Was macht eigentlich ein Softwaretester?

asian and Indian Developer team discussion feedback analysis coding data with software computer at office
Bild: ©weedezign/stock.adobe.com

Herr Krahl, wie wird man Tester?

Frank Krahl: Da gibt es unterschiedliche Wege. Oft sind es Entwickler, die ganz klassisch Informatik studiert haben und etwas Neues ausprobieren wollen. Die andere Möglichkeit, so war es bei mir, ist eine informatiknahe Ausbildung mit mehr oder weniger direktem Weg in den Testing-Bereich. Ich war zunächst im Support eines Software-Unternehmens, wo sich mein Aufgabenbereich hin und wieder mit dem Testing überschnitten hat. 2017 bin ich dann zu KIX gewechselt, und heute koordiniere ich diesen Bereich. Tester müssen eine Software nicht zwangsläufig bis ins Detail kennen, das ist eher der Job der Entwickler. Aber dafür müssen sie mit den Augen eines Kunden darauf schauen. Und häufig auch über den Tellerrand.

Den typischen Alltag gibt es bei Ihnen also gar nicht?

mailingassets f2ddc5088d5f0bbaf987e 20240701111114
Frank Krahl, Testing-Koordinator bei KIX Service Software (Bild: KIX Service Software GmbH)

Krahl: Wir haben schon feste Strukturen, Abläufe und Einzelschritte. Sei es beim Test einer neuen Funktion, bei der Prüfung eines Fehlers oder der Durchführung von RC-, Release- oder Regressionstests. Der Alltag besteht darin, neu entwickelte Funktionen und behobene Fehler auf den Prüfstand zu bringen und auf das jeweilige erwartete Verhalten hin zu checken. Spannend und abwechslungsreich ist aber, dass wir täglich mit neuen Themen und Aufgaben konfrontiert werden und wir unser technisches und fachliches Wissen so andauernd erweitern. Langweilig wird es bei uns jedenfalls nie. Und erst, wenn wir alle Schritte durchgeführt haben, erteilen wir eine Freigabe.

Wie gehen Sie dabei konkret vor?

Krahl: Zuerst versuchen wir das Problem auf einem aktuellen System nach den gemeldeten Reproduktionsschritten nachzuvollziehen. Gelingt dies nicht, versuchen wir dies auf einem System mit der gleichen Version wie die des Kunden. Gibt es auch hier keinen Erfolg, schauen wir uns das Kundensystem genauer an. Nicht selten sind die spezifischen Konfigurationen ein wichtiger Teil, um den Fehler hervorzurufen. Es ist also eine Mischung aus genauer Abbildung der vom Kunden durchgeführten Schritte und analytischer Detektivarbeit. Manchmal komme ich mir wie ein Ermittler vor (lacht). Am liebsten schnappe ich den Täter bzw. den Bug aber natürlich im Vorfeld. Es gibt bereits genügend Beispiele, bei denen ein fehlerhaftes Programm Schäden in Millionenhöhe verursacht hat.

Nutzen Sie auch digitale Unterstützung?

Krahl: Ja, klar. Wir nutzen dafür eine Testautomatisierung. Also ein Tool, das Testschritte durchführt, die sich regelmäßig wiederholen. Das nimmt uns einen Teil unserer Arbeit ab, unser Job dabei ist es vor allem, dieses Tool mit Anforderungen zu füttern. Wir definieren als Testszenarien und -schritte je nach Anforderungen und das Tool arbeitet diese in der Regel einmal pro Tag ab. Findet es einen Fehler, werden wir automatisch benachrichtigt.

Sie arbeiten mit einem IT-Servicemanagement-System auf Open Source-Basis. Setzt es Sie besonders unter Druck, dass alle User den Quellcode einsehen und von Ihnen übersehene Fehler entdecken können?

Krahl: Ganz im Gegenteil, dafür überwiegen die Vorteile eines offenen Quellcodes einfach. Mögliche Fehlerquellen können von einer viel größeren Zahl an Personen erkannt und häufig sogar direkt behoben werden. Bei tausenden Anwendern offenbart sich ein Problem einfach schneller als im internen Testing- und Entwicklungsbereich. Zudem ist eine komplett fehlerfreie Software auch einfach utopisch. Sogar die Software des Space Shuttles enthielt Fehler.

