Mit besserem Förderungszugang Innovationspotenzial heben

Pharmaceutical factory woman worker in protective clothing operating production line in sterile environment
Bild: ©Ivan Traimak/stock.adobe.com

Rund 40% von etwa 2.700 Unternehmen aus der Chemie-, Pharma- und Biotechindustrie haben seit 2021 eine Forschungszulage beantragt. Dies geht aus einer Untersuchung des ZEW Mannheim und des Centers für Wirtschaftspolitische Studien (CWS) der Leibniz Universität Hannover im Auftrag des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) hervor. Die Studienverantwortlichen schließen daraus, dass die Förderung zwar ankommt, das Potenzial jedoch längst nicht ausgeschöpft ist.

Die Autoren heben die Bedeutung von Innovationen als entscheidenden Hebel für die Wettbewerbsfähigkeit hervor: Neue Produkte und effizientere Verfahren schaffen Wachstum, sichern Wertschöpfung und stärken den Industriestandort Deutschland. Staatliche Förderung könne zusätzliche Investitionen in Forschung und Entwicklung (FuE) anstoßen, so die Autoren, die insbesondere das Potenzial bei risikoreichen Vorhaben betonen. Umso wichtiger sei es, bestehende Hürden abzubauen.

Ulrike Zimmer, VCI-Bereichsleiterin Forschung und Technik, sagt: „Forschungsförderung darf kein Hindernislauf sein. Wer Innovationen will, darf Forscher nicht an Bürokratie fesseln. Die Politik muss die Förderinstrumente einfacher, verlässlicher und attraktiver machen und Bürokratie abbauen, damit zusätzliche Innovationen möglich werden.“

Dr. Christian Rammer, stellvertretender Leiter des ZEW-Forschungsbereichs ‚Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik‘, erklärt: „Die Forschungszulage ist ein wichtiges Instrument, aber sie erreicht noch nicht alle Unternehmen, die forschen. Gerade für kleinere Unternehmen muss der Zugang einfacher werden. Vor allem der Aufwand, sich in das Verfahren einzuarbeiten und die notwendigen internen Prozesse aufzusetzen, ist eine Hürde.“

Zugang erleichtern

In der Chemie haben bisher 714 und in der Pharmaindustrie 352 Unternehmen die Forschungszulage beantragt. Bei den bewilligten Vorhaben summierten sich die förderfähigen FuE-Aufwendungen auf knapp 3,6Mrd.€.

Laut Studie stellen kleine und mittlere Unternehmen einen großen Teil der Antragsteller. In der Chemie entfielen 73%, in der Pharmaindustrie 81% auf diese Unternehmensgruppe. Dennoch erreicht das Instrument nicht alle grundsätzlich förderfähigen Firmen aus der Branche. Verbesserungspotenziale sieht die Studie bei der derzeitigen Förderobergrenze von 12Mio.€ pro Jahr, einer zu niedrigen Förderquote sowie bürokratischen Hemmnissen im Antragsverfahren.

Die Studienverantwortlichen schlagen daher vor, dass Antragsverfahren zu vereinfachen und die Förderbedingungen weiterzuentwickeln. Dazu gehören eine Anhebung der Förderobergrenze auf 25Mio.€, der Ausbau digitaler Unterstützungsangebote bei der Antragstellung sowie eine attraktivere Förderquote für die industrielle Forschung.

Chemie, Pharma und Biotech stärker berücksichtigen

Deutlichen Handlungsbedarf sehen die Studienverantwortlichen auch bei den thematisch ausgerichteten Technologieprogrammen des Bundes: Zwischen 2021 und 2025 stellte der Bund dafür jährlich 8Mrd.€ bereit. Auf chemie-, pharma- und biotechnahe Technologien entfielen 7% – etwa 500Mio.€.

Um die Effekte einer themenoffenen Förderung auf die Branche zu verdeutlichen, verweisen die Autorinnen und Autoren auf das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM): Dort lag der entsprechende Anteil bei 20%. Dazu Zimmer: „Chemie, Pharma und Biotech sind Schlüsselindustrien für Innovation und Transformation. Umso problematischer ist es, wenn die Branche bei der thematisch ausgerichteten Technologieförderung deutlich weniger profitiert als beim Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand.“

In der Studie plädieren die Autorinnen und Autoren daher dafür, die thematische Technologieförderung stärker an den Bedürfnissen der Industrie auszurichten. Gerade für Chemie, Pharma und Biotech gehe es dabei um Technologien, die für neue Produkte und Verfahren ebenso entscheidend seien wie für die Transformation des Industriestandorts Deutschland.

Besserer Zugang zu Wagniskapital gefordert

Seit 2010 wurden mehr als 400 Startups in der chemisch-pharmazeutischen und biotechnologischen Industrie gegründet. Damit aus Forschungsergebnissen marktfähige Produkte und Verfahren werden, betonen die Studienverantwortlichen die Rolle von Wagniskapital für junge Unternehmen. Gerade bei technologieintensiven Entwicklungen seien die Wege bis zur Marktreife lang und mit hohen Risiken verbunden.

