„Eine durchgängige VIBN bietet enormes Potenzial“

MACHINEERING 231562
Bild: Machineering GmbH & Co. KG

Herr Dr. Georg Wünsch, was ist iPhysics und wie beschreiben Sie den Nutzen des Systems bei der virtuellen Inbetriebnahme?

Georg Wünsch: iPhysics ist eine Simulationssoftware, die speziell für die virtuelle Inbetriebnahme von Maschinen und Anlagen entwickelt wurde. Der Mehrwert liegt darin, dass Unternehmen bereits in der Planungsphase und vor der physischen Inbetriebnahme realitätsnahe Tests und Optimierungen durchführen können. Das spart nicht nur Zeit und Geld, sondern reduziert auch Risiken. Insbesondere im Maschinen- und Anlagenbau erkennen immer mehr Unternehmen die Vorteile der VIBN. Trotzdem gibt es noch einige, die den Aufwand scheuen oder die Notwendigkeit nicht sehen. Dabei zeigen Beispiele, dass durchgängige VIBN-Lösungen enormes Potenzial bieten. Ein mittelständisches Unternehmen könnte so beispielsweise Einsparungen in Millionenhöhe jährlich realisieren.

In iPhysics stehen bereits zahlreiche Komponenten zum Aufbau des VIBN-Datensatzes zur Verfügung.
In iPhysics stehen bereits zahlreiche Komponenten zum Aufbau des VIBN-Datensatzes zur Verfügung. – Bild: ©Nampix/stock.adobe.com, Machineering GmbH & Co. KG

Warum ist gerade jetzt ein guter Zeitpunkt, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen?

Die aktuelle Wirtschaftslage ist eine ideale Gelegenheit, um solche Technologien voranzutreiben. Wenn die Konjunktur wieder anzieht, sind dann solche Unternehmen optimal vorbereitet. Sie können dann schneller und effizienter agieren, was gerade in weltweit wettbewerbsintensiven Märkten entscheidend sein kann.

Sie haben auf der SPS 2024 iPhysics in der Cloud präsentiert. Was ist daran neu?

Simulation erfordert immense Rechenkapazitäten, vor allem bei komplexen Anlagen. Je größer und detaillierter die Simulation, desto höher die Anforderungen an die Hardware. Machineering bietet zwar leistungsstarke Hardware an, aber bei internationaler Zusammenarbeit – etwa bei VIBN-Projekten oder Anwenderschulungen am digitalen Zwilling mit Anbindung an echte Steuerungstechnik – stoßen auch wir an Grenzen. Daher war es uns ein Anliegen, im Rahmen der Digitalisierung cloudbasierte Simulationsanwendungen zu entwickeln. Die Cloud ermöglicht uns, auf sehr hohe Rechenkapazitäten zuzugreifen und gleichzeitig eine flexible, standortübergreifende Nutzung zu gewährleisten.

Komplexe Maschinen für Produktion und Logistik werden häufig VIBN-gestützt hergestellt.
Komplexe Maschinen für Produktion und Logistik werden häufig VIBN-gestützt hergestellt. – Bild: ©kittipong/stock.adobe.com, machineering GmbH & Co. KG

Wird Machineering künftig alles in der Cloud simulieren?

Noch nicht sofort. Auf der SPS 2024 haben wir einen Prototypen vorgestellt, bei dem erst einmal 20 umfangreiche Simulationsmodelle gleichzeitig in unserem Rechenzentrum gerechnet und live auf die Messe gestreamt wurden – mit beeindruckenden Ergebnissen. Nicht nur die Modelle liefen in der Cloud, sondern auch die verbundenen CAD-Systeme, Roboter- und PLC-Controller – alles in Echtzeit. Anwender können dabei flexibel entscheiden, ob sie die Cloud-Infrastruktur selbst hosten oder auf Dienste von Cloud-Anbietern zurückgreifen möchten. Unser Ziel ist es, iPhysics in der Cloud zur Marktreife zu bringen und unseren Kunden zugänglich zu machen. Die Nachfrage auf der Messe hat deutlich gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Was bringt die Kombination aus Cloud und Simulation?

Der größte Mehrwert zeigt sich in der globalen Zusammenarbeit und in der Schulung. Unternehmen mit mehreren Standorten können zentral auf die gleichen Simulationsmodelle zugreifen, unabhängig von der jeweiligen Hardware vor Ort. Auch für Forschungs- und Entwicklungsabteilungen, die häufig umfangreiche Berechnungen durchführen müssen, ist die Cloud ein Meilenstein. Ein typischer Anwendungsfall ist auch das Operator Training, bei dem Mitarbeiter an einem digitalen Zwilling geschult werden, der mit der realen Steuerungstechnik verbunden ist. Unternehmen können Schulungen zentral organisieren und diesen an allen Standorten nutzen. Die Teilnehmer greifen einfach über einen Webbrowser auf die Simulationsumgebung zu, ohne dass spezielle Hardware benötigt wird. Dadurch wird die Organisation von Trainings wesentlich einfacher und kosteneffizienter und kann parallel zur Inbetriebnahme erfolgen.

Was erwarten Sie in Zukunft von der Cloud-Simulation?