Wie kann es sein, dass Bugs immer wieder durchrutschen?

Krahl: Die natürlichen Grenzen des Testings liegen meist in der Wirtschaftlichkeit. Es gilt immer einen Kompromiss zwischen Fehlerkosten und Fehlerverhütungskosten zu finden. Das heißt im Umkehrschluss, dass es immer eine sogenannte Grauzone an möglichen Fehlern gibt, die in der Software noch enthalten sind. Vor einem Release werden die Tests ausgeführt, die alle wichtigen Funktionen abdecken, deren Fehlfunktion gravierende Auswirkungen auf das Geschäft des Kunden haben könnten. Bei KIX arbeiten wir mit fünf Fehlerklassen von A bis E. Ein Fehler der Klasse A wäre hier ein schwerwiegendes Problem, dass direkt behoben werden muss. In Klasse E gehören dagegen eher triviale Dinge, wie etwa Rechtschreibfehler. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies zu einem geschäftskritischen Zustand führt, ist sehr gering. Die wichtigsten Funktionen sind dann Bestandteil des Regressionstests. Die geringfügig wichtigen Testfälle werden nur ausgeführt, wenn es der zeitliche Rahmen erlaubt.

Hat sich ein Bug am Ende schon einmal als nützlich herausgestellt?

Krahl: Das kommt hin und wieder vor. Wenn wir eine Fehlermeldung bekommen, schauen wir zunächst nach, ob es sich wirklich um einen Bug handelt. Denn über eine Feature-Liste können wir schnell feststellen, ob das so gewollt ist oder nicht. Und selbst wenn es ein neuer Bug ist, muss das nicht zwangsläufig schlecht sein. Es gibt Momente, in denen wir ein vermeintliches Problem in unsere Lösung integrieren. Das kommt in der Branche immer wieder mal vor. Ein Beispiel dafür ist etwa der fast 50 Jahre alte Space Invaders-Bug: Je mehr Raumschiffe der Spieler im Computerspiel Space Invaders abschoss, desto weniger Rechenleistung wurde benötigt. Das sorgte dafür, dass sich die verbliebenen Gegner schneller auf den Spieler zubewegten. Die Entwickler hatten das nicht vorgesehen, ließen es aber im Spiel, um die Schwierigkeit zu erhöhen.

Gab es Fehler, die Sie zum Lachen gebracht haben?

Krahl: Witzige Erlebnisse haben wir immer wieder mal. Zumindest können wir dann im Anschluss öfter darüber lachen, wenn die Auswirkungen nicht zu gravierend waren. Ein Beispiel wäre etwa der von uns so getaufte Montagsbug. Bei einem unserer Kunden gab es einen ganz seltsamen Fehler in der Zeiterfassung, der immer nur an Montagen auftrat und nicht an anderen Wochentagen. Letztendlich war es ein Formatfehler in einem Datenbankfeld, der zu hunderten Fehlermeldungen geführt hatte. Einen anderen lustigen Fehler hatten wir bei der Kontaktsynchronisation in einem LDAP-System, bei dem zufällige Vor- und Nachnamen erstellt wurden. Hier hatte das das System anstatt der Kundendaten unsere Demo-Daten geladen. Es ist von allem etwas dabei – mal was zum Lachen, mal etwas Neues und mal sind wir Detektive.

Quelle: Pressemitteilung der KIX Service Software GmbH



  • Schwachstellen aufdecken und Krisenfester werden

    Schwachstellen aufdecken und Krisenfester werden

    Die Corona-Krise hat dafür gesorgt, dass sich Unternehmen vermehrt mit der Digitalisierung beschäftigen. Trend-Technologien sind dabei jedoch weniger entscheidend, so der Software-Anbieter Proalpha. Wichtiger sei es, dass Unternehmen ihre Prozesse…

    mehr lesen: Schwachstellen aufdecken und Krisenfester werden

  • Starke Passwörter für starken Schutz

    Starke Passwörter für starken Schutz

    Bei Hackerangriffen sind die Mitarbeiter und ihre schwachen Passwörter nach wie vor Angriffspunkt Nummer Eins. Trotz gelegentlicher Diskussionen unter Fachleuten sind starke Passwörter noch immer die wohl wichtigste und sicherste…

    mehr lesen: Starke Passwörter für starken Schutz

  • SPS 2020 ausschließlich virtuell

    SPS 2020 ausschließlich virtuell

    Aufgrund der durch die Corona-Pandemie maßgeblich veränderten Rahmenbedingungen und den weiterhin bestehenden Reiserestriktionen hat die Mesago Messe Frankfurt entschieden, die SPS 2020 in einem rein virtuellen Format stattfinden zu lassen.

