ERP/PLM-Doppelpack beim Hidden Champion Scanlab

SCANLAB dynAXIS 421 Galvometer scanner OCT 300dpi
Bild: Bluestar PLM

Seit der Gründung im Jahr 1990 entwickelt und produziert Scanlab Galvanometer-Scanner und Scan-Systeme. Die Produkte lassen Laserstrahlen zu präzisen, hochdynamischen Werkzeugen werden und schaffen so die Grundlage für viele Anwendungen. Die Firma ist in gut drei Jahrzehnten auf rund 500 Mitarbeiter gewachsen. Mit circa 40.000 Geräten erzielte der Hersteller im Jahr 2023 einen Umsatz von 144 Millionen Euro. Beim Besuch der Firma führte Dr. Uwe Megerle, Leiter der Entwicklungsabteilung für Laser-Scan-Systeme, durch die Fertigung in Puchheim, erläuterte das Portfolio und stellte das Unternehmen vor. Rubin Scheibe, PLM & CAD Solution Architect, beschrieb den Weg des Konstruktionswesens von dem anfangs manuellen Management der Entwicklungsdaten zur Einführung von umfassendem PLM. Und Stephan Veverka, zuständig für IT-Business Applications, zeichnete die Auswirkungen nach, die mit dem Wechsel auf Cloud-Software vor allem für Produktion und Auftragsabwicklung einher gingen

Für 3D-Drucker und mehr

Als der Münchner Hersteller EOS mit seinen 3D-Druckern erfolgreich wurde, erwies sich 1990 die Ausgründung von Scanlab als gute Idee. 3D-Druck gehört nach wie vor zu den Hauptanwendungen von Scanlab-Geräten. Aber auch Schweißen, Schneiden, Perforieren, Markieren, Medizin- und Verpackungstechnik – für dutzende Industriebranchen sind Laser-Scan-Systeme eine Schlüsseltechnologie. Im Kern sind die Standard-2D-Scan-Systeme aus ähnlichen Hauptkomponenten aufgebaut: Die quaderförmigen Gehäuse beinhalten zwei spezialisierte Spiegel auf je einem hochpräzisen Galvanometer-Motor, die zugehörige Elektronik sowie eingebettete Software zur Ansteuerung. Zusammen ermöglichen diese Komponenten die schnelle und genaue Positionierung und Führung von Laserstrahlen in X- und Y-Richtung über das zu bearbeitende Werkstück. Das Portfolio umfasst außerdem Z-Achsen, höher integrierte Mehrachssysteme, Echtzeit-Ansteuerkarten, Software und einiges mehr. Das Knowhow der Firma steckt im Ingenieurwesen einschließlich der Embedded Software, sowie in der Kenntnis des Zusammenspiels der Komponenten und in der Produktion. Die Fertigungstiefe ist dabei gering. Alle selbst entwickelten Bauteile werden von Firmen produziert, die auf entsprechende Teile spezialisiert sind.

Unterstützung eingefordert

Das Design beruht in der Mechanik zu hundert Prozent auf 3D-Modellierung mit Solid Edge. Die Elektronik setzt auf Altium Designer. Für die Softwareentwicklung kommen verschiedene Tools zum Einsatz. Die Daten aus der Entwicklung bilden dann die Grundlage für Bestellung und Auftragsvergabe an die Lieferanten. Das Wachstum führte schließlich zur Suche nach zentraler IT-Unterstützung bei alldem. Erst stand in der Entwicklung die Frage eines geeigneten Tools für PLM auf der Agenda. Rubin Scheibe sagt: „Die ständig wachsende Zahl der Ingenieure und Designer, die bei uns täglich an der Entwicklung so vieler Geräte arbeiten, brauchten PLM als zentrales, elektronisches Management für ihre großen Datenmengen.“ Zigtausende Designmodelle und Zeichnungen lassen sich nicht mit manuellen Mitteln verwalten. Dann veränderte sich die Ausgangslage, weil auch die Produktion mit der vorhandenen IT nicht mehr zufrieden war. Stephan Veverka beschreibt den damaligen Ablauf so: „Wir hatten ein Team für Artikel-Daten-Management (ADM), das auf Basis persönlicher Erfahrungen mit den Vorgaben und Daten aus der Entwicklung die Stücklisten erstellte und auch für deren Änderungen zuständig war. Eine digitale Verbindung zwischen Entwicklung und Produktion gab es nicht. Die Stückliste war im Wesentlichen ein Papierdokument. Diesen Bruch in der Prozesskette wollten wir beheben.“ Das schließlich gewählte Doppelpack aus Microsoft Dynamics F&SCM und eingebettetem Bluestar PLM deckt nun die Bedarfe von Engineering und Produktion ab.