Ich sehe die Cloud-Simulation als integralen Bestandteil einer modernen, weltweit verfügbaren, digitalen Infrastruktur. In Zukunft wird es so sein, dass jeder Beteiligte seinen Teil direkt in das Simulationsmodell einbringt – mit sofortiger Umsetzbarkeit und Validierung. Dieses Vorgehen wird das Denken in Projekten grundlegend verändern. Es bleibt spannend, welche Neuerungen uns in den nächsten Jahren noch erwarten!



  • Additive Fertigung von keramischen Bauteilen

    Additive Fertigung von keramischen Bauteilen

    Die neue Richtlinie VDI 3405 Blatt 8.1 soll Grundlagen für 3D-Druckverfahren von keramischen Bauteilen vermitteln,

    mehr lesen: Additive Fertigung von keramischen Bauteilen

  • Nach Lockdown: Vorsicht beim Hochfahren von Anlagen

    Nach Lockdown: Vorsicht beim Hochfahren von Anlagen

    Weltweit wurden in Folge der Coronavirus-Pandemie Unternehmen auf der ganzen Welt vorübergehend geschlossen. Nach der Phase des Stillstands bereiten sich nun viele Firmen auf die Wiedereröffnung vor.

    mehr lesen: Nach Lockdown: Vorsicht beim Hochfahren von Anlagen

  • Wirtschaftsleistung sinkt weltweit

    Wirtschaftsleistung sinkt weltweit

    Das Coronavirus stürzt fast die ganze Welt in eine Rezession. Das geht aus der neuesten Umfrage des Ifo-Instituts hervor, an der 1.000 Experten in 110 Ländern teilgenommen haben. Demnach könnte…

    mehr lesen: Wirtschaftsleistung sinkt weltweit

  • Unternehmen oftmals unzufrieden mit der DSGVO

    Unternehmen oftmals unzufrieden mit der DSGVO

    Die Unternehmen der deutschen Informationswirtschaft sind oftmals unzufrieden mit der im Mai 2018 in Kraft getretenen EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Das zeigt eine Umfrage des ZEW. Demnach überwiegen in jedem zweiten Unternehmen…

    mehr lesen: Unternehmen oftmals unzufrieden mit der DSGVO

  • Crate.io und M&M Software kooperieren

    Crate.io und M&M Software kooperieren

    Crate.io und M&M wollen künftig als Technologiepartner für die IoT-Datenbank CrateDB zusammenarbeiten.

    mehr lesen: Crate.io und M&M Software kooperieren

  • Sick erreicht prognostizierte Ziele für 2019

    Sick erreicht prognostizierte Ziele für 2019

    Sick hat im Geschäftsjahr 2019 seinen Umsatz um 7% auf 1,7Mrd.€ erhöht. Der Auftragseingang lag bei 1,8Mrd.€ (2018: 1,7Mrd.€).

    mehr lesen: Sick erreicht prognostizierte Ziele für 2019

  • Eine App zur Bauteilerkennung

    Eine App zur Bauteilerkennung

    In der Bildverarbeitung kommt künstliche Intelligenz seit langem zum Einsatz. Neuronale Netze erkennen beispielsweise Objekte des alltäglichen Lebens mit einer höheren Genauigkeit wieder als der Mensch. Forscher des Fraunhofer-Instituts für…

    mehr lesen: Eine App zur Bauteilerkennung

  • VDI ZRE veröffentlicht neue Prozesskette und Ressourcencheck

    VDI ZRE veröffentlicht neue Prozesskette und Ressourcencheck

    Durch industrielle biotechnologischen Prozesse ist es möglich, Güter ressourcenschonender und nachhaltiger zu produzieren. Das VDI Zentrum Ressourceneffizienz (VDI ZRE) hat als Online-Tool einen Prozess visualisiert, mit dem sich biotechnologische Verfahren…

    mehr lesen: VDI ZRE veröffentlicht neue Prozesskette und Ressourcencheck

  • Worauf CIOs achten sollten

    Worauf CIOs achten sollten

    Nicht Wachstum, sondern die Sicherung der Unternehmenszukunft steht während der Corona-Pandemie im Fokus der Unternehmen. Das Beratungsunternehmen Gartner hat diesbezüglich acht Maßnahmen identifiziert, die CIOs ergreifen sollten.

    mehr lesen: Worauf CIOs achten sollten

  • Digitalindex rutscht auf Tiefststand

    Digitalindex rutscht auf Tiefststand

    ITK-Unternehmen bewerten Geschäftslage noch als befriedigend, blicken aber pessimistisch in die Zukunft. Der Digitalindex des Branchenverbandes Bitkom rutschte auf den niedrigsten Wert seit seiner erstmaligen Erhebung.

    mehr lesen: Digitalindex rutscht auf Tiefststand

  • Kurzarbeit: Unternehmen wollen vorbereitet sein

    Kurzarbeit: Unternehmen wollen vorbereitet sein

    Etwa 55 Prozent der deutschen Unternehmen haben Kurzarbeit angezeigt. Darunter nicht nur Firmen, die stark von der Pandemie betroffen sind. Das geht aus einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft…

    mehr lesen: Kurzarbeit: Unternehmen wollen vorbereitet sein

  • Arbeitsmarktbarometer sinkt auf Tiefststand

    Arbeitsmarktbarometer sinkt auf Tiefststand

    Mit einem Stand von 93,5 Punkten weißt das IAB-Arbeitsmarktbarometer den niedrigsten Wert seit seiner erstmaligen Erhebung im Jahr 2008 auf.

    mehr lesen: Arbeitsmarktbarometer sinkt auf Tiefststand