    mehr lesen: SPS 2020 ausschließlich virtuell

  • Ifo-Geschäftsklimaindex legt auch im August zu

    Ifo-Geschäftsklimaindex legt auch im August zu

    Nach dem durch die Corona-Krise verursachten Einbruch im April, ist der Ifo-Geschäftsklimaindex im August erneut angestiegen – zum vierten Mal in Folge.

    mehr lesen: Ifo-Geschäftsklimaindex legt auch im August zu

  • Unternehmen nutzen zwei bis vier Anbieter

    Unternehmen nutzen zwei bis vier Anbieter

    Laut einer Studie von Forrester Research nutzen 80 Prozent der Unternehmen Multi-Cloud-Umgebungen für geschäftskritische Anwendungen. Zudem berichten die befragten Unternehmen fast einstimmig von Vorteilen, die durch die Nutzung von Managed…

    mehr lesen: Unternehmen nutzen zwei bis vier Anbieter

  • Wirtschaftskriminalität in Deutschland: Datenklau und Urheberrechtsverletzungen

    Wirtschaftskriminalität in Deutschland: Datenklau und Urheberrechtsverletzungen

    Wie aus einer Studie von KPMG hervorgeht, ist in den vergangenen zwei Jahren etwa ein Drittel der Unternehme Opfer von Wirtschaftskriminalität geworden. Dabei kommen die Täter nicht nur von außen.

    mehr lesen: Wirtschaftskriminalität in Deutschland: Datenklau und Urheberrechtsverletzungen

  • Forcam übernimmt Industriesoftware-Spezialisten

    Forcam übernimmt Industriesoftware-Spezialisten

    Als neues Tochterunternehmen wird die Ensico GmbH zukünftig zu Forcam gehören. Das Unternehmen bietet u.a. das Produktionsleitsystem ‘E-MES‘ an.

    mehr lesen: Forcam übernimmt Industriesoftware-Spezialisten

  • Exporte im Maschinenbau spürbar gebremst

    Exporte im Maschinenbau spürbar gebremst

    Die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer haben im ersten Quartal ein Exportminus von 22,9 Prozent verzeichnet. Im Juni fiel das Minus dabei jedoch weniger stark aus.

    mehr lesen: Exporte im Maschinenbau spürbar gebremst

  • Produktivität und Flexibilität verbinden

    Produktivität und Flexibilität verbinden

    Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entwickelt ein Forschungsteam gemeinsam mit Industriepartnern ein neuartiges Produktionsplanungssystem, das die hohe Produktivität und Genauigkeit von Spezialmaschinen mit der Flexibilität von Industrierobotern kombinieren soll.

    mehr lesen: Produktivität und Flexibilität verbinden

  • Hacken mit legitimen Tools

    Hacken mit legitimen Tools

    Sind Cyberattacken einmal in das Unternehmensnetzwerk eingedrungen, nutzen Hacker oftmals auch legitime Tools für weitere Aktivitäten, was die Angriffserkennung erschwert. Dies hat eine Analyse von Kaspersky ergeben.

    mehr lesen: Hacken mit legitimen Tools

  • Altair übernimmt Simulations-Anbieter S&WISE

    Altair übernimmt Simulations-Anbieter S&WISE

    Mit der Übernahme von S&WISE erweitert Altair sein Simulationsangebot um eine Polyurethanschaum-Simulationslösung.

    mehr lesen: Altair übernimmt Simulations-Anbieter S&WISE

  • Corona bringt Ingenieurarbeitsmarkt ins Wanken

    Corona bringt Ingenieurarbeitsmarkt ins Wanken

    Im Vergleich zum Vorjahresquartal ist die Arbeitskräftenachfrage im Ingenieurbereich um 23,7 Prozent zurückgegangen, im Gegenzug stieg die Arbeitslosigkeit in diesem Sektor um 38,6 Prozent an. Das geht aus dem Ingenieurmonitor…

    mehr lesen: Corona bringt Ingenieurarbeitsmarkt ins Wanken