Schatten-KI: Risiken erkennen, Vertrauen sichern

1 1
Bild: Open Systems

Mit der zunehmenden Verbreitung von künstlicher Intelligenz nimmt auch der unkontrollierte Einsatz dieser Technologie in Unternehmen zu. In seinem Kommentar erklärt Markus Ehrenmann, CTO bei Open Systems, wie diesem Problem der Schatten-KI entgegengewirkt werden kann:

Wer glaubt, dass das KI-Zeitalter nur positive Überraschungen parat hat, irrt. Denn der unkontrollierte Einsatz von KI-Tools außerhalb formeller Governance-Strukturen, die sogenannte Schatten-KI, verbreitet sich sogar noch schneller als das seinerzeit bei der Schatten-IT der Fall war. Kein Wunder, denn moderne KI ist leistungsstark, benutzerfreundlich und nahezu überall verfügbar. Ob als browserbasierter Chatbot oder nativ in alltägliche Produktivsoftware implementiert, geben KI-Funktionen Empfehlungen ab – beispielsweise für die Netzwerkkonfiguration – oder schreiben den Quelltext für IaC (Infrastructure as Code)-Systeme gleich selbst. Doch geprüft und hinterfragt werden die Ergebnisse viel zu selten. Dadurch sind die digitalen Assistenten bzw. das Wirken der KI für Cybersecurity- und Compliance-Teams in vielen Fällen komplett unsichtbar. Auch welche Daten User der Schatten-KI gewollt oder unbewusst zur Verfügung stellen, ist kaum nachvollziehbar. Ohne klares Management können über diese Tools sensible Daten nicht nur an die KI-Anbieter selbst, sondern auch an unbefugte Dritte gelangen. So unterläuft KI regulatorische Vorgaben und untergraben das Vertrauen in Unternehmenssysteme.

Bewussten Umgang mit KI fördern

Ein pauschales Verbot von KI ist sicherlich keine Option. Dafür ist sie zu hilfreich und ein zu wichtiger Faktor im Wettbewerb. Vielmehr sollten Unternehmen den bewussten und sicheren Umgang mit KI fördern. Dazu gehört, Mitarbeitende mit den richtigen Werkzeugen und dem notwendigen Wissen auszustatten und den Einsatz von künstlicher Intelligenz durchdacht zu steuern. Es bedarf daher gradueller Richtlinien, die berücksichtigen, wie von Mitarbeitenden auf KI-Funktionalität zugegriffen wird – also online und browserbasiert, in lokale Software eingebettet oder über ein eigenständig für das Unternehmen entwickelte System. Auch wo und von wem Daten verarbeitet und gespeichert werden, muss transparent sein und sich in den Richtlinien widerspiegeln. Unternehmen müssen zudem festlegen, ob und welcher Input an LLMs gesendet werden darf. Und auch die Policy muss abbilden, ob eine Prüfung im Hinblick auf Compliance und vertragliche Rahmenbedingungen erfolgt ist. Auf Basis dieser Kriterien können Unternehmen klare Nutzungsgrenzen definieren – von vertrauenswürdigen und geprüften KI-Systemen bis hin zu risikoanfälligen Tools, die Mitarbeitende nur sehr eingeschränkt nutzen dürfen.

Auch technisch absichern

Neben einer klaren Governance dürfen auch technische Schutzmaßnahmen nicht vernachlässigt werden. Unternehmen sollten eigene, freigegebene KI-Tools bereitstellen, die sicher sind und eine kontrollierte Datenverarbeitung ermöglichen. Zusätzlich sollten Sicherheitssysteme wie CASB (Cloud Access Security Broker), SWG (Secure Web Gateway) und DLP (Data Loss Prevention) eingesetzt werden, um zu erkennen und zu verhindern, dass Mitarbeitende unerlaubte oder nicht freigegebene KI-Dienste nutzen. Schließlich ist es empfehlenswert, sensible Daten bereits vor der Verarbeitung durch KI-Systeme technisch zu schützen – etwa durch Maskierung, Anonymisierung oder andere Formen der Datenvorverarbeitung, um unbeabsichtigte Datenabflüsse zu vermeiden.

Wichtig ist, dass es bei all diesen Erwägungen nicht um übermäßige Bürokratie und Restriktionen geht, sondern darum, Innovation skalierbar und sicher zu gestalten. In diesem Zusammenhang ist der Faktor Mensch unverzichtbar und kritische Prozesse müssen weiterhin in menschlicher Verantwortung bleiben – unterstützt von, aber nicht ersetzt durch KI. Dieser Human-in-the-Loop-Ansatz gewährleistet Verantwortlichkeit, reduziert Risiken und schafft langfristiges Vertrauen. KI wird die Zukunft von Unternehmen prägen. Aber ob sie dabei Systeme stärkt oder schwächt, hängt davon ab, wie bewusst und verantwortungsvoll sie heute eingesetzt wird.