Seiten: 1 2



  • Inlandsorders wieder im Plus

    Inlandsorders wieder im Plus

    Der Maschinen- und Anlagenbau in Deutschland erholt sich schrittweise von den Folgen der Corona-Krise. Nach dem saisonalen Rückschlag im August zeigte der Auftragseingang im September 2020 wieder ein positives Bild.

    mehr lesen: Inlandsorders wieder im Plus

  • Mit ‘Sammi‘ Fremdkörper in Lebensmitteln aufspüren

    Mit ‘Sammi‘ Fremdkörper in Lebensmitteln aufspüren

    Fremdkörper in Lebensmittel können für Konsumenten gefährlich werden. Die etablierten Röntgenverfahren erkennen vor allem Metalle – Glas, Kunststoff und Holz stellen hingegen eine Herausforderung dar. Der Prototyp ‘Sammi‘ soll diese…

    mehr lesen: Mit ‘Sammi‘ Fremdkörper in Lebensmitteln aufspüren

  • Jens-Peter Hess neuer Geschäftsführer bei Centric Deutschland

    Jens-Peter Hess neuer Geschäftsführer bei Centric Deutschland

    Mit Jens-Peter Hess hat der SAP-Spezialist Centric einen neuen Geschäftsführer. Er wird das Unternehmen gemeinsam mit Steven Wernike leiten.

    mehr lesen: Jens-Peter Hess neuer Geschäftsführer bei Centric Deutschland

  • Ingenieurarbeitsmarkt gerät zunehmend unter Druck

    Ingenieurarbeitsmarkt gerät zunehmend unter Druck

    Die Corona-Krise hinterlässt auch auf dem Ingenieurarbeitsmarkt Spuren. Das zeigen die Zahlen für das 3. Quartal aus dem aktuellen Ingenieurmonitor, den der VDI mit dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW)…

    mehr lesen: Ingenieurarbeitsmarkt gerät zunehmend unter Druck

  • Keine FMB in diesem Jahr

    Keine FMB in diesem Jahr

    Vom 4. bis zum 6. November sollte in Bad Salzuflen die FMB – Zuliefermesse für den Maschinenbau über die Bühne gehen. Durch die aktuelle Pandemie-Lage haben die Veranstalter die Messe…

    mehr lesen: Keine FMB in diesem Jahr

  • Arbeitsmarktbarometer im Oktober stabil

    Arbeitsmarktbarometer im Oktober stabil

    Mit einem leichten Anstieg um 0,1 Punkte gegenüber dem Vormonat zeigt sich das IAB-Arbeitsmarktbarometer im Oktober stabil.

    mehr lesen: Arbeitsmarktbarometer im Oktober stabil

  • Verkaufszahlen von Servicerobotern steigen weltweit um 32 Prozent

    Verkaufszahlen von Servicerobotern steigen weltweit um 32 Prozent

    Der Markt für Serviceroboter erfährt durch die Covid-19-Pandemie einen Schub. So prognostiziert die International Fedaration of Robotics, dass sich der Umsatz mit in diesem Bereich bis 2022 mehr als verdoppeln…

    mehr lesen: Verkaufszahlen von Servicerobotern steigen weltweit um 32 Prozent

  • Deutsche Wirtschaft wieder etwas skeptischer

    Deutsche Wirtschaft wieder etwas skeptischer

    Erstmals nach fünf Anstiegen in Folge ist der Ifo-Geschäftsklima-Index im Oktober wieder gesunken. Im Verarbeitenden Gewerbe liegt der Geschäftsklimaindikator allerdings erstmals seit Juni 2019 wieder im positiven Bereich.

    mehr lesen: Deutsche Wirtschaft wieder etwas skeptischer

  • Kontron-Standorte gründen europäischen EMS/ODM-Verbund

    Kontron-Standorte gründen europäischen EMS/ODM-Verbund

    Die europäischen Produktionsstandorte des Embedded-Spezialisten Kontron sollen zu einem EMS/ODM-Verbund zusammengeschlossen werden.

    mehr lesen: Kontron-Standorte gründen europäischen EMS/ODM-Verbund

  • Partnerschaft zwischen Siemens und Log.Go.Motion

    Partnerschaft zwischen Siemens und Log.Go.Motion

    Im Rahmen einer Partnerschaft vertreibt Siemens zukünftig die Lösung Moby.Check des Digitalisierungsspezialisten Log.Go.Motion.

    mehr lesen: Partnerschaft zwischen Siemens und Log.Go.Motion

  • SAP legt Quartalszahlen vor und passt Jahresziele an

    SAP legt Quartalszahlen vor und passt Jahresziele an

    Der Softwarekonzern SAP hat seine Zahlen für das dritte Quartal 2020 veröffentlicht. Demnach erzielte der Softwarekonzern weniger Umsatz als noch im Vorjahresquartal. Das Cloudgeschäft legte hingegen zu.

    mehr lesen: SAP legt Quartalszahlen vor und passt Jahresziele an

  • Dr. Marianne Janik übernimmt bei Microsoft Deutschland

    Dr. Marianne Janik übernimmt bei Microsoft Deutschland

    Zum 1. November wird Dr. Marianne Janik die Leitung von Microsoft Deutschland von Sabine Bendiek übernehmen, die zu SAP wechseln wird.

    mehr lesen: Dr. Marianne Janik übernimmt bei Microsoft Deutschland