte ist der Wandel bereits deutlich zu erkennen: Durch die Einbindung von KI in die tägliche Arbeit kann Stadler schneller, flexibler und intelligenter agieren und erschließt damit ein neues Produktivitätsniveau in seiner gesamten globalen Organisation.



  • Schutz von Workstations

    Schutz von Workstations

    Stormshield erweitert seine Produktpalette mit Endpoint Security Evolution. Dabei handelt es sich um eine Lösung zum Schutz von Workstations, die speziell auf aktuelle Cybersicherheitsprobleme zugeschnitten ist.

    mehr lesen: Schutz von Workstations

  • Schutz industrieller Netzwerke und Automatisierungssysteme

    Schutz industrieller Netzwerke und Automatisierungssysteme

    Die Siemens-Netzwerkkomponenten der Scalance-SC-600-Familie zielen auf den Schutz von industriellen Netzwerken und Automatisierungssystemen durch die Segmentierung des Netzwerkes und sichere Kommunikationskanäle ab. Mit dem neuen Modell Scalance SC622-2C präsentiert der…

    mehr lesen: Schutz industrieller Netzwerke und Automatisierungssysteme

  • Stabilisierung, aber noch kein Ende der Krise

    Stabilisierung, aber noch kein Ende der Krise

    In vielen Ländern Europas scheint sich der Arbeitsmarkt zu stabilisieren. Darauf deuten die Zahlen des Europäischen Arbeitsmarktbarometers hin, das nun erstmals veröffentlicht wurde.

    mehr lesen: Stabilisierung, aber noch kein Ende der Krise

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • GBTEC und Proalpha arbeiten zusammen

    GBTEC und Proalpha arbeiten zusammen

    GBTEC und Proalpha haben angekündigt, zukünftig in den Bereichen Process Mining und Business Intelligence zusammenzuarbeiten. Kunden sollen so einen Mehrwert bei der digitalen Transformation erhalten.

    mehr lesen: GBTEC und Proalpha arbeiten zusammen

  • Mehr Schadprogramme, mehr Digitalisierung

    Mehr Schadprogramme, mehr Digitalisierung

    Mehr als eine Milliarde Schadprogramme verzeichnet das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik im aktuellen Lagebericht. Und auch die Corona-Pandemie wirkt sich auf die aktuelle Sicherheitslage aus.

    mehr lesen: Mehr Schadprogramme, mehr Digitalisierung

  • Zwischen digitaler Transformation und steigender Komplexität

    Zwischen digitaler Transformation und steigender Komplexität

    CIOs setzen auf Automatisierung und KI, um wachsende Kluft zwischen begrenzten IT-Ressourcen und steigender Cloud-Komplexität zu überbrücken. Dies geht aus einer Studie von Dynatrace hervor.

    mehr lesen: Zwischen digitaler Transformation und steigender Komplexität

  • Aktuelle Lage verbessert, Erwartungen gehen zurück

    Aktuelle Lage verbessert, Erwartungen gehen zurück

    Die Erwartungen an die wirtschaftliche Entwicklung gehen laut aktueller ZEW-Zahlen im Oktober zurück. Die Einschätzung der aktuellen konjunkturellen Lage hat sich jedoch erneut verbessert.

    mehr lesen: Aktuelle Lage verbessert, Erwartungen gehen zurück

  • Neues Trio an der MPDV-Spitze

    Neues Trio an der MPDV-Spitze

    Die MPDV hat seit Oktober drei neue Geschäftsführer. Nathalie Kletti, Thorsten Strebel und Jürgen Petzel stehen an der Spitze des Unternehmens.

    mehr lesen: Neues Trio an der MPDV-Spitze

  • Beschäftigtensituation im Maschinenbau bleibt angespannt

    Beschäftigtensituation im Maschinenbau bleibt angespannt

    Die Beschäftigtensituation im Maschinen- und Anlagenbau bleibt weiter angespannt. Im August ging die Zahl der Beschäftigten im Vergleich zum Vormonat um weitere 2.165 auf 1,025 Millionen zurück. Damit sind fast…

    mehr lesen: Beschäftigtensituation im Maschinenbau bleibt angespannt

  • Flexibel und sicher

    Flexibel und sicher

    Helmholz erweitert sein Portfolio an Industrieroutern. Die bewährten REX-Geräte sind ab sofort auch mit zusätzlicher WAN (Wide Area Network)-Schnittstelle und Fallback-Mechanismus erhältlich.

    mehr lesen: Flexibel und sicher

  • Tower Factory wird Teil von Fuji Europe

    Tower Factory wird Teil von Fuji Europe

    Die Fuji Europe Corparation hat Tower-Factory, einen Anbieter von Lagerlogistiksystemen, übernommen. Kunden von Fuji Europe sollen dadurch Lösungen erhalten, die den gesamten Materialfluss abdecken.

    mehr lesen: Tower Factory wird Teil von Fuji Europe