  • Itac Software übernimmt Cogiscan

    Itac Software übernimmt Cogiscan

    Mit der Übernahme des kanadischen Unternehmens Cogiscan will Itac Software sein Portfolio an Industrie 4.0-Lösungen erweitern.

    mehr lesen: Itac Software übernimmt Cogiscan

  • Die Pandemie hat Missstände deutlich gemacht

    Die Pandemie hat Missstände deutlich gemacht

    Rund drei Jahre nach Inkrafttreten der DSGVO und den damit verbundenen Verschärfungen im Umgang mit personenbezogenen Daten, waren sich noch zu Beginn des letzten Jahres immer mehr Unternehmen und Behörden…

    mehr lesen: Die Pandemie hat Missstände deutlich gemacht

  • Neuer Spitzenwert und unsicherer Ausblick

    Neuer Spitzenwert und unsicherer Ausblick

    Im Jahr 2019 haben die Innovationsausgaben deutscher Unternehmen einen neuen Rekordwert erreicht. Für 2020 gehen die Autoren der Innovationserhebung von einem Rückgang der Ausgaben aus.

    mehr lesen: Neuer Spitzenwert und unsicherer Ausblick

  • Neuer CEO für Visometry

    Neuer CEO für Visometry

    Klaus Dibbern wird CEO des Augmented Reality-Spezialisten Visometry. Gleichzeitig wird Harald Wuest CPO des Unternehmens.

    mehr lesen: Neuer CEO für Visometry

  • Wie kommuniziert man eine Cyberattacke?

    Wie kommuniziert man eine Cyberattacke?

    Kommt es durch eine Cyberattacke zum Datendiebstahl, so stellt es für Unternehmen ein Worst-Case-Szenario dar – können doch erheblich finanzielle und materielle Schäden entstehen. In solchen Situationen muss auch die…

    mehr lesen: Wie kommuniziert man eine Cyberattacke?

  • T-Systems setzt auf die Cloud

    T-Systems setzt auf die Cloud

    ‚Cloud First‘ T-Systems setzt auf die Cloud T-Systems will sich strategisch neu aufstellen. Mit ‘Cloud First‘ setzt das Unternehmen künftig auf die Cloud. Die Investitionen in den Ausbau der Cloud…

    mehr lesen: T-Systems setzt auf die Cloud

  • Markus Asch wird CEO bei Rittal

    Markus Asch wird CEO bei Rittal

    Rittal hat einen neuen CEO. Markus Asch hat den Posten beim Herborner Unternehmen zum 1. Februar übernommen.

    mehr lesen: Markus Asch wird CEO bei Rittal

  • Der Digitalisierungsbedarf ist hoch

    Der Digitalisierungsbedarf ist hoch

    Wenn es um die Digitalisierung der eigenen Unternehmensprozesse geht, sehen IT-Verantwortliche in deutschen Unternehmen Bedarf in vielen Bereichen. Laut einer Studie des Analystenhauses Techconsult im Auftrag von Valantic liegt dabei…

    mehr lesen: Der Digitalisierungsbedarf ist hoch

  • Mehr Sicherheit für eingebettete Systeme

    Mehr Sicherheit für eingebettete Systeme

    Software und Hardware für vernetzte eingebettete Systeme müssen höchste Anforderungen an Sicherheit, Echtzeitfähigkeit, Energie- und Ressourceneffizienz erfüllen. In dem am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) koordinierten Projekt Xandar erarbeiten acht…

    mehr lesen: Mehr Sicherheit für eingebettete Systeme

  • Schicksalsjahr für die Eurocloud Gaia-X

    Schicksalsjahr für die Eurocloud Gaia-X

    Im Projekt Gaia-X sollen Datenräume entstehen, die europäischen Datenschutz-Standards entsprechen und die unabhängig von den großen Hyperscalern sind. Für Marc Schieder, CIO von Dracoon, entscheidet sich in diesem Jahr, ob…

    mehr lesen: Schicksalsjahr für die Eurocloud Gaia-X

  • 59,2 Millionen coronabedingt ausgefallene Arbeitstage

    59,2 Millionen coronabedingt ausgefallene Arbeitstage

    Wie aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervorgeht, könnten die coronabedingten Arbeitsausfälle der Erwerbstätigen im aktuellen Lockdown bis Mitte Februar auf 59,2Mio. Arbeitstage steigen was 6,2…

    mehr lesen: 59,2 Millionen coronabedingt ausgefallene Arbeitstage

  • Krisenjahr führt zu zweistelligem Produktionsminus

    Krisenjahr führt zu zweistelligem Produktionsminus

    Laut ersten Berechnungen des VDMA lag die Produktion im Maschinen-und Anlagenbau im vergangenen Jahr 12,1 Prozent unter der des Vorjahres.

    mehr lesen: Krisenjahr führt zu zweistelligem Produktionsminus