Datenlücken mit KI schließen

CoChecker KI tec4U Daniel Spohn
Bild: Daniel Spohn

Gesetzlich und normative Produktvorgaben, Richtlinien zur Inverkehrbringung oder spezifische Kundenanforderungen bergen Risiken für Hersteller und Händler von Produkten. Denn die Nichteinhaltung oder der Verstoß führt zu einem mangelhaften Produkt mit Konsequenzen etwa bezüglich Produkthaftung, Kunden- und Imageverlust sowie Produktionseinschränkungen. Hierzu zählen stoffreglementierende Vorgaben wie die europäische Chemikalienverordnung Reach oder die Elektrostoffverordnung RoHS, sogenannte Material-Compliance-Vorgaben, aber auch CO2-Bilanzierungen und Anforderungen an das Ökodesign von Produkten. Für die Einhaltung dieser Vorschriften ist eine umfassende, kontinuierlich gepflegte Produktdatenbank wichtig. Besonders relevant sind Informationen, die die Einhaltung von Produktsicherheits- und Material-Compliance-Anforderungen nachweisen.

Datenlücken schließen

Bereits heute im Markt verfügbare Kommunikationsplattformen, wie die Software DataCross von Tec4U-Solutions werden zur Lieferantenkommunikation eingesetzt, um Produktdaten beim Lieferanten hinterfragen zu können. Doch in der Praxis geben Lieferanten teilweise keine oder nur unvollständige Auskünfte, sodass wesentliche Daten für die Compliance häufig fehlen. Diese Datenlücken können zum Haftungsfall führen. Entsprechend dem Stand der Technik, der IEC63000, ist der Hersteller bzw. Händler aufgefordert, diese Datenlücke zu schließen, indem er eine Risikobewertung mit nachfolgender chemischer Analyse der betreffenden Artikel durchführt. Diese Methode ist sehr aufwendig und weist wiederum – alleine bedingt aus der Risikobewertung heraus – in sich wieder entsprechende Mängel auf.

Komplexe Vorgaben treffen auf dynamischen Einkaufsprozess

Dies führt zu Leidensdruck vor allem in Industrien, die über eine hohe Fluktuation hinsichtlich der Lieferantenauswahl bzw. der Einkaufsartikel verfügen. Ein Elektronikhersteller bezieht beispielsweise oftmals gleiche Bestückungselemente von mehreren Lieferanten parallel bzw. über längere Distributorenketten. Hier ist es nahezu unmöglich, dass die Compliance-Aussagen mit der sich stetig ändernden Lieferanten- und Artikellandschaft Schritt halten. Der Hersteller oder Händler sieht sich mit der Lage konfrontiert, auf der einen Seite einer dynamischen Vorgabensituation Rechnung tragen und auf der anderen Seite einen dynamischen Einkaufsprozess vorhalten zu müssen.

Datensubstitution durch KI

Um diese Daten- bzw. Haftungslücken zu schließen, wurde das Produkt CoChecker entwickelt. Das Modul erweitert die Datenmanagementplattform DataCross um eine Funktion zur automatisierten Datensubstitution. Fehlen Produktinformationen oder sind sie unvollständig, übergibt die Plattform die Anfrage an das Modul, das über unterschiedliche Prozessschritte einen Wahrscheinlichkeitswert der gefragten Informationen berechnet. Um dieses Ziel zu erreichen ist es notwendig, dass der Artikel, welcher einen Informationsbedarf abbildet, durch möglichst viele Produktattribute beschrieben wird. Folgende Schritte laufen ab:

  • Interne Suche – Abgleich mit einer eigenen Datenbank, um identische Produkte mit vollständigen Informationen zu finden.
  • Ähnlichkeitssuche – Wird kein Produkt mit voller Attributsüberdeckung gefunden, sucht die KI in der eigenen Datenbank nach Produkten mit einem hohen Überdeckungsgrad in der Ähnlichkeit. Über diese Ähnlichkeitsbeziehungen wird ein Wahrscheinlichkeitswert ermittelt, welcher den Artikel mit der gesuchten Produktaussage in Verbindung setzt.
  • Zusatzabfrage – Werden nur Vergleichsartikel gefunden, die über noch weitreichendere Artikelattribute verfügen und das Suchergebnis unter einer vorgegebenen Wahrscheinlichkeit liegt, fordert das Modul weitere Produktattribute vom Nutzer an.
  • Externe Recherche – Wenn intern keine Lösung gefunden wird, sucht die KI im Internet nach vergleichbaren Artikeln und wendet denselben Analyseprozess an.

