Standardisierte Kalkulation und Planung bei Marel

i cut 130 meat
Bild: Simus Systems GmbH

Marel mit rund 7.500 Mitarbeitenden in über 30 Ländern bietet Maschinen, Anlagen, Software und Dienstleistungen rund um die Geflügel-, Fleisch- und Fischverarbeitung. Seit neustem auch für Tiernahrung, Aquafutter und pflanzenbasierte Proteine. Der Hersteller strebt in allen Tätigkeitsbereichen nach Verbesserungen. „Unsere Produktentwicklung, Beschaffung und Fertigung brauchen beispielsweise weltweit bessere Einblicke in Produktkosten und Herstellungszeiten“, erklärt André Kouwenberg, Global Manufacturing Engineer bei Marel. Etwa 70 Prozent der Kosten einer Maschine werden bereits im Entwicklungsstadium bestimmt. „Deshalb haben wir nach einer Software gesucht, die es uns ermöglicht, in Produktentwicklung, Beschaffung und Fertigung einheitliche Arbeitspläne und Kalkulationen zu verwenden. So können wir kostengünstige Entscheidungen treffen, ohne von verschiedenen Methoden oder dem speziellen Wissen einzelner Mitarbeitender abhängig zu sein.“ Bereits 2019 begann eine Projektgruppe mit der Suche nach einer Anwendung, die auf Basis von 3D-Modellen und Bauteilinformationen automatisch Arbeitspläne erstellt und daraus die zukünftigen Herstellkosten kalkuliert. „Als auf der langen Liste nur noch zwei Anbieter übrig waren, starteten wir ein Pilotprojekt mit Simus Classmate“, sagt Kouwenberg.

Arbeitspläne und Kalkulationen automatisch erstellen

Die Software-Suite umfasst Werkzeuge, um Potenziale in CAD- und ERP-Datenbeständen zu nutzen – von der Strukturierung und Bereinigung bis zur Synchronisation mit SAP. Das Modul Classmate Plan analysiert CAD-Modelle und erkennt anhand von Geometrie- und Textinformationen passende Herstellverfahren. Daraus generiert es automatisch Arbeitspläne für Maschinen und Arbeitsplätze. Auf Basis von Stundensätzen, Bearbeitungszeiten und Materialkosten werden anschließend die voraussichtlichen Herstellkosten kalkuliert. Die Ergebnisse werden über die webbasierte Suchmaschine der Suite angezeigt. Dieses Werkzeug erlaubt Konstrukteurinnen und Konstrukteuren den Zugriff auf Informationen direkt aus dem 3D-CAD-System – bei Marel sind dies Creo Parametrics, SolidWorks und Inventor. „So erhalten wir bereits in der Entwicklungsphase Kosteninformationen und können Konstruktionen anpassen“, erläutert Kouwenberg. „Wir finden zudem schnell Bauteile anhand bestimmter Features. In der Fertigung sparen wir Zeit durch automatisch erstellte Arbeitspläne, und die Beschaffung erzielt dank Target Costing bessere Konditionen.“

Globaler Roll-out in vier Jahren

Beginnend in Boxmeer und Dongen (Niederlande) wurde das System ab 2020 nach und nach an sieben von insgesamt über 16 Standorten eingeführt. Das Vorgehen erfolgt standardisiert: Nach Workshops mit Konstruktion, Einkauf, Kosteningenieuren, Fertigungsspezialisten und Angestellten des Softwareanbieters wird eine Technologiedatenbank mit den produktionstechnischen Verfahren und Parametern erstellt. Neben Standardbearbeitungen werden auch 5-Achs-Fräsen, Drehfräsen, Blechbearbeitung, Oberflächenbearbeitung, 3D-Schneiden, Laserschweißen sowie 3D-Druck berücksichtigt. Schnittstellen zu ERP-, CAD- und PDM-Systemen werden implementiert.

„Wir wollen künftig immer häufiger mit 3D-Modellen arbeiten“, schildert Kouwenberg. „Oft müssen wir jedoch zusätzlich Zeichnungsdateien einbeziehen, weil es entweder kein Modell gibt oder die Fertigungszeichnung das führende Medium für Angaben wie Toleranzen ist.“ Auch die Struktur der Fertigungszellen muss berücksichtigt werden, damit automatisch generierte Arbeitspläne den passenden Maschinen zugeordnet werden. Nach Abschluss wird die Software an den Arbeitsplätzen installiert und die Mitarbeitenden geschult.

