VDI-Ingenieurmonitor: Mehr Arbeitslose, weniger Stellen

Offener-Stellen-Index
Offener-Stellen-Index – Bild: VDI Verein Deutscher Ingenieure e.V.

Die schwache Konjunktur zeigt Auswirkungen auf den Ingenieurarbeitsmarkt in Deutschland: Der aktuelle VDI-/IW-Ingenieurmonitor verzeichnet mit 58.392 Arbeitslosen in Ingenieur- und IT-Berufen den höchsten Stand seit Beginn der Erhebung im Jahr 2011. Die Zahl der offenen Stellen sinkt im Vorjahresvergleich um 18,2%. Trotz dieser Entwicklung sprechen die langfristigen Trends weiterhin für einen hohen Bedarf an qualifizierten technischen Fachkräften.

„Die aktuellen Zahlen zeigen, dass wir zwischen der konjunkturellen Lage und dem langfristigen Fachkräftebedarf unterscheiden müssen. Die schwache wirtschaftliche Entwicklung führt dazu, dass Unternehmen bei Investitionen und Neueinstellungen zurückhaltender sind. Daraus dürfen wir aber nicht ableiten, dass Deutschland künftig weniger technische Fachkräfte braucht. Die Modernisierung unserer Infrastruktur, die Transformation der Energieversorgung, Digitalisierung und neue Technologien werden den Bedarf an qualifizierten Ingenieurinnen und Ingenieuren langfristig prägen“, erklärt VDI-Direktor Adrian Willig.

Konjunktur bremst Ingenieurarbeitsmarkt

Sehr deutlich wird die konjunkturelle Abkühlung bei der Entwicklung der Arbeitslosenzahlen: Die Zahl der Arbeitslosen ist im vierten Quartal 2025 um 16,7% im Vergleich zum Vorjahresquartal auf 58.392 gestiegen. Vor allem die Ingenieurberufe der technischen Forschung und Produktionssteuerung erleben hierbei einen starken Anstieg um 34%. Im Bauingenieurwesen stellt sich diese Entwicklung eher moderat dar (+5,8%). Trotz eines leichten Rückgangs bleibt die Zahl offener Stellen in Ingenieur- und IT-Berufen mit 96.760 hoch. Gleichzeitig zeigen die großen Unterschiede zwischen den einzelnen Berufsfeldern, dass sich der Ingenieurarbeitsmarkt zunehmend differenziert. Während einige Bereiche derzeit deutlich stärker unter der konjunkturellen Schwäche leiden, bestehen in anderen Fachrichtungen weiterhin Engpässe.

Langfristiger Bedarf bleibt bestehen

Langfristige Trends unterstreichen die strukturelle Bedeutung der Ingenieur- und IT-Berufe für den Arbeitsmarkt. Seit 2012 ist die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in diesen Bereichen deutlich stärker gewachsen als die Gesamtbeschäftigung insgesamt. Insbesondere die Zuwanderung hat wesentlich zur Fachkräftesicherung beigetragen: Ohne den Beschäftigungszuwachs ausländischer Fachkräfte wäre die Beschäftigung im Jahr 2025 deutlich niedriger ausgefallen. Mit Zuwanderung ist die Beschäftigtenzahl zwischen den Jahren 2012 und 2025 um 224.700 gestiegen. Ohne Zuwanderung läge sie bei 91.800 Personen. Damit wird zugleich deutlich, dass die Fachkräftesicherung der vergangenen Jahre ohne Zuwanderung erheblich schwieriger gewesen wäre.

Gleichzeitig zeigen sich Fortschritte bei der Erwerbsbeteiligung von Frauen. Zwischen 2015 und 2023 stieg die Zahl der erwerbstätigen Frauen mit ingenieur- oder informatiknahen Abschlüssen um mehr als ein Viertel. Hier liegt weiterhin erhebliches Potenzial für den Arbeitsmarkt.

VDI-Arbeitsmarktexperte Maximilian Stindt betont die langfristige Perspektive: „Die aktuellen Zahlen zeigen, dass sich der Ingenieurarbeitsmarkt je nach Berufsfeld sehr unterschiedlich entwickelt. Für die langfristige Fachkräftesicherung bleiben deshalb mehrere Hebel entscheidend: Es ist weiterhin wichtig, den Ingenieurnachwuchs zu fördern, besonders durch das Gewinnen von Frauen für den Ingenieurberuf, zudem das Halten älterer Beschäftigter und die erfolgreiche Integration ausländischer Studierender und Fachkräfte in den deutschen Arbeitsmarkt zu verbessern.“

Vor diesem Hintergrund mahnt Willig: „Wer jetzt bei Nachwuchs, Qualifizierung und Fachkräftesicherung nachlässt, riskiert, dass bei einer wirtschaftlichen Erholung genau die Kompetenzen und Fachkräfte fehlen, die wir dann dringend brauchen. Deshalb kommt es jetzt darauf an, den begonnenen Reformkurs konsequent fortzusetzen und verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen und Wachstum zu schaffen und so auch den Arbeitsmarkt zu beleben.“



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