Saubere Daten und Klassifizierung sind die Basis

Im Juni 2024, nur sechs Monate nach Produktivschaltung, ist die Entwicklung hinsichtlich der Arbeitsweise nicht wiederzuerkennen. Dabei haben die Mitarbeiter neben ihrer Entwicklungstätigkeit die Aufgabe übernommen, Teil für Teil alle Daten ins PLM-System zu übernehmen und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass diese Daten vollständig gepflegt sind. „Wir konnten vorher ohne PLM nicht verhindern, dass immer wieder Teilmodelle neu erzeugt und unter neuen Namen abgespeichert wurden,“ erklärt Rubin Scheibe. „Jetzt sind schon 80 Prozent aller Daten bereinigt und von solchen letztlich überflüssigen, doppelten Teilen befreit.“ Doch die Einführung von PLM wurde gleichzeitig genutzt, um mit dem Modul ‚Produktklassifikationen und Attribute‘ eine Klassifizierung einzuführen. Jede der vier Entwicklungs-Abteilungen hat einen Verantwortlichen für die Klassifikation. Die automatische Namensbildung über die Klasse und die Attribute ist ein enormer Vorteil, da sie unnötigen Neuerfindungen einen dicken Riegel vorschiebt.

Stücklisten für die Fertigung

Eine weitere genutzte Funktionalität ist das Modul ‚eBOM/mBOM‘. Sie sorgt dafür, dass aus der in der Entwicklung entstehenden Engineering-Stückliste (eBOM) automatisiert eine Fertigungsstückliste erzeugt wird. Somit gibt es kaum noch Unterschiede zwischen CAD-Modell (eBOM) und Fertigungsstückliste. Ausnahmen bilden kleine Änderungen an der mBOM für Artikel, die nicht physisch existieren, beispielsweise die Firmware. Rubin Scheibe sagt: „Mit dem eBOM/mBOM Builder kann die Engineering Stückliste auch Abweichungen zur Fertigungsstückliste abbilden. Produktionsspezifische Anpassungen sind nur in der Fertigungsstückliste nötig, nicht im CAD.“

Change Management und Konfigurator

Erst seit wenigen Wochen im Einsatz ist ein weiteres Modul: ‚Engineering Change Management (ECM)‘. An einem Beispiel veranschaulicht Rubin Scheibe seine Bedeutung für den Hersteller: „Beim Ersatz eines Elektronik-Boards durch ein neues war es früher schwieriger zu analysieren, welche unserer Systeme davon betroffen sind. Die Definition des korrekten Umstellungszeitpunktes war sehr aufwendig. Control-Boards sind schließlich Standardteile, die in vielen unterschiedlichen Systemen zum Einsatz kommen. Mit dem ECM-Modul ist das jetzt einfach. Man sieht nicht nur sofort, welche Systeme betroffen sind, sondern auch, welche Ausrüstung dafür gebraucht wird.“

„Alle arbeiten mit Bluestar PLM“

Seit Ende 2023 sind die beiden Systeme bei Scanlab produktiv. Auch wenn es noch einige Themen zu bearbeiten gibt, hat sich bei den Prozessen in sechs Monaten vieles zum Besseren gewendet. Auf die Frage, wie viele Mitarbeiter heute mit Bluestar PLM arbeiten, antwortet Rubin Scheibe lächelnd: „Alle. Auch wenn sie nicht selbst Daten damit erzeugen oder ändern. Denn alle Konstruktionsdaten stecken jetzt in Bluestar PLM. Was auch immer damit in Microsoft Dynamics F&SCM oder mit anderen Tools gemacht wird – alle greifen auf Bluestar PLM zurück.“



  • Bosch erzielt positives Ergebnis

    Bosch erzielt positives Ergebnis

    Die Bosch-Gruppe hat das zurückliegende Geschäftsjahr mit einem positiven Ergebnis abgeschlossen. Nach vorläufigen Ergebnissen blieb der Umsatz jedoch unter dem Vorjahresniveau.

    mehr lesen: Bosch erzielt positives Ergebnis

  • Sicherheit für künstliche Intelligenz

    Sicherheit für künstliche Intelligenz

    Mit einem Kriterienkatalog für Ki-basierte Clouddienste will das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik eine Grundlage für die Bewertung der Sicherheit von KI-Systemen schaffen.