Die Ergebnisse werden an die führende Plattform übertragen und können dort für Compliance-Nachweise oder Auswertungen genutzt werden.

Die Struktur der Softwareplattform Datacross.
Die Struktur der Softwareplattform Datacross – Bild: Tec4U-Solutions GmbH

Anwendungsbeispiel Elektronik

Ein Beispiel illustriert den Systemeinsatz: So benötigt der Hersteller eines Relais zum Vertrieb die Vorlage der RoHS-Konformität seiner gesamten Lieferanten. Diese Aussagen liegen ihm zu 85 Prozent vor und es fehlen lediglich Deklarationen zu einigen Widerständen. Nach Eingabe der Artikelattribute – u.a. Widerstandswert, Toleranz, Nennbelastbarkeit – ermittelt der CoChecker mit 98,2 Prozent Wahrscheinlichkeit, dass keine RoHS-reglementierten Substanzen enthalten sind und mit 99,9 Prozent, dass keine Verbotsstoffe vorliegen.

Maschinenbau in der Praxis

Der Maschinen- und Anlagenbau steht vor der Herausforderung, dass viele Werkstoffdaten in Stücklisten oder Zeichnungen nicht standardisiert vorliegen. Durch die oftmals langen Produktionszeiten ist die Anzahl der verwendeten Stücklisten und Zeichnungen sehr hoch. Verfügbare Daten sind nur unzureichend digitalisiert. Mittels KI können Nutzer zukünftig Stücklisten und Zeichnungen bezüglich vorhandener, verwendeter Werkstoffe und Oberflächen auslesen. Wenn in einem Benennungsfeld eines Artikels etwa die Artikelbezeichnung ‚Halter Stahl C 44‘ angegeben ist, kann das KI-Tool mit 99,4 Prozent Wahrscheinlichkeit den Werkstoff als ‚Stahl 440 C‘ identifizieren und so zur automatischen Zuordnung der stofflichen Deklaration in DataCross beitragen.

Preisrecherchen und Dokumentenscreening

Auf diese Weise hilft das neue Modul produzierenden Unternehmen dabei, regulatorische Haftungsrisiken zu senken und die Compliance-Daten nach und nach zu verbessern. In Zukunft sollen sich mit dem Tool Preise für spezifische Produktgruppen wie Normteile im Markt recherchieren oder komplette Dokumente bezüglich des Vorhandenseins definierter Informationen untersuchen lassen. Dadurch können Dokumente, die Nachhaltigkeitsinformationen tragen, ausgelesen und deren Dateninformationen digitalisiert nutzbar gemacht werden.



  • Kaspersky meldet Allzeithoch

    Kaspersky meldet Allzeithoch

    DDoS-Angriffe haben im letzten Quartal 2021 ein trauriges Allzeithoch erreicht. Laut Kaspersky-Telemetrie ist die Gesamtzahl der DDoS-Angriffe im Vergleich zum dritten Quartal 2021 um 52% gestiegen. Das ist 4,5-mal höher…

    mehr lesen: Kaspersky meldet Allzeithoch

  • Eva Heuer wird Gesellschafterin bei T.Con

    Eva Heuer wird Gesellschafterin bei T.Con

    Mit Eva Heuer hat die T.Con eine neue Gesellschafterin. Seit 2019 ist sie Personalverantwortliche des SAP-Partners und wird sich dieser Aufgabe auch weiterhin widmen.