Heterogene IT – einheitliche Ergebnisse

Mehrere ERP- und PDM-Systeme sowie drei verschiedene CAD-Systeme mussten berücksichtigt werden. „Zudem hat jeder Standort eigene Arbeitsweisen, die wir aufnehmen mussten“, so Kouwenberg. Die Software bietet zahlreiche Konfigurationsmöglichkeiten. Für die komplexen Anpassungen holte Marel das Team des IT-Lieferanten hinzu. Am Standort Lichtenvoorde (Niederlande) läuft die Einführung noch, dennoch zieht Kouwenberg bereits Bilanz: „Rund 1,5 Millionen Arbeitspläne und Kalkulationen wurden erstellt – darunter viele bestehende Bauteile, die nun mitsamt Arbeitsplan wiederverwendet werden können. Eine manuelle Bearbeitung hätte uns nach Schätzung etwa 305.000 Stunden oder 180 Mannjahre gekostet.“

Seiten: 1 2



  • Kooperation zwischen NET und PDSVision

    Kooperation zwischen NET und PDSVision

    Im Rahmen einer strategischen Partnerschaft will NET dem schwedischen Unternehmen PDSVision einen besseren Zugang zum deutschsprachigen Markt ermöglichen.

    mehr lesen: Kooperation zwischen NET und PDSVision

  • Forschungsprojekt Saviour: Druckqualität per App überwachen

    Forschungsprojekt Saviour: Druckqualität per App überwachen

    Wissenschaftler aus Hannover und Aachen wollen eine App zur automatischen Überwachung der Druckqualität in der Additiven Fertigung entwickeln. Der Fokus liegt dabei auf der Medizintechnik.

    mehr lesen: Forschungsprojekt Saviour: Druckqualität per App überwachen

  • Produktionserwartungen steigen den dritten Monat in Folge

    Produktionserwartungen steigen den dritten Monat in Folge

    In der aktuellen Ifo-Konjunkturumfrage gehen die Teilnehmer insgesamt von steigender Produktion aus. Laut Ifo-Experte Klaus Wohlrabe seien die Erwartungen in den einzelnen Branchen jedoch unterschiedlich.

    mehr lesen: Produktionserwartungen steigen den dritten Monat in Folge

  • Sebastian Walter neuer Head of Sales für Westeuropa

    Sebastian Walter neuer Head of Sales für Westeuropa

    Seit Anfang März ist Sebastian Walter neuer Vertriebschef für Westeuropa beim Roboterhersteller Universal Robots.

    mehr lesen: Sebastian Walter neuer Head of Sales für Westeuropa

  • Angriff auf Exchange-Server

    Angriff auf Exchange-Server

    Nach Informationen des IT-Dienstleisters Shodan sind zehntausende Exchange-Server in Deutschland über das Internet angreifbar und mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits mit Schadsoftware infiziert. Dabei sind Organisationen jeder Größe betroffen. Das Bundesamt…

    mehr lesen: Angriff auf Exchange-Server

  • IT-Sicherheit an Werkzeugmaschinen

    IT-Sicherheit an Werkzeugmaschinen

    Etwa jedes zweite Unternehmen wurde im vergangenen Jahr Opfer eines Cyberangriffs. Das geht aus dem DsiN-Praxisreport Mittelstand 2020 unter Schirmherrschaft des Bundeswirtschaftsministeriums hervor. Nicht nur die konventionelle IT ist davon…

    mehr lesen: IT-Sicherheit an Werkzeugmaschinen

  • Industrie Informatik kooperiert mit SIB Visions

    Industrie Informatik kooperiert mit SIB Visions

    Der MES-Anbieter Industrie Informatik setzt auf Low-Code-Entwicklung und geht eine strategische Partnerschaft SIB Visions ein.

    mehr lesen: Industrie Informatik kooperiert mit SIB Visions

  • Pick-by-light-System ergänzt MES

    Pick-by-light-System ergänzt MES

    Bei KSB setzt man seit etwa einem Jahr auf ein Pick-by-light-System von Microsyst, was den Workflow an den Montagearbeitsplätzen effizienter gestaltet hat.

    mehr lesen: Pick-by-light-System ergänzt MES

  • Vorausschauende Wartung ist in der Industrie etabliert

    Vorausschauende Wartung ist in der Industrie etabliert

    Maschinen in der Produktion werden zunehmend schlauer. Eine von Reichelt Elektronik in Auftrag gegebene Umfrage zeigt, dass sich Predictive Maintenance in der deutschen Industrie etabliert.

    mehr lesen: Vorausschauende Wartung ist in der Industrie etabliert

  • Neuer Technik-Chef bei Phoenix Contact

    Neuer Technik-Chef bei Phoenix Contact

    Roland Bent hat sein Amt als CTO bei Phoenix Contact niedergelegt und sein Berufsleben beendet. Sein Nachfolger wird Frank Possel-Dölken.

    mehr lesen: Neuer Technik-Chef bei Phoenix Contact

  • Unzufriedenheit mit der Corona-Wirtschaftspolitik

    Unzufriedenheit mit der Corona-Wirtschaftspolitik

    177 Ökonomen haben Ifo und FAZ im Rahmen des Ökonomenpanel zur aktuellen Corona-Wirtschaftspolitik der Bundesregierung befragt. Kurz vor der nächsten Ministerpräsidenten-Konferenz zeigt sich ein Großteil der Teilnehmer unzufrieden.

    mehr lesen: Unzufriedenheit mit der Corona-Wirtschaftspolitik

  • Babtec erweitert Geschäftsführung

    Babtec erweitert Geschäftsführung

    Babtec hat bekanntgegeben, dass Peter Hönle, Dagmar Henkel und Lutz Krämer die Führungsebene des Wuppertaler Softwareherstellers erweitern. Zudem gibt es ein neues Leitbild sowie eine Stammkapitalerhöhung zu vermelden.

    mehr lesen: Babtec erweitert Geschäftsführung