    mehr lesen: Sicherheit für künstliche Intelligenz

  • Siemens mit neuem Vorstandsvorsitzendem

    Siemens mit neuem Vorstandsvorsitzendem

    Im Rahmen der Siemens-Hauptversammlung hat der langjährige Vorstandsvorsitzende Joe Kaeser sein Amt an Roland Busch übergeben.

    mehr lesen: Siemens mit neuem Vorstandsvorsitzendem

  • Umsatzplus bei Siemens

    Umsatzplus bei Siemens

    Im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres lagen Auftragseingang, Umsatzerlöse sowie der Gewinn nach Steuern der Siemens AG über den Werten des Vorjahresquartals.

    mehr lesen: Umsatzplus bei Siemens

  • IIoT-System mit überarbeitetem Interface

    IIoT-System mit überarbeitetem Interface

    Bei der Arbeit an der neuen Version der Ixon-IIoT-Cloud haben die Entwickler insbesondere die Themen Kollaboration und Benutzerfreundlichkeit in den Mittelpunkt gerückt. Der Hersteller schreibt, die Erweiterung eng an den…

    mehr lesen: IIoT-System mit überarbeitetem Interface

  • Mapal erweitert Geschäftsleitung

    Mapal erweitert Geschäftsleitung

    Mapal hat die Geschäftsleitung um Jacek Kruszynski und Siegfried Wendel erweitert. Der Wechsel fand bereit am 1. Oktober 2020 statt und soll dem Unternehmen helfen, die Kernkompetenzen zu stärken.

    mehr lesen: Mapal erweitert Geschäftsleitung

  • Proalpha-Unternehmensgruppe wächst

    Proalpha-Unternehmensgruppe wächst

    Curecomp gehört zukünftig zur Proalpha-Gruppe, wie der ERP-Anbieter am Montag mitgeteilt hat. Zudem erwarb der ERP-Anbieter eine Mehrheitsbeteiligung am Softwarehaus Böhme & Weihs.

    mehr lesen: Proalpha-Unternehmensgruppe wächst

  • Control 2021 als Präsenzmesse abgesagt

    Control 2021 als Präsenzmesse abgesagt

    Die 34. Control – Internationale Fachmesse für Qualitätssicherung – findet auch in diesem Jahr nicht als Präsenzveranstaltung statt. Geplant war das Branchenhighlight für den 4. bis 7. Mai 2021.

    mehr lesen: Control 2021 als Präsenzmesse abgesagt

  • Automobilindustrie erwartet Besserung

    Automobilindustrie erwartet Besserung

    Die deutschen Automobilbauer und ihre Zulieferer blicken etwas positiver in die Zukunft als noch Ende des vergangenen Jahres. Der Anstieg in der aktuellen Ifo-Befragung fällt jedoch nur gering aus.

    mehr lesen: Automobilindustrie erwartet Besserung

  • SAP übernimmt Signavio

    SAP übernimmt Signavio

    SAP übernimmt das Berliner Startup Signavio, einen Anbieter von Business Process Intelligence und Prozessmanagement-Lösungen. Wie der Softwarekonzern mitteilt, wird der Abschluss der Transaktion für das erste Quartal 2021 erwartet, vorbehaltlich…

    mehr lesen: SAP übernimmt Signavio

  • Strukturwandel im Maschinenbau erfolgreich bewältigen

    Strukturwandel im Maschinenbau erfolgreich bewältigen

    „Ich mache mir keine großen Sorgen, dass der Strukturwandel in der Automobilindustrie langfristig zu einem Aderlass im deutschen Maschinenbau führen wird“, betonte ZVEI-Präsident Dr. Gunther Kegel im Rahmen einer Pressekonferenz.

    mehr lesen: Strukturwandel im Maschinenbau erfolgreich bewältigen

  • Mehr Kurzarbeit insgesamt, Rückgang in der Industrie

    Mehr Kurzarbeit insgesamt, Rückgang in der Industrie

    Im Januar waren wieder mehr Menschen in Kurzarbeit. In der Industrie ging die Zahl nach Schätzungen des Ifo-Instituts insgesamt jedoch zurück, wobei es je nach Branche unterschiedliche Entwicklungen gibt.

    mehr lesen: Mehr Kurzarbeit insgesamt, Rückgang in der Industrie