    mehr lesen: Eva Heuer wird Gesellschafterin bei T.Con

  • Aufträge für die nächsten 4,5 Monate

    Aufträge für die nächsten 4,5 Monate

    Der Auftragsbestand der deutschen Industrie reicht laut Berechnungen des Ifo Instituts für die nächsten 4,5 Monate. In der Automobilindustrie liegt der Auftragsbestand sogar bei 8 Monaten.

    mehr lesen: Aufträge für die nächsten 4,5 Monate

  • Anzeige
    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

    Die Digitalisierungs- und Automatisierungslösungen von Retarus ermöglichen effiziente Abläufe ohne manuellen Aufwand oder Kompromisse bei der Datensouveränität

    mehr lesen: Retarus beschleunigt Datenaustausch in der Produktion

  • Keba übernimmt Drag and Bot

    Keba übernimmt Drag and Bot

    Drag and Bot gehört nun zur Keba Gruppe. Der Österreichische Automatisierungsspezialist hat die Übernahme bereits Ende vergangenen Jahres abgeschlossen.

    mehr lesen: Keba übernimmt Drag and Bot

  • Jaggaer übernimmt DocSkiff

    Jaggaer übernimmt DocSkiff

    Der Source-to-Pay-Anbieter Jaggaer übernimmt die KI-gestützte Vertragsanalyseplattform DocSkiff und will durch die Akquise, nach eigenen Angaben, die ’Autonomous Commerce’-Strategie vorantreiben.

    mehr lesen: Jaggaer übernimmt DocSkiff

  • Dassault Systèmes verändert Führungsebene

    Dassault Systèmes verändert Führungsebene

    Im Rahmen der 3DExperience World hat Dassault Systèmes Gian Paolo Bassi die Leitung von 3DExperience Works übergeben und zugleich Manish Kumar zum CEO von Solidworks ernannt.

    mehr lesen: Dassault Systèmes verändert Führungsebene

  • Siemens startet mit Umsatz- und Auftragsplus in 2022

    Siemens startet mit Umsatz- und Auftragsplus in 2022

    Das erste Quartal des aktuellen Geschäftsjahres hat Siemens mit einem Umsatzplus von 9 Prozent abgeschlossen und auch die Aufträge entwickelten sich positiv. Die aktuelle Prognose für das Geschäftsjahr bleibt zunächst…

    mehr lesen: Siemens startet mit Umsatz- und Auftragsplus in 2022

  • Trend Micro meldet über 94 Milliarden Angriffe in 2021

    Trend Micro meldet über 94 Milliarden Angriffe in 2021

    Trend Micro meldet die Abwehr von 94,2Mrd. Cyberbedrohungen im Jahr 2021 durch den Einsatz seiner globalen Threat-Intelligence-Infrastruktur Smart Protection Network (SPN). Die Angriffe zielten auf Unternehmen, Behörden und Verbraucher ab.

    mehr lesen: Trend Micro meldet über 94 Milliarden Angriffe in 2021

  • Joachim Weber wird CTO bei Paessler

    Joachim Weber wird CTO bei Paessler

    Mit personellen Veränderungen geht der Monitoring-Spezialist Paessler in das neue Jahr und hat Joachim Weber zum Chief Technology Officer ernannt.

    mehr lesen: Joachim Weber wird CTO bei Paessler

  • Low Code-Plattform lässt SoftProject-Umsatz wachsen

    Low Code-Plattform lässt SoftProject-Umsatz wachsen

    Ein Umsatzplus von 7 Prozent hat das Softwareunternehmen SoftProject im vergangenen Jahr erzielt. Auch der Datenverkehr im eigenen Rechenzentrum nahm zu.

    mehr lesen: Low Code-Plattform lässt SoftProject-Umsatz wachsen

  • TransKI untersucht die Übertragbarkeit von KI-Modellen

    TransKI untersucht die Übertragbarkeit von KI-Modellen

    Im Forschungsprojekt TransKI arbeiten die Beteiligten daran. KI-Modelle für bestimmte Anwendungen auf ähnliche Anwendungen zu übertragen. Das sogenannte Transfer Learning soll Zerspanprozesse effizienter machen.

    mehr lesen: TransKI untersucht die Übertragbarkeit von KI